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Full text: Kurzbericht zur Inspektion der Schule am Gartenfeld (05S03)

Kurzbericht
zur Inspektion der Schule am Gartenfeld (05S03)

1. Voraussetzungen und Bedingungen
Die Schule am Gartenfeld, eine Schule mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“,
liegt im Ortsteil Haselhorst des Bezirks Spandau. Sie ist als Ganztagsschule mit einer Unterrichtszeit von 8:00 bis 15:00 Uhr organisiert, ergänzend wird morgens und nachmittags eine
Betreuung angeboten.
Die 135 Schülerinnen und Schüler lernen, teilweise stufenübergreifend1, in 17 Klassen, die auf
das Stammhaus mit Nebengebäude an der Gartenfelder Straße und die Filiale im Grützmacherweg verteilt sind. Viele der teils mehrfach und schwerstbehinderten Kinder und Jugendlichen
werden mit Taxen und Bussen zur Schule bzw. zu den Standorten und außerschulischen Lernorten gefahren. Verkehrsbedingt kommt es häufig zu Verzögerungen, weshalb die Schule einen
gleitenden Schulbeginn zwischen 8:00 und 8:30 Uhr praktiziert.
Die Schülerzahlen wachsen jährlich und übersteigen inzwischen die räumlichen Kapazitäten der
Schule. Für die anstehenden Sanierungsmaßnahmen soll die Schule im Jahr 2016/2017 vorübergehend ausgelagert werden. Der Wechsel der Schülerschaft und des Personals zwischen
verschiedenen Lernorten erfordern einen hohen Organisationsaufwand und erschweren die
Kommunikation der Beschäftigten.
Neben den Lehrkräften und den Pädagogischen Unterrichtshilfen stehen der Schülerschaft Betreuerinnen und Betreuer zur Verfügung, die bei der Bewältigung alltäglicher Anforderungen
wie An- und Auskleiden, Nahrungsaufnahme und Hygiene helfen. Vier Therapeutinnen bieten
Einzelbehandlungen in den Bereichen Logopädie, Physio-, Ergo- und Gartentherapie an.
Kooperationspartner für die ergänzende Förderung und Betreuung ist das Evangelische Johannesstift Jugendhilfe gGmbH. Der Caterer LUNA liefert ein warmes Mittagessen. Die Schule
nimmt am Bonusprogramm2 teil. Sie ist Ausbildungsschule für Erzieherinnen und Erzieher, Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger, Ergotherapeutinnen und -therapeuten sowie Lehramtsanwärterinnen und -anwärter.

2. Stärken und Entwicklungsbedarf
Stärken der Schule
•
•
•

wertschätzender und zugewandter Umgang mit den Schülerinnen und Schülern
vielfältige lebenspraktische Angebote auch an außerschulischen Lernorten
klassenübergreifendes Kurssystem zur Leseförderung

Entwicklungsbedarf der Schule
•
•

1

2

zielgerichtete Steuerung von Schulentwicklungsprozessen durch den Schulleiter
Schulprogramm, das Organisation und inhaltliche Schwerpunkte der Schule strukturiert
und übersichtlich abbildet

Schulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ ordnen ihre Lerngruppen den
folgenden fünf Stufen zu: Eingangsstufe (E): Einschulung bis zum 8. Lebensjahr; Unterstufe (U): 8. bis 11. Lebensjahr; Mittelstufe (M): 11. bis 13. Lebensjahr; Oberstufe (O): 13. bis 16. Lebensjahr; Abschlussstufe (A): 16. bis 18.
Lebensjahr. Die Lerngruppen sind zum Teil stufenübergreifend zusammengesetzt.
Bei dem Bonusprogramm der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft handelt es sich um ein
Programm für Berliner Schulen mit einer hohen sozialen Belastung. Diese erhalten zusätzliche Mittel, um ihre
Schülerinnen und Schüler optimal fördern und zu bestmöglichen Ergebnissen führen zu können.

