Path:

Full text: Kurzbericht zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

1. Voraussetzungen und Bedingungen
Die Konrad-Wachsmann-Schule ist eine Integrierte Sekundarschule (ISS) mit teilgebundenem
Ganztagsbetrieb im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Aus einer fusionierten Realschule ist sie mit der
Umsetzung der Schulstrukturreform seit dem Schuljahr 2010/2011 eine Integrierte Sekundarschule. Die 9. und 10. Klassen werden nach den Organisationsrichtlinien der auslaufenden
Schulform Realschule unterrichtet. Die überwiegende Mehrheit der Schülerschaft kommt aus
dem unmittelbaren Wohnumfeld der Schule, ein kleinerer Teil aus den angrenzenden Siedlungsgebieten.
Zurzeit lernen 330 Schülerinnen und Schüler an der Schule, weniger als zehn Prozent sind
nicht deutscher Herkunftssprache. 18 Lernende haben sonderpädagogischen Förderbedarf. Ab
Klasse 7 gibt es eine bilinguale Lerngruppe mit englischsprachigem Unterricht in ein bzw. zwei
Fächern. Die Konrad-Wachsmann-Schule ist eine Schule mit Berufswahlpass.
Die Zahl der Eltern, die von der Zuzahlung zu den Lernmitteln befreit sind, stieg in den letzten
zwei Jahren deutlich an auf aktuell über 40 Prozent. Ebenso wächst der Anteil von Familien, in
denen ein Elternteil alleinerziehend ist.

2. Stärken und Entwicklungsbedarf
Stärken der Schule
•

Unterstützung und Beratung der Schülerinnen und Schüler in der Berufsorientierung

•

Stärkung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit im Praktischen Lernen

•

auf die Interessen der Schülerinnen und Schüler abgestimmte Profilangebote

•

Tanz-Angebote mit positiver Wirkung für die Teilnehmenden und Ausstrahlung ins
schulische Umfeld

•

in ihrem Führungsverhalten anerkannte Schulleiterin

Entwicklungsbedarf der Schule
•

Unterrichtsentwicklung in den Bereichen innere Differenzierung, kooperatives,
selbständiges und problemorientiertes Lernen

•

Maßnahmen zur Sprachförderung und deren Umsetzung im Unterricht

•

intensivere Nutzung außerschulischer Lernorte

•

Weiterarbeit am schulinternen Curriculum und an den schulspezifischen Fachcurricula
bezogen auf die Klassen der ISS

