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Volume No. 56 (369 370), 7. Juni 1880

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1880 (Public Domain)

370 
außerdem die Ruinen der alten Brücke der Schifffahrt außerordentlich hin- 
derlich sind, so ersuchen wir um gefälligen Beschluß noch vor den Ferien. 
Berlin, den 5. Juni 1880. 
Magistrat hiesiger König!. Haupt« und Residenzstadt, 
gez. Dunckcr. 
Zu Nr. 369. 
Erläuterungsbericht 
für das Project zum Neubau der Marschallsbrücke. 
Das anliegende Project für den Neubau der Marschallsbrücke ist 
unter Zugrundelegung der nachfolgenden Bedingungen ausgearbeitet, welche 
van den betheiligtcn Behörden aufgestellt waren. 
I. Maßgebende Gesichtspunkte für die Aufstellung 
des Projectes. 
1. Höhen. 
Für die Hochwasser höhe bei der Marschallsbrückc ist laut Ver 
handlung vom 12. April d. I. von der Ministcrial-Baucommission die 
Ordinate + 2,9 m, bezogen auf das Null des alten Dammmühlcnpegels 
vorgeschrieben. Das Null des alten Dammmühlenpegels hat die Ordinate 
-f 29,971 über Normalnull, so daß die Ordinate des Hochwassers sich zu 
29,971 4- 2,9 — 32,871 N. N. 
berechnet. 
Als lichte Durchfahrtshöhe über dem Hochwasser ist seitens 
der Ministcrial-Baucommission in einer Verfügung vom 18. März 1878 
das Maß von 3,2 m vorgeschrieben. Danach berechnet sich die Ordinate 
der Construclionsunterkante in der Mitte der Mittelöffnung zu: 
32,871 -st- 3,2 — 36,971 N. N. 
Die Niedrigwasserhöhe ist nach Mittheilung der Ministerial-Bau- 
commission vom 19. October 1878 — I. 13888 — zu 4- 0,7 m be 
zogen auf das Null des alten Dammmühlenpegels, d. h. zu: 
29,971 -st- 0,97 — -st- 30,341 N. N. 
anzunehmen. 
Die Fahrbahnordinate in der Brückenmitte ermittelt sich folgender« 
maßen: 
Stärke der Bogenträger im Scheitel 0,270 m 
Asphaltbeton incl. Buckelplattenstärke 0,077 « 
Gefälle V33 auf 0,5 ra Länge 0,015 • 
Pflasterstärke ' ,ieo ä 
Höhe eines Nietkopfes 0,oio « 
Summa Constructionshöhe . . . 0,532 m 
Die Ordinate der Construclionsunterkante in der Mittelöffnung ist 
oben zu -st- 36,m N. N. ermittelt; mithin ist die Ordinate der Fahr 
bahnmitte: 
36,071 
-(- 0,532 
36,603 
Ordinate der Fahrbahnmitte 36,60» N. N. 
Für die Fundirung sind folgende Ordinalen maßgebend: 
Die zukünftige Normalsohle des Wasserlaufs, über welcher keine 
größeren Fundamentabsätze angeordnet werden dürfen, ist nach Vorschrift 
der Ministerial-Baucommission vom 19. Oktober 1878 — I. 13888 auf — 
1,64 m bezogen auf alten Dammmühlenpegel d. h. auf: 
29,971 — 1,64 — 28,331 N. N. 
anzunehmen; ebenso ist in der erwähnten Zuschrift für die Minimaltiefe 
der Fundamentsohle bei gutem Baugrunde und normaler Lage der Fluß 
sohle die Ordinate —2,45 m am alten Dammmühlenpegel, d. h. 
29,971 —2,45 — -(-27,521 N. N. 
vorgeschrieben. 
2. Gefälle. 
Das Längengefälle auf der Brücke, sowie in den anschließenden 
Straßen, mit Ausnahme des Schiffbauerdammes ist zu 1:40 projectirt; 
am Schiffbauerdamm ist dasselbe zu 1:35 angenommen. 
Das Quergefälle auf dem Damm der Brücke ist in der Mitte gleich 
Null und nimmt von da aus nach den Widerlagern hin zu; am Ende 
der Brücke beträgt es in Rücksicht auf das Längengefälle der kreuzenden 
Straße 1:35; auf den Bürgersteigen ist dasselbe 1:40. 
3. Lichtweitcn. 
Durch Schreiben der Ministerial-Baucommission vom 4. März 1878 
— 3098 ß. V. II. 78 — wurde als lichtes Durchflußprofil zwischen den 
Pfeilern dasselbe Profil vorgeschrieben welches bei der Unterbaums brücke 
vorhanden ist. Dementsprechend wurde die Gesammtlichtweite zwischen den 
Pfeilern in der Höhe des Niedrigwassers zu 49,6 m gewählt und hat 
sich die Ministerial-Baucommission in der Verhandlung vom 12. April 
d. I. mit derselben einverstanden erklärt. Diese Gesammtlichtweite ist in 
3 Oeffnungen getheilt, deren Einzellichtweiten so gewählt sind, daß in 
allen 3 Oeffnungen das Verhältniß der Pfeilhöhe des Bogens zur Stütz 
weite desselben nahezu das Gleiche ist. 
Die Lichtweiten in Niedrigwasserhöhe sind nämlich bczw. 
15,2 w, l9,2 w, 15,2 m, 
d. h. in Summa — 49,6 m wie vorgeschrieben. Die Bogcnstützenwciten 
ergeben sich aus den Sichtweiten, wie aus dem Projecte hervorgeht, zu 
15,5 m, 19,5 w, 15,5 m, 
während die Pfeilhöhe der einzelnen Bogen bezm. 
2,333 m, 2,9 w, 2,3ZZ m 
betragen. Das Pfcilverhältniß ist demnach in der Mittelöffnung 
f _ 2.9 _ 1 
e — 15,5 6,724 
in den beiden Seitenöffnungen 
— ^283 
e — 19,5 6,644- 
4 Breiten. 
Die Breite der Fahrbahn beträgt 11m; die anschließenden Straßen 