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3. Erläuterungen
Umfassende gesellschaftliche Teilhabe der Schülerinnen und Schüler bei größtmöglicher Selbstbestimmung und Selbstständigkeit sind das erklärte Leitziel der Schule am Gartenfeld. Schon
beim morgendlichen Ankommen, der Begrüßung und der persönlichen Begleitung in die jeweilige Lerngruppe zeigt sich der sorgsame, freundliche Umgang aller Erwachsenen mit den Schülerinnen und Schülern, der sich im anschließenden Unterricht ebenso fortsetzt wie im Bereich
der ergänzenden Förderung und Betreuung. Um die oben genannten Ziele zu erreichen und
dabei jede Schülerin und jeden Schüler individuell bestmöglich zu fördern, hat sich die Schule
im Schuljahr 2012/2013 auf drei Schwerpunkte verständigt, die sie erfolgreich umsetzt und
inzwischen evaluiert hat. Es handelt sich dabei um die im Schulprogramm von 2012/2013 konzeptionell dargestellten Entwicklungsvorhaben „Ausweitung des Kurssystems“, „Werkstatttag“
und „Comenius-Projekt“3.
Mit dem Ziel, die Leseförderung individuell wirksamer zu gestalten, Leistungsstärkere zu fördern und gleichzeitig auch Schülerinnen und Schülern mit schwersten bzw. mehrfachen Behinderungen ein individuell zugeschnittenes, differenziertes Angebot machen zu können, baut die
Schule seit dem Schuljahr 2011/2012 ein konzeptionell unterlegtes klassenübergreifendes Kurssystem auf. Zweimal wöchentlich, dienstags und donnerstags, werden Schülerinnen und Schüler für 45 Minuten in altersgemischten, aber eher leistungshomogenen Gruppen zusammengefasst und gezielt im Bereich Lesen gefördert. Inhaltlich bietet das Kursangebot gestufte Anforderungen, es reicht von der „Einführung der Buchstaben“ bis zum „Sinnerfassenden Lesen von
Texten“. Zeitgleich erhalten Schülerinnen und Schüler mit schweren Behinderungen ein auf ihre
Bedürfnisse und Fähigkeiten abgestimmtes Angebot an psychomotorischen Übungen, basaler
Stimulation, Wahrnehmungsförderung und lebenspraktischer Förderung zur Alltagsbewältigung.
Teilweise geschieht dies in Gruppen, teilweise in fachtherapeutischer Einzelbehandlung. Die
Evaluation dieser Maßnahme im Schuljahr 2012/2013 ergab eine hohe Zufriedenheit aller Beteiligten. Als Folge wurde das Kurssystem vom Stammhaus auch auf die Filiale übertragen. Ein
weiterer Kurs für den Bereich Mathematik ist geplant. Als verbesserungswürdig erachten die
Lehrkräfte allerdings die Verzahnung von Inhalten des Kursunterrichts und des Klassenunterrichts.
Um die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen gezielt auf das Berufsleben und die
selbstständige Bewältigung des Alltagslebens vorzubereiten, hat die Schule einen Werkstatttag
eingerichtet. Das Angebot umfasst zahlreiche Kursangebote wie Nähen, Gartenpflege, Holzwerkstatt, Mittagsbistro, Schülerzeitung und Homepage. Hierfür nutzen die Gruppen zusätzlich
den von der Wolfgang-Borchert-Schule zur Verfügung gestellten Werkstattraum bzw. deren
Lehrküche. Außerdem wurden sogenannte Außenarbeitsplätze in den Stephanus-Werkstätten4 in
der Wilhelmstraße geschaffen. Die Jugendlichen werden dort hingefahren und sind z. B. in
Werkstätten tätig, die für IKEA oder Lufthansa arbeiten. Dort montieren sie Möbel oder verpacken Transportgüter.
Von August 2012 bis Mai 2014 hat die Schule am Gartenfeld als koordinierende Schule am
Comenius-Projekt zum Thema „Unser Leben — Schüler aus Dänemark, Deutschland und der
Schweiz im Austausch“ teilgenommen. Schülerinnen und Schüler erwarben hier nicht nur
Kenntnisse über die Partnerländer und Europa, sondern stellten auch das eigene Land, die eigene Stadt oder den Bezirk mit einem Tanz oder Materialien wie Lernspielen, Reiseführern und
einer Diashow vor. Darüber hinaus erweiterten sie ihre Ausdrucksmöglichkeiten und entwickel3

4

Das Comenius-Programm ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, das Kontakte zwischen Schulen verschiedener europäischer Staaten ermöglichen soll.
Die Stephanus-Werkstätten Berlin gemeinnützige GmbH ist eine diakonische Einrichtung der sozialen und beruflichen Eingliederung und Rehabilitation für Menschen mit Behinderung.