•

Beteiligung der Eltern und Schülerinnen und Schüler an der Schulentwicklung

Seite 1/10

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

3. Erläuterungen
Die Konrad-Wachsmann-Schule befindet sich in einem Neuorientierungs- und Reformprozess. Es
gibt eine Veränderung im Sozialverhalten der Schülerschaft, die eine Reaktion der Schule erfordert. Die Schule hat mit verschiedenen Maßnahmen die Herausforderung angenommen und
sich drei Schwerpunkte zur Bewältigung der Probleme gewählt. Diese sind die Berufsorientierung und das Duale Lernen, Leistungsdifferenzierung sowie die Organisation des teilgebundenen Ganztagsbetriebes.
Die Schule klagt über einen schwierigen 7. Jahrgang mit Schülerinnen und Schülern, die Verhaltensauffälligkeiten und zum Teil Verzögerungen in der Entwicklung zeigen. Sie bietet speziell
für diese Jugendlichen, die mit einem üblichen schulischen Unterricht überfordert sind und
somit keinen Schulabschluss erreichen könnten, ein praxisorientiertes Angebot. Hierfür werden
Stunden aus dem Stundenpool verwendet, die die Schule für die Lehrmittelbefreiten bekommt
bzw. aus Stunden für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Zwei
Kolleginnen mit Erfahrungen in der Sonderpädagogik sowie ein Sonderpädagoge (halbe Stelle)
betreuen jene Jugendliche. In Schülerfirmen mit den Bereichen Maler/Lackierer, Fahrradwerkstatt, Kunst und Küche können die Schülerinnen und Schüler temporär ausgegliedert ihre praktischen Fähigkeiten einbringen. Sie nehmen weiterhin am Unterricht in den Kernfächern teil
und verwenden ein Logbuch, in dem sie ihre Ziele und Lernfortschritte dokumentieren. Um die
Wirksamkeit der Praxisarbeit zu überprüfen, ist eine Evaluation mit wissenschaftlicher Begleitung der Humboldt-Universität im Jahr 2013/2014 vorgesehen. Für eine weitere individuelle
Unterstützung von Jugendlichen mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten gibt es zwei Kolleginnen, die im Bereich ETEP1 ausgebildet sind und ursprünglich Kleingruppen betreuten. Diese
mussten allerdings aufgrund fehlender Ressourcen und einer immer größeren Zahl zu unterstützender Kinder aufgelöst werden.
Für die Förderung der Sozialkompetenzen der Schülerinnen und Schüler gibt es an der KonradWachsmann-Schule weitere Maßnahmen. Zwei so genannte Seniorpartner in School2, die ehrenamtlich jede Woche in die Schule kommen, helfen Streitigkeiten zu lösen und bieten Mediationen an. Für alle 7. Klassen führten sie ein Projekt mit dem Titel „Richtig Zoffen“ durch, eine
Wiederholung bzw. Fortsetzung in oberen Klassen ist geplant. Hier lernen die Jugendlichen
Alternativen zu körperlicher Auseinandersetzung kennen, indem sie spielerisch interagieren und
Übungen zum „aktiven Zuhören“ durchführen. Außerdem wurde eine „AG Streiti“ ins Leben
gerufen, in der Schülerinnen und Schüler zu Streitschlichtern ausgebildet werden. In einigen 7.
und 8. Klassen wird ein Klassenrat vor dem Fachunterricht durchgeführt. Hier sind die Klassenleiter und teilweise Eltern anwesend. Teilweise führen die Schülerinnen und Schüler den Klassenrat selbstorganisiert durch, auch ohne anwesende Lehrerinnen oder Lehrer. Darüber hinaus
hat sich die seit 20 Jahren sehr aktive Tanz Arbeitsgemeinschaft (AG) als ein großes Identität
stiftendes Element entwickelt. Der Zulauf auch zum Profilkurs Tanzen steigt ständig. Aufführungen bei Schulveranstaltungen oder außerhalb der Schule geben den Schülerinnen und Schüler Erfolgserlebnisse. Die Bindung ist so stark, dass regelmäßig ehemalige Schülerinnen und
Schüler die AG betreuen, um neue Choreografien einzustudieren.
Für Schülerinnen und Schüler, die sich wiederholt nicht an die Regeln halten, geben die Lehrkräfte eine „Rote Karte“ und verweisen sie in den „Trainingsraum“. Hier können die Schülerinnen und Schüler nach einem Plan eine Reflexion über ihr Fehlverhalten vornehmen und schriftlich festhalten. Nach einem klärenden Gespräch mit der Lehrkraft können sie wieder am Unter1

ETEP (Entwicklungstherapie/Entwicklungspädagogik) ist ein Programm zur Förderung von Kindern und Jugendlichen
mit sich abzeichnenden oder vorhandenen Verhaltensproblemen.
2
SiS - Seniorpartner in School e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die Schülern hilft, Konflikte in Schulen bzw.
zwischen Schülern unabhängig und einvernehmlich zu lösen.

