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Volume Nr. 154, 16. Dezember 1922

Full text: Amtliche Nachrichten des Polizeipräsidiums in Berlin (Public Domain) Issue 1922 (Public Domain)

c) 
Nasenduschen oder Schnupfpulvern lauten“ 
Bekanntmachung. | den Rezeptes möglich ist, fich fortdauernd 
Zu neuerer Zeit hat sich na< einem aus der Apotheke Kokain unter Umständen 
Bericht des YKeichsgesundheitsamts bei in Mengen zu verschaffen, die nicht nur 
Nachprüfung der bei der Opiumstelle eine bine ausbeute Verwendung des 
gegangenen Antrage von Apothekern auf Kokains durch den Erwerber selbst, sondern 
Freigabe ungewöhnlich großer Mengen auch einen Weiterverkauf und die Ver- 
von Kokain in einigen Fallen feststellen sorgung andever, kokainsüchtiger Personen 
lassen, daß der angegebene Mehrverbrauch j mit dem Gifte ermöglichen. Das diese 
in der Rezeptur der betreffenden Apo- ! Möglichkeit in weiterem Umfange, als 
theken auf die wiederholte Abgabe von bishyer festgestellt wurde, ausgenußt wird, 
Kokain bzw. Kokainzubereitungen, die dürfte kaum zu bezweifeln sein. 
äußerlih als Sc<nupfpulver oder zu Nach einwandfreien Feststellungen nimmt 
Nasenspülungen ärztlic) verordnet waren, | der Kokainmißbrauch dur Sc<hnupren 
zurüczusühren war. Die wiederholte Ab- dieses Alkaloids auch in Deutschland zu, 
gabe war auf Grund von einmalig aus- was insbesondere eine neue Mitteilung 
gestellien Rezepten erfolgt, und die Zu- yon Dr. Joöl aus dem Stadtischen 
lassigkeit der wiederholten Abgabe wurde Krankenhaufe Moabit in Berlin dartut 
damit begründet, daß die Vorschriften vom (Therapie der Gegenwart“, 1922, S, 247). 
22. Juni 1896, betreffend die Abgabe stark Die Kokainsucht erweist sich nach ver- 
wirkender Arzneimittel ai in den Apo- schiedenen Richtungen hin gefährlicher als 
theken, der wiederholten Abgabe von Kokain die Morphiumsucht. 
und kofainhaltigen Arzneien zum äußeren Die besteyenden, gegen den Mißbrauch 
Gebrauch keine Beschrankungen auferlegen. ves Kokains gerichteten Vorschriften weisen 
. Nach 8 1 dieser Vorschriften dürfen die somit eine Lüdke auf, deren Ausfüllung 
in dem dazugehörigen Verzeihnis auf- bei der Bekampfung des Kokainismus 
geführten Stoffe, unter denen si<ß nicht außer acht gelassen werden darf. 
Morphien, Kokain, Heroim und andere Hierzu ist es erforderlich, die Bestimmungen 
Betäubungsmittel befinden, nur auf schrift-< über die wiederholte Abgabe des Kokains 
li<e, mit Datum und Unterschrift ver- und der Salze des Kokains dahin zu 
jehene Anweisung eines Arztes, Zaun: ändern, daß diese Stoffe, wenn jie als 
arztes oder -- sofern es sich um den Ge- Schnupfpulver, zu Najenspülungen „oder 
brauch in der Tierheilkunde handelt -- Pulvereinblasungen in die Nase dienen 
Tierarztes als Heilmittel an das Publikum sollen, nicht ohne jedesmal erneutes „ärzt: 
abgegeben werden. Die wiederholte Ab- liches Rezept abgegeben werden dürjen. 
gabe von Arzneien, die Stoffe dieses Ver- Für die fofainhaltigen Zubereitungen 
zeichnisses enthalten, zum inneren Ge- dürfte es genügen, ihre wiederholte Ab- 
brauch ohne erneute ärztlihe Anweisung gabe nur dann zu untersagen, wenn der 
wird durch die 88 3 und 4 geregelt. Die Gesamtgehalt der Arznei an Kokain oder 
wiederholte Abgabe geier rzneien, die Sesau Salzen über ein bestimmtes Maß 
zum äußeren Gebrauch, d. h. nicht zur Ein- hinausgeht, weil bei einem geringeren Ge- 
führung in den Magen bestimmt ii, wird halt die Gefahr einer mißbrauchlichen An- 
m den Vorschriften nur insofern beschränkt, wendung nicht gegeben erscheint, 
als nach 8 11 Arzneien, die zu Augen- Da neuerdings au das HSeroin 
wässerr, Einatmungen, Sinsprivungen (Diacetylmorphin) als Sc<hnupfpulver in 
unter die Haut, Klystieren oder Supposito- den Vereinigten Staaten von Amerika 
rien dienen sollen, hinsichtlih der Zu- mißbräuchlih verwendet wird, so ist 
lässigkeit der wiederholten Abgabe den auch dieser Stoff, der ebenfalls 
Arzneien: zum inneren Gebrauch gleich- betäubende, bei wiederholter Zu- 
gestellt werden. Arzneien, die zu Pulver- führung ohne ärztliche Ueberwachung 
Einblasungen, Najenduschen odex Schnupf- gesundheitsgefährlihe Eigenschaften besitt, 
pulvern Verwendung finden sollen, unter» den gleichen Bestimmungen zu unterstellen, 
liegen dieser Bestimmung nicht; ihre I< habe daher im Einvernehmen mit 
wiederholte Abgabe ohne jedesmal erneutes dem Herrn Reichsminister des Jnnern die 
ärztliches Rezept ist daher bei Vorlegung anliegende Bekanntmachung erlajjen. 
einer erstmalig ordnungsmäßig aus- Hiernac< wird die einmalige Abgabe der 
gestellten. ärztlihen Anweisung ohne giftigen Stoffe und deren Zubereitungen 
gitimationsprüfung des PGEmpfängers zum äußeren Gebrauch gegen arztliche An- 
beliebig oft erlaubt. weisung nicht beschränkt; die wiederholte 
E38 ergibt sich hieraus, daß es ohne Ver- Abgabe dieser Stoffe und solcher Arzneien, 
[ioß gegen die bestehenden Vorschriften dem die Kokain oder Heroin oder deren Salze 
sier eines auf Kokain oder kokainhaltige in mehr als den vorgeschriebenen Mengen 
Zubereitungen zu Vulpvereinblasungen, enthalten, zum äußeren Gebrauch soll je-
	        
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