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ten Kompetenzen im Umgang mit digitaler Kommunikation, die sie bei der Erstellung der
Schülerzeitung ebenso anwenden können wie bei der Mitarbeit an der Homepage. Auch für
den Werkstatttag und das Comenius-Projekt liegen Evaluationsberichte vor, die in der Schule
kommuniziert und ausgewertet wurden.
Die fußläufig erreichbare schuleigene Lehrwohnung wird derzeit für die Werkstatt „Wohnen“
genutzt. Nach der Idee einer Kollegin und unter deren Federführung hat die Schule für diese
Wohnung ein abgestimmtes neues Nutzungskonzept inklusive Kostenplanung entwickelt. Es
sieht für die Ober- und Abschlussklassen jeweils sechswöchige, für die Mittelstufe jeweils einwöchige Praktika vor. Schülerinnen und Schüler können dabei das selbstständige Leben in einer
eigenen Wohnung üben. Erste Schritte zur Umsetzung fanden während der Inspektionstage
statt.
Schwimmen im nahegelegenen städtischen Schwimmbad und zahlreiche jahrgangsübergreifende AGs, wie Schülerzeitung, Kanufahren, Segeln, Trommeln, Schulband oder Tanz, bieten den
Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, eigene Neigungen zu entdecken und Fähigkeiten für
eine selbstbestimmte Freizeitgestaltung zu entwickeln. Als außerschulische Expertin bietet eine
Künstlerin in der Zitadelle Spandau Aquarellmalerei an, eine Ausstellung ist geplant. Jeden
Donnerstagmittag verkaufen Schülerinnen und Schüler in der Snackbar selbst hergestellte warme und kalte Speisen. Jede Klasse macht wöchentlich einen Ausflug, der häufig auf der
Homepage dokumentiert wird. So finden sich dort z. B. Fotos und Berichte über einen Besuch
der „Grünen Woche“ oder zur Übergabe von gesammelten Spenden an ein Flüchtlingsheim in
Spandau.
In Ermangelung eines Musik- und Aufführungsraumes hat die Schule einen Rollwagen variationsreich mit Instrumenten bestückt, der als „fliegendes Klassenzimmer“ zu den Lerngruppen
gefahren wird. Einmal im Monat trifft sich die gesamte Schülerschaft aus beiden Häusern mit
den Lehrkräften, den Pädagogischen Unterrichtshilfen, den Betreuerinnen und Betreuern und
der Schulleitung in der Turnhalle zum „Monatskreis“. Dort kann Schule als Gemeinschaft erlebt
werden, Geburtstagskindern wird gratuliert, besondere Leistungen werden mit Urkunden und
Medaillen geehrt. Projekte werden mit Abschlussfesten gewürdigt. Faschings-, Sommer- und
Weihnachtsfeiern unter Einbeziehung der Eltern bereichern das Schulleben. Abendliche Theateroder Opernbesuche sind kulturelle Höhepunkte. All dies wird in der Schülerzeitung und auf der
Homepage mit Texten und Fotos dokumentiert, die oft von Schülerinnen und Schülern erstellt
sind. Trotz der räumlichen Bedingungen gelingt es allen Beteiligten mit großem Engagement
und Kreativität, die Schule als Lebensraum zu gestalten.
Der Unterricht an der Schule am Gartenfeld ist in hohem Maße an den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen orientiert und findet in einer sehr zugewandten Atmosphäre statt. Lehrkräfte, Pädagogische Unterrichtshilfen und Betreuerinnen bzw. Betreuer arbeiten eng zusammen und sorgen dafür, dass jede Schülerin und jeder Schüler eine
angemessene Förderung erhält. Das oberste Ziel — die Befähigung zu einer möglichst selbstständigen und selbstbestimmten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben — ist im Unterricht deutlich zu erkennen; es gibt in fast jeder Stunde Phasen zur Sprach- und Kommunikationsförderung sowie zur Förderung der Wahrnehmung und Konzentration. Hinzu kommen bei einem
Teil der Lernenden Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen auf unterschiedlichen
Niveaus sowie Angebote zur Berufsorientierung.
In fast allen Stunden sind so viele Erwachsene einer Lerngruppe zugeteilt, dass sowohl Einzelbetreuung bzw. -förderung als auch Gruppenaktivitäten möglich sind. Einige Schülerinnen und
