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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1910 (Public Domain)

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Das Rieselfeld sandte viele Boden-, Moor- und Schlammproben, Abwasser aller Art und 
Drainagewässer ein, durch deren Untersuchung der Reinigungsefsekt des Rieselfeldes dauernd kontrolliert 
wurde. Zahlreiche Wasserunlersuchungen sind ausgeführt worden, die zur Aufklärung der Vorgänge bei 
der biologischen Abwässerreinigung beitragen. 83 Trinkwässer aus Stratzenbrunnen wurden chemisch und 
bakteriologisch untersucht und stets als gut befunden. Durch systematische Moorgrund- und Wasserunter 
suchungen des Krumme-Lanke-Grabens konnte die Ursache seiner Verschmutzung ermittelt werden. 
Ueber 50 Natur- und Kunstasphalte wurden in diesem Jahre untersucht. Die für die Bestim 
mung ihrer chemischen, physikalischen und geologischen Eigenarten im Vorjahre ausgearbeiteten Metho 
den, welche an sich schon einen guten Einblick in die Brauchbarkeit eines Asphaltsteincs gestatteten, wur 
den beträchtlich ausgebaut, im besonderen die Eigenschaften des Betumens physikalisch und chemisch 
eingehender untersucht. Vor allem die Einwirkung des Frostes und des Wassers, sodann auch die auf 
das Pflaster gelangenden Dejektionen, besonders der Pferde, wurden als nachteilig für das Asphalt 
pflaster ermittelt. 
Gußasphaltpflasteruntersuchungen wurden in über 20 Fällen vorgenomnien, nebenher gingen 
ausgedehnte Versuche mit nach eigenen Methoden gefertigtem Kunstasphalt, welche zur Zeit noch festge 
setzt werden und bald zu einem günstigen Ergebnis führen dürften. 
Die Apparatur für die chemische und mikroskopische Untersuchung von Asphaltgestein wurde 
auf dem während der Brüsseler Weltausstellung tagenden Kongresse für Straßenbau mit den dazu 
nötigen Beschreibungen und den Angaben der Untcrsuchungscrgebnisie ausgestellt; sie erregte in den Fach 
kreisen großes Interesse. 
Auf dem Wasserwerk Jungfernheide zeigten sich einige etwa 10 Jahre in Betrieb stehende guß 
eiserne Sauger teilweise völlig zerstört. Die Ursache waren elektrolytische Lösungsvorgängc, die auf die 
Gegenwart von Kupfer zurückzuführen waren. Von Interesse war bei dieser Gelegenheit der Befrmd 
großer Mengen freien Schwefels in den Krusten der zerstörten Rohre. Die Ursache dieser Erscheinung 
wurde in der Wechselwirkung von Schwefelwasserstoff des Wassers und dem Eisenoxhydrat der Rohr 
kruste erkannt. 
Untersucht wurden ferner eine Reihe von Straßenkehrichtprobcn, Teere, Steinkohlen, Stein 
kohlenpeche, Lacke, Stauböle, Anstrichfarben aller Art, Metalle, Gummidichtungen, Ringe, Schläuche für 
die Parkverwaltung, ferner viele Maschinen- und Zylinderöle, Dynamo- und Gasmotorenöle, Maschinen 
fette, Wachse, Specke, Talge, Mennige, Soda, Mastix, Tran, Spiritus, Gasstoffe, Ausgußmasse und vieles 
andere. 
Nachstehende Zusammen st ellung gibt einen Ueberblick über Zahl und Art der im 
Jahre 1910 auf Antrag der verschiedenen Vrewaltungen ausgeführten Untersuchungen. 
Die besonderen zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten z. B. über künstlichen Asphalt, Ab 
wässerreinigung, Verwitterung von natürlichen Steinen usw. sind dabei nicht aufgeführt. 
1. 
Zement 
. . 66 
11. Schlamm, Moor, Kehricht 
24 
2. 
Sand und Kies 
. . 178 
12. Nutzwasser 
83 
3. 
Beton 
. . 2 
13. Schmieröle 
29 
4. 
natürliche Bausteine 
. . 19 
14. Schmierfette . . . . 
17 
6. 
künstliche Bausteine 
. . 12 
15. Verschiedenes 
244 
0. 
Metalle 
2 
16. Zementdichtungsmittel 
4 
7. 
Naturasphalt 
17. Bodenproben 
25 
8. 
Kunstasphalt (Sandaspbalt). . , 
. . 23 
18. Wasser verschiedener Art. 
9 
9. 
Anstriche ... ..... 
. . 14 
19. Gummi (Schläuche usw.) . 
26 
10. 
Abwässer 
. . 52 
zusammen 874 
VI. Feuerlöschwesen, 
Straßenreinigung, Müllbeseitigung. 
1 Das Feuerlöschwesen. 
(Die Direktion für das Feuerlöschwesen hat einen Sonderbericht herausgegeben, 
der eingehendere Angaben enthält und auf den hier verwiesen wird). 
Mit dem 1. August 1910 wurde der Branddirektor von der Leitung des Straßcn- 
reinigungswesens befreit und letzteres zu einem selbständigen Verwaltungszwcige erhoben. 
Am 1. Oktober 1910 schied Brandmeister Stube aus dem Dienste der Stadt 
gemeinde, um in die Dienste der Stadt Breslau überzutreten. Die freigewordcne Stelle wurde 
dem Diplom-Ingenieur und Brandmeister der Dresdener Feuerwehr Scheele probeweise 
übertragen, der am 15. Dezember 1910 die Leitung der Südwache übernahm. 
In der Verwaltung der Feuerwehr traten sonst im Laufe des Berichts 
jahres Aenderungen nicht ein. 
Die Zahl der Beschädigungen der öffentlichen Feuermelder und der 
mutwilligen Alarme hat leider wieder zugenommen. Während im Vorjahre 9 % aller Alarme 
mutwillig erfolgt waren, hat sich die Zahl im Berichtsjahre auf 12 % erhöht. In einem
	        
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