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Der Hochbau II. Öffentliche Bauten III. Reichstags- und Landtags-Gebäude

Full text: Berlin und seine Bauten (Public Domain) Issue1896,2/3 Der Hochbau (Public Domain)

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III. Reichstags- und Landtags-Gebäude. 
B. Der Neubau am Königsplatz. 1 ) 
Nach der Wiederaufrichtung 
des Deutschen Kaiserreiches regte 
sich alsbald der Wunsch, die neu 
errungene Einheit des Vaterlandes 
in dem Bau eines monumentalen 
Reichstagshauses dauernd zu ver 
körpern. Der erste Schritt zur 
Erfüllung dieses Wunsches geschah 
in der Sitzung des Reichstages am 
19. April 1871 durch die nahezu 
einstimmige Annahme eines Be 
schlusses, welcher die Errichtung 
eines der Vertretung des deut 
schen Volkes würdigen Reichs 
tagshauses für ein dringendes Be- 
dürfnifs erklärte und die Ermitte 
lung eines passenden Bauplatzes 
sowie die Aufstellung eines Pro 
gramms für einen Wettbewerb in 
Anregung brachte. In Verfolg 
dieses Beschlusses wurde alsbald 
ein Ausschufs gebildet, der als 
Bauplatz das an der Ostseite des 
Königsplatzes belegene, damals 
von dem Raczynski’schen Palast 
eingenommene Grundstück in Aus 
sicht nahm. Auf Grund dieses 
Programms wurde im December 
1871 ein internationaler Wettbe 
werb ausgeschrieben, bei welchem 
der Professor L. Bohnstedt aus 
Gotha den ersten Preis erhielt. Ein 
zur Ausführung oder auch nur als 
Grundlage für die weitere Aus 
arbeitung geeigneter Bauplan hatte sich dabei aber nicht ergeben. Die Ursache dieses Mifs- 
erfolges lag zum Theil in der Fassung des Programms, zum Theil in den grofsen Schwierig 
keiten, welche die Lage des Bauplatzes für eine glückliche Lösung der Aufgabe bot. Die 
Platzfrage war es auch in der Folge, welche die endgültige Entscheidung über den Bau um 
fast ein Jahrzehnt verzögert hat. Da das Pietätsgefühl Kaiser Wilhelms I. an der unter seinem 
Bruder geschaffenen Platzanlage nichts ändern wollte und sich demgemäfs auch gegen eine 
mit besonderem Nachdruck empfohlene Verlegung des Bauwerks auf den Alsenplatz, an der 
Nordseite des Königsplatzes, aussprach, blieb es bei der zuerst in Vorschlag gebrachten 
Stellung. Alle Bemühungen, die Nachtheile dieser Stellung des Gebäudes dadurch wenig 
stens etwas zu mildem, dafs es weiter in den Königsplatz hineingerückt würde, blieben 
gleichfalls erfolglos, weil man an mafsgebender Stelle die Anschauung fest hielt, dafs aus 
Gründen der Symmetrie das Reichstagshaus und das Kroll’sche Gebäude den gleichen Abstand 
von der Siegessäule innehalten müfsten (vgl. Abb. 37). 
1) Vgl. Das neue Reichstagshaus in Berlin von Paul Wallot. Eine baugeschichtliche Darstel 
lung von Richard Streiter. Sonderdruck aus dem Centralblatt der Bauverwaltung. 1894. — Eine 
ausführliche Darstellung des Gebäudes nach photographischen Aufnahmen seiner Aufsen- und Innen 
architektur ist von der Verlagsanstalt für „Kunst und Wissenschaft“, Kosmos, besorgt. 
Abb. 38. Bekrönung über dem Haupteingang der Westfront. 
(Nach einer Handzeichnung von P. Wallot.)
	        
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