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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1908 (Public Domain)

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1. Grundklassen. Die Maßnahmen betr. die Grundklassen (vgl. Verw. Bericht 
1907 S. 119 f.) sind in sämtlichen evangelischen Gemeindeschulen durchgeführt. 
Die Belegungszahl der Grundllassen ist auf höchstens 45 herabgesetzt und die Stundenzahl 
van 22 auf 18 wöchentlich ermäßigt worden. An die Stelle der weggesallenen Turnstunde ist an den Knaben 
schulen im Sommer eine Spielslunde getreten; an den Mädchenschulen, die bisher in der Grundklasse weder 
Turn- noch Spielstunden im Lehrplan hatten, ist sie neu eingeführt worden. Sodann ist nach jeder halben Stunde 
eine Pause von 3 bis 5 Minuten eingeführt worden. Ferner ist eine Verstärkung der schulärztlichen 
Überwachung der Schüler eingetreten. Der Klassenlehrer erteilt solchen Kindern, welche in der Klasse 
nicht mit fortkommen, von der ersten Woche des dritten Monats nach der Einschulung an wöchentlich 3 Stunden 
Nachhilfeunterricht in Deutsch und Rechnen. Diejenigen Kinder, welche nach dem Urteil des Klassen 
lehrers und des Schularztes körperlich so schwach sind, daß sie 184-3 Stunden wöchentlich nicht vertragen, können 
vom Rektor von 1 bis 3 lektivnsplanmäßigen Stunden der gleichen Fächer befreit werden. Auch ist es nicht not 
wendig, daß jedes dem Nachhilfeunterricht überwiesene Kind an sämtlichen dafür angesetzten Stunden teilnimmt 
oder daß es an Deutsch und Rechnen sich beteiligt. Ferner ist es zulässig, einzelne Kinder innerhalb der Nach 
hilfestunde ein oder mehrmals auf 10 Minuten zur Erholung auf den Schulhof zu entlassen. Nach den bisherigen 
Erfahrungen empfiehlt es sich, am Nachhifeunterricht nicht mehr als 7—9 Kinder gleichzeitig teilnehmen zu lassen; 
andernfalls kann das einzelne Kind nicht individuell genug behandelt werden. Nur ausnahmsweise — wie nach 
Epidemien usw. — wird man auf einige Zeit darüber hinausgehen 
Nach den Berichten über die Versetzungsergebnisse wurden Michaelis 
1908 und Ostern 1909 in den 12 westlichen Schulen, welche sich aus den am wenigsten 
bemittelten Bevölkerungsschichten rekrutieren, — abgesehen von den 10 bzw. 11 Kindern, 
die wegen andauernder Krankheit entweder die ganze Zeit oder den größten Teil derselben 
beurlaubt waren — 
nach der Normalklasse VI versetzt 92,9% 
a) 
b) nach der B-Klasse VI versetzt 
y 2 Jahr zurückversetzt 
7i Jahr zurückversetzt 
der Hilfsschule überwiesen 
5,8% 
0,1% 
0,3% 
0,9% 
bzw. 92,0% 
5,"% 
0,5% 
0,7% 
c) 
d) 
e) der Hilfsschule überwiesen 0,9% „ 1,1%. 
Dieses günstige Ergebnis erhält eine nur unwesentliche Abschwächung dadurch, 
daß Michaelis 1908 = 15 und Ostern 1909 = 14 Kinder, zumeist kranke, nach halbjährigem 
Schulbesuch das Klassenpensum noch einmal beginnen mußten. 
II. B-Klassen. Die Sonderung der Kinder in Normalklassen und B-Klassen 
(vgl. Verw. Bericht 1907 S. 120f.) blieb weiter aus die im Westen der Wilmersdorfer Straße 
gelegenen Schulen beschränkt. Zu den seit dem Jahre 1907 bestehenden 4 VI B-Klassen 
(je 2 Oster- und Michaelisklassen) traten Ostern 1908 = 2 weitere Klassen VIB (3. Semester) 
und 2 Klassen V B hinzu, und ferner Michaelis 1908 noch 3 Klassen V B. 
