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Full text: Kurzbericht zur Inspektion der Knobelsdorff-Schule (05B02)

Kurzbericht
zur Inspektion der Knobelsdorff-Schule (05B02)

1. Voraussetzungen und Bedingungen
Die Knobelsdorff-Schule (Oberstufenzentrum Bautechnik I) befindet sich im Ortsteil Haselhorst des
Bezirks Spandau. Sie bietet im Bereich der Bauberufe neben zahlreichen Berufsausbildungen ein
breit gefächertes Spektrum an Bildungsgängen an, die zu unterschiedlichen Schulabschlüssen führen. Die Bandbreite reicht von der Berufsbildungsreife bis hin zum Abitur.
Die Schule gliedert sich in drei Abteilungen. Abteilung I umfasst die Berufsfachschule für Bauhandwerker, die von ca. 500 Schülerinnen und Schülern besucht wird. Abteilung II mit knapp 1000
Auszubildenden beinhaltet die Berufsschule für die externe duale Berufsausbildung sowie einen
vollzeitschulischen Bildungsgang. Weitere Berufe und die Mehrzahl der vollzeitschulischen Bildungsgänge bilden die Abteilung III mit nahezu 500 Schülerinnen und Schülern. Die Zuordnung der verschiedenen Bildungsgänge zu den einzelnen Abteilungen veranschaulicht die folgende Übersicht:
Abteilung I

Abteilung II

Abteilung III

Berufsfachschule für
Bauhandwerker/innen

Berufsschule
und MDQM II1

Berufsvorbereitung, Berufsschule und Studienorientierung

in Kombination mit dem
schuleigenen Ausbildungsbetrieb:

• Ausbaufacharbeiter/in

• Berufsvorbereitende Lehrgänge (BV)

• Maurer/in
• Beton- und Stahlbetonbauer/in
• Zimmerer/Zimmerin
• Tischler/in
• Konstruktionsmechaniker/in
• Anlagenmechaniker/in für
Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
• Elektroniker/in, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik

• Estrichleger/in
• Betonstein und Terrazzohersteller/in
• Stukkateur/in
• Fliesen-, Platten und Mosaikleger/in
• Industrieisolierer/in
• Isolierfacharbeiter/in
• Trockenbaumonteur/in
• Dachdecker/in
• Kachelofen- und Luftheizungs-bauer/in
• Schädlingsbekämpfer/in
• Industriekeramiker/in
• Figurenkeramikformer/in
• Manufakturporzellanmaler/in
• Holz- und Bautenschützer/in
• Schornsteinfeger/in mit
Doppelqualifikation zur
Fachhochschulreife

• Berufsqualifizierende Lehrgänge (BQL)
• Tiefbaufacharbeiter/in
• Rohrleitungsbauer/in
• Wasserbauwerker/in
• Brunnenbauer/in
• Gleisbauer/in
• Kanalbauer/in
• Straßenbauer/in
• Baustoffprüfer/in
• Bauwerksabdichter/in
• Steinmetz/in und Steinbildhauer/in
• Vermessungstechniker/in mit
Doppelqualifikation zur Fachhochschulreife
• Staatlich geprüfte/r Technische/r Assistent/in für Gebäude-Energie-Design
• Staatlich geprüfte/r Denkmaltechnische/r Assistent/in
• Fachoberschule (FOS)
• Berufsoberschule (BOS)
• Berufliches Gymnasium (in
Kooperation mit OSZ TIEM)

1

In der MDQM II (Modularen Dualen Qualifizierenden Maßnahme - Stufe II) bieten OSZ in Zusammenarbeit mit
freien Ausbildungsträgern eine Berufsausbildung an.

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Die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums werden als Lernende des OSZ TIEM
(Technische Informatik, Industrieelektronik und Energiemanagement) geführt, da ihre Kurse
überwiegend dort stattfinden; die Knobelsdorff-Schule bietet einzelne Kurse der Bau- sowie der
Gestaltungstechnik an.
Eine weitere Besonderheit der Schule ist der integrierte Ausbildungsbetrieb, in dem Jugendliche
in zahlreichen Berufen des Bauhandwerks theoretisch und praktisch ausgebildet werden. Zur
Vermittlung der praktischen Ausbildungsinhalte unterhält die Schule neben eigenen Werkstätten eine Vielzahl an Baustellen im Großraum Berlin.
Der Ausbildungsbetrieb wird von einer eigenen Personalstelle mit entsprechender Besetzung
(Ausbildungsleiter, Oberbauführerin, Personalstellenleiterin mit Sekretariaten) verwaltet. Auch
die umfangreich benötigten Materialien und Werkstätten werden von der Schule mit eigenem
Budget inklusive Anschaffungen, Bestellungen, Abschreibungen und Rechnungslegung verantwortet.
In der Schulleitung sind zurzeit vier von acht Funktionsstellen vakant. Hierbei handelt es sich
um die Position der Schulleiterin bzw. des Schulleiters sowie um zwei Stellen als Abteilungsleiterin oder Abteilungsleiter und eine als Abteilungskoordinatorin oder Abteilungskoordinator.