Schüler haben große Schwierigkeiten, die anderen wahrzunehmen und zu kommunizieren. Diese Fähigkeit zu entwickeln ist ein zentrales Unterrichtsziel. Sehr häufig bauen die Unterrichtenden Phasen ein, in denen eine Begegnung, Kontaktaufnahme oder ein Austausch zwischen den
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Kindern und Jugendlichen angeregt wird; das kann ein Morgenkreis, ein gemeinsames Frühstück bzw. Mittagessen oder ein Kreis- oder Bewegungsspiel sein. Die Kommunikation erfolgt,
wenn nötig, in einer einfachen Gebärdensprache oder mithilfe eines Talkers5. Einfache Leseund Rechenaufgaben werden hin und wieder spielerisch eingebaut; manchmal erhält ein Kind
in diesem Bereich Einzelförderung. Im Lesekurs arbeiten die Jugendlichen an herausfordernden
Aufgaben, wobei verschiedene Sinne angesprochen werden: Es gibt Bewegungs- und Singspiele
zu einzelnen Buchstaben, Buchstabenpuzzle, Lese- und Schreibübungen.
Die Klassenteams arbeiten überwiegend in Projektform zu selbstgewählten Themen. Viele Aufgabenstellungen sind an lebenspraktischen Situationen ausgerichtet. Die Lehrkräfte unterstützen
zumeist nur in dem unbedingt erforderlichen Maß, um die Lernenden zu möglichst selbstständigem, problemlösendem Handeln anzuregen. Oft geht es um Planung, Einkauf, Zubereitung
und Einnahme gemeinsamer Mahlzeiten. Ältere Schülerinnen und Schüler erhalten im Werkstattunterricht bisweilen problemorientierte Aufgaben, bei denen sie beispielsweise einen defekten
Gegenstand reparieren und selbstständig das passende Werkzeug dafür finden müssen.
Die Schülerschaft fühlt sich ernst genommen und in das schulische Geschehen einbezogen.
Jeden Freitag trifft sich das Schülerparlament zum Gespräch mit dem Vertrauenslehrer. Die
Schülervertreterinnen und -vertreter bringen Kritik und Wünsche zur Verbesserung des Schulalltages ein. Ihre Vorschläge z. B. zur Schulhofgestaltung, Geräteanschaffung oder zum AGAngebot werden gehört und oft umgesetzt.
Im Inspektionsbericht von 2009 ist festgestellt worden, dass eine Konzeption zum Umgang mit
Kindern fehlt, die ein auffälliges Verhalten zeigen. Inzwischen hat die Schule — auch angesichts
der zunehmenden Zahl solcher Schülerinnen und Schüler — über den freien Träger eine
Schulsozialarbeiterin eingestellt. Zusammen mit einem Kinder- und Jugendpsychiater und einer
externen Beraterin bieten sie umfassende Beratungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Schule, für Schülerinnen, Schüler und deren Eltern an, die gut angenommen werden.
Da die körperliche Verfassung und das psychische Befinden einiger Kinder und Jugendlichen
teilweise erheblichen Schwankungen unterliegen, stimmen sich die Klassenteams entsprechend
der aktuellen Situation täglich ab. Teamzeiten können wegen des personalintensiven Betreuungsbedarfs der Schülerschaft während der Unterrichtszeit nicht festgelegt werden. Absprachen
finden teilweise parallel zu den Religionsstunden, teils am Nachmittag statt. Die Kommunikation und Zusammenarbeit der multiprofessionellen Teams auf Klassenstufenebene oder über die
verschiedenen Standorte hinweg gelingt weniger gut und ist immer wieder Anlass zur Diskussion im Kollegium. Initiiert von der AG „Schulprogramm“ hat die Schule im Jahr 2013/2014
„Teamentwicklung“ als Entwicklungsvorhaben gewählt. Als Ergebnis wurden u. a. Intervisionsgruppen6 mit einem Psychologen eingerichtet und jährlich zwei bis drei gemeinsame Stufenkonferenzen beider Standorte etabliert. Seit kurzem trifft sich die Gruppe „Tridem“7 einmal im
Monat. Aktuelles Thema ist die bessere Zusammenarbeit der betreffenden Professionen untereinander und mit den Eltern. Zur Verbesserung der Kommunikation nach innen und außen liegt
seit Februar 2015 ein Kommunikationskonzept vor, das sowohl den schriftlichen Informationsfluss regelt als auch den Turnus der Dienstbesprechungen, Sitzungen der erweiterten Schulleitung oder der AG „Schulprogramm“ festlegt. In den wöchentlich erscheinenden „GartenfelderNews“ informiert der Schulleiter über aktuelle Termine, wichtige Beschlüsse der Gremien und
anstehende Ereignisse.
5
6

