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Bevölkerungsbewegung
Die Bedingungen, unter denen ein großer Teil der Bewohner Berlins in der bisherigen
Nachkriegszeit zu leben gezwungen war — dauernder politischer Druck, WährungsWirrwarr,
zunehmende Beschäftigungslosigkeit, beschädigte, feuchte und überfüllte Wohnungen,
dazu bis weit in das Jahr 1949 hinein einseitige Ernährung und unzulängliche Versorgung
mit Bekleidung, Hausrat und Heizstoffen —, konnten, selbst mit dem Maßstab der allgemeinen
Zeitverhältnisse gemessen, nicht als normale gelten. Doch hat dies alles den
Lebensmut der Berliner nicht zu brechen vermocht. Das zeigt u. a. die Entwicklung der
natürlichen Bevölkerungsvorgänge, deren Ergebnis sich mehr und mehr wieder
dem Stande in der Vorkriegszeit nähert. Die Sterblichkeit, die in der ersten Zeit nach
Einstellung der Kampfhandlungen erschreckend hoch gewesen war, ist beträchtlich
gesunken. Im Jahre 1949 kamen (ohne Ortsfremde) in Groß-Berlin auf 1 000 Einwohner
13.8 Todesfälle, also nur wenig mehr als 1938 mit 13.3 vT. Die Zahl der Lebendgeborenen
allerdings blieb 1949 mit 10.2 auf 1 000 der Bevölkerung noch hinter der entsprechenden
Ziffer von 1938 (14.9 vT) zurück. Das gleiche gilt von der Eheschließungsziffer, die 1949
8.9 vT, 1938 dagegen 11.4 vT betrug. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Zusammensetzung
der Bevölkerung nach Geschlecht und Alter sich gegenüber der Vorkriegszeit
geändert hat und daß vor allem die Geburten- und die Eheschließungshäufigkeit
im Jahre 1938 durch die bekannten nationalsozialistischen Maßnahmen künstlich hochgetrieben
waren. Im Jahre 1932, dessen wirtschaftlicher Tiefstand noch am ehesten
mit den gegenwärtigen Verhältnissen vergleichbar ist, belief sich auf 1 000 Einwohner
die Zahl der Eheschließungen auf 8.4, die der Lebendgeborenen ebenfalls auf 8.4 und
die der Gestorbenen auf 11.3. Mithin lagen 1949 sowohl die Eheschließungsziffer wie
auch die Lebendgeborenenziffer über derjenigen von 1932.
Auch bei Berücksichtigung der veränderten Zusammensetzung der Bevölkerung nach
Geschlecht und Alter bleibt das Bild für die Berichtsjahre günstig. Es kamen in Groß-Berlin
Lebend- und Totgeborene auf 1 000 Frauen im Alter von 15 bis unter 45 Jahren
(allgemeine Fruchtbarkeitsziffer) 1948: 44.0, 1949: 47.7 gegenüber 40.6 im Jahre 1925
und 31.8 im Jahre 1933. Auf 1 000 verheiratete Frauen des angegebenen Alters entfielen
ehelich Geborene (eheliche Fruchtbarkeitsziffer) 1948: 67.4, 1949: 73.1 gegenüber 68.9
im Jahre 1925 und 53.1 im Jahre 1933.
Die Häufigkeit der unehelichen Geburten entspricht annähernd der der Vorkriegszeit.
Es trafen auf 1 000 unverheiratete Frauen von 15 bis unter 45 Jahren unehelich Lebendund
Totgeborene 1948: 14.0, 1949: 15.0, dagegen 1939: 16.7, 1933: 9.5 und 1925: 14.5.
Vergleichsweise groß ist gegenwärtig die Eheschließungsfreudigkeit. Auf 1000 unverheiratete
Männer im Alter von 20 bis unter 50 Jahren wurden Eheschließungen beurkundet
1948: 241, 1949: 228 gegenüber nur 98 im Jahre 1925 und 107 im Jahre 1933.
Die entsprechenden Eheschließungsziffem der Frauen lauten: 1948: 102, 1949: 101,
1933: 84 und 1925: 71.