2. Stärken und Entwicklungsbedarf

Stärken der Schule
•

breites Bildungsangebot

•

freundliches und zugewandtes Miteinander aller am Schulleben Beteiligten

•

intensive Förderung der Jugendlichen in der fachpraktischen Ausbildung

•

effektives Ressourcen- und Verwaltungsmanagement des Ausbildungsbetriebs

•

enge Zusammenarbeit mit den Ausbildungspartnern der Praxis

•

vielfältige in- und ausländische Kooperationen

Entwicklungsbedarf der Schule
•

Verbesserung der Kommunikation innerhalb der Schule

•

Aufbau einer verbindlichen Teamstruktur

•

Verständigung auf einheitliche bildungsgangsbezogene Unterrichtskonzeptionen und
deren Umsetzung

•

zielgerichtete Fortführung der Schulprogrammarbeit

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3. Erläuterungen
Die Knobelsdorff-Schule hat ihr breites Bildungsgangsangebot seit der letzten Schulinspektion
im Jahr 2007 weiter ausgebaut. Mit der Einrichtung doppelt qualifizierender Bildungsgänge
ermöglicht sie jungen Menschen, eine Berufsausbildung abzuschließen und gleichzeitig die allgemeine Fachhochschulreife zu erwerben. Hierzu hat die Schule seit 2007 ein weiteres Berufsbild entwickelt: die Assistentin bzw. den Assistenten für Gebäude-Energie-Design. Im Bereich
der Dualen Ausbildung ist der Beruf Schädlingsbekämpfer/in hinzugekommen.
Das Schulprofil, die Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege, spielt insbesondere in der Berufsfachschule der Bauhandwerker und im Bildungsgang der denkmaltechnischen Assistentinnen
und Assistenten eine zentrale Rolle. Hier werden Praxisprojekte in Zusammenarbeit mit den für
Denkmalschutz zuständigen Behörden geplant, realisiert und der Öffentlichkeit präsentiert. So
erstellten die Auszubildenden zum/zur Staatlich geprüften Denkmaltechnischen Assistenten/in
eine Bestandsaufnahme und Baudokumentation des Gutshauses Neu-Kladow. Die Auszubildenden der Berufsfachschule für Bauhandwerker sanierten anschließend nach diesen Plänen die
Fensterläden des Gebäudes. Seit 2008 arbeiten Schülerinnen und Schüler verschiedener Ausbildungsjahrgänge an diesem Projekt und präsentieren regelmäßig am Tag des offenen Denkmals
ihre Arbeit oder gestalten Ausstellungen, beispielsweise in der Stadtbibliothek in BerlinSpandau. Ähnlich verlief ein Projekt zur Sanierung der Remise auf dem ehemaligen Gutshof
Alt-Gatow, zur Baudokumentation des historischen Schoelerschlösschens in Berlin-Wilmersdorf
oder zur Baudokumentation und Sanierung von Fragmenten der mittelalterlichen Berliner
Stadtmauer.
Die Knobelsdorff-Schule bietet ihren Schülerinnen und Schülern ein fundiertes Beratungsangebot bezüglich der weiteren Möglichkeiten, die sich aus dem erfolgreichen Abschluss eines Bildungsgangs ergeben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der berufsqualifizierenden Lehrgänge können bei entsprechender persönlicher Entwicklung einen Ausbildungsplatz im schuleigenen Ausbildungsbetrieb erhalten. Die Schule hat es sich zum Ziel gesetzt, fünfzehn Prozent
der hauseigenen Ausbildungsplätze an Jugendliche aus ihren BQL-Klassen zu vergeben, mit
bisher unterschiedlichem Erfolg.
Im schuleigenen Ausbildungsbetrieb erlernen die Schülerinnen und Schüler einen der oben genannten sieben Handwerksberufe. Die Jugendlichen werden von Lehrkräften in einem Bewerbungsverfahren ausgewählt und erhalten einen Ausbildungsvertrag, in dem auch die tarifliche
Ausbildungsvergütung angegeben ist. Der Schulleiter unterzeichnet für das Ausbildungsunternehmen. Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Verwaltungsablauf. Hierzu zählen nicht nur die Bearbeitung von Materialbestellungen für die Werkstätten und Baustellen, sondern auch die Berechnung und Verwaltung von Urlaubstagen der
Auszubildenden, Lohnberechnungen, Gehaltsbuchungen sowie das Führen der Personalakten.
Dem Schulleiter obliegt es außerdem, arbeitsrechtliche Maßnahmen zu ergreifen wie beispielsweise Abmahnungen zu erteilen oder Kündigungen auszusprechen. Für die Auszubildenden
gibt es klare Regelungen bezüglich Anwesenheitspflicht und Verhalten. Die Schule hat sich auf
Maßnahmen zur Vermeidung von Kündigungen während der Probezeit verständigt. Wöchentlich findet eine Sitzung der Schulleitung mit der Verwaltungsleitung statt.
Die Auszubildenden des schuleigenen Betriebs sammeln praktische Erfahrungen in den Werkstätten der Knobelsdorff-Schule und bei Auftragsarbeiten auf Baustellen im Großraum Berlin.
Zur Akquise neuer Baustellen präsentiert sich der Ausbildungsbetrieb unter anderem auf der
