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Volume No. 1 (1), 3. Januar 1880

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1880 (Public Domain)

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der 51. Gemcindeschule, als erforderlich sind. Für Physik und Chemie 
wird eine der benachbarten höheren Lehranstalten benutzt. 
Der Unterricht fällt in die Abendstunden von 7—9 Uhr jjn den 
Wochentagen, und in die Morgenstunden von 8—12 Uhr am Sonntag. 
Er bauert in jedem Semester 20 Wochen. 
3. Verwaltung und Leitung. Die Verwaltung der Schule ressortirt 
von der Gewerbe-Deputation des Magistrats. 
Die unmittelbare Leitung führt der Director. Derselbe wird vom 
Magistrat gewählt. Seine Wahl unterliegt der Bestätigung des vor 
geordneten Ministers. Sein Gehalt beträgt 9000 <4t 
Der Lehrplan wird von einem Cnratorium aufgestellt, welches auch 
über die wesentlichen Einrichtungen der Schule zu hören ist. Das Cura- 
torium besteht aus zwei Magistratsmilgliedern, vier Stadtverordneten, vier 
Bürgerdeputirten und dem Director. Der Unterrichtsminister kann einen 
Comwissarius in dasselbe abordnen. 
Aenderungen in der Organisation und den Lehrkräften bedürfen der 
Genehmigung des Unterrichtsministers. 
4. Lehrer. Die Lehrer werden auf Kündigung angenommen; für eine 
Zeichen- oder Modellirstunde wird jährlich 200 <4t. Honorar gezahlt, für 
eine der anderen Stunden 120—200 <4t. und durchschnittlich 150 [4t. 
5. Schüler. Zugelasien werden solche Personen,. welche das schul 
pflichtige Alter überschritten und mindestens dasjenige Maß von Bildung 
erlangt haben, welches die erste Klasse einer Gemcindeschule gewährt. Die 
Aufnahme findet im Anfange jedes Semesters statt. Die Wahl der Lehr- 
gegcnstände steht den Zöglingen frei. Wenn für einen Gegenstand auf 
steigende Kurse eingerichtet sind, so weiset der Director den geeigneten 
Kursus nach dem Grade der Ausbildung an. 
An Schulgeld ist halbjährlich zu zahlen: 
für 8 oder weniger als 8 wöchentliche Stunden . . 6 <At., 
- 12 Stunden 9 - 
.16 - 12 . 
Bedürftigen kann das Curatorium Freistellen gewähren. Die Zahl 
der Freischüler darf nicht größer sein, als der zehnte Theil aller Schüler. 
Ein Zeichenkursus soll nicht mehr als 30 Theilnehmer haben. In 
den übrigen Kursen soll die Zahl der Theilnehmer nicht über 40 gehen. 
Die Gesammtzahl der Schüler wird aus 600 angenommen. 
6. Unterrichtsfächer. 
а) Zeichnen. Der Unterricht wird in verschiedene Kurse gesondert; 
in allgemeine für Freihandzeichnen und Linearzeichnen und in besondere für 
Tischler, Drechsler, Klempner, Schlosser, Maschinenbauer, Maurer, Zimmer- 
leute, Steinmetze, Maler, Lithographen, Stuccateure, Goldschmiede, Stahl 
arbeiter. Obgleich sich die Gliederung dieses Unterrichts nach dem Schüler 
bestand richten muß, so läßt sich doch annehmen, daß fast alle Schüler an 
einem vierstündigen Zeichenunterricht theilnehmen, mithin 20 Kurse er 
forderlich sein würden. 
Hierzu treten noch zwei vierstündige Kurse in der darstellenden Geo 
metrie. 
d) Modelliren. Zwei vierstündige Kurse werden das nächste Bedürf 
niß decken. 
c) Mathematik. In zwei aufsteigenden vierstündigen Kursen werden 
die Elemente der Algebra und Geometrie in der für Handwerker erforder 
lichen Ausdehnung gelehrt; der zweite Kursus dient insbesondere dem Ver 
ständniß der Mechanik und Optik. 
б) Physik. Zwei aufsteigende vierstündige Kurse, ein allgemeiner für 
die Gesammtheit der Handwerker, welche die Physik interessirt, und ein 
speciellerer, für die Mechaniker berechneter, werden nothwendig. 
e) Mechanik. Zwei vierstündige Kurse, einer über die Lehre vom 
Gleichgewicht und der Bewegung, sowie über die einfachen Maschinen im 
Allgemeinen, einer über die Maschinentheile und Bewegungsorganismen 
sind erforderlich. 
f) Chemie. Ein vierstündiger Kursus wird ausreichen; nach den 
bisherigen Erfahrungen wird die Chemie von den jungen Handwerkern 
Berlins sehr wenig begehrt. 
g) Für kaufmännisches Rechnen und Buchführung sind je zwei Pa- 
rallelkurse zu zwei Stunden in Aussicht zu nehmen. 
7. Lehrmittel. Die Schule muß für Zeichnen und Mechanik eine 
eigene Sammlung von Lehrmitteln haben; von der Güte derselben hängt 
der Erfolg des Unterrichts wesentlich ab. Für Physik und Chemie werden 
die höheren Lehranstalten Genügendes bieten. 
8. Unterhaltung. Die Kosten können, abgesehen vom Local, folgen 
dermaßen veranschlagt werden: 
96 Stunden Zeichnen und Modelliren zu je 200 <4C. 
19 200 c4t. 