7

Talker sind technische Kommunikationshilfen für Menschen mit eingeschränkter Lautsprache
„Intervision“ ist eine kollegiale Beratung in psychosozialen Berufen, bei der gemeinsam nach Lösungen für ein
konkretes Problem gesucht wird.
Das „Tridem“ besteht aus einer Erzieherin oder einem Erzieher, einer Lehrkraft oder Pädagogischen Unterrichtshilfe
und einer Schulsozialarbeiterin.

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Vor allem liegen ihm die Selbstständigkeit und das selbstbestimmte Leben der ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen am Herzen. Die Arbeitsteilung im Schulleitungsteam ist klar geregelt. Mit kollegialem Führungsstil, offen und zugewandt greift der Schulleiter gerne Anregungen aus dem Kollegium auf oder entwickelt eigene Ideen, wie z. B. den Aufbau einer Schülerfirma. Er delegiert Aufgaben und bezieht über die erweiterte Schulleitung und die Steuergruppe viele Kolleginnen und Kollegen in die Gestaltung der Schule ein. Allerdings nimmt er seine
Führungsaufgabe nicht so wahr, dass er die Schulentwicklung selbst zielgerichtet steuert, indem er die zahlreichen Aktivitäten an der Schule bündelt und vorantreibt, Strukturen schafft
und auch für neue Mitglieder des Kollegiums nachvollziehbar macht. Wie 2009 sieht das Inspektionsteam daher weiterhin Entwicklungsbedarf im Schulleitungshandeln.
Bisher bleiben Vorhaben personenabhängig und werden teilweise nicht weitergeführt, wenn
diese Personen andere Aufgaben übernehmen oder die Schule verlassen. Dies zeigt sich auch
im vorliegenden Schulprogramm: Es gibt nur eine Ausfertigung, einen Ringordner, dem — als
Fortschreibung — mehrere ausgearbeitete Konzepte und Protokolle der AG-Schulprogramm in
loser Blattfolge beigeheftet sind. Wegen Unübersichtlichkeit und teilweise fehlender Zeit- Maßnahmenpläne ist es als Arbeitsprogramm wenig geeignet. Bei der ersten Inspektion wurde dies
in ähnlicher Weise festgestellt, nun hat die AG „Schulprogramm“ erste Schritte zur Verbesserung in die Wege geleitet. Für das laufende und kommende Schuljahr sind drei Entwicklungsvorhaben vereinbart: eine „gut lesbare Textfassung des Schulprogramms“, „Teamentwicklung“
und „Projektarbeit“. Mit dem Schwerpunkt „Lesen“ im stufenübergreifenden Kurssystem und
der fachübergreifenden Berufsorientierung sind curriculare Schwerpunkte für den Unterricht
formuliert und umgesetzt. Ein umfassendes schulinternes Curriculum ist bisher nicht erarbeitet.
Die Schule am Gartenfeld hat sich den veränderten Bedingungen der letzten Jahre gestellt, sich
mit dem Inspektionsbericht von 2009 auseinandergesetzt und in mehreren Bereichen wirksame
Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung umgesetzt.

