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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1908 (Public Domain)

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Eine Auszählung nach den Z u z u g s j a h r e n hat ergeben, daß von den 8790 
Personen und Familien nur 1039 erst nach 1906 nach Charlottenburg gekommen 
sind, während nicht weniger als 4164 schon länger als seit 1900, und nicht weniger 
als 1803 sogar schon länger als seit 1890 in Charlottenburg wohnen. Uni 
die Zahlen richtig zu würdigen, darf nicht vergessen werden, daß Charlottenburg im Jahre 
1890 erst 71 800 Einwohner hatte. Jedenfalls zeigen die Zahlen, daß die hie und da 
aufgetauchte Behauptung, die „hohen Unterstützungen" unserer Armenpflege veranlaßten 
Arme, nach Charlottenburg zu ziehen, weil sie hier ausgiebiger unterstützt zu werden hoffen, 
der Begründung entbehrt. Daß jemand hierher ziehen und die hohen Mieten und Lebens- 
mitlelpreise in Kauf nehmen sollte, lediglich in der Erwartung, vielleicht eine etwas 
höhere Unterstützung zu erhalten als anderwärts, ist schon an sich sehr unwahrscheinlich, 
wenn auch einzelne solche Fälle einmal vorkommen mögen: Daß die Annahme aber 
nicht zutrifft, zeigt deutlicher noch als die eben genannten Zahlen eine vom Stati 
stischen Amt aufgestellte Zahlenreihe über die Zu - und Fortzüge seit 1903 
unter besonderer Berücksichtigung der Zensite n mit nie 
drigem Einkommen. Danach stellt sich der Wanderungsgewinn (-j-) oder 
Verlust (—) wie folgt: 
Einkomme n stufe n. 
Jahr 
900-1 050 
M. 
1 050—1 200 
M 
1903 
4* 1 
— 22 
1904 
+ 445 
+ 495 
1905 
+ 372 
-f 433 
1906 
— 428 
-f 235 
1907 
— 573 
+ 170 
1908 
(1. 4.—30. 9.) 
— 290 
— 91 
Das gleiche Ergebnis zeigt eine fernere Zahlenreihe über die Zu- und 
Abwanderung der unselbständigen, gewerblich tätigen Be 
völkerung. 
Jahr 
Gehilfen, Gesellen, Lehrlinge, 
Arbeiter ohne besondere Bezeichnung 
3 »„ | i *“sr 
Zuzug 
Arbeiterinnen 
'turtum 1 Wanderungs- 
tfottSUG 1 resultat 
1903 
10 713 
9 002 
+ 1 711 
466 
473 
— 7 
1904 
12 903 
10 968 
-f 1 935 
620 
559 
+ 61 
1905 
16 130 
13 794 
-f 2 336 
655 
637 
+ 18 
1906 
17 503 
15 903 
+ 1 600 
746 
787 
— 41 
1907 
15 647 
15 379 
4- 268 
848 
886 
— 38 
1908 
12 703 
13 229 
— 526 
1 028 
1204 
— 176 
Sie läßt zweierlei deutlich erkennen: Tausenden von Zuzügen stehen andere 
Tausende von Fortzügen gegenüber; es findet ein ständiger Wechsel bei 
diesen Bevölkerungsklassen statt, so daß von einem Zuzuge, lediglich um Unterstützung zu 
erhalten, schwerlich die Rede sein kann. Sodann aber zeigt die Tabelle klar, daß der Mehr 
zuzug der arbeitenden Bevölkerung steigt und fällt je nach der wirtschaft 
lichen Konjunktur, also der Arbeitsgelegenheit: er steigt 1904, erreicht 
seine Höhe 1905 und fällt dann, erst langsam, dann rapide, bis er sich im Jahre 1908, dem 
bisher schlimmsten Wirtschaftsjahre, sogar in einem Mehrfortzug von 526 Z-176 = 702 
verwandelt — der beste Beweis, daß der Zuzug der unbemittelten Bevölkerungsklassen 
nichts mit der Armenunterstützung, sondern lediglich mit der allgemeinen Wirtschaftslage 
zu tun hat. 
Unter den 8790 Unterstützten befanden sich 2670 Witwen und 335 e h e - 
verlassene Frauen. 
Nach der Religion waren von den Unterstützten 7109 evangelisch, 1248 katholisch, 
52 mosaisch und 14 Dissidenten, während bei 367 die Angabe darüber fehlt. 
Nicht weniger als 895 hatten ein Alter von mehr als 70 Jahren. 
2. Waisenpflege. Das Anwachsen der Geschäfte hat wiederum die Teilung 
zweier Waisenratsbezirke und zahlreicher Waisenpflegerinnenbezirke notwendig gemacht. 
Wieder hat die Zahl der Kinder, die in städtische K o st p f l e g e genommen 
werden mußten, stark zugenommen und 1908 die Zahl von 1240 erreicht, von 
denen am Jahresende allerdings 300 wieder ausgeschieden waren; 107 davon wurden von 
den Eltern in eigene Pflege genommen. Durch den Tod sind 48 Kinder ausgeschieden, 
unter ihnen 34 im Alter von weniger als einem Jahre. Das im Berichtsjahr eröffnete 
Mütter- und Säuglingsheim in Westend, in dem sich die Stadt in großem
	        
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