Seite 2/10

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

richt teilnehmen. Mithilfe der Trainingsraummethode lernen Schülerinnen und Schüler, dass sie
über ihr Verhalten selbst entscheiden und deshalb auch selbst verantwortlich sind.
Es gibt eine Stelle für den Bereich Schulsozialarbeit, die vom Träger tandem BQG3 gestellt wird.
Momentan ist diese Stelle nur zur Hälfte von einer Sozialarbeiterin besetzt. Auch deswegen
können Pläne, ältere Schülerinnen und Schüler mehr in die Freizeitbetreuung des Schülerclubs
einzubeziehen, nicht umgesetzt werden. Die Mitarbeiterin des sozialpädagogischen Bereichs
leitet die Gesamtschülervertretung zielgerichtet an. Gemeinsam unternehmen sie Seminarfahrten zur Jugendbildungsstätte „Kurt Löwenstein e.V.“ und organisieren Projekttage zum Thema
Schülermitverantwortung. Diese werden vom lokalen Aktionsplan Hellersdorf4 unterstützt. Die
Sozialarbeiterin berät darüber hinaus Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern, nimmt Kontakte zum Jugendamt auf bzw. pflegt diese. Die Schule hat mithilfe der Schulsozialarbeiterin
begonnen, die aktive Mitarbeit der gewählten Schülersprecherinnen und –sprecher anzubahnen. Die partizipative Einbeziehung der Schülerschaft in die Schulentwicklung beschränkt sich
auf einige gewählte Vertreterinnen und Vertreter.
Die Konrad-Wachsmann-Schule setzt die Berufsorientierung konsequent ab Klasse 7 ein. Die
Schülerinnen und Schüler werden sowohl für das Berufsleben vorbereitet als auch beraten,
wenn es um die Weiterführung der schulischen Laufbahn geht. Begleitend wird der Berufswahlpass als Instrument der Dokumentation von Stärken und Vorlieben genutzt. Aktivitäten
und Erkundungsmöglichkeiten werden den 7. und 8. Klassen geboten, indem sie z. B. den
Erlebnisparcour „komm auf Tour - meine Stärken, meine Zukunft“5 im Freizeitforum Mahrzahn
besuchen. In diesem Jahr findet zum vierten Mal eine Berufsinformationsbörse in der Schule
statt, erstmalig in Kooperation mit zwei anderen Schulen. Hier können sich Eltern und ihre
Kinder über Ausbildungswege und Alternativen informieren. Feste Kooperationspartner, die sich
daran beteiligen, sind Unternehmen und drei Oberstufenzentren. Die zuständige Berufsberaterin
der Agentur für Arbeit bietet regelmäßige Gespräche in der Schule an. Die Deutsche Bahn AG
stellt die Berufswahlpässe zur Verfügung, bietet Plätze für das Betriebspraktikum an und unterstützt die 9. und 10. Klassen durch Trainings, bei denen Bewerbungsmappen geprüft und Vorstellungsgespräche geübt werden. Die Schule organisiert zu dem Themenkreis Berufsorientierung/Bewerbungstraining auch Wochenseminare in der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein e.
V., die mit den 10. Klassen durchgeführt werden. Ein weiteres Beispiel für die vielfältigen Kooperationen ist die Firma HELLIWOOD media & education, die Klassen z. B. beim Schreiben von
Online-Bewerbungen anleitet. Eine Evaluation des Berufsorientierungskonzepts der Schule hat
ergeben, dass die relativ kleine Gruppe von informierten und interessierten Eltern mit dem
Angebot für das Duale Lernen zufrieden ist. Sie sind wie die Jugendlichen der Ansicht, dass die
Praxisplätze ihren Kindern bei der Berufsorientierung helfen. Die Schule beklagt allerdings die
fehlende Eigeninitiative der Jugendlichen, wenn es darum geht, selbstständig Kontakte aufzunehmen oder eigenverantwortliche Planung vorzunehmen. Die Schule hat daraus den Schluss
gezogen, dass die Eltern und ihre Kinder noch besser über Angebote informiert werden müssen. Als Folge wurde ein aktuelles, umfassendes Portal auf die Schulhomepage gestellt.
Die Konrad-Wachsmann-Schule hat den Unterricht in Blöcken von 60 Minuten organisiert. Der
Unterricht findet in der Regel bis zum 5. Block statt. Die Schüler und Schülerinnen der 7. und
8. Klassen haben darüber hinaus jeweils an zwei Tagen der Woche im 6. Block verpflichtende
3

4

5

tandem BQG – gemeinnützige Beschäftigungs- und Qulifizierungsgesellschaft mbH, für den Bereich Schulsozialarbeit
Lokale Aktionspläne sind vor Ort ausgearbeitete Konzepte, in denen die Kommune und zivilgesellschaftliche Akteure eng zusammenarbeiten, um rechtsextremen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Tendenzen zu begegnen.
„komm auf Tour – meine Stärken, meine Zukunft“ ist ein Projekt zur Stärkenentdeckung, Berufsorientierung und
Lebensplanung für Jugendliche ab der 7. Klasse, deren Lehrkräfte und Eltern. Das Projekt führt in Berlin u. a. die
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durch.