Europäischen Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, „denkmal“, in
Leipzig. Für den Messestand haben Auszubildende im Rahmen ihres Fachpraxisunterrichts ein
Miniatur-Fachwerkhaus gebaut. In kleinen Lerngruppen werden die Schülerinnen und Schüler
durch Fachpraxislehrkräfte intensiv angeleitet und betreut sowie zu Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit
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und Höflichkeit angehalten. Die Praxislehrkräfte achten außerdem darauf, dass mit dem Material sparsam und gewissenhaft umgegangen wird. Sie haben oft ein sehr enges Vertrauensverhältnis zu den Jugendlichen und helfen ihnen auch bei der Bewältigung privater Probleme.
Die Schülerinnen und Schüler bringen ihren Praxislehrerinnen und -lehrern Respekt und
Wertschätzung entgegen.
Insgesamt herrscht an der Knobelsdorff-Schule ein freundliches und zugewandtes Miteinander.
Die Auszubildenden des schuleigenen Ausbildungsbetriebs und die Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter pflegen einen kollegialen Umgangston. Die Pädagoginnen und Pädagogen achten nach Berichten der Jugendlichen darauf, dass Minderheiten respektiert werden.
Ressentiments der einzelnen Berufs- oder Schülergruppen gegeneinander sind nicht festzustellen. Die Hausordnung sieht klare Sanktionen bei Gewaltvorfällen vor und erläutert anschaulich
das Verbot rechtsradikaler Symbole. Neue Ausbildungsjahrgänge werden darauf hingewiesen
und Verstöße konsequent geahndet.
Der stellvertretende Schulleiter lebt die freundliche Zugewandtheit selbst vor. Mitbestimmung
ist ihm wichtig, er ist stets ansprechbar. Dennoch funktioniert die Kommunikation zwischen
der Schulleitung und dem Kollegium, teilweise aber auch zwischen den Lehrkräften, den eigenen Aussagen zufolge, nicht zufriedenstellend. Die Lehrerinnen und Lehrer verteilen sich in
ihren Pausen auf verschiedene Räume und Stockwerke des Gebäudes, so dass der Informationsaustausch oft in informellen Gesprächen, zum Beispiel auf dem Flur, stattfindet. Wesentliche Neuerungen werden über Aushänge und Anschreiben per Fach bekannt gegeben. Moderne
Kommunikationsmittel - beispielsweise ein Bildschirm im Foyer, das Intranet oder E-Mails - fehlen oder werden kaum genutzt. Die Schülerinnen und Schüler wünschen sich die Veröffentlichung des aktuellen Vertretungsplans auf der Homepage, um bei Unterrichtsausfall unnötige,
lange Anfahrten zu vermeiden. Etliche Lehrkräfte sind nur wenig über andere Bildungsgänge
informiert. Aus den Protokollen der Schul- und Fachkonferenzen geht hervor, dass die Sitzungen nur selten für einen Informations- und Meinungsaustausch genutzt werden. Die Verteilung
der Ressourcen innerhalb der Schule ist vielen unklar. Die Kommunikation einiger Lehrkräfte
mit der Schulleitung ist ebenfalls wenig ausgeprägt. So tauschen die Unterrichtenden gelegentlich den Klassenraum, das Fach oder die Lerngruppe, ohne die Schulleitung darüber in Kenntnis
zu setzen.
Der Theorieunterricht an der Knobelsdorff-Schule hat sich im Vergleich zur Inspektion vor fünf
Jahren nicht wesentlich verändert. Die Unterrichtsqualität hängt nach wie vor stark von der
jeweiligen Lehrkraft ab und ist dadurch unterschiedlich ausgeprägt. In der Fachpraxis steht das
eigenständige Arbeiten im Vordergrund, die Sprach- und Kommunikationsförderung spielt hingegen eine nur untergeordnete Rolle. Beide Unterrichtsbereiche zeichnen sich dadurch aus,
dass die Lehrkräfte Fragestellungen mit einem Bezug zur beruflichen Praxis anwenden. Zum
beobachteten Unterrichtsbeginn verspäteten sich etliche Schülerinnen und Schüler.
Das zentrale Medium des Theorieunterrichts ist das Arbeitsblatt. Viele Lehrkräfte setzen es oft
ein, um entweder bereits Erlerntes in Einzelarbeit üben zu lassen, oder um mit Hilfe von vorstrukturierten Blättern fragend-entwickelnd neue Lerninhalte zu vermitteln, teilweise auch ergänzt durch einen kurzen Lehrervortrag. Das Anforderungsniveau ist dabei durchaus herausfordernd. Zur Erklärung von Lösungswegen oder Sachzusammenhängen nutzen die Lehrkräfte
gern die Tafel. Bildungsgangübergreifend konnte das Inspektionsteam aber auch Unterrichtsphasen beobachten, in denen die Jugendlichen in Gruppen Aufgaben lösten und anschließend
präsentierten.
Im Praxisunterricht haben die Schülerinnen und Schüler wesentlich häufiger die Möglichkeit,
selbstständig zu arbeiten. Nach der Anleitung durch die Lehrkraft stellen sie neue Gegenstände
her. Je nach Auftrag kann es sich dabei zum Beispiel um Aufbewahrungs-Möbel für eine KinSeite 4/11