haben annähernd gleiche Dammbreite, nämlich die Louisenstraße 11,7 w, 
die Neue Wilhclmstraße 11,3 in. 
Die Breite der Bürgersteige beträgt jederseits 4,0 m im Lichten. 
II. Die für die Brücke gewählten Constructionen. 
1. Die Eisenconstruction und die Fahrbahn. 
Die Hauptträger sind als Bogenträgec construirt, deren Axe nach 
einer Parabel gekrümmt ist; dieselben haben 2 Kämpfcrgelenke, aber keine 
Schcitelgelenke und ist auch die Berechnung dieser Construction entsprechend 
durchgeführt. 
Die Hauptträger unter der Fahrbahn liegen 2 m von Mitte zu 
Mitte von einander entfernt. Die Hauptträger nehmen in Entfernungen 
von 1,0 m Querträger auf, welche also 2 m lang sind; diese letzteren 
tragen ihrerseits wieder in der Mitte ihrer Länge Zwischenträger, so daß 
sich im Grundriß quadratische Felder von 1 in Seite bilden, die sodann 
durch hängende Buckelplatten geschloffen werden. 
Die Höhlungen der Buckelplatten, welche demnach die Fahrbahntasel 
bilden, sollen mit Cementbeton ausgefüllt werden, über welchem eine an 
der schwächsten Stelle 6 cm starke Schicht Asphaltbeton angeordnet 
ist. Darüber befindet sich sodann das rot. 16 cm starke Granitpflaster. 
Die Fußwege werden auö Granitplattcn von 11 cm resp. 13 cm Stärke 
hergestellt. 
Die Construction der Hauptträger ist so gewählt, daß die Bogen 
selbst genügende Tragfähigkeit haben, um auch die ungünstigsten ein 
seitigen Lasten zu tragen. Dadurch ist eS möglich geworden sich bei der 
ästhetischen Ausbildung der Bogen genau an die Construction zu halten; 
es sind nämlich einmal die Diagonalen, welche wegen der verschiedenen 
Neigungswinkel gegen die Horizontalen die ästhetische Ausbildung außer 
ordentlich erschweren, fortgefallen, sodann aber erscheint auch der Bogen 
sehr kräftig, wie das ja tectonisch sehr wünschenswerth ist, da bei einer 
Bogenbrücke der Bogen stets als hauptsächlich tragender Constructions- 
theil betrachtet werden muß. 
2. Die Pfeiler und Widerlager nebst der Fundirung. 
Für die Construction der Pfeiler und Widerlager ist die Bestimmung der 
Ministerial-Baucommission maßgebend, daß Fundamentabsätzc über der zu 
künftigen Normalsohle zu vermeiden sind und daß die Böschung der Pfeiler unter 
Niedrigwasser höchstens 1:5 betragen darf (cfr. Verhandlung vom 12. April 
d. I. sub 2). Die Stärke der Pfeiler in der Höhe des Niedrigwaffcrs ist 
zu 2,5 m projectirt; zwischen Niedrig- nnd Hochwasser sind die Pfeiler 
mit einer Böschung — 1:18, zwischen Niedrigwasser und Betonoberkante 
(zukünftige Normalsohle) mit einer Böschung — 1:5 projectirt. Da 
Vorsprünge oberhalb der zukünftigen Normalsohle nicht gestattet sind, die 
Betonirung solche aber unbedingt verlangt, so konnte die Bctonoberkante 
bei den Mittelpfeilern höchstens in die Höhe der zukünftigen Normalsohle 
gelegt werden. Dasselbe ist bei dem rechtsseitigen Widerlagspfeiler ge- 
schehen, weil bei demselben aus weiter unten zu entwickelnden Gründen 
eine starke Verbreiterung des Betonbettes nach dem Flusse zu nothwendig 
wurde; bei dem linken Widerlager dagegen ist die Betonoberkante in die 
selbe Höhe gelegt, wie bei den anschließenden Kaimauern. Durch die 
Bohrungen im Flußbette an den Stellen, an welchen die Pfeiler voraus 
sichtlich zu errichten sind, ist, wie aus beigefügtem Bohrregister zu er 
sehen, festgestellt, daß dasselbe, wie auch im Profil der Brücke näher an 
gegeben ist, hauptsächlich aus scharfem feinem Sande, gemischt mit kleinen 
und großen Steinen besteht. Ein derartiger Boden ist zum Tragen als 
sehr geeignet anzusehen, wenn man die Möglichkeit einer Bewegung des 
Materials ausschließt. Dieses ist durch Anordnung einer dichtschließenden 
15 cm starken Spundwand beabsichtigt. 
Als Fundirungsmethode empfiehlt sich bei der erwähnten Bodenbeschaffen 
heit vor Allem eine Fundirung aus Beton, welcher letztere unter Waffer 
zu versenken ist, um den Boden nicht aufzulockern. Diese Fundirungs 
methode ist sür den rechten Mittelpfeiler und linken Widerlagspfeiler pro 
jectirt. Zunächst sollen Fangedämme geschlagen werden, die an der inne 
ren Seite die Spundwand, an der äußeren Seite eine doppelte Stütz 
wand haben; sodann soll bis zum tragfähigen Boden ausgebaggert und 
darauf die Betonirung durch Versenkung deS Betons unter Waffer aus 
geführt werden. Nach vollständiger Erhärtung des Betons wird die Bau 
grube ausgepumpt und im Trockenen ausgemauert.
	        
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