Seite 3/10

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

Angebote. Hier können sie aus musisch-künstlerischen, handwerklichen und sportlichen Profilkursen wählen. Außerdem gibt es seit diesem Schuljahr eine Stundenverstärkung im Fach Mathematik. Für die Siebt- und Achtklässler gibt es darüber hinaus eine Hausaufgabenbetreuung
im Rahmen des Ganztagsbetriebes. Für die Essenversorgung der Schülerinnen und Schüler beliefert die Firma Sunshine die Schule mit Mittagessen. Im Schülerclub des Freizeitbereiches, der
im Nebengebäude untergebracht ist, können die Jugendlichen je nach ihren Interessen und
Neigungen verschieden ausgestattete Räume aufsuchen und Spielgeräte benutzen. Einige Geräte wurden durch Geldpreise von ausgezeichneten Schülerprojekten erwirtschaftet. Hier proben
auch die Tanz-AG und die Tanz-Profilkurse für ihre Auftritte.
Der Unterricht an der Konrad-Wachsmann-Schule wird in den Fächern Mathematik und Englisch durch äußere Leistungsdifferenzierung6 vorgenommen. Dem Fach Englisch misst die Schule
auch im Hinblick auf die Vorbereitung der beruflichen und schulischen Zukunft eine besondere
Bedeutung bei. Pro Jahrgang gibt es eine Lerngruppe im bilingualen Zug Englisch. Im 7. und
8. Jahrgang wird das Fach Geografie, im 9. und 10. Jahrgang zusätzlich das Fach Geschichte
in englischer Sprache unterrichtet. Hinzu kommt eine jährlich für interessierte Schülerinnen und
Schüler durchgeführte Projektfahrt nach England.
Die Lehrkräfte analysieren die Schulleistungsdaten und ziehen Konsequenzen aus den Ergebnissen der Lernausgangslage in Klasse 7, VERA 87 und des Mittleren Schulabschlusses (MSA). Die
Analyse der Lernausgangslage ergab, dass vor allem in Mathematik Grundlagen fehlen. Der
Fachbereich hat sich entschlossen, am Projekt Sinus-Transfer8 teilzunehmen, um Anregungen
für Aufgabenformate wie sie in den Vergleichs- und Prüfungsarbeiten vorkommen, zu erhalten.
In den Fachkonferenzen werden Absprachen zu Klassenarbeiten und Unterrichtsinhalten vorgenommen. Eine Arbeitsteilung bei der Erstellung von Unterrichtseinheiten, fächerverbindenden
oder fachübergreifenden Projekten findet dagegen eher nicht statt. Außerschulische Lernorte
werden selten aufgesucht. Das liegt nach Aussage der Lehrkräfte am unbefriedigenden Verhalten der Schülerinnen und Schüler und der Lage der Schule am äußersten Stadtrand.
In einer speziellen Förderung von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern sieht die Schule
zur Zeit keinen Handlungsbedarf, hingegen gibt es vielfältige Angebote für leistungsschwache
Jugendliche, wie das Praxislernen in temporären Lerngruppen oder den DaZ-Förderunterricht9.
Die Schülerinnen und Schüler erleben einen Unterricht, der stark strukturiert ist und dessen
Arbeitsbedingungen für die Unterrichtssituation angemessen sind. Die Aufgaben stellen aber
oft keine herausfordernde Leistungsanforderung an die Schülerinnen und Schüler dar. Bei der
Gestaltung der Unterrichtsprozesse fällt auf, dass selten auf die individuellen Lernvoraussetzungen der Jugendlichen eingegangen wird. Die Aufgabenstruktur ist oft eng gefasst, so dass die
Schülerinnen und Schüler keine Möglichkeit haben, unterschiedliche Lösungsansätze vorzubringen oder sich über verschiedene Lösungswege auszutauschen. Bei Gruppenarbeitsphasen geben
sich die Lernenden gegenseitig zwar Hilfestellungen, bearbeiten aber selten gemeinsam teamorientierte Aufgaben.
Im Unterricht ist der Redeanteil der Schülerinnen und Schüler recht gering, eine kommunikative
Interaktion unter ihnen findet wegen des großen Anteils an Einzelarbeit kaum statt. Die Lehr6

7

9

Bei der äußeren Leistungsdifferenzierung werden Schülerinnen und Schüler nach ihren Leistungen in verschiedene
Niveau-Kurse eingeteilt.
VERA 8, Abkürzung für "VERgleichsArbeiten"; VERA 8 wird immer im Frühjahr in den Fächern Deutsch, Erste
Fremdsprache und Mathematik in der 8. Jahrgangsstufe der Sekundarstufe I geschrieben.
Das Programm SINUS-Transfer ist die Weiterentwicklung des Modellversuchs SINUS ("Steigerung der Effizienz des
mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts"). Ziel ist die Förderung der mathematischnaturwissenschaftlichen Kompetenz durch Weiterentwicklung des mathematisch naturwissenschaftlichen Unterrichts.
DaZ Sprachförderung/Deutsch als Zweitsprache.

