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Der Hochbau II. Öffentliche Bauten XXIX. Der städtische Central-Vieh- und Schlachthof

Full text: Berlin und seine Bauten (Public Domain) Issue1896,2/3 Der Hochbau (Public Domain)

XXIX. Der städtische Central-Vieh- und Schlachthof. 
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sind mehrere Kammern für die Darmschleimerei, Diensträume für die Thierärzte des Schlacht 
hofes und eine Anzahl Brausebäder für die Schlächtergesellen vorhanden. Ein Anbau ent 
hält zwei Werkstättenräume und das Kesselhaus, in welchem fünf Dampfkessel von je 60 qm 
Heizfläche den gesamten Dampfbedarf für die Schweineschlachthäuser usw. liefern. 
Die Fleischverkaufshalle ist genau in der Art der Schlachthäuser, nur in 
kleineren Abmessungen, ausgeführt, um für den Fall, dafs der Kleinverkauf von Fleisch 
auf dem Schlachthof abnährae, als Schlachthaus dienen zu können. Mit der Eröffnung der 
ersten Markthallen trat dieser Fall ein, sodafs die Verkaufshalle geschlossen werden und als 
Schlachthalle für Kleinvieh benutzt werden konnte. 
V. Gewerbliche Anlagen. 
Die mit dem Schlachthofbetrieb in Zusammenhang stehenden Anlagen zur Ver- 
werthung der Nebenproducte haben ihren Platz in der nordwestlichen, dem Bahnhof zu 
nächst gelegenen Ecke des Schlachthofgeländes erhalten, da einerseits eine Lostrennung 
von dem eigentlichen Schlachthof mit Rücksicht auf die mit der Fabrication verbundenen 
üblen Gerüche geboten erschien, anderseits eine möglichst bequeme Lage am Bahnhof mit 
Rücksicht auf die Heranschaffung des Kohlenbedarfs und die Verladung der fertigen Erzeug 
nisse erwünscht war. Es sind folgende Anlagen vorhanden: 
Die Albuminfabrik enthält im Keller den Schröpfraum, in welchem die 
Trennung des Serums (Blutwasser, das fast nur aus Eiweifs besteht) von der Placenta 
(Blutkuchen) geschieht, die im allgemeinen in rd. 30 Stunden vor sich geht. Hat sich das 
Serum in weiteren 24 Stunden durch Absetzen geklärt, so wird es in die darüber liegende 
Raffinerie und von dieser in den Waschraum gebracht, dort chemisch weiter behandelt und 
gelangt dann in die gewölbten Trockenstuben, wo es bei einer Temperatur von 48 bis 50 0 C. 
getrocknet und dann in die im Dachboden befindlichen Lagerräume gebracht wird. Die 
getrockneten Blutkuchen finden als Düngemittel Verwendung. Die Luft für die Trocken 
stuben wird durch Heizkörper erwärmt und durch im Fufsboden der Trockenstuben an 
geordnete, vielfach verzweigte Canäle so geführt, dafs sie sämtliche in den Trockenräumen 
aufgestellte Gerüste gleichmäfsig durchstreift und schliefslich mit Hülfe von Ventilatoren 
durch die Gewölbe hindurch über das Dach entweicht. Alle Räume sind im Innern in 
Rohbau ausgeführt und mit wasserdichten Fufsböden und Gewölben versehen. 
Die Talgschmelze ist durchweg unterkellert; die Kellcrräume dienen zur Lagerung 
der fertigen Erzeugnisse. Im Erdgeschofs befinden sich links vom Haupteingang ein Geschäfts 
zimmer, der Füllraum und die Maschinenstube, rechts das Rohtalglager und die Rohtalg 
abnahme; im ersten Stockwerk liegen die Margarinefabrik, der Schmelz- und der Klärraum. 
Aus dem Rohtalglager wird der Talg mittels Fahrstuhls in das erste Stockwerk geschafft 
und hier gesondert; der gute wird gewaschen, gereinigt, durch Maschinen in kleine Stücke 
geschnitten, in offenen Bottichen bei 40 0 C. geschmolzen und dabei durch Rührwerke 
durchgerührt. Aus diesen Bottichen läuft er in darunter im Erdgeschofs stehende Bottiche, 
wo er wieder erstarrt. Von hier gelangt er in den Füllraum, wo er in kleinen Packeten, in 
Leinwand gehüllt, durch hydraulische Pressen bei einer Temperatur von 30 0 C. geprefst 
wird, durch welchen Vorgang das Margarin sich absondert. Das Margarin sowie der 
zurückbleibende fein ausgeschmolzene Talg wird hauptsächlich zur Herstellung künstlicher 
Butter verwendet Der geringere Talg wird in geschlossenen kupfernen Blasen geschmolzen 
und dann in Bottiche geleitet; nach seiner Erstarrung wird er zum Versand an Seifen - 
und Stearinfabriken in Fässer verpackt. 
Die Darmschleimerei enthält im Kellergeschofs die in Gement gemauerten 
Gruben zum Einsalzen der Därme. Zur bequemen Beförderung der mit Därmen gefüllten 
Fässer nach dem Keller ist an der Front des Gebäudes ein Wandkran von 250 kg Trag 
fähigkeit angebracht. Im Erdgeschofs befinden sich ein Geschäftszimmer und der mit
	        
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