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dertagesstätte handeln, um den oben erwähnten Nachbau von Fensterläden für einen denkmalgeschützten Gutshof oder sogar um den Neubau einer kleinen Kirche im Berliner Umland.
Die Jugendlichen lernen dabei die einzelnen Bearbeitungsschritte kennen und führen sie dann
selbst aus. Bei größeren Projekten werden einzelne Teile in der Werkstatt vorgefertigt, mit dem
schuleigenen LKW zur Baustelle transportiert und dort zusammengebaut.
Im methodisch-didaktischen Bereich hat sich der Unterricht an der Knobelsdorff-Schule insgesamt kaum weiterentwickelt. Aus den Fachkonferenzprotokollen ist nicht zu ersehen, dass die
Lehrkräfte sich mit Fragestellungen der Unterrichtsentwicklung beschäftigen. Die besuchten
Fortbildungen zum selbstorganisierten Lernen (SOL) und zur pädagogischen Schulentwicklung
(PSE)2 haben keinen anhaltenden Eingang in die tägliche Unterrichtsarbeit gefunden und sind,
wie bereits vor fünf Jahren festgestellt, nicht einheitlich und verbindlich geregelt. Immer noch
hängt es von der einzelnen Lehrkraft ab, ob bzw. in welcher Intensität die einzelnen Schülerinnen und Schüler in diesen Kompetenzen gefördert werden. Ein Fortbildungskonzept liegt nicht
vor. Teambildung und -arbeit sind zurzeit abhängig vom individuellen Engagement und vom
Bildungsgang, in dem die oder der Lehrende unterrichtet. Teilweise ergibt sich eine Teamarbeit
durch einen gemeinsamen Bildungsgang oder durch den Platz im selben Lehrerzimmer.
Das aktuelle Schulprogramm stammt aus dem Jahr 2007 und lag in dieser Version bereits bei
der letzten Inspektion vor. Es wurde seitdem nicht weiter fortgeschrieben. Die dort festgelegten Entwicklungsvorhaben sind überwiegend bereits abgeschlossen, in wenigen Fällen aber
auch nicht weiter verfolgt worden. Dennoch wurden neue Projekte entworfen und in unterschiedlicher Qualität auf Projektkarten dokumentiert, so zum Beispiel die Vereinheitlichung der
Bewertungsmaßstäbe in der fachpraktischen Grundausbildung, die Senkung der Abbrecherquote
in der Berufsfachschule für Bauhandwerker oder die Einrichtung eines Trainingsraums3. Zum
Teil fehlen hier Zeit-Maßnahmen-Pläne oder es wird nicht deutlich, ob das jeweilige Projekt
realisiert wurde. Seit diesem Schuljahr ist eine Steuerungsgruppe erneut aktiv. Sie soll die systematische Arbeit am Schulprogramm wieder aufnehmen.
Die Einbindung moderner Medien in den Unterricht ist im Vergleich zur letzten Inspektion
schwieriger geworden: In den Klassenräumen sind selten PCs vorhanden, Hard- und Software
in den Computerräumen sind mittlerweile veraltet. Die Schule verfügt - unverändert - über
zwei Klassensätze mobiler Laptops. Manche Lehrkräfte stellen ihren Schülerinnen und Schülern
diese Geräte im Unterricht zur Verfügung, beispielsweise für die Internetrecherche oder Erstellung von Powerpoint-Präsentationen. Manche Investitionen konnten Dank der guten Zusammenarbeit mit den Ausbildungspartnern realisiert werden. So finanzierte beispielsweise die
Schornsteinfegerinnung die komplette technische Ausstattung eines Fachraums. Andere Unternehmen haben mit Arbeitsleistungen bei Raumrenovierungen ausgeholfen oder auch Material
und technische Geräte gespendet. Unternehmen der Schädlingsbekämpfungsbranche laden
regelmäßig Lehrkräfte und Auszubildende zu Fortbildungen ein, Lehmbau-Fachkräfte haben mit
der Schule gemeinsam den Lehrplan Lehmbau erstellt. Die Knobelsdorff-Schule unterstützte
ihrerseits die Dachdeckerinnung bei der Durchführung einer Befragung zum Thema „vorzeitige
Beendigung des Ausbildungsverhältnisses“. Branchenübergreifend bieten Betriebe regelmäßig
Praktikumsplätze für Lehrkräfte an. Die dualen Ausbildungspartner schätzen die Zusammenarbeit mit der Knobelsdorff-Schule und beschreiben die gemeinsame Ausbildungsarbeit als konstruktiv, eng und vertrauensvoll. Beide Seiten benennen offen Probleme und suchen gemeinsam nach geeigneten Lösungen. Beispielsweise entstand der Ausbildersprechtag aus dem
Wunsch der Betriebe heraus, sich noch besser mit den Lehrkräften über die Leistungen und
Fehlzeiten ihrer Auszubildenden austauschen zu können; dennoch ist die Intensität der Zusam2

