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Full text: Berlin und seine Bauten (Public Domain) Issue1896,2/3 Der Hochbau (Public Domain)

X. Kirchen, 
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Der Fagadenbau beruht auf Motiven des norddeutschen Backsteinbaues unter 
Anwendung von Sandsteindetails zu den zwei- wie viertheiligen Spitzbogenfenstern und zu 
den durchbrochenen Bogengiebeln über den Nebenportalen. — Die knieenden Engel als 
Consolen am Thurme bestehen aus Terracotta. Die Spitze des sehr schlanken Thurmes 
von 96,34 m Gesamthöhe ist aus Schmiedeeisen mit Verkleidung von Zinkblech hergestellt; 
mit dem gleichen Materiale sind auch die Nebenthürme eingedeckt. — Das mit Stern 
gewölben auf Bündelpfeilern bedeckte Innere ist von grofser Einfachheit. — Die Zahl der 
Sitzplätze beträgt 1450. Mafse: 43,62 m Länge, 14,90 m Breite und 27,14 m Höhe. Bau 
kosten 696 000 Ji. 
Abb. 129. St. Johanniskirche, Ansicht der Strafsenfront. 
Mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. wurde die Bauthätigkeit auf kirch 
lichem Gebiete überhaupt wesentlich erhöht. Der persönliche Geschmack dieses Fürsten 
und sein auf das Kirchliche gerichteter Sinn — im Wetteifer mit verwandten Bestrebungen 
am Hofe Ludwigs von Bayern — waren mächtige Hebel zur Bethätigung seiner Gedanken 
und Absichten, zu deren Ausführung vorzugsweise Stüler auserwählt war. Die romantische 
Kunstrichtung, die zunächst in der deutschen Malerei jener Zeit ihren Ausdruck gefunden 
hatte, trat nun auch in der Baukunst hervor. Bei dem Könige verband sich damit frei 
lich ein archäologischer Zug, indem er statt auf die Kunst des deutschen Mittelalters auf 
die Kunst des altchristlichen Basilikenbaues zurückgriff. Der Lieblingsplan des Königs, 
der Neubau eines evangelischen Domes am Lustgarten an Stelle der Domkirche, in Gestalt 
einer altchristlichen fünfschiffigen Basilika in Verbindung mit einem Campo santo, der unten 
die Hohenzollerngräber enthalten, oben mit Fresken von Cornelius geschmückt werden sollte, 
kam über die Anfänge einzelner Bautheile nicht hinaus. Dagegen gelangte, freilich nur in 
bescheidenen Verhältnissen, der Basilikenstil in kleineren Kirchenbauten der Hauptstadt zur 
Geltung. Ausgeführt wurden in dem seine Regierung umfassenden Zeitabschnitte vier Kirchen 
und eine Kapelle von Stüler, nämlich: Die Jacobi-, Matthäi-, Markus-, Bartholomäus- 
Kirche und die Schlofskapelle, zwei Kirchen von Strack, die Peters- und Andreas- 
Kirche, und eine von Söller, St. Michael.
	        
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