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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1910 (Public Domain)

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8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags geöffnet sind. Diese Aenderung erwies sich als not 
wendig, weil gerade am Sonnabend oft noch in den frühen Nachrnittagstunden Frauen zur 
HauSrcinigung usw. bestellt werden, während die späteren, sonst der Dienstbotenvermittlung 
vorbchaltenen Nachmittagsstunden nur eine sehr geringe Frequenz auswiesen, da Dienstmädchen 
in der Regel am Sonnabend keine Zeit zum Aufsuchen eines neuen Dienstes erhalten. 
Für die Zeitungsreklame wurden im Berichtsjahre wieder etwas größere Mittel zur 
Verfügung gestellt, so daß in fünf Berliner und in zwei Charlottenburger Zeitungen 
wöchentlich je einmal inseriert werden konnte; zum Teil dürfte es auf die vermehrte Zeitungs 
reklame zurückzuführen sein, daß in diesem Jahre die Vermittlungsergebnisse in jeder der 
Frauenabteilungen um etwa 1000 gestiegen sind, während die Vorjahre nur bei weitem 
geringere Steigerungen auszuweisen hatten. 
Von dem bisher üblichen Verfahren, durch die Polizei Reklamezettel in die Dienst 
bücher einkleben zu lassen, wurde Abstand genommen, da es sich in der Praxis zeigte, daß 
die Dienstboten dieses als eine Belästigung empfanden; es werden jetzt kleine Heftchen, ent 
haltend Aufklärungen über die Vorteile des städtischen Arbeitsnachweises, von der Polizei in 
die Dienstbücher eingelegt. Um bei der Vermittlung von Anfängerinncn-Stellcn für jugend 
liche Dienstmädchen etwas sorgfältiger zu Welke gehen zu können und nicht allein auf die 
Angaben angewiesen zu sein, welche die Arbeitgeber selbst in der Geschäftsstelle machen, ist 
beschlossen worden, diese Stellen vor der Besetzung durch ehrenamtlich tätige Helferinnen 
prüfen zu lassen. Dieser Beschluß wird erst im neuen Geschäftsjahre zur Ausführung gelangen. 
Alles Nähere darüber, wie oft ein und derselbe Arbeitsuchende sich im Zeitraum eines 
Jahres um Arbeit bemüht und wie oft einem Arbeitsuchenden eine Stelle nachgewiesen wird, 
die Verteilung auf die verschiedenen Berufe, auf die einzelnen Monate, eine Zusammenstellung 
über die angebotenen Löhne in der Abteilung für ungelernte Arbeiter sowie der Dienst 
boten usw. ist aus dem Sonderbericht ersichtlich. 
Gewerbsmäßige Stellenvermittlung. Ueber den Umfang der gewerbsmäßigen Stellen 
vermittlung in Charlottcnburg wurde uns durch das Königliche Polizeipräsidium wieder das 
Zahlenmaterial zur Verfügung gestellt. Die Tätigkeit jener ist aus der folgenden Tabelle ersichtlich. 
Jahr 
Zahl 
der 
Stellcn- 
vermittlcr 
Offene Stellen 
weibk. ! männl. ! zus. 
Sie 
wcibl. 
llensuchende 
männl. zus. 
Besetzte Stellen 
wcibl. ! männl. ? zul 
Durch- 
schnitt 
auf einen 
Stellcn» 
vcrmiltlcr 
1904 
92 
20 670 
37 
20 707 
18184 
40 
18 224 
16 554 
33 
16 587 
180 
1905 
112 
26 076 
199 
26 275 
22 292 
159 
22 451 
19 429 
159 
19 588 
175 
1906 
98 
24 513 
142 
24 655 
20 138 
235 
20 373 
17 899 
131 
18 030 
184 
1907 
91 
24 371 
950 
25 321 
20 268 
961 
21229 
18 162 
821 
18 983 
208 
1908 
82 
43 749 
1271 
45 020 
41 365 
1498 
42 863 
38 085 
1195 
39 280 
479 
1909 
89 
51 417 
530 
51 947 
43 394 
301 
43 695 
39 572 
266 
39 838 
448 
1910 
83 
38 072 
885 
38 957 
25 784 
1688 
27 472 
20 335 
584 
20 919 
228 
Nachdem die Zahl der Stcllenvei mittler im Vorjahr von 82 auf 89 gestiegen war, 
ist die Zahl in diesem Jahr auf 83 zurückgegangen. Ein Einstuß des neuen Slellen- 
vcimittluiigsgesetzes ist aus dieser Zahl nicht ohne weiteres zu erblicken, da die Zahl auch in 
früheren Jahren Schivankungcn auswies. Der Rückgang in der Vermitilungstätigkeit ist darauf 
zurückzuführen, daß ein sogenanntes WohnuugsreinigungS - Institut in den beiden Vorjahren 
mit der Zahl von etwa 15 000 vermittcl>en Stellen in den Gesamtzahlen ausgeführt ist. In 
diesem Jahre sind die Zahlen dieses Jnstrtuts nicht aufgenommeu, da dasselbe nicht mehr zu 
den gewerbsmäßigen Stellenvermittlern gerechnet wird. 
Mitgliedschaft in Verbänden. Der städtische Arbeitsnachweis gehört als Mitglied dem 
„Verbände Deutscher Arbeitsnachweise" sowie dem „Verbände Märkischer Arbeitsnachweise" 
an. An der VI. Verbaudsvcrsammlung und Arbeitsnachweiskonferenz, die vom 26. bis 
28. Oktober in Breslau stattfand, nahmen der Vorsitzende, je ein Vertreter der Arbeitgeber 
und Arbeitnehmer, sowie die Verwalterin unserer Zweigstelle — Frauenabteilung — teil. 
Die Verhandlungen sind inzwischm im Druck erschienen. Der Verband Märkischer Arbeits 
nachweise, welcher bisher aus Mangel an Mitteln keine Tätigkeit entfalten konnte, hat am 
1. Februar eine Neuorganisation beraten und beschlossen. In den neugcwählten Vorstand, 
welchem Vertreter der Provinz, der Städte, der Handelskammer, Handwerkskammer und des 
Herbei gsverbandes gehöre», ist auch ein Vertreter unserer Stadt gewählt. Für die Tätigkeit 
des Verbandes wurde ein Arbeitsprogramm festgelegt. Als deren Grundsatz ist zu betrachten, 
den auf dem Lande und in kleineren Städten vorhandenen Arbeitskräften möglichst reiche und 
vielseitige Gelegenheit zur Betätigung zu geben, dadurch dem planlosen Zuzuge nach den 
Großstädten vorzubeugen und möglichst auch den in die Großstädte schon Abgewanderten und
	        
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