3

Pädagogische Schulentwicklung (PSE) ist ein Programm zur Förderung der Methoden-, Kommunikations- und
Teamkompetenzen im Unterricht. Es geht zurück auf den Pädagogen Heinz Klippert.
Das Trainingsraum-Konzept wurde mittlerweile aufgegeben.

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menarbeit zwischen Schule und Ausbildungsstätte weiterhin vom individuellen Engagement der
einzelnen Lehrerin oder des einzelnen Lehrers abhängig.
Die Knobelsdorff-Schule verfügt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene über
vielfältige Kooperationen. So ermöglicht der Lehmbau-Verbund „Lern-Lehm“ den Schülerinnen
und Schülern, in verschiedenen europäischen Ländern systematisch weitere praktische Erfahrungen in ihrer Branche zu sammeln. Auszubildende unternehmen im Rahmen des Leonardo da
Vinci-Programms4 Bildungsreisen beispielsweise nach Großbritannien, Belgien, Dänemark, Norwegen, Italien, Österreich, Russland oder Schweden. Neben dem praktischen Arbeiten in der
Denkmalpflege steht das Kennenlernen der Länder und ihrer Einwohner im Mittelpunkt dieser
Veranstaltungen. So renovierten beispielsweise einige Auszubildende in Belgien Baudenkmäler,
andere führten in Norwegen ein Schiffsbauprojekt durch, eine weitere Gruppe fertigte in Israel
eine Pausenhofüberdachung in Holzkonstruktion an. Denkmaltechnische Assistenten haben in
Italien eine Bauaufnahme an historischen Gebäuden durchgeführt. Ein Projekt in London diente
dem Vergleich von Wohnsiedlungen in London und Berlin, ein anderes führte deutsche und
englische Auszubildende zusammen, um Küchen und Bäder in Deutschland und Großbritannien
zu vergleichen. Einmal jährlich fahren Schülergruppen nach Mauthausen und Loibl in Österreich, um an den dortigen KZ-Gedenkstätten Renovierungsarbeiten auszuführen und sich mit
dem Thema Holocaust vor Ort auseinanderzusetzen. Die Schule beteiligt sich regelmäßig an
einer Gedenkfeier zum 8. Mai.
Zeitweise werden an der Knobelsdorff-Schule auch Counterparts (Ausbilderinnen und Ausbilder
aus Entwicklungsländern) fortgebildet. Mit ihrem Ausbildungsbetrieb zieht die KnobelsdorffSchule regelmäßig in- und ausländische Gäste an, die sich über dieses einzigartige Konstrukt
informieren möchten.