Seite 4/10

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

kräfte unterstützen nicht konsequent und durchgängig diejenigen Schülerinnen und Schüler,
die beim Formulieren oder grammatisch richtigen Sprechen Probleme haben. In den beobachteten Unterrichtssequenzen führten Schülerinnen und Schüler häufig nicht themenbezogene Gespräche bzw. befassten sich mit unterrichtsfremden Dingen. Die Reaktion der Lehrkräfte auf
Unterrichtsstörungen war sehr unterschiedlich, ein abgesprochenes Vorgehen war nicht zu erkennen. Im Bereich der Sprachförderung hat die Schule noch kein Konzept entwickelt, sondern
legt momentan den Schwerpunkt auf die Förderung des Sozialverhaltens bzw. die Berufsorientierung. Der Anteil der Kinder nicht deutscher Herkunftssprache ist zwar mit 9 % relativ klein,
aber auch viele der anderen Lernenden werden zu Hause im sprachlichen Bereich nicht ausreichend gefördert. Kinder nicht deutscher Herkunft erhalten an zwei Tagen am Nachmittag, als
auch zwei Stunden vormittags Förderunterricht im Fach Deutsch.
Die Einbeziehung der Eltern und Schülerinnen und Schüler ist der Schule wichtig. Sie fühlen
sich gut über die Leistungsbewertung und den Leistungsstand informiert. Die Eltern müssen
allerdings gezielt angesprochen werden, um sich in den Gremien einzubringen. Es sind wenige
bereit aktiv mitzuarbeiten, diejenigen aber unterstützen die Schule tatkräftig bei Festen und
Schulfeiern. So bieten sie ein Elterncafé zu verschiedenen Themen an, bei denen auch Lehrkräfte gern gesehen sind. Eltern sowie Schülerinnen und Schüler können jederzeit Kontakt zu Lehrkräften oder der Schulleitung aufnehmen. Um der geringen Beteiligung an Elternabenden und
-sprechtagen entgegenzuwirken, werden Ende des ersten Halbjahres Ziele vereinbart und vor
Ostern finden Bilanzgespräche mit Eltern, Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften statt, damit
eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit ermöglicht wird. Die Schülerinnen und Schüler
nehmen zwar Angebote der Schule gerne an, aber die Schule vermisst ein deutliches Engagement für das Lernen aus eigenem Antrieb.
Die Schulleiterin der Konrad-Wachsmann-Schule wird in ihrem Führungsverhalten von allen am
Schulleben beteiligten Gruppen anerkannt. Sie nimmt Vorschläge der Lehrkräfte auf und gibt
ihnen die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten. Sie handelt in Konfliktsituationen zeitnah und
der Situation angemessen, alle fühlen sich ernst genommen. Sie ist stets für Schülerinnen und
Schüler, Eltern und Mitglieder des Kollegiums erreichbar. Sie leitet die Schule seit 1991, die
Stelle der ständigen Vertretung ist zurzeit aus Krankheitsgründen nicht besetzt. Kolleginnen
und Kollegen unterstützen sie und übernehmen Aufgaben für die Stundenplanung, den Ganztagsbetrieb oder die Organisation des Tags der offenen Tür. Sie leitet die Schule kollegial und
leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur guten Arbeitsatmosphäre.
Im Hinblick auf die veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft ist ihr ebenso wie den Kolleginnen und Kollegen eine Hinführung zu eigenständigen Persönlichkeiten und einem guten
Miteinander sehr wichtig. Die Organisation des teilgebundenen Ganztagsbetriebes und das
große Angebot an Profilkursen unterstreichen diesen Aspekt. Die Vermittlung von Basiskompetenzen, ein angemessenes Sozialverhalten und ein angenehmes Klima werden von allen eingefordert. Eine hohe Quote von MSA-Absolventen und einen Schulabschluss möglichst für jede
Schülerin und für jeden Schüler zu erreichen, sind ihre Ziele. Es ist mittlerweile Tradition, jeweils vor der Zeugnisausgabe eine „Lobkultur“ durchzuführen. Hier werden besondere Leistungen jedes Jahrgangs öffentlich gewürdigt. Die Schule beteiligt sich an Wettbewerben und erhielt beim „Stadtumbau Ost“ ein Preisgeld für ihre Arbeit zur Gestaltung der Schulumgebung
und des Schullebens.
Es finden regelmäßige Treffen der Steuergruppe statt. Sie erarbeitete ein aktuelles Schulprogramm mit einem konkreten Ziel- und Maßnahmenkatalog für die nächsten Jahre. Für das
Kollegium gibt es bestimmte Schwerpunkte in der Fortbildung. So ist ein Studientag zum Thema „Umgang mit schwierigen Kindern“ geplant. Dies ist eine Weiterführung einer vorangegangenen Veranstaltungsreihe, bei der es darum geht, soziale Kompetenzen zu erkennen und das
eigene Verhalten zu reflektieren. Einen Entwicklungsbereich hat die Schule in der SprachfördeSeite 5/10

