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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1908 (Public Domain)

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Das Befprengungsgebiet umfaßte am Schluffe des Berichtsjahres 123 707 km 
Straßcnlänge. Für 15 465 km wurde der Stadtgemeinde das erforderliche Wasser ver 
tragsmäßig von den Charlottenburger Wasserwerken unentgeltlich geliefert, für die übrigen 
108 242 km Straßenlängen wurde das zur Besprengung und Waschung erforderliche 
Wasser durch Standrohrwassermesser aus den Rohrleitungen der Charlottenburger Wasser 
werke entnommen und mit 0,07 M pro cbm bezahlt. 
Im Berichtsjahre wurden rund 38 076 cbm — 30 461 t Straßenkehricht nach den 
Kompostplätzen der städtischen Parkverwaltung abgefahren und rund 4 648 cbm = 6 042 t 
Baggerschlamm der Straßensinkkästen nach dem vom Unternehmer vorgehaltenen Ablade 
platz'geschafft. 
Im Winter des Berichtsjahres traten vier größere Schneesälle ein, am 29. Dezember 
1908, am 29. Januar 1909, mn 3. Februar 1909 und vom 28. Februar bis 3. März 1909. 
Der durch 12 Schneepflüge an den Bordkanten zusammengebrachte reine Schnee wurde 
größtenteils in die Einsteigeschächte der Schwemmkanalisation geschüttet; der übrige, 
namentlich der verschmutzte Schnee wurde nach den vom Unternehmer vorzuhaltenden 
Plätzen geschasst. Das Einbringen der Schneemassen in die Kanalisation hat sich wie im 
Vorjahre als sehr vorteilhaft erwiesen, doch müssen die mit dem Schnee in die Kanalisation 
gelangten Streukiesmengen später besonders wieder entfernt werden, auch findet das 
Einbringen der Schneemassen in die Kanalisation in der hierdurch hervorgerufenen Tem 
peraturerniedrigung der Kanalwässer eine Grenze, welche bei dem großen Schneefall 
vo>n 28. Februar bis 3. März 1909 wiederholt erreicht worden ist. Zur Zusammenbringung 
und Beseitigung der Schneemassen sind vorübergehend bis zu 499 Hilfsarbeiter eingestellt 
worden. Es wurden 93 444 cbm Schnee durch bezahlte Gespanne, 10 904 cbm Schnee 
durch Pflichtgespanne, 24 360 cbm Schnee durch Karren und 3 996 cbm Schnee durch 
Schneeschlitten, zusammen 132 704 cbm Schnee mit einem Kostenaufwande von 122 535 M 
82 3\ abgefahren bzw. der Kanalisation zugeführt. Ein cbm Schnee hat demnach 0,92 M 
K osten verursacht. 
Das Personal der Straßenreinigung ist im Berichtsjahre um 2 Kolonnen 
führer, 2 Handwerker und 21 ständige Arbeiter vermehrt worden, so daß außer den 10 tech 
nischen Beamten 2 Hilfsausseher, 18 Kolonnenführer, 2 Handwerker und 185 ständige 
Arbeiter beschäftigt wurden. Während der Sommermonate wurden außerdem bis zu 51 Hilfs 
arbeiter beschäftigt, im Winter wurden Hilfsarbeiter zur Schneebeseitigung dem jeweiligen 
Bedarf entsprechend tageweise eingestellt. 32 geeignete Arbeiter sind als Desinfektoren 
ausgebildet. Der freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz gehören 24 Arbeiter an. 
Ein Kolonnenführer und ein Arbeiter erhielten aus Anlaß ihres 25 jährigen Dienstjubiläums 
seitens der Stadtgemeinde ein Geschenk von je 100 M. 
Im Winter des Berichtsjahres wurden auf Beschluß der städtischen Körperschaften 
zum ersten Male N o t st a n d s a r b e i t e r im Straßenreinigungsdienste beschäftigt. 
Die Notstandsarbeiter waren vom 26. November 1908 bis Ende Februar 1909 in der Anzahl 
bis zu 206 Mann pro Tag bei der Straßenreinigung tätig. Sie wurden in Kolonnen ein 
geteilt und hauptsächlich zur Reinigung der Außenbezirke der Stadt verwendet. Als Auf 
sichtspersonen dienten Kolonnenführer und ältere Arbeiter aus dem ständigen Personal. 
Die tägliche Arbeitszeit betrug aus Magistratsbeschluß 7 Stunden. Die Löhnung erfolgte 
aus den der Deputation für den städtischen Arbeitsnachweis zur Verfügung gestellten 
Mitteln. Während der Schneebeseitigung wurden die Notstandsarbeiter von der Straßen 
reinigung als Hilfsarbeiter übernommen und entsprechend aus den für die Schneebeseitigung 
verfügbaren Mitteln der Straßenreinigung gelöhnt. Erhebliche Schwierigkeiten haben 
sich bei der Beschäftigung der Notstandsarbeiter nicht gezeigt, wenngleich die durch sie er 
zielten Arbeitsleistungen auch nicht annähernd diejenigen des ständigen Personals erreichten. 
Im Laufe des Berichtsjahres ist neu beschafft worden: 1 Reitwegspreng 
wagen. Die kleineren Reinigungsgeräte, wie Besen, Schippen, Gießkannen, Standrohre, 
Bagger, Picken, Gummischieber, Stoßeisen usw. wurden in ihrem Bestände erhalten und 
nach Bedürfnis erneuert. Die Bespannung und Bedienung der Kehr 
maschinen, Waschmaschinen, Sprengwagen und Schneepflüge sowie die Abfuhr des Straßen 
kehrichts, des Baggerschlammes und des Schnees ist für die Zeit vom 1. April 1905 bis 
31. März 1910 an den Fuhrunternehmer Fricke vertraglich vergeben. Die Instandhaltung 
der Fahrzeuge und Maschinen hat die Stadtgemeinde selbst übernommen. Die Verwaltung 
und das Materialienlager befinden sich auf dem Grundstück der Hauptfeuerwache Lützow 7/8. 
Von augenfälligen Verunreinigungen wurden täglich gereinigt: 
etwa 931 543 qm asphaltierte Straßend ammfläch en, 
392 500 „ gepflasterte und chauffierte Straßendammflächen, 
69 682 „ Straßen mit Holzpflaster, 
1 015 000 „ Bürgersteig- und Promenadenflächen. 
zusammen 2 408 725 qm, also mehr als */ s der Gesamtfläche. 
3 Die Müllbeseitigung. 
In der Organisation der Müllbeseitigung (vgl. Verw.-Ber. 1907, S. 83) 
bat sich im Berichtsjahre nichts verändert. Die von jedem Grundstück erhobene Gebühr
	        
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