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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1908 (Public Domain)

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Auch von den W a l d e r h o l u n g s st ä t t e n — in die alle für Rechnung 
der Stadt aufzunehmenden, auch nicht lungenkranke Personen durch Ver 
mittlung der Fürsorge st eile überwiesen werden — wurde ausgiebiger Gebrauch 
gemacht. Es wurden auf Kosten der Armendirektion 61 Männer, 228 Frauen und 713 Kinder, 
also im ganzen 1 002 Personen in die Erholungsstätten geschickt. Dazu kommen noch 37 Per 
sonen, die auf Freistellen überwiesen wurden, und eine kleine Anzahl Selbstzahler, so daß 
im ganzen etwa 1 050 Personen in den Erholungsstätten gewesen sind. Die Dauer der 
Kuren betrug mindestens 4 Wochen, in vielen Fällen aber auch mehrere Monate. Die 
Erwachsenen litten meist an Tuberkulose, einige an Bleichsucht, Asthma, Herzvergrößerung, 
Herzfehler, Nervenleiden. Die Kinder litten zum weitaus größten Teil an Skrofulöse und 
Blutarmut, viele waren außerdem auf Tuberkulose verdächtig, mehrere waren tuberkulös, 
einige in hohem Grade; die übrigen Kinder litten an schwacher Konstitution, Herzfehlern, 
englischer Krankheit und dergl. Die Erfolge der Erholungsstätten waren 
auch in dem Berichtsjahre wieder recht zufriedenstellend, besonders zeigte sich der günstige 
Einfluß der guten Ernährung und der frischen Luft bei den leicht skrofulösen und blutarmen 
Kindern. Für diese bietet die Erholungsstätte entschieden Vorzügliches. In vielen Fällen 
konnte die Verbesserung der Blutbeschaffenheit unmittelbar durch die Blutuntersuchung 
nachgewiesen werden. Aber auch bei anderen Krankheiten tut die Erholungsstätte recht 
gute Dienste. Im besonderen hat die vollständige Ruhe bei Leuten, die sich überarbeitet 
haben und infolgedessen an Herzvergrößerung leiden, einen ausgezeichneten Einfluß, so 
daß die Leute wieder vollständig arbeitsfähig werden. Bei Lungenkranken wurden die 
Erholungsstätten wie früher entweder als Vor- oder Nachkuren bei Heilstättenbehandlungen, 
in schweren Fällen auch zur Erholung benutzt. 
In Ferienkolonien wurden 43 skrofulöse Kinder aus tuberkulösen Familien 
geschickt; sie haben sich sämtlich gut erholt. 52 Personen wurden veranlaßt, einen Land 
aufenthalt zu nehmen. Es handelte sich teils um schwerkranke, teils um leichtkranke 
Personen, die Verwandte auf dem Lande hatten, oder ihre kleinen Kinder nicht unterbringen 
konnten oder die Heilstättenbehandlung aus irgend einem andern Grunde nicht wünschten. 
Die Personen zahlten teils selbst, teils wurde ihnen ein Zuschuß von der Armendirektion 
erwirkt. Die Erfolge waren recht günstig; eine Besserung war in allen Fällen zu konstatieren. 
In Pflegeheime wurden durch die Fürsorgestelle 31 Personen überwiesen. 
Von diesen sind 11 bereits gestorben, 4 sind noch dort; 10 sind unverändert, 3 sind gebessert, 
3 haben sich verschlechtert. Bei der Unterbringung in Pflegeheime hat sich auch dieses Jahr 
wie früher der bisherige Mangel einer gut eingerichteten nahe bei Charlottenburg gelegenen 
Anstalt recht fühlbar gemacht. Die Patienten wollen nicht weit von der Familie entfernt 
sein, damit sie die Möglichkeit haben, ihre Angehörigen öfter und unter Umständen schnell 
zu sehen. Es ist sicher, daß die weite Entfernung der Heimstätten die Patienten in Unruhe 
versetzt und hinaus nach Hause treibt. Nach den bisherigen Erfahrungen ist es auch durchaus 
notwendig, daß die Pflegeheime mit einem etwas größeren Komfort ausgestattet werden, 
und daß die Patienten sehr sorgsam verpflegt werden; nur dann kann man den Patienten 
den Aufenthalt in der Familie ersetzen. In Krankenhäuser wurden 102 Schwer 
kranke überwiesen. 
In Fürsorge wurden neu aufgenommen 442 Familien, es schieden 
aus 240, so daß jetzt 1 556 Familien in Fürsorge stehen. Die Schwestern haben im Berichts 
jahre 12 357 Besuche gemacht. In 188 Fällen wurden Desinfektionen ver 
anlaßt. 22 Familien wurden Betten verschafft, damit das kranke Mitglied der Familie 
ein Bett für sich hatte und in 112 Fällen wurden Miets - und andere Zuschüsse 
erwirkt. Die Wäschebeutel wurden auch in diesem Jahre weiter verabfolgt. 
Die Fürsorgcstelle hat im Rechnungsjahre 1908 unmittelbar folgende K o st e n 
verursacht: 
Fürsorge st eile für Lungenkranke. 
Miete für die Fürsorgestelle 1 615,— M 
Für Jnstairdhaltung der Räume und des Mobiliars sowie für Beheizung, Reinigung 
und Beleuchtung 716,09 „ 
Ärztliche Unterhaltungskosten — Geräte, Spuckflaschen, Merkblätter, Desinfektions 
mittel 459,56 „ 
Für photographische Aufnahmen mittels Röntgenapparats 1 050,— „ 
Honorar des Leiters (zugleich Vertrauensarztes der Armenvcrwaltung für die Be 
urteilung der Frage der Entsendung von Lungenkranken in die Heilstätten) 3 000,— „ 
Für einen Hilssarzt 1 200,— „ 
Scü 8 040,65 
Dazu Zuschuß für die Lungenkran kcnfürsorgc vom Rot cn Kreuz 11 500,— „ 
zusammen 19 540,65 .K. 
Kranken statt st isch es Material über die Fürsorge für Lungenkranke 
ist in den „Amtl. Nachrichten der Charlottenburger Armenverwaltung" XIII. Jahrg. Nr. 5 
(August 1909) veröffentlicht. 
5. Das Untersuchungsamt für ansteckende Krankheiten. 
Die wachsende Tätigkeit des Untersuchungsamtes hatte es notwendig gemacht, 
die im letzten Jahre bereits vorläufig eingerichtete Hilfsarztstelle in eine vollbesoldete 
Ä s s i st e n z a r z t st e l l e umzuwandeln. Außerdem wurde ein Diener angestellt, dem
	        
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