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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1910 (Public Domain)

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bei den Wohnungen ohne A f t c r m i e t c r für 175 Wohnungen im Vorderhaus auf 20,27 Jl, für 948 
Wohnungen im Hinterhaus auf 22,22 Jl. Der billigere Preis für die Vorderwohnungcn zeigt deutlich 
auch diesmal, dah es sich dabei um minderwertige Wohnungen handeln mutz. Die Steigerung bei 
ihnen gegen das Vorjahr mit 20,08 M ist nur geringfügig; dagegen beträgt sic bei den Wohnungen im 
Hinterhaus nicht weniger als 1,15 Jl monatlich. Die ausgezählten Wohnungen mit A f t e r m i e t e r n , 
bei denen sich auch diesmal die Mietsprcise wesentlich höher stellen, als bei den Wohnungen ohne 
solche, zeige» im Vorderhaus bei 26 Wohnungen mit einem Durchschnittspreis von 25,60 Jl eine Er 
höhung um 1,44 Jl monatlich gegen das Vorjahr; bei den 117 neu ausgezählten solchen Wohnungen 
im Hinterhaus ist der Preis wie im Vorjahr unverändert auf 23,89 Jl geblieben. Auch diesmal zeigt 
sich bei zahlreichen Wohnungen eine durch die hohen Preise bedingte Ucverbelegung und Ueversüllung. 
Von 1266 im ganzen gezählten Wohnungen von Stube und Küche waren 174 von mehr als 5 Personen, 
88 von mehr als 6, 41 von mehr als 7, 8 von 9 Personen und 2 sogar von 12 Personen bewohnt. 
Das städtische Wohnungsamt, das am 1. März 1911 seine Tätigkeit begonnen hat, wird 
sicher gerade bei den Arme »Wohnungen ein reiches Feld zum Eingreifen 
finden. Die Wohnungsaufnahme vom 15. Oktober 1910 hat zwar auch bei den Wohnungen von 
Stube und Küche wieder eine kleine Erhöhung gegen das Vorjahr — 432 leerstehende Wohnungen 
gegen 367 — ergeben; ihre Zahl ist aber auch jetzt noch im Verhältnis zu der Gesamtzahl zu gering, 
als datz sic einen Einfluh aus die Höhe der Mieten ausüben könnte. Bei den fortgesetzten Schwierig 
keiten auf dem Wohnungsmarkt ist die Armenverwaltung gezwungen gewesen, im Jahre 1910 in 645 
Fällen zur Vermeidung von Exmissionen im ganzen 15222,39 Jl und in weiteren 123 
Fällen zur Beschaffung einer neuen Wohnung für obdachlos Gewordene 2265 .Ä aufzu 
wenden. Trotzdem haben im städtischen Obdach 55 Familien und zwar 17 Männer, 55 Frauen und 
117 Kinder, sowie 3 Jugendliche (14—18 Jahren) Aufnahme finden müsien, während in Einzel- 
wohnungen ebenda 33 Familien mit zusammen 131 Köpfen untergebracht worden sind. Im 
Einzelobdach für die Nacht haben 6851 Männer, 119 Frauen, 7 Jugendliche (14—18 Jahren) 
und 9 Kinder Ausnahme gesunden. In der besonderen Abteilung des Obdachs für Ju 
gendliche sind auf Veranlassung der Jugendgerichtshilfe 8 Jugendliche aufgenommen 
worden. 
Während in den letzten Jahren eine Steigerung der Inanspruchnahme der 
armenärztlichen Hilfe zu verzeichnen war, zeigt sich 1910 hier ein Stillstand, fa 
sogar ein kleiner Rückgang: die Zahl der behandelten Kranken ist trotz der Zunahme der 
Bevölkerung von 9481 auf 9453 gesunken, und auch die Zahl der Besuche im Hause, sowie 
die der Ueberwcisungen in das Krankenkaus und schließlich auch die der vorgekommenen 
Todesfälle ist gegen das Vorjahr herabgegangen. Die Ursache dürfte in erster Reihe in dem 
günstigeren Gesundheitszustand zu suchen sein. 
Auf dem Gebiete der ärztlichen Versorgung der Annen sind im abge 
laufenen Jahre eine Reihe weiterer Vereinfachungen und einzelne Neuerungen eingeführt 
worden. Schon früher war die Einrichtung getroffen, daß erkrankte Schulkinder 
unmittelbar von der Schule den Stadtärzten überwiesen werden 
konnten. Zur Vereinfachung des Geschäftsganges ist im Jahre 1910 angeordnet worden, daß 
die von den Stadtärzten für solche Schulkinder gegebenen Milchverordnungen nicht, 
wie sonst, erst den Armcn-Kommissions-Vorstehern zur Abstempelung vorzulegen sind, sondern 
gleich durch die Schule abgestempelt werden. Die gleiche Vereinfachung ist für 
die von der Fürsorge st ellefürLungenkranke unmittelbar den Stadtärzten über 
wiesenen Lungenkanken eingeführt worden. Die Abstempelung der Milchverordnungen erfolgt 
hier inderFürsorgestelleselbst. 
Im Jahre 1909 waren zum erstenmal Mittel in den Etat eingestellt worden, um 
neben dem fest angestellten Stadtaugenarzt Spezialärzte aus den 4 Gebieten der Hals-, 
Nasen-, Ohrenleiden, Frauenleiden, Nervenleiden und Hautkrankheiten hinzuziehen zu 
können. Diese Beschränkung ist im Berichtsjahre aufgehoben und den Stadtärztcn über 
lassen worden, nach ihrem pflichtmäßigen Ermessen Spezialärzte aus allen Ge 
bieten zuzuziehen, sofern diese bereit sind, zu den Mindestsätzen der Medizinaltaxe 
zu behandeln. Die Ueberweisungsscheine und Rechnungen der Spezialärzte werden regel 
mäßig der Geschäfts-Kommission der Stadtärzte zur Prüfung vorgelegt. 
Die zunehmende Bebauung des Stadtteils jenseits der Spree und die Zunahme 
der dort untergebrachten Pflegekinder, Haltekinder und unter Generalvormundschaft stehen 
den Mündel hat es nötig gemacht, am 1. April 1911 dort einen neuen Medizinal 
bezirk zu bilden. 
Bei der Ueberfüllung der städtischen Krankenhäuser wurden bisher vielfach Kranke, 
die von den Stadtärzten zur Aufnahme überwiesen wurden, abgewiesen, weil das Leiden an 
sich vielleicht auch eine Behandlung im Hause angängig erschienen ließ. Da gerade bei den 
Armenkranken die häuslichen Verhältnisse aber häufig die Krankenhausaufnahme unbedingt 
notwendig machen, find die Krankenhäuser angewiesen worden, die von den Stadtärzten über 
wiesenen Kranken, soweit irgend möglich, aufzunehmen, wenn; in der Ueberweisung aus 
drücklich bescheinigt wird, daß die häuslichen Verhältnisse ein Verbleiben 
im Hause nicht gestatten. 
Auf Kosten der Armenverwaltung sind im Berichtsjahre 38 Lungenkranke 
(5 Männer, 6 Frauen und 27 Kinder) in Heilstätten behandelt worden. Die von der Armen 
verwaltung aufgewendeten Kosten haben 9676,32 <M betragen. Die verhältnismäßig niedrige 
Zahl sowohl der behandelten Kranken wie der aufgewendeten Mittel erklärt sich daraus, daß 
alle Personen, die n i ch t b c r e i t s l a u f e n d unterstützt werden, wie im vorigen
	        
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