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4. Qualitätsprofil

8

Qualitätsbereich 1: Ergebnisse der Schule
1.1

Schulleistungsdaten und Schullaufbahn

Qualitätsbereich 2: Unterricht/Lehr- und Lernprozesse
2.1

Schulinternes Curriculum und Abstimmung des Lehr- und Lernangebots

2.2

Unterrichtsgestaltung/Lehrerhandeln im Unterricht

2.3

Systematische Unterstützung, Förderung und Beratung

Beteiligung der Schülerinnen und Schüler und der Eltern

3.2

Soziales Klima und soziales Lernen in der Schule

3.3

Gestaltung der Schule als Lebensraum

Schulleitungshandeln und Schulgemeinschaft

4.2

Schulleitungshandeln und Qualitätsmanagement

Qualitätsbereich 5: Professionalisierung und Personalmanagement
5.1

Personalentwicklung und Personaleinsatz

5.2

Arbeits- und Kommunikationskultur im Kollegium

Qualitätsbereich 6: Ziele und Strategien der Qualitätsentwicklung
6.1

Evaluation schulischer Entwicklungsvorhaben

6.2

Fortschreibung des Schulprogramms

A

B

C

D

Unterrichtsprofil

B

C

D

B

C

D

Bewertung
A

B

C

D

Bewertung
A

B

C

D

Bewertung

Ergänzende Qualitätsmerkmale

8

Bewertung

A

4.1

Ganztagsangebot

D

Bewertung

Qualitätsbereich 4: Schulmanagement

E.2

C

ohne Bewertung

A

3.1

Förderung der Sprachkompetenz

B

Bewertung

Qualitätsbereich 3: Schulkultur

E.1

Bewertung
A

A

B

C

Das Qualitätsprofil beinhaltet verpflichtende Qualitätsmerkmale (blau unterlegt) und Wahlmodule. Hinter diesem
Qualitätsprofil verbergen sich ca. 200 Indikatoren. Die Schule erhält im ausführlichen Bericht eine detaillierte
Rückmeldung dieser Ergebnisse im Bewertungsbogen. Nähere Informationen zu den Instrumenten und den Verfahren der Berliner Schulinspektion finden Sie in unserem Handbuch im Internet unter
www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/schulinspektion

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D

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5. Unterrichtsprofil
Bewertung

Unterrichtsbedingungen
A

B

C

D

vergleichend

2.2.1

Lehr- und Lernzeit

b

2.2.2

Lern- und Arbeitsbedingungen

b

2.2.3

Strukturierung und transparente Zielausrichtung

b

2.2.4

Kooperation des pädagogischen Personals

b

2.2.5

Verhalten im Unterricht

b

2.2.6

Pädagogisches Klima im Unterricht

b

2.2.7

Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft

b

Unterrichtsprozess

A

B

C

D

vergleichend

2.2.8

Förderung von Selbstvertrauen und Selbsteinschätzung

b

2.2.9

Fachimmanentes, fachübergreifendes und
fächerverbindendes Lernen

c

2.2.10 Methoden- und Medienwahl

b

2.2.11 Sprach- und Kommunikationsförderung

b

Individualisierung von Lernprozessen
2.2.12 Innere Differenzierung

a

2.2.13 Selbstständiges Lernen

a

2.2.14 Kooperatives Lernen

b

2.2.15 Problemorientiertes Lernen

b

9

Normative Bewertung

Vergleichende Bewertung

A (stark ausgeprägt)
Norm: 80 % und mehr der Bewertungen des
Qualitätskriteriums sind positiv
(bei mind. 40 % „++“).

a (vergleichsweise stark)
Der Mittelwert der Schule liegt oberhalb der durch
die Standardabweichung vorgegebenen Obergrenze

B (eher stark ausgeprägt)
Norm: Zwischen 60 % und 80 % der Bewertungen
des Qualitätskriteriums sind positiv.
C (eher schwach ausgeprägt)
Norm: Zwischen 40 % und 60 % der Bewertungen
des Qualitätskriteriums sind positiv.
D (schwach ausgeprägt)
Norm: Weniger als 40 % der Bewertungen des
Qualitätskriteriums sind positiv.

9

b (vergleichsweise eher stark)
Der Mittelwert der Schule liegt zwischen dem Berliner
Mittelwert und der Obergrenze.
c (vergleichsweise eher schwach)
Der Mittelwert der Schule liegt zwischen dem Berliner
Mittelwert und der durch die Standardabweichung
vorgegebenen Untergrenze.
d (vergleichsweise schwach)
Der Mittelwert liegt unterhalb der Untergrenze.

Die aktuellen Unterrichtsbeobachtungen werden mit dem Mittelwert von ca. 30.000 Unterrichtsbeobachtungen der
ersten Inspektionsrunde verglichen und auf der folgenden Seite grafisch dargestellt.