36 Stunden anderweitigen Unterrichts zu durch 
schnittlich 150 jft. 5 400 - 
Gehalt des Directors 9 000 - 
Für Lehrmittel und andere sächliche Ausgaben 
und für den Schuldiener . . . . . . 5 880 » 
Summa ... 39 480 <4t. 
Die Einnahme aus dem Schulgelde von 540 Schülern 
k 12 Jt. beträgt 6480 - 
so daß ein Kostenaufwand von 33 000 <4t. 
aufzubringen ist. 
Die eine Hälfte hiervon würde durch den Staatszuschuß, die andere 
ans städtischen Mitteln zu decken sein. 
Unser Etat wirft für Fortbildungsanstaltcn 29 000 <4t. aus. 
Eine achtstündige Unterrichtsstufe kostet nach dem setz 
Honorar für 160 Stunden ä 3 c4t. 
- - die Leitung . . . 
- - den Rechnungsführer 
Lehrmittel 
Schuldiener 
gen Regulativ: 
. 480 Jt. 
150 - 
60 - 
150 - 
30 - 
Summa . . . 870 <4t. 
Zwölf bis vierzehn solcher Kurse würden für junge Kaufleute aucb 
ferner zu halten und nach den bisherigen Erfahrungen ausreichend sein; 
sie würden 
10 440 M 12 180 Jt. 
absorbiern, so daß rot. 16 800 jft für die Handwerkerschule disponibel 
bleiben. 
Die Stadtverordneten-Vcrfammlung ersuchen wir hiernach, zu beschließen: 
Die Stadtverordneten-Versammlung stimmt dem vorgelegten 
Plane zur Errichtung einer Handwerkerschule unter der Bedin 
gung zu, daß der StaatSzuschuß von rot. 16 500 jfi. gewährt, 
und die Position für Fortbildungsanstalten im städtischen Etat 
um 16 500 <4t. erniedrigt werde. 
Der Wunsch des Königlichen Ministeriums sowohl, wie unserer geht 
dahin, die Handwerkerschule im April nächsten JahreS zu eröffnen. 
Berlin, den 4. October 1879. 
Magistrat hiesiger Königl. Haupt- und Residenzstadt, 
gez. von Forckenbeck. 
Zu Nr. I. 
Protokolle des Ausschusses zur Vorberathung der Vorlage 
betreffend die Errichtung einer Haudwerkerschule. 
I. 
Verhandelt Berlin, den 5. November 1879. 
'Anwesend: 
Stadtv. vr. LangerhanS, Vorsitzender, 
- vr. Diclitz, 
- Brock, 
- Gcricke I., 
- Flesche. 
- vr. Kürten, 
- Teichcrt, 
- Wulfshein, 
. Nicolai, 
- Seegcr, 
- Schäfer, 
- Scheiding, 
« vr. Schwalbe, 
Herr StadtsyndicuS Ebcrty, 
- Stadtfchulralh vr. Bertram. < 
Nicht erschienen: 
Herr Stadtv. Jacobs, entschuldigt, 
- - Siebmann, entschuldigt. 
Die heutige Verhandlung begann mit der Erörterung der Frage, ob, 
nachdem die neue Gewerbe-Deputation sich inzwischen constituirt hat, es nicht 
richtiger sein möchte, die Vorlage wegen Errichtung einer Handwerkerschule 
zuvörderst dieser Deputation, welche nach ihrem Organisationsplan rech! 
eigentlich dazu berufen sei, die Aufgabe bezüglich der Herbeiführung eines 
ausreichenden gewerblichen Unterrichts für Lehrlinge zu lösen, zur Begut 
achtung vorlegen zu lassen. In der Vorlage sei ausgesprochen, daß die 
Verwaltung der Handwerkerschule von der Gewerbe-Deputation ressortiren 
solle. Nun liege es doch nahe, daß auch diese Deputation aufgefordert 
werde, sich gutachtlich über die projectirte Schule zu äußern. Geschehe 
dies nachträglich und verwerfe dann die Deputation einige Punkte dcS Pro- 
jectS, dann werde doch wieder eine neue Vorlage an die Stadtverordneten- 
Versammlung gelangen müssen, und dies eben solle vermieden werden. 
Dem gegenüber wurde bemerkt, daß der Versammlung die bevor 
stehende Constituirung der Gewerbe-Deputation doch nicht unbekannt gewesen 
sei; trotzdem habe dieselbe einem Ausschuß das bestimmte Mandat ertheilt, 
die Vorlage vorzuberathen. Diesem Aufträge sei nachzukommen, wodurch 
nicht ausgeschlossen werde, die Gewerbe-Deputation nebenher aufzufordern, 
auch ihrerseits ein Gutachten abzugeben. Ferner sei zu beachten, daß nach 
der Vorlage einerseits in eine Verbindung mit dem Staat getreten, andrer 
seits das Verhältniß zu den bereits bestehenden Fortbildungsschulen geändert 
werden solle. Die Erörterung dieser Fragen gehöre nicht vor die Gewerbe- 
Deputation, sondern sei allein Sache der städtischen Behörden. 
Hiernach wurde der Antrag, über die Vorlage zunächst die Gewerbe- 
Deputation zu hören, mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt und dagegen 
beschlossen, in eine generelle Verhandlung über die Vorlage einzutreten. 
Hierbei wurde zunächst im Allgemeinen die Frage ausgeworfen, ob. 
auf ein Verhältniß, wie es dem Unterrichtsminister gegenüber construirli 
werden solle, jetzt eingegangen, ob überhaupt unter den gegenwärtigen' 
staatlichen Verhältnissen eine Neubildung der Fortbildungsschulen vorge 
nommen werden könne, und hierzu Folgendes bemerkt. Nach dem von dem
	        
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