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

rung erkannt und ein Konzept hierfür liegt im Entwurf vor. Das Konzept zum schulinternen
Curriculum aus dem Jahr 2006/07 mit gemeinsam vereinbarten Schwerpunkten und Beiträgen
der einzelnen Fächer und Jahrgangsstufen zur Förderung der entsprechenden Kompetenzen ist
nicht aktualisiert.
Das Kollegium geht konstruktiv und zielgerichtet mit den Herausforderungen der Schule um.
Die Ergebnisse der 1. Inspektion wurden in verschiedenen Bereichen von der Schule aufgenommen. So hat sich das Kollegium zielgerichtet auf dem Gebiet neuer Medien fortgebildet.
Die Unterrichtsorganisation wurde umgestellt und ein Blockunterricht eingeführt. Eine stärkere
individuelle Förderung geschieht durch die verpflichtende Teilnahme der Schülerinnen und
Schüler am Zusatzunterricht. Den verschiedenen Anforderungen und neuen Aufgaben, die sich
auch mit der Umstrukturierung zur ISS ergeben, stellt sich die Konrad-Wachsmann-Schule mit
ihrer Schulleitung und dem Kollegium. Sowohl Kritik als auch selbst erkannter Nachholbedarf
werden aufgegriffen und es wird deutlich, dass die Schule sich bewegt und vorankommen
möchte. Die eingeleiteten Maßnahmen, wie eine klare Steuerungsstruktur und die abgestimmte
Fortbildungsplanung unterstreichen diese Bemühungen.

Seite 6/10

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

4. Qualitätsprofil

10

Qualitätsbereich 1: Ergebnisse der Schule
1.1

B

C

D

Schulleistungsdaten und Schullaufbahn

Qualitätsbereich 2: Unterricht/Lehr- und Lernprozesse
2.1

Schulinternes Curriculum und Abstimmung des Lehr- und Lernangebots

2.2

Unterrichtsgestaltung/Lehrerhandeln im Unterricht

2.3

Systematische Unterstützung, Förderung und Beratung

Beteiligung der Schülerinnen und Schüler und der Eltern

3.2

Soziales Klima und soziales Lernen in der Schule

Schulleitungshandeln und Schulgemeinschaft

4.2

Schulleitungshandeln und Qualitätsmanagement

Qualitätsbereich 5: Professionalisierung und Personalmanagement
5.1

Personalentwicklung und Personaleinsatz

5.2

Arbeits- und Kommunikationskultur im Kollegium

Qualitätsbereich 6: Ziele und Strategien der Qualitätsentwicklung
6.1

Evaluation schulischer Entwicklungsvorhaben

6.2

Fortschreibung des Schulprogramms

E.3

Duales Lernen

D

B

C

D

B

C

D

Bewertung
A

B

C

D

Bewertung
A

B

C

D

Bewertung

Ergänzende Qualitätsmerkmale

Ganztagsangebot

C

Unterrichtsprofil

A

4.1

E.2

B

Bewertung

Qualitätsbereich 4: Schulmanagement

Förderung der Sprachkompetenz

A

A

3.1

E.1

Bewertung

Bewertung

Qualitätsbereich 3: Schulkultur

10

Bewertung
A

A

B

C

Das Qualitätsprofil beinhaltet verpflichtende Qualitätsmerkmale (blau unterlegt) und Wahlmodule. Hinter
diesem Qualitätsprofil verbergen sich ca. 200 Indikatoren. Die Schule erhält im ausführlichen Bericht eine detaillierte Rückmeldung dieser Ergebnisse im Bewertungsbogen. Nähere Informationen zu den Instrumenten und den
Verfahren der Berliner Schulinspektion finden Sie in unserem Handbuch im Internet unter
www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/schulinspektion

