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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1907 (Public Domain)

zweimaliger Prüfung, außerdem wurden 6 neue Brunnen in Betrieb genommen und 
wiederholt untersucht, insgesamt ergab das 99 Brunnenuntersuchungen. 
Wie bereits bemerkt, hat aber auch die vornehmlichste Aufgabe des Untersuchungs 
amtes, die Feststellung der Infektionskrankheiten, für die Ärzte der Stadt eine 
anhaltende Steigerung aufzuweisen. Von 579 Übersendungen im Vorjahre ist die Zahl 
der Eingänge auf 767 gestiegen. Die Verteilung auf die verschiedenen Krankheiten und 
die Untersuchungsergebnisse gehen aus beistehender Tabelle hervor: 
Untersuchung aus 
Unter 
suchungen 
negativ 
1 positiv 
Bemerkungen 
1. Tuberkulose 
399 
334 
65 
Die Untersuchungen wurden bei zunächst nega- 
tivem Ergebnis durch Zentrisugierung und 
Sedimcntierung der Sekrete resp. Exkrete 
vervollständigt und immer mehrere Präparate 
durchgesehen. 
2. Diphtherie 
187 
139 
48 
Kulturelle Untersuchung aus Serum. Bei nega- 
tivem Ergebnis gewöhnlich Streptokokken und 
Staphylokokken gefunden. 
3. Pneumonie 
4. Typhus 
1 
1 
Die Reaktion wurde immer auch auf Paratyphus 
a) Widalsche Reaktion 
57 
34 
23 
angestellt, unter den Positiven sind 7 Fälle 
b) Züchtung aus Stuhl, 
mitgezählt, bei denen Paratyphus ß positive 
Urin, Blut .... 
55 
48 
40 
2 
7 
Reaktion gab. 1 mal wurde auch 8 paratypb. 
ß aus Stuhl gezüchtet. 
5. Gonorrhoe 
6. Malaria 
49 
2 
9 
j Mikroskopische Untersuchung von Ausstrichen. 
7. Syphilis 
i 
1 
— 
Nachweis der Spiroehaete palllda im Ausstrich. 
8. Eitererreger 
9. Genickstarre 
10. Verschiedene . . . . \ 
3 
6 
17 
2 
6 
15 
1 
2 
2 mal Angina Vincenti durch Nachweis des 
Untersuchungen . . / 
La«. fusiformis. 
Bezüglich der großen Zahl der negativen Untersuchungsergebnisse gilt das im letzten 
Bericht Bemerkte, daß besonders bei Tuberkulose die klinisch zweifelhaften Fälle 
eine Einsendung von Untersuchungsmaterial veranlassen, aber auch die Zahl der ein 
laufenden Untersuchungen und ihre Verteilung auf die verschiedenen Erkrankungen gibt 
immer noch kein vollständiges Bild von dem Stande der Infektionskrankheiten in der Stadt. 
Es seien daher wiederum die Untersuchungen für das Krankenhaus Westend angefügt, 
welche die erste Tabelle ergänzen, da die meisten Fälle von Infektionskrankheiten nicht 
sogleich dem Krankenhaus zugewiesen werden. 
Untersuchung auf: 
Zahl 
negativ 
positiv 
B ei» crkungen 
1. Diphtherie 
530 
345 
185 
31 mal war die Reaktion auf Paratyphus ß 
positiv. 
2. Typhus 
1 
a) Widalsche Reaktion . 
b) Züchtung aus Blut, . 
163 
103 
60 1 
f 
23 mal wurden Paratyphus bac. gezüchtet. 
Fäzes, Urin, Eiter . . 
214 
166 
48 J 
3. Ruhr 
— 
— 
— 
4. Tuberkulose 
38 
36 
2 
Untersuchung von Lumbalslüssigkeit, Eiter, Exsu 
daten, die Sputumuntersuchungen werden 
nicht von der Anstalt ausgeführt. 
5. Meningokokken .... 
73 
56 
17 
Wiederholte Untersuchungen bei 5 klinischen Fällen. 
6. Pneumokokken .... 
33 
22 
11 
7. Eiterkokkcn 
65 
37 
28 
8. Andere Untersuchungen . 
43 
18 
25 
Auch in dieser Tabelle entspricht die Zahl der Untersuchungen nicht der Erkrankungs 
ziffer, da in vielen Fällen wiederholt untersucht wurde, besonders bei Tpphusfällen in 
der Rekonvaleszenz öfters Stuhl und Urin, um das Aufhören der Bazillenausscheidung 
festzustellen. Bemerkenswert ist eine Häufung von Paratyphusfällen im Monat 
September, die auch im Untersuchungsamt in Erscheinung trat; eine besondere Ursache 
dieser durchgehends leicht verlaufenden Erkrankungen, die sich auf mehrere Stadtteile 
verteilen, konnte nicht ermittelt werden. 
Gegen Ende des Berichtsjahres erfuhr das Uutersuchungsamt eine weitere Aus 
gestaltung. Durch Vertrag vom 19. Februar/5. März 1908 wurden dem Untersuchungs 
amt die seuchen- polizeilichen Untersuchungen, die dem Staate 
obliegen, für den Bereich der Städte Charlottenburg und Wilmersdorf 
übertragen, entsprechend einer seitens des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts 
und Medizinalangelegenheiten angeregten Organisation der seuchenpolizeilichen Fürsorge 
für den ganzen Landespolizeibezirk Berlin. Es bedeutet dies eine wesentliche Ergänzung
	        
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