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Full text: Berlin und seine Bauten (Public Domain)

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Zweiter Abschnitt. 
e) Gebäude für wissenschaftliche und künstlerische Institute.*) 
1. Das Akademie-Gebäude, unter den Linden 37, der Sitz der beiden 
Akademien der ‘Wissenschaften und der Künste, ist aus dein Umbau eines Theiles 
der von Nehring im Jahre 1690 erbauten grossartigen Marstall-Anlage hervorge- 
gangou. Für die im Jahre 1699 gestiftete Akademie der Künste wurde zunächst 
das ganze obere Stockwerk des an den Linden liegenden Flügels, für die 1700 
gestiftete Akademie der Wissenschaften das obere Stockwerk des Flügels an der 
Dorotheenstrasse eingerichtet; dem letzteren fügte Grünberg den 5 Geschosse hohen 
Ohservationthurm der alten Sternwarte hinzu, der vom Jahre 1832 bis zur Ein 
führung der elektrischen Telegraphie als Standort eines optischen Telegraphen 
gedient hat. Als im Jahre 1743 das Gebäude der Kunst-Akademie durch Brand 
vernichtet worden war, liess Friedrich der Grosse dasselbe durch Boumann (den 
Vater) erneuern und bestimmte es gleichzeitig für die Akademie der Wissenschaften. 
Der letzteren ist seither die westliche Hälfte des Obergeschosses an den Linden, 
der Akademie der Künste und den unter Leitung derselben stehenden Lehr-An 
stalten der ganze östliche Tlieil des Gebäudes einschliesslich des Flügels au der 
Universitätstrasse angewiesen. Der jüngste Ausbau dieses Osttheiles, welcher auch 
die Säle für die alle 2 Jahre stattfindeuden Kunstausstellungen, (das provisorische 
Lokal der National-Gemälde-Gallerie), enthält, ist von 1810—20 durch den Hof 
bauinspektor und Professor Babe bewirkt worden. 
Weder das Aeussere des Gebäudes, dessen Attika mit einigen plastischen 
Gruppen geschmückt ist, noch das für die gegenwärtigen Verhältnisse sehr un 
zweckmässig eingerichtete Innere haben architektonischen Werth; aus dem letzteren 
siud allenfalls die Vestibül- und Treppen-Anlage, sowie die „lange Gallerie“ — 
beide dem Kabe’schen Umbau angehörig — zu erwähnen. Der Abbruch sämmt- 
licher auf dem sogen. Akademie-Viertel stehenden Baulichkeiten ist bereits beschlossen. 
Die Akademie der Wissenschaften soll später in dem hier zu errichtenden neuen 
Bibliothek-Gebäude ihren Sitz erhalten. Ein Bauplatz für die Neubauten, welche 
zur Aufnahme der Kunst-Akademie mit ihren Lehranstalten sowie für die Zwecke 
der Kunst-Ausstellungen erforderlich sind, ist zur Zeit noch nicht bestimmt. 
2. Die Sternwarte**), auf einem von der Lindenstrasse zugänglichen 
Grundstücke am südlichen Ende der Charlotteustrasse, wurde 1832—35 von Schinkel 
erbaut. Das Hauptinstrument, ein grosser Frauenhofer’scher Refraktor, steht in 
einer Höhe von 11 m über dem Terrain auf einem massiven achteckigen Pfeiler 
unter einer (von Egell’s konstruirten) eisernen Drehkuppel von 7,53 m im Durch 
messer. Dieser Kuppelraum wird umgeben von einer 3,14 m breiten, achteckigen 
Plattform, welche zu Beobachtungen mit transportablen Instrumenten dient. In 
dem darunter liegenden Geschosse schliesseu sich an die der Plattform entsprechende 
gewölbte Halle 3 absidenartige Räume von 6,28 111 Länge und Breite, in welchen 
(gleichfalls auf isolirten Mauerwerkpfeilern) die kleineren Instrumente stehen. 
Auf der vierten Seite liegt ein zweigeschossiger, oblonger Flügel, der die Dienst 
wohnung des Direktors enthält. Im Giebelfelde desselben die Reliefdarstellung 
des Helios, eine der frühesten Anwendungen des Zinkgusses für derartige Zwecke. 
*) Bearbeitet durch Herrn Bauinspektor Tie de. 
**) Abbildung und Beschreibung in Schinkels Entwürfen Bl. 141 — 42.
	        
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