4

Das Leonardo da Vinci - Programm der Europäischen Union fördert die Zusammenarbeit in der beruflichen
Aus- und Weiterbildung der teilnehmenden Staaten, z. B. durch die finanzielle Unterstützung von Auslandsaufenthalten in diesen Bereichen.

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4. Qualitätsprofil

5

Qualitätsbereich 1: Ergebnisse der Schule
1.1

B

C

D

Schulleistungsdaten und Schullaufbahn

Qualitätsbereich 2: Unterricht/Lehr- und Lernprozesse
2.1

Schulinternes Curriculum und Abstimmung des Lehr- und Lernangebots

2.2

Unterrichtsgestaltung/Lehrerhandeln im Unterricht

2.3

Systematische Unterstützung, Förderung und Beratung

Beteiligung der Schülerinnen und Schüler und der Eltern

3.4

Kooperationen

Schulleitungshandeln und Schulgemeinschaft

4.2

Schulleitungshandeln und Qualitätsmanagement

4.3

Verwaltungs- und Ressourcenmanagement

Qualitätsbereich 5: Professionalisierung und Personalmanagement
5.1

Personalentwicklung und Personaleinsatz

5.2

Arbeits- und Kommunikationskultur im Kollegium

Qualitätsbereich 6: Ziele und Strategien der Qualitätsentwicklung
6.1

Evaluation schulischer Entwicklungsvorhaben

6.2

Fortschreibung des Schulprogramms

D

B

C

D

B

C

D

Bewertung
A

B

C

D

Bewertung
A

B

C

D

Bewertung

Ergänzende Qualitätsmerkmale

Schulprofil

C

Unterrichtsprofil

A

4.1

E.5

B

Bewertung

Qualitätsbereich 4: Schulmanagement

Lernfeld

A

A

3.1

E.4

Bewertung

Bewertung

Qualitätsbereich 3: Schulkultur

5

Bewertung
A

A

B

C

Das Qualitätsprofil beinhaltet verpflichtende Qualitätsmerkmale (blau unterlegt) und Wahlmodule. Hinter diesem
Qualitätsprofil verbergen sich ca. 200 Indikatoren. Die Schule erhält im ausführlichen Bericht eine detaillierte
Rückmeldung dieser Ergebnisse im Bewertungsbogen. Nähere Informationen zu den Instrumenten und den Verfahren der Berliner Schulinspektion finden Sie in unserem Handbuch im Internet unter
www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/schulinspektion

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D

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5. Unterrichtsprofil
Bewertung

Unterrichtsbedingungen
A

B

C

D

vergleichend

2.2.1

Lehr- und Lernzeit

b

2.2.2

Lern- und Arbeitsbedingungen

b

2.2.3

Strukturierung und transparente Zielausrichtung

b

2.2.4

Kooperation des pädagogischen Personals

b

2.2.5

Verhalten im Unterricht

b

2.2.6

Pädagogisches Klima im Unterricht

b

2.2.7

Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft

a

Unterrichtsprozess

A

B

C

D

vergleichend

2.2.8

Förderung von Selbstvertrauen und Selbsteinschätzung

b

2.2.9

Fachimmanentes, fachübergreifendes und
fächerverbindendes Lernen

b

2.2.10 Methoden- und Medienwahl

b

2.2.11 Sprach- und Kommunikationsförderung

b

Individualisierung von Lernprozessen
2.2.12 Innere Differenzierung

c

2.2.13 Selbstständiges Lernen

b

2.2.14 Kooperatives Lernen

b

2.2.15 Problemorientiertes Lernen

b

6

Normative Bewertung

Vergleichende Bewertung

A (stark ausgeprägt)
Norm: 80 % und mehr der Bewertungen des
Qualitätskriteriums sind positiv
(bei mind. 40 % „++“).

