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Fünfter Abschnitt.
der breiteren Strasse zu bemessen. Um nun, namentlich in engen Strassen, den
verhältnissmässig theuren Grund und Boden möglichst auszunutzen, wurde bei
Neubauten vielfach Uber dem Hauptgesimse ein etwas nach innen gerücktes Mau-
sardegeschoss angelegt und, wie die übrigen Geschosse zu Wohnungen eingerichtet.
e) Ausstattung der Fahnden.
Die Paraden der Berliner Privatgebäude und der älteren öffentlichen Gebäude
sind zum überwiegend grössten Theile in Putzbau ausgeführt. Es ist hierbei
fast ausschliesslich Kalkmörtel, bei besseren Ausführungen der Neuzeit verlängerter
Zementmörtel (Kalkmörtel mit Zement-Zusatz), oder hydraulischer Kalk, seltener
aber reiner Zementmörtel verwendet; letzteres weniger aus Ersparnissrücksichteu,
als hauptsächlich um den Schwierigkeiten einen wirklich dauerhaften Anstrich aut
Zementputz anzubringen, aus dem Wege zu gehen. Beim Putzen der in Back
steinen vorgemauerten Gesimse, Pilaster und Gliederungen, die bei grösseren Aus
ladungen und au den Verkröpfungen auch mit leichten Eis.nkoustruktionen unter
stützt werden, wird Gips zum Kalkmörtel zugesetzt, um so diese Theile besonders
scharf und sauber herstelleu zu können. Exponirtere Gesimstheile, namentlich
Balkons, Plinten oder gemauerte und kanuelirte Säulen wurden in Zementmörtel
gezogen bezw. geputzt. Die ornamentirten Facadentheile werden meist als Gips
stuck nachträglich angesetzt, hiev und da auch aus Zementguss und gebranntem
Thon hergestellt. Die weit ausladenden Theile der Hauptgesimse siud fast durch
weg aus Holz und an vorgestreckten Zangen der Dachbinder und zwischen diesen
an besonderen an den Drempelwandslieleu angebrachten Bohleu-Knaggen befestigt.
Die Anwendung der hölzernen Hauptgesimse ist allgemein üblich und baupolizei
lich auch gestattet; nur müssen dieselben aus Rücksichten für Feuergefahr an den
nachbarlichen Grenzen auf je l m Länge mit Zinkblech benagelt, oder in anderer
Weise feuersicher hergestellt sein.
Sämmtliche hervortretende und dem Hegen besonders ausgesetzte Gesimstheile
werden in der Regel mit Zinkblech abgedeekt und, wie früher bereits erwähnt,
auch einzelne Architektur- und Gebäudetheile in den Fällen wo ein möglichst
geringes Gereicht erwünscht ist, oder wo dieselben den Witterungsangriö'en dauernd
stark ausgesetzt sind, wie z. B. Attiken, Ballustraden, Dachfenster, Balkons,
Kapitelle, Figuren, Vasen etc. ganz aus Zink gegossen oder in Zinkblech gestanzt.
In neuerer Zeit hat diese Verwendung des Zinks in Berlin ziemlich nachgelassen
und es ist dafür der Zementguss mehr in Aufnahme gekommen.
Die geputzten Facaden erhalten nach gehörigem Austrocknen in ihrer ganzen
Ausdehnung meist einen Oelfarben-Anstrich; Anstriche mit Wasserglas-, Silicat- und
anderen Farben siud bisher nur Versuche geblieben. Der früher allgemein übliche
Anstrich mit Kalkfarbeu wird entweder nur provisorisch auf 1 oder 2 Jahre, oder
bei untergeordneten Bauausführungen in Anwendung gebracht und tritt mehr und
mehr zurück. Dagegen ist in der Neuzeit vielfach die Sgraffito-Malerei bei der
Dekoration von Friesen, Füllungen und Bogenzwickeln u. s. w. zur Geltung
gekommen; vereinzelt sind auch Mosaikbilder zur farbigen Ausstattung von Fagaden-
theileu ausgeführt. — Das Vorkommen mehrer (im Lauf der 40er und 50er Jahre