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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1908 (Public Domain)

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mürbe auf besonders begründeten Antrag in einem Falle die Befugnis an einen Hand 
werker (Mechaniker) verliehen, welcher noch nicht das 24. Lebensjahr vollendet hatte. 
In 9 Fällen, einschließlich 1 Fall aus dem Vorjahre, waren Streitigkeiten 
auf Grund der Reichs-Gewerbeordnung zu entscheiden (1907 und 1906 je 6). Hiervon 
betrafen: 1 das Aufnahmerecht, 1 die Beitrittspflicht, 3 die Beitragszahlung, 1 das Lehr 
verhältnis, 2 die Obcrmeisterwahl, 1 die Gefchäftsleitung des Obermeisters. Von diesen 
wurden 5 Fälle durch förmliche Entscheidung und 2 durch Zurücknahme bzw. auf andere 
Weise erledigt, 2 Streitigkeiten blieben schwebend. 
Wie im Vorjahre waren für 1908 an Handwerkskammerkosten 2764,85 M 
aufzubringen. Nach dem festgesetzten Verteilungsmaßstabe waren wiederum 5%% um 
zulegen. Die Umlage erfolgte wie bisher nach Maßgabe der Zahl der vorhandenen Hand 
werksbetriebe und der in denselben beschäftigten Gesellen und Lehrlinge. Nach der An 
ordnung des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vom 25. April 1908 — 
A. Bl. 1908 S. 215 — bildet von jetzt ab den Maßstab für die von der Handwerkskammer 
vorzunehmende Verteilung der Kosten die staatlich veranlagte Gewerbesteuer der selbst 
ständigen Handwerker, soweit sie auf dem Ertrage des Handwerks beruht. — Auf die im 
vorjährigen Berichte erwähnte Beschwerde einer handelsgerichtlich eingetragenen Bau 
firma gegen die Heranziehung zu den Kosten der Handwerkskammer ist durch den Herrn 
Oberpräsidenten bestimmt worden, daß die Firma insoweit verpflichtet ist, zu den Hand 
werkskammerkosten Beiträge zu leisten, als der Betrieb des Baugeschäfts in Frage kommt; 
dagegen bleibt der Betrieb der Holzbearbeitungsfabrik von den Handwerkskammerbei 
trägen frei. 
Wegen unterlassener Einreichung des Lehrvertrages wurde auch 
in diesem Jahre gegen einen Lehrmeister eine Geldstrafe von 5 M verhängt und vollstreckt. 
Bei der durch den Herrn Oberbürgermeister als Wahlkommissar des Herrn Re 
gierungspräsidenten geleiteten Neuwahl eines Mitgliedes der Handwerkskammer nebst 
Ersatzmannes und eines Mitgliedes des Gesellenausschusses nebst Ersatzmannes — an Stelle 
der satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder — für die Innungen des 1. Wahlbezirks 
der II. Abteilung (Stadtkreise Charlottenburg, Rixdorf und Schöneberg) wurden für die 
Wahlperiode vom 1. April 1909 bis zum 31. März 1915 gewählt: Tischlerobermeister 
Emil Eckert in Rixdorf, Knesebeckstr. 37, als Kammermitglied, Schmiedeobermeister 
F. Schidzig, hier, Cauerstr. 31, als Ersatzmann, Tischlergeselle August Hammel, hier, 
Charlottenburger Ufer 12, als Gesellcnausschußmitglied, Tischlergeselle Eduard Brödenfeld 
in Rixdorf, Richardftr. 18, als Ersatzmann. 
Mit dem 19. Januar 1909 ist bei der Handwerkskammer in ihren Geschäftsräumen 
— Neue Friedrichstr. 471 — eine Rechtsauskunft st eile eingerichtet worden, 
welche den Handwerkern zur Benutzung empfohlen wird. Sprechstunden Dienstags und 
Sonnabends 5—7 Uhr nachmittags. 
3. Die Handelskammer in Berlin. 
Charlottenburg gehört zum Bezirk der Berliner Handelskammer, und zwar werden 
die Listen der Wahlberechtigten für die Stadtkreise Charlottenburg und Schöneberg ge 
meinschaftlich aufgestellt. Der Bezirk war im Berichtsjahr durch die Kaufleute Stadtrat 
C a s s i r e r - Charlottcnburg, Stadtverordneter Di Frentzel - Charlottenburg und 
M i ch a l s k i - Schöneberg vertreten. Die Erhebung der Handelskammerbeiträge erfolgt 
unmittelbar durch die Handelskammer, jedoch hat der Regierungspräsident auf Ansuchen 
derselben den Magistrat mit Wahrnehmung der Obliegenheiten als Vollstreckungsbehörde 
für die Beitreibung rückständiger Handclskammerbeiträge im hiesigen Stadtkreise bestimmt. 
4. Die Märkte. 
Die 10 Pferdemärkte fanden im Berichtsjahre am 28. April, 12. Mai, 
23. Juni, 14. Juli, 12. August, 8. September, 27. Oktober, 10. November, 1. Dezember 1908 
und 9. Mürz 1909 auf dem Marktplatze am Königsdamm statt. Die nachbewilligten beiden 
Markttage sind in die Monate November und Dezember gelegt worden. 
Die Wochen Märkte wurden an den im Berichte für 1906 angegebenen Tagen 
auf den dort bezeichneten Plätzen einschl. des im vorjährigen Berichte erwähnten weiteren 
Svuuabeud-Nachmittagsmarktes in der Spreeftraße abgehalten. 
Die 3 Kram - (Jahr-) Märkte fanden am 2. Juni, 6. Oktober 1908 und 
2. März 1909 statt. 
Die Zahl der auf den Pfcrdemärkten aufgetriebenen Pferde und der Händler aus den Wochen- und 
Kran,markten ergibt der Abschnitt „Polizeiverwaltung". 
Die Einrichtung des Sonnabend-Rachmittagsmarktes in der Spreeftraße ver 
anlaßte schon bald nach der Beschlußsasfung durch die Gemeindebehörden einen Einspruch seitens der Haus 
eigentümer und Mieter in der Spreeftraße. Der Herr Polizeipräsident erachtete die geschilderten Unzuträglich 
keiten damals sür erbeblich übertrieben und der Markt wurde, wie im vorjährigen Bericht erwähnt, festgesetzt. 
Nachdem in diesem Jahre infolge Ablaufs des Pachtvertrages, betreffend das Recht zur Erhebung des Stätte 
geldes auf den Wochen- und Krammärkten, eine Neuverpachtung zur Ausschreibung gelangte, erneuten sich
	        
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