a (vergleichsweise stark)
Der Mittelwert der Schule liegt oberhalb der durch
die Standardabweichung vorgegebenen Obergrenze

B (eher stark ausgeprägt)
Norm: Zwischen 60 % und 80 % der Bewertungen
des Qualitätskriteriums sind positiv.
C (eher schwach ausgeprägt)
Norm: Zwischen 40 % und 60 % der Bewertungen
des Qualitätskriteriums sind positiv.
D (schwach ausgeprägt)
Norm: Weniger als 40 % der Bewertungen des
Qualitätskriteriums sind positiv.

6

b (vergleichsweise eher stark)
Der Mittelwert der Schule liegt zwischen dem Berliner
Mittelwert und der Obergrenze.
c (vergleichsweise eher schwach)
Der Mittelwert der Schule liegt zwischen dem Berliner
Mittelwert und der durch die Standardabweichung
vorgegebenen Untergrenze.
d (vergleichsweise schwach)
Der Mittelwert liegt unterhalb der Untergrenze.

Die aktuellen Unterrichtsbeobachtungen werden mit dem Mittelwert von ca. 30.000 Unterrichtsbeobachtungen der
ersten Inspektionsrunde verglichen und auf der folgenden Seite grafisch dargestellt.

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6. Auswertung der Unterrichtsbesuche
(grafische Darstellung der normativen Bewertung)

