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Volume Nr. 40, 22. Mai 1925 Ansprachen anläßlich der Einführung des Herrn Polizeipräsidenten Grzesinski am 14. Mai 1925

Full text: Amtliche Nachrichten des Polizeipräsidiums in Berlin (Public Domain) Issue 1925 (Public Domain)

ordentlichen Gang der Behörden eingliedert. Hätte der alte Staat, 
dessen Vorzüge ich anerkenne, diese Unkerlassurg nicht begangen, daß 
er geflissentlich Jahrzehnte lang Angehörige eines beflimmten Stan- 
des bevorzugte, =- ich bin der festen Überzeugung : es wäre uns 
manch unliebsamer Kampf im Innern erspart geblieben. Cs kommt 
jeßt darauf an, manche Fehler des alten Regiments wieder gut zu 
machen und Vorzüge der früheren Regierung mit denen der neuen 
Zeit zu vereinen, und darum ist es notwendig, Angehörige der 
früher zurücgeseßten Stände in die Verwaltung zu übernehmen. 
Sie, Herr Präsideni. sind Repräsenfant und Angehöriger einer 
solchen früher zurücgeseßlten Schicht, und weil Sie die notwendigen 
Voraussezungen mitbringen, sind Sie zum VPolizeipräsidenten von 
Berlin ernannt. Die Aufgaben, die Ihrer harren, sind nicht leichk. 
Es gab noch keinen Volizeipräsidenten, dem.so schwere Pflichten be- 
vorstanden, wie Sie Ihnen bevorstehen. Alis Ihr Amtsvorgänger, 
der in s<weren Zeiten berufen wurde und der in schweren Zeiten 
auch Gutes für die Bevölkerung Berlins geleisiet hat, eingeführt 
warde, gab es noc< kein Groß-Berlin in dem Umfange, in der po- 
lizeitechnischen Organisation, wie wir es heute kennen. Berlin war 
räumlich nicht so groß wie es heute ist und war auch nicht in dem 
Umfange Schlupfwinkel für allerlei. lichts<eue Elemente, wie es 
heute geworden ist. Die Kriegszeit und Jachfriegszeit, die Nervo- 
sität unserer Zeit haben das Verbrechertum begünstigt und Sie alle 
wissen, daß die Großstädte aufgesucht werden, weil die Großstadt 
einen Schlupfwinkel bietet. Hoffentlich werden die nächsten Jahre 
der wirtschaftlichen und politischen Konsolidierung, eine Wendung 
zum besseren bringen.“ Sie dürfen überzeugt sein, daß wir in der 
Zenkrale bemüht sind, Ihnen durch Austausch von Erfahrungen auf 
diesem Gebiet, durch Verbesserung der technischen Hilfsmittel an die 
Hand zu gehen, um der Bekämpfung des Berbrecherlums geredt 
zu werden. Es tagt in dieser Woche in Jew Hort der Kongreß 
zur infernationalen Bekämpfung des Berbrecherfums. Wenn unsere 
Pertreter zurüffommen werden und berichten über das, was ande- 
re Länder uns gegenüber auszeichnet, so werden wir uns das zu- 
nuße machen, um unter dem Aufwand möglichst geringer Kräfte 
und möglichst kurzer Zeit der Lösung dieser großen Aufgabe gerecht 
zu werden. Es haben sich in den lekßten Jahren auch die 
polilischen Gegenfäße zwugespigt, und sie finden ihren Jieder- 
sc<lag nicht nur in leidenschaftlichen Debatten in den Parlamenten, 
sondern unser ganzes öffentliches Leben, auch das Leben, das von 
der Polizei beeinflußt werden muß, sieht unter dem Einfluß dieser 
leidenschaftlihen Zuspizung der politischen Gegensäße. Auch das 
bringt Aufgaben für Sie. Da gibt es eine Gruppe, die uns mit 
Gewalt in die alten Zustände zurückbringen möchte, und da gibt es 
eine andere, die uns mit Gewalt eine Gesells<aftsform auf- 
zwingen möchte, deren Vorbedingungen in Deutschland nicht 
gegeben sind. Würden si< diese Kämpfe abspielen im 
scharfen Geistesausktausc<, im Austausch von Meinungsverschie-
	        
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