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Hübbe, Von der Beschaffenheit und dem Verhalten des Sandes.
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körner, zum Xheil etwas abgeschliffen, zum Theü
scharfkantig.
Diese Proben waren, wie gesagt, sämmtlich von der
feinsten ausgesiebten Körnergröfse, deren Durchmesser
kleiner als 0,15 Millimeter ist. Beachtet man nun, dafs
die grolsen Körner am Boden des Strombettes gerollt
oder gewälzt, die kleinsten dagegen bei lebhafter Strö
mung schwebend fortgetragen werden, so erklärt es sich,
dafs diese die eckige Form länger conserviren; der ge
rollte Körper überliefert, indem er abgerundet wird, die
kleinen abgestofsenen Stückchen dem Strome in eckiger
Form, und die Form der letzteren bleibt eckig, so lange
sie selber nicht gerollt werden. Im Bereiche der Strand
wellen aber werden alle Körner gerollt, die grofsen wie
die kleinen, und zwar mit einer viel gröCscren Geschwindig
keit als dies durch die Strömung geschieht; demnach
mufs am Meeresstrande die abgerundete Form allgemei
ner vorherrschen und zuletzt, wenn die Körner als Flug
sand, fast mit Windesgeschwindigkeit am Boden hinge
führt werden, ihre Vollendung erhalten. Hieraus erklärt
sich auch die gröfsere Beweglichkeit des Flugsandes im
Vergleich mit getrocknetem Baggersande, die nicht einer
größeren Feinheit des Korns zugeschrieben werden kann,
da auch grober Flugsand sich durch gröfsere Beweg
lichkeit vom gebaggerten Sande unterscheidet. In klei
neren Küstenflussen, welche schon nach einem kurzen
Laufe aus dem Hochlande das Meer erreichen, müssen
hiernach auch die grofsen Sandkörner scharfkantiger
sein, eine Annahme, die ich bei Vergleichung von Sand
aus dem River Tyne in Nord-England sehr in die Augen
fallend bestätigt fand.*) Noch ist zu bemerken, dafs der
Sand im Fluthgebiete der Ströme häufig fremdartige
Beimischungen enthält, die schon bei mäfsigen Ver
größerungen als Bruchstücke von Thierschalen, Muscheln
und dergleichen erkannt werden. Von zwei derartigen
Sandproben hat Herr Doctor Schacht folgende Beschrei
bung gegeben:
1) Von der Gegend bei Bojen-Sand (Eibe). Vielfach
mit Seesternfüfsen (nach Ehrenberg’s Angabe) verun
reinigt; ferner, jedoch in geringerer Menge, Infusorien
panzer (Sphaerodiscus) und Bündel langer Kieselnadeln
(von einer Spongia?), auch sehr kleine Schneckenhäuschen,
desgleichen Bruchstücke äusserst zarter Muschelschalen;
aufserdem Pflanzenüberreste, wahrscheinlich von Schilf
arten, vielleicht auch brauukohlenartige Substanzen, über
welche sich jedoch nichts Näheres ausmaehen läfst.
2) Aus dem Quarantäne-Hafen zu Cuxhaven. Sehr
unrein; ähnlich wie bei Bojen-Sand mit vielen Seestern
füfsen, Schneckenhäusern und Bündeln zarter Kieselna
deln. Pflanzenüberreste scheinen jedoch zu fehlen, dage
gen Bruchstücke von Insectenbeinen u, dergl.
*) Besonders geeignet zur Veranschaulichung der allmaligen
Formvcränderung durch Ahschloifen. sind die im Sande befindlichen
Felds pathkrystalle, die au ihrer, ursprünglich rhomboedrischen
Form leicht erkannt werden, auch wenn die Kauten schon ziemlich
weggcschliffeu sind.
Ich wende mich jetzt zu den Untersuchungen, welche
die Eigenschaften des reinen, von Schlick und anderen
Beimischungen befreiten Sandes betreffen.
In Betreff des specifischen Gewichts wird von
hydrotechnischen Schriftstellern angenommen, dafs das
selbe für feinen und groben Sand, für Kies und gröfsere
Geschiebe keine erhebliche Unterschiede zeige, ein Satz,
den ich bei meinen Untersuchungen mit Sandsorten von
der verschiedensten Körnergröfse vollkommen bestätigt
gefunden habe.
Brahms, dessen Angaben den noch jetzt geltenden
praktischen Regeln in den wesentlichsten Punkten zum
Grunde liegen, fand das speclfische Gewicht „eines
Kieselsteins“ == 2,59, dasjenige von reinem weifsen Sande
= 2,64.
Woltman setzt (Beitr. Bd. 2.) das specif, Gew.
der „Feldsteine zu Uferbefestigungen,“ worunter au sei
nem damaligen Wohnorte und Wirkungskreise (Cuxhaven)
granitische Findlingsblöcke verstanden werden, 2,6,
und theilt (Bd. 3, S. 197) folgende auf eigenen Ver
suchen beruhende Verhältnifszahlen mit:
Feldst.2bis6Pfd.schwer 2,586; Zwischenräume = 0,376
Kiesel l Pfd. schwer 2,696; „ =0,417
„ 3 Lth. schwer 2,629; „ » 0,393
Flugsand 2,577; „ =0,412
Geestsand (Grubensand) 2,626; „ =0,419
Diese Werthe für das specifische Gewicht gelten für die
Substanz der Körner ohne Zwischenräume gedacht; das
Verhältnifs der letzteren zum ganzen Raum ist durch
die zweite der gegebenen Zahlen ausgedrückt-
Dafs sich durch meine Versuche für das specifische
Gewicht keine neue abweichende Bestimmung ergeben
werde, liefs sich schon nach einigen wenigen Experimen
ten erkennen, und es würde keiner Fortsetzung derselben
bedurft haben, wenn nicht in dem Verhältnifs der
Zwischenräume zum ganzen Raume starke Verschieden
heiten sich gezeigt hätten, welche das Interesse an der
Auffindung eines darauf bezüglichen Gesetzes erregten. Es
wurden deshalb mit verschiedenen Sandsorten 42 Experi
mente ausgeführt, wobei folgendermafsen verfahren ward:
Ein Gefäl's von bekannter Inhaltsgröfse ward mit
trocknem Sande {80 0 B.) gefüllt, das Gewicht des ein
geschütteten Sandes bestimmt, dann der Sand im Gefafs
mit Wasser gesättigt und das Gewicht des hiezu er
forderten Wassers notjrt, und schliefslicb, weil trockner
Sand durch Benetzung stets mehr oder weniger zusam
mensinkt, durch abwechselnde Hinzufügung von trocknem
Sande und Wasser, bei jedesmaliger Notirung des Ge
wichtes des Hinzugefügten, die Sache dahin gebracht,
dafs das Gefäfs mit völlig von Wasser gesättigtem Sande,
ohne eingeschlossene Luftblasen und ohne überflüssiges
Wasser, genau gefüllt war.
Nennt man dann:
P das Gewicht des zur Ausfüllung des ganzen Ge-
fäfses erforderlichen Wassers,