100%

A/B
80%

B
60%

C
40%

D
20%

D
0%
2.2.1

2.2.2

2.2.3

2.2.4

2.2.5

2.2.6

2.2.7

2.2.8

++

+

-

2.2.9

2.2.10

2.2.11

2.2.12

2.2.13

2.2.14

--

7. Auswertung der Unterrichtsbesuche
(grafische Darstellung der vergleichenden Bewertung Schule - Berlin)

4,00

3,50

3,00

2,50

2,00

1,50

1,00
2.2.1

2.2.2

2.2.3

2.2.4

Berlin MW

2.2.5

2.2.6

2.2.7

2.2.8

Berlin untere Grenze

Seite 9/11

2.2.9

2.2.10

2.2.11

Berlin obere Grenze

2.2.12

2.2.13

05B02 MW

2.2.14

2.2.15

2.2.15

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8. Standortbeschreibung
Der Hauptstandort der Knobelsdorffschule besteht aus dem Haupt- und dem Werkstattgebäude
sowie aus mehreren großen Hallen für die verschiedenen Handwerksberufe. Zusätzlich gibt es
containerartige, mobile Unterrichtsräume (MUR), eine Sporthalle sowie einen Sportplatz. Zwischen den Gebäuden liegen Pausenhöfe und überdachte Lager- und Montageplätze.
Im fünfstöckigen Hauptgebäude befinden sich die Verwaltung der Schule, zahlreiche Fach-,
Sammlungs- und Klassenräume sowie die Cafeteria. Sie ist bereits am frühen Morgen geöffnet,
da der Unterricht in den Werkstätten um 7 Uhr beginnt. In den Fach- und Sammlungsräumen
verwalten Fachlehrkräfte auch die umfangreichen Bestände an Werkzeugen, Maschinen, Baustoffen und Anschauungsmaterial.
Neben einem Set von 30 mobilen Laptops verfügt die Schule über insgesamt acht PC-Räume
unterschiedlicher Größe und Ausstattung. Die stationären PCs entsprechen nicht den aktuellen
technischen Anforderungen. Das im Haus installierte WLAN-Netz ist betriebsbereit, wird jedoch
von den Schülerinnen und Schüler als kaum belastbar beschrieben. Weiterhin steht den Schülerinnen und Schülern eine gut ausgestattete, einladend eingerichtete Bibliothek zur Verfügung,
die den ganzen Vormittag geöffnet ist und auch PC-Arbeitsplätze aufweist. Rund 50 im Schulgebäude verteilte Metallspinde können von Schülerinnen und Schülern belegt werden. Die mit
halber Stelle tätige Schulsozialarbeiterin sowie die beiden für die Mediation ausgebildeten Lehrkräfte haben eigene Sprechzimmer. Der vorhandene Trainingsraum wird zurzeit nicht genutzt.
Auf allen Etagen finden sich von Schülerinnen und Schülern erstellte Handwerksarbeiten, wie
eine geschwungene Holztreppe, Fachwerkmauern, ein Bauhaus-Stuhl oder Mosaikbauten im
Gaudí-Stil. In den Fluren werden Unterrichtsergebnisse, Fotos und Dokumentationen internationaler Begegnungen präsentiert.
Das Werkstattgebäude, in dem sich die großen Gewerkehallen für Tischlerei und Zimmerei sowie für Maurerarbeiten, Beton-, Metall- und Anlagenbau befinden, ist mit dem Hauptgebäude
durch einen Übergang verbunden. Auch eine Schmiede und eine Spritzwerkstatt sind vorhanden. Die Kelleretage bietet den Auszubildenden Dusch- und Umkleidemöglichkeiten. Im den
oberen Stockwerken befinden sich die Büros des hauseigenen Ausbildungsbetriebs sowie weitere Unterrichtsräume.
Als dauerhaftes Provisorium haben sich die sechs MUR erwiesen, in denen die Auszubildenden
z. B. das Installieren elektrischer Anlagen lernen.
Alle Werkstätten sind mit den für eine Handwerksausbildung wesentlichen Maschinen und
Werkzeugen ausgestattet, die von den Lehrkräften für Fachpraxis verwaltet werden. Das begrenzte Budget erlaubt es nicht immer, die vorgesehenen Wartungsintervalle einzuhalten und
Reparaturen in Auftrag zu geben. Daher sind einzelne Maschinen zurzeit nicht einsatzbereit. In
den Werkstätten befinden sich von den Lehrkräften erstellte Übungswände mit Realien (z. B.
Gasthermen), an denen die Auszubildenden praxisnah üben. Großformatige Aufträge, z. B.
Fluchttreppen für Grundschulen oder ganze Gebäudeteile, werden auf überdachten Höfen zwischen den Hallen vorgefertigt.
Aufgrund der begrenzten Flächen auf dem Schulgelände werden die Vorräte an Baumaterial
zum Teil auf einer nahegelegenen Außenstelle gelagert.
Die sehr gut ausgestattete Sporthalle umfasst drei Sportfelder. Daneben verfügt die Knobelsdorff-Schule über einen Sportplatz mit Tartan-Bahn, Basketballkörben und Fußballtoren, der im
Jahr 2011 renoviert wurde. Wegen Beschwerden aus der unmittelbar angrenzenden Wohnsiedlung wird dieser Bereich ausschließlich für Unterricht genutzt, nicht aber für die Pausengestaltung.
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Der Schulhof vor dem Hauptgebäude wurde in den 1990er Jahren mit bauhandwerklichen
Schülerarbeiten gestaltet und bietet einige Sitz- und Unterstellmöglichkeiten. Vor dem Schuleingang haben Auszubildende das meterhohe „Handwerker-Tor“ errichtet, das die in der Schule
angebotenen Fachrichtungen Holz, Stein und Metall symbolisieren soll.
Im Ortsteil Staaken, ca. 10 km vom Hauptgebäude der Knobelsdorff-Schule entfernt, befindet
sich eine Außenstelle auf dem Gelände des ehemaligen Forts Hahneberg. Hier werden in erster
Linie Klassen der Berufsvorbereitung (BQL) unterrichtet, zeitweise nutzen jedoch auch andere
Ausbildungsklassen das Gelände, um sich z. B. im Lehmbau zu üben. Die Schülerinnen und
Schüler werden von einem festen Lehrkräfteteam unterrichtet sowie von einem Sozialpädagogen mit voller Stelle betreut. Dieser bietet in den Pausen auch kleine Snacks an. Das im Wald
gelegene Gelände ist mit drei langgestreckten pavillonartigen Unterrichtsgebäuden bebaut, die
ansprechend modernisiert sind. Hinzu kommen eine Holzwerkstatt, ein Materiallager, eine derzeit ungenutzte überdachte Steinmetz-Arbeitsstätte, ein selbst gebauter Lehmofen sowie ein
Miniatur-Fachwerkgebäude zur Übung und Demonstration verschiedener Lehmbauweisen. In
der modern ausgestatteten Holzwerkstatt werden die BQL-Schülerinnen und -Schüler in kleinen
Teilungsgruppen in der Arbeit mit Holz unterwiesen. Die hier angesiedelte Schülerfirma „Woodpeckers“ („Spechte“) stellt z. B. Überdachungen her, produziert daneben auch Kleinprodukte
wie Vogelhäuser und Nistkästen, die auf dem Spandauer Weihnachtsmarkt zum Verkauf angeboten werden.

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