Zur Überweisung nach den L-Klassen VI bzw. V gelangten diejenigen Kinder, welche nach einjährigem 
Besuche der Grundklasse bzw. der Normalklasse VI für die Versetzung nach der höheren Normalklasse noch nicht reif 
genug waren, sei es, daß sie in einem Hauptlehrgegenstand große Lücken hatten, sei es, daß eine größere Anzahl 
geringerer Lücken sich über das Pensum der ganzen Klasse verteilten, so daß ein Mitfortkommen in der nächsten 
Normalklasse ausgeschlossen erschien. Die Ausgabe der 8-Klassen ist, in 1)4 Jahren sowohl diese Lücken aus 
zufüllen als aucki das Pensum der entsprechenden Normalklasse zu bewältigen. Die Schülerzahl der L-Klassen 
ist auf höchstens 30 festgesetzt, so daß der Lehrer die Möglichkeit hat, jedes einzelne Kind im Unterricht intensiver 
heranzuziehen und die wesentlichsten Teile des Lehrstoffes eingehender zu behandeln. Die Zahl der Unter 
richts stunden in den 8-Klassen ist mit Rücksicht auf die körperliche Schwäche vieler Kinder gegenüber der 
entsprechenden Normalklassc um wöchentlich 1 Stunde herabgemindert; sie betrug in VI 8-21 statt 22 und in 
V 8-25 statt 26. Auch sonst ist der Lehrstoff etwas gekürzt. Den schwächsten Kindern der 8-Klassen wurde von 
Ansang an vom Klassenlehrer Nachhilfeunterricht erteilt. Diesem wurden auch wie in den Normal 
klassen solche Kinder zugewiesen, welche wegen Krankheit eine Zeitlang am Schulbesuch verhindert waren 
Die Erfolge waren recht erfreulich. Als die beiden zuerst errichteten VIB- 
K lassen Michaelis 1908 ihr 1)4 jähriges Klassenpensum erledigt hatten, konnten von den 
52 Schülern und Schülerinnen derselben nicht weniger als 8 = 15,4% wieder in die Normal 
schule zurückkehren, und zwar wurden diese sämtlich nach der nächsthöheren Klasse V versetzt; 
43 Kinder --- 82,7% wurden nach der Klasse VB versetzt und 1 = 1,9% wurde der Hilfs 
schule überwiesen. Zu Ostern 1909 konnten von den zu Michaelis 1907 errichteten beiden 
VI B-Klassen mit zusammen 46 Schülern — 1 hatte % Jahr hindurch gefehlt und kam für 
die Versetzung nicht in Betracht — 4 = 8,7% nach der nächsthöheren Normalklasse V und 
35 = 76,1% nach der nächsthöheren B-Klasse V versetzt werden; 4 Kinder = 8,7% wurden 
einer y 2 Jahr, 2 = 4,3% einer 1 ganzes Jahr jüngeren B-Klasse überwiesen und 1 -- 2,2% 
kam in die Hilfsschule. 
Ferner haben sich die B-Klassen für solche Kinder, deren spätere Überweisung in 
die Hilfsschule erfolgen mußte, als eine Einrichtung zu eingehender allseitiger Prüfung 
ihrer physischen und psychischen Eigentümlichkeiten erwiesen. Im Jahre 1908 wurden 
aus den B-Klassen zur Hilfsschule überwiesen: Michaelis 1908 = 1 und Ostern 1909 = 
2 Kinder. Anderseits bieten die B-Klassen die Möglichkeit, diejenigen Kinder aus der Hilfs 
schule aufzunehmen, deren geistige Kräfte sich wider Erwarten gehoben haben wenn auch 
nicht soweit, daß der Übertritt in die Normalschule erfolgen konnte. So konnten Ostern 1908 
= 7 und Ostern 1909 = 3 Hilfsschulkinder versuchsweise der entsprechenden B-Klasse zu 
geführt werden. 
III. Normal-Klassen. Auch für die Normalklassen hat sich die Ausscheidung 
der Schwachen nach dem B-System weiter als entschiedener Vorteil erwiesen. In Betracht 
kamen für 1908 nur die Klassen VI und V der westlichen Schulen, an denen die Sonderung 
der Kinder zunächst durchgeführt wurde. Mit Klasse V wurde Ostern 1908 neu begonnen. 
Der Nachhilfeunterricht setzte in den Normalklassen mit der dritten Schulwoche ein.
	        
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