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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1908 (Public Domain)

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tere 40 in feste Stellen zu bringen. Durch diese Unterbringung in Stellen ist die 
Schreibstube in der Lage, die Vereinigung der Wohltätigkeitsbestrebungen, welche sie 
unterhält, in ihrer pflegerischen Tätigkeit wesentlich zu unterstützen. 
Die Zahl der ausgeführten Aufträge ist gegen das Vorjahr etwas — 740 auf 812 — 
gewachsen: die Einnahmen dagegen sind von 12 120,12 M auf 11 983,81 M gesunken. Die 
Arbeiten bestanden, wie in den früheren Jahren, hauptsächlich aus Adressenschreiben 
(1 601 357), Hektographischen Abzügen (6 432), Maschinenabzügen (4 567) und Maschinen 
abschriften (4 325), sowie einer größeren Anzahl anderer Schreib- und Falzarbeiten. 
Im ganzen wurden 4 140 Arbeitstage geleistet und 8 224,42 M Lohn (8 788,78 
im Vorjahre) ausgezahlt. Der Durchschnittswochenverdienst ist von 10,80 auf 11,20 M 
gestiegen. Zur Erklärung dieses verhältnismäßig niedrigen Wochenverdienstes sei erneut 
daran erinnert, daß die Schreibstube nicht nur meist ungeübtes Personal, sondern auch halbe 
Invaliden beschäftigt, die ohne sie überhaupt keine Beschäftigung finden, sondern wahr 
scheinlich der Armenpflege anheimfallen würden; im allgemeinen wird auch Beschäftigung 
nur vorübergehend, für 6 Wochen hintereinander, gewährt, so daß die Kräfte ständig wechseln. 
Durchschnittlich waren 25 Personen beschäftigt. Die Stadtgemeinde stellte wie bisher die 
Räume zur Verfügung und gewährte der Schreibstube neben dem Zuschuß für die 
Vereinigung einen besonderen Zuschuß von 2 000 M. 
v. Das Ledigenheim. 
Eine ausführliche Darstellung über den Bau und den Betrieb des hiesigen Ledigen 
heims ist auf Seite 152—157 des Verwaltungsberichts 1907 enthalten. Wie schon am 
Schlüsse dieser Darstellung erwähnt, waren bereits am 1. Oktober 1908 alle 340 Betten 
besetzt. Dieser günstige Zustand ist nicht nur bestehen geblieben, sondern es sind noch ständig 
eine Anzahl Personen vorgemerkt, die auf ein freiwerdendes Bett warten. Wenngleich 
das Haus in erster Reihe für solche Mieter bestimmt ist, die bisher in Schlafstellen gewohnt 
haben, so ist das nicht als Bedingung gestellt; es ist vielmehr bisher jeder ausgenommen 
worden, der sich zur Aufnahme gemeldet hat. Mieter, die aus Schlafstellen kommen, 
erhalten allerdings, wenn mehrere Meldungen vorliegen, den Vorzug. 
Unter den 1 162 Personen, die bis Ende Dezember 1908 im Ledigenheim gewohnt 
haben, waren 410 solche, die aus Schlafstellen gekommen waren. 
E. Die Rechtsauskunftstelle. 
Der gemeinnützige Verein (E. V.) für Rechtsauskunft in 
Groß-Berlin hat am 1. Juli 1908 eine Rechtsauskunftstelle in Charlottenburg 
eröffnet. Die Stadt bewilligte dem Verein einen laufenden Jahresbeitrag von 3 000 Ji. 
Über die Tätigkeit der Auskunftstelle von der Eröffnung bis zum 31. 3. 1909 geben nach 
stehende Zahlen eine Übersicht. 
Es haben 1239 männliche und 833 weibliche Personen um Auskunft nachgesucht. Von diesen waren 
604 männliche und 99 weibliche Arbeitgeber und 984 männliche und 376 weibliche Arbeitnehmer. Es wurden 
2235 Auskünfte erteilt, davon 43 schriftlich bearbeitet. Daneben wurden 269 Schriftsätze angefertigt, 16 Ver 
tretungen vor ordentlichen und 4 vor Gewerbe- und Kaufmannsgerichten übernommen. — Die Auskünfte usw. 
bezogen sich 1475 mal aus Fragen aus dem bürgerlichen Recht (28 mal „Allgemeines", 332 mal „Miete", 234 mal 
„Dienst- und Lohnvertrag", 451 mal „sonst. Forderungsrecht", 19 mal „Sachenrecht", 113 mal „Ehcrecht", 98 mal 
„Unterhaltsansprüche", 49 mal „sonst. Familienrecht", 151 mal „Erbrecht"). 45 Auskünfte beantworteten Fragen 
aus der Gewerbeordnung, 7 aus dem Handelsrecht, 326 aus der Zivilprozeßordnung, 184 aus dem Strafrecht 
bzw. Strafprozeßordnung. 14 Anfragen betrafen die Krankenversicherung, 22 die Jnvaliditätsversicherung, 
61 die Unfallversicherung, 4 Gemeinde- und Staatsangehörigkeit, 15 Armensachen und Unterstützungswohnsitz, 
7 Militärangelegenheiten, 18 Steuersachen und 58 sonstige Rechtsgebiete.
	        
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