Seite 7/10

D

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

5. Unterrichtsprofil
Bewertung

Unterrichtsbedingungen
A

B

C

D

vergleichend

2.2.1

Lehr- und Lernzeit

b

2.2.2

Lern- und Arbeitsbedingungen

b

2.2.3

Strukturierung und transparente Zielausrichtung

b

2.2.5

Verhalten im Unterricht

c

2.2.6

Pädagogisches Klima im Unterricht

c

2.2.7

Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft

c

Unterrichtsprozess

A

B

C

D

vergleichend

2.2.8

Förderung von Selbstvertrauen und Selbsteinschätzung

b

2.2.9

Fachimmanentes, fachübergreifendes und
fächerverbindendes Lernen

d

2.2.10 Methoden- und Medienwahl

c

2.2.11 Sprach- und Kommunikationsförderung

c

Individualisierung von Lernprozessen
2.2.12 Innere Differenzierung

c

2.2.13 Selbstständiges Lernen

c

2.2.14 Kooperatives Lernen

c

2.2.15 Problemorientiertes Lernen

d

11

Normative Bewertung

Vergleichende Bewertung

A (stark ausgeprägt)
Norm: 80 % und mehr der Bewertungen des
Qualitätskriteriums sind positiv
(bei mind. 40 % „++“).

a (vergleichsweise stark)
Der Mittelwert der Schule liegt oberhalb der durch
die Standardabweichung vorgegebenen Obergrenze

B (eher stark ausgeprägt)
Norm: Zwischen 60 % und 80 % der Bewertungen
des Qualitätskriteriums sind positiv.
C (eher schwach ausgeprägt)
Norm: Zwischen 40 % und 60 % der Bewertungen
des Qualitätskriteriums sind positiv.
D (schwach ausgeprägt)
Norm: Weniger als 40 % der Bewertungen des
Qualitätskriteriums sind positiv.

11

b (vergleichsweise eher stark)
Der Mittelwert der Schule liegt zwischen dem Berliner
Mittelwert und der Obergrenze.
c (vergleichsweise eher schwach)
Der Mittelwert der Schule liegt zwischen dem Berliner
Mittelwert und der durch die Standardabweichung
vorgegebenen Untergrenze.
d (vergleichsweise schwach)
Der Mittelwert liegt unterhalb der Untergrenze.

Die aktuellen Unterrichtsbeobachtungen werden mit dem Mittelwert von ca. 30.000 Unterrichtsbeobachtungen der ersten Inspektionsrunde verglichen und auf der folgenden Seite grafisch dargestellt.

Seite 8/10

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

6. Auswertung der Unterrichtsbesuche
(grafische Darstellung der normativen Bewertung)

100%

A/B
80%

B
60%

C
40%

D
20%

D
0%
2.2.1

2.2.2

2.2.3

2.2.4

2.2.5

2.2.6

2.2.7

2.2.8

++

+

2.2.9

-

2.2.10

2.2.11

2.2.12

2.2.13

2.2.14

2.2.15

--

7. Auswertung der Unterrichtsbesuche
(grafische Darstellung der vergleichenden Bewertung Schule - Berlin)

4,00

3,50

3,00

2,50

2,00

1,50

1,00
2.2.1

2.2.2

2.2.3

2.2.5

2.2.6

2.2.7

2.2.8

2.2.9

2.2.10

2.2.11

2.2.12

2.2.13

2.2.14

Qualitätskriterien des Unterrichts
Berlin MW

Berlin untere Grenze

Seite 9/10

Berlin obere Grenze

10K09 MW

2.2.15

Kurzbericht
zur Inspektion der Konrad-Wachsmann-Schule (10K09)