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6. Auswertung der Unterrichtsbesuche
(grafische Darstellung der normativen Bewertung)

100%

A/
B80%
B
60%

C
40%

D
20%

D
0%
2.2.1

2.2.2

2.2.3

2.2.4

2.2.5

2.2.6

2.2.7

++

2.2.8

+

-

2.2.9

2.2.10

2.2.11

2.2.12

2.2.13

2.2.14

2.2.15

2.2.14

2.2.15

--

7. Auswertung der Unterrichtsbesuche
(grafische Darstellung der vergleichenden Bewertung Schule - Berlin)

4,00

3,50

3,00

2,50

2,00

1,50

1,00
2.2.1

2.2.2

2.2.3

2.2.4

Berlin MW

2.2.5

2.2.6

2.2.7

2.2.8

Berlin untere Grenze

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2.2.9

2.2.10

Berlin obere Grenze

2.2.11

2.2.12

2.2.13

05S03 MW

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8. Standortbeschreibung
Die Schule am Gartenfeld liegt verkehrsgünstig im Ortsteil Haselhorst des Bezirks Spandau. Zur
Schule gehören zwei Standorte, das mehr als 120 Jahre alte, stark renovierungsbedürftige
Hauptgebäude und eine Filiale in der Grundschule an der Pulvermühle, die ca. 20 Gehminuten
entfernt ist. Dort werden drei Klassen der Ober- und Abschlussstufe unterrichtet. In der sogenannten Villa, einer umgebauten Gaststätte auf dem Grundstück in der Gartenfelder Straße,
wurden vor kurzem zwei Unterrichtsräume und ein Raum für Einzelbetreuung sowie ein behindertengerechter Sanitärraum geschaffen. Auf dem Gelände vor dem Hauptgebäude sind Parkmöglichkeiten für Kleinbusse, um den behindertengerechten Transport der Kinder zu gewährleisten. Die Außenfassade des 1971 errichteten Anbaus besteht aus Asbestplatten. Das Dach
des Hauptgebäudes aus dem Jahr 1893 ist ungedämmt.
Das dreistöckige Schulgebäude ist barrierefrei und hat einen Aufzug. Die Klassenräume sind
funktional eingerichtet. Jeweils zwei von ihnen befinden sich auf einem Flur. In jeden Klassenraum sind Ruhe- und Arbeitszonen sowie eine Küchenzeile integriert. Innerhalb des Hauptgebäudes herrscht großer Platzmangel. Es fehlen Fachräume für den Musik- und Kunstunterricht,
Teilungsräume für den Praxisunterricht, wie z. B. eine Keramik- oder Textilwerkstatt. Ein Caterer
bietet täglich zwei warme Gerichte zur Auswahl an; die Schülerinnen und Schüler essen in
ihren Klassenräumen. Es gibt drei kleine Räume für Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie, einen Snoezelenraum10, einen Computerraum sowie eine Holzwerkstatt. Tanz- bzw. Theateraufführungen können nur in beschränktem Umfang realisiert werden, da es keine Bühne
gibt. Der als Lehrerzimmer ausgewiesene Raum ist für die 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
zu klein. Da auch keine Aula vorhanden ist, finden die Konferenzen in Klassenräumen statt.
Im Erdgeschoss befindet sich neben dem Sekretariat das Büro des Schulleiters. Die Büros der
Konrektorin, der Leiterin des Ganztags und des Hausmeisters liegen etwas abseits. Unmittelbar
an die Hausmeisterwohnung angrenzend wurde die sogenannte „Oase“, ein kleiner Raum für
die Schulsozialarbeit, eingerichtet.
Den ca. 120 Schülerinnen und Schüler stehen acht Toiletten zur Verfügung. Mit Rollstuhl oder
Rollator ist deren Benutzung sehr beschwerlich. Es gibt nur einen Wickelraum für die 15 pflegebedürftigen Kinder. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen im Erdgeschoss eine Doppeltoilette, die 1971 das letzte Mal renoviert wurde. Nach Aussagen der Schule ist durch das
Bezirksamt mit Beginn des nächsten Schuljahres eine umfassende Sanierung geplant.
Eine kleine Turnhalle ist in das Erdgeschoss des Haupthauses integriert. Das angrenzende
Schwimmbad mit Therapiebecken war zum Zeitpunkt der Inspektion wegen Legionellenbefalls
gesperrt.
Zum Außengelände der Schule gehören zwei Schulhöfe mit einzelnen Sitzelementen, Sandkästen und Kletteranlage, die wenig einladend sind. Durch das Wurzelwachstum der Bäume sind
in der Anlage und auf den Wegen Stolperstellen entstanden, die eine Unfallgefahr darstellen.

10

Ein Snoezelen-Raum ist ein Raum zur Entspannung in angenehmer Atmosphäre.

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