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Volume No. 99 (578-582), 8. November 1879

Full text: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1879 (Public Domain)

Vorlagen 
für die 
StMverordlirten-Versammlung zu Berlin. 
378 Vorlage (I-Nr. 4930. A. V.), betreffend die Wahl 
eines Mitgliedes für das Curatorium der neu 
begründeten „Lange-Lchucke" Stiftung. 
Der Stadtverordneten-Versammlung überreichen wir in der Anlage 
Abschrift des von Seiner Majestät dem Kaiser und Könige durch Aller 
höchsten Erlaß vom 8. August cr. genehmigten Statuts der seitens der 
am 21. Juni v. I. Hierselbst verstorbenen verwittmeten Kaufmann Lange, 
Adelheid Clara geb. Schucke, letztwillig zn Gunsten unbescholtener Witt 
wen und Jungfrauen errichteten „Lange-Schucke"-Stiftung vom 
14. Mai cr. mit dem ergebensten Antrage: 
auf Grund des §. 7 desselben, nach welchem das Curatorium 
genannter Stiftung aus: 
1. einem Magistratsmitgliede als Vorsitzenden, 
2. einem Mitgliede der Armen-Direction, 
3. einem Mitgliede der Stadtverordneten - Versamm 
lung, 
4. e.lwu: Mitgliede der städtischen Servisverordneten, 
5. einem Mitgliede der Corporation der hiesigen Kaufmann- 
schaft, und 
6. und 7. den beiden Testamentsvollstreckern 
besteht, die Wahl eines dortigen Mitgliedes für das in Rede 
stehende Curatorium bewirken zu wollen. 
Wir bemerken, daß das seitens der Wittwe Clara Lange von ihrem 
in Höhe von 1 015 393,zg <M. hinterlassenen Gesammtvermögen der 
„Lange-Schucke"-Stiftung zugewendete, nach Gewährung sämmtlicher 
verschiedenen Personen und Anstalten ausgesetzten Legate, deren Verwirk 
lichung uns laut Testament obgelegen hat, verbliebene Vermögen sich 
gegenwärtig in runder Summe auf 
400 000 JC. 
beläuft. 
Berlin, den 1. November 1879. 
Magistrat hiesiger König!. Haupt- und Residenzstadt, 
gez. von Forckenbeck. 
3u Nr. 378. 
Statut 
der 
Lange-Schucke'schen Stiftung. 
Auf Grund der bei dem Königlichen Stadtgerichte zu Berlin nieder 
legten, daselbst am 26. Juni 1878 publicirten letztwilligen Verfügungen 
ber Hierselbst am 21. Juni 1878 verstorbenen Frau Adelheid Clara 
lange geborenen Schucke vom 18./19. Juni 1874 wird hierdurch nach 
Anhörung der Vollstrecker des letzten Willens der Erblasserin, 
der Herren Geheimen Calculator im Finanzministerium Leopold 
i. Thiele und Rentier Karl Albert Schucke, 
Begründung und Ausführung der in den gedachten letztwilligen 
-r-lsposttionen vorgesehen 
Lange-Schucke'schen Stiftung 
Egendes Statut festgesetzt und verlautbart: 
§. 1. 
Tie unter dem Namen 
„Lange-Schucke'sche Stiftung" 
von der Eingangs dieser Satzungen benannten verwittweten Frau Adel- 
Heid Clara Lange, geborenen Schucke, in das Leben gerufene Stiftung 
hat den Zweck: 
unbescholtenen Wittwen und Jungfrauen aus allen Ständen 
eine Zuflucht im vorgerückten Lebensalter zu gewähren. 
Die besonderen Bedingungen der Gewährung der Wohlthaten dieser 
Stiftung regelt dieses Statut. 
8. 2. .... 
Die Stiftung hat die Rechte einer juristischen Person. Sie domicilirt 
als solche in Berlin. 
8. 3. 
Das Grundvermögen der Stiftung besteht: 
a) aus den in der Anlage dieses Statuts ersichtlich gemachten, im 
Nachlaß der Stifterin vorhanden gewesenen, von derselben für 
die Stiftung bestimmten Bermögensstücken; 
b) aus den nach Maßgabe der Bestimmungen des Testaments der 
Stifterin, 
nämlich zu §. 4 Nr. 3 zum Schluß und §. 6 zum Schluß 
resp. §. 4 Nr. 5, 
etwa sich ereignenden Vermögensanfällen; 
e) aus den für die laufenden Ausgaben der Stiftung nicht erfor 
derlichen statutenmäßigen Einnahmen, Zinsüberschüssen und allen 
sonstigen eventuell unter staatlicher Genehmigung der Stiftung, 
sei es unter Lebenden oder vön Todeswegen, zufallenden Zu 
wendungen. 
8-4. 
Dieses Grundvermögen der Stiftung ist nach den für die Anlegung 
von Mündelcapitalien geltenden Gesetzesvorschriften zinsbar anzulegen 
und sind hierbei Hypotheken zur ersten Stelle aus Grundstücke in hiesiger 
Stadt vorzugsweise zu verwenden. 
Es gelten hierbei die Vorschriften des §. 39 der Vormundschafts 
ordnung vom 5. Juli 1875, beziehungsweise solche etwa an Stelle dieser 
Gesetzesvorschristen später tretende gesetzliche Regeln, welche für die Be 
messung der Sicherheit der zinsbaren Anlegung von Mündelcapitalien 
etwa strengere Vorschriften als jener §. 39 der Vormundschaftsordnung 
vom 5. Juli 1875 enthalten möchten. 
8. 5. 
Der Magistrat zu Berlin führt — vorbehaltlich des staatlichen Ober- 
aufsichtsrechtes (8- 20) — die Aufsicht über die Stiftung und deren 
Curatorium. Er verwahrt das Grundvermögen der Stiftung, dessen zins- 
bare Anlegung (tz. 4) seiner Genehmigung unterliegt. 
Jngleichen unterliegt der Festsetzung resp. Genehmigung des 
Magistrats: 
a) der vom Curatorium der Stiftung nach Maßgabe des tz. 9 des 
Statuts aufzustellende Haushaltsetat; 
b) jede im Haushalt der Stiftung nicht vorgesehene Ausgabe, 
welche den Betrag von dreihundert Mark übersteigt; 
c) alle Rechtsgeschäfte, welche betreffen: 
1. den Erwerb oder die Veräußerung von Grundstücken, 
2. die Veräußerung von zum Stiftungsvermögen gehörigen 
Werthpapiercn,
	        
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