8. Standortbeschreibung
Die Konrad-Wachsmann-Schule liegt in der Großsiedlung Marzahn-Hellersdorf in einem ruhigen
Wohngebiet mit mehrgeschossigen Hochbauten in Plattenbauweise. Den Schulbeteiligten stehen
drei Gebäude zur Verfügung. Das viergeschossige Hauptgebäude beherbergt im Erdgeschoss eine
neue Mensa, die auch als Versammlungsraum (Aula) genutzt wird. Ebenfalls im Erdgeschoss sind
die Holzwerkstatt mit Montagebereich und eigenem Maschinenraum für Angebote des Profil- und
Wahlpflichtkursprogramms sowie eine Fahrradwerkstatt für Lerngruppen aus dem Bereich des Praktischen Lernens eingerichtet. Das Büro des Hausmeisters liegt neben der Mensa.
Im 1. Obergeschoss befinden sich die Klassenräume und der Beratungsraum der Schulsozialarbeiterin. In der 2. Etage stehen den Schülerinnen und Schülern zwei Computerräume mit 17 bzw. 16
vernetzten und internetfähigen Computerarbeitsplätzen zur Verfügung. Auch der Verwaltungsbereich der Schule und das Lehrerzimmer liegen in diesem Bereich. Im 3. Obergeschoss findet in den
entsprechenden Fachräumen der naturwissenschaftliche Unterricht statt. Die Ausstattung entspricht
den aktuellen Sicherheits- und Ausstattungsstandards. Allerdings kann ein Chemiefachraum nur
eingeschränkt für Schülerexperimente genutzt werden, da die mobile Absaugvorrichtung nur mit
erheblichem Aufwand aufgestellt werden kann. Die Fachräume für Kunst und Musik sowie eine
Druck- und Keramikwerkstatt in dieser Etage sind für die Schülerschaft anregende Lernorte. Die
Flure im Hauptgebäude sind mit Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht gestaltet. Weiterhin geben Schautafeln und Schülerplakate Informationen zur Berufsorientierung, zu den verschiedenen
Arbeitsgemeinschaften, zum Namensgeber der Schule, zum aktuellen Vertretungsunterricht und zu
Wettbewerbsergebnissen. Die Klassenräume wirken insgesamt gepflegt. Personalcomputer sind hier
in der Regel nicht vorhanden.
Das zweite Gebäude, das über den Schulhof erreichbar ist, besteht aus dreigeschossig aufgebauten
mobilen Unterrichtsräumen. Es beherbergt neben einigen Unterrichtsräumen insbesondere den Freizeitbereich und Räume für die Profilkurse und Arbeitsgemeinschaften. Zwei Unterrichtsräume werden von einer anderen Schule belegt. Im Erdgeschoss befinden sich die Lehrküche mit Cafeteria,
ein Fitnessraum (finanziert aus dem Landesprogramm „Jugend gegen Gewalt“), der von den Profilkursen und einzelnen Arbeitsgemeinschaften genutzt wird. Weiterhin steht den Lernenden im Mittagsband (6.Block) ein betreuter Hausaufgabenraum im Rahmen des teilgebundenen Ganztagsbetriebes zur Verfügung, der als Bibliothek eingerichtet ist. Das 1. Obergeschoss beherbergt einen
großen Begegnungsraum (Chillraum), der mit Sofas und Sesseln bestückt ist, einen Lehrmittelraum,
die Textilwerkstatt für den Unterricht im Fach „Wirtschaft, Arbeit, Technik“ und einen Freizeitraum
mit Kicker und Tischtennisplatte. Im 2. Obergeschoss des Nebengebäudes wurde ein separater
Raum für die Beratung der Jugendlichen aus dem Bereich „Praxislernen“ eingerichtet. Zwei weitere
Räume und der Flur werden für die Tanz-AG bzw. für den Profilkurs „Tanzen und Kunst“ genutzt.
Das dritte Gebäude ist die eingeschossige Sporthalle, die ab den frühen Nachmittagsstunden verschiedenen Sportvereinen zur Verfügung steht. Die fehlenden Hallennutzungszeiten am Nachmittag
erschweren den Ausbau des Ganztagsbetriebes.
Der Schulhof ist mit Bänken sowie einem kleinen Ballspielplatz ausgestattet. Er bietet ausreichend
Raum für den Pausenaufenthalt sowie für Bewegungsaktivitäten der Schülerinnen und Schüler.
Eine der hofseitigen Haupteingangstüren ist seit mehreren Wochen defekt und muss nach Betriebsschluss mit einer Kette gesichert werden. Nach Aussagen der Schulleiterin stehen aufgrund der Haushaltssperre zurzeit keine Gelder für eine Reparatur zur Verfügung. Ein weiteres
Problem für die Schule ist der von außen angesetzte Fahrstuhl, der zum Gebäude hin über
keine eigene Verschlussmöglichkeit verfügt und somit schulfremde Personen jederzeit in das
Gebäude gelangen können. Insgesamt macht das Gebäudeensemble einen gepflegten Eindruck.
Vandalismus- bzw. Graffitispuren sind kaum sichtbar oder werden umgehend beseitigt.
Seite 10/10
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.