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Full text: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Charlottenburg (Public Domain) Issue1907 (Public Domain)

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Deshalb halten wir auch so fest an diesem Rechte der Selbstverwaltung 
und verteidigen es überall mit Zähigkeit und Hartnäckigkeit, weil wir damit 
im letzten Sinne dem Vaterlande dienen. In diesem Bewußt 
sein soll und wird auch Ihre Arbeit, meine Herren, in diesem Saale sich vollziehen. 
In diesem Bewußtsein lassen Sie uns zusammenstehen, so lassen Sie uns jeder 
nach seinem besten Können und Wissen zusammen arbeiten im Hinblick und im 
Aufblick auf das große Ganze: das Vaterland. 
Die Arbeit des nächsten Jahres wird sich neben den gewöhn 
lichen kleineren und größeren Aufgaben vielleicht noch im höheren Maße als bisher 
auf dem Gebiete der Schule, der Hygiene, der sozialen Arbeit bewegen. Die 
hier vorliegenden Aufgaben erweitern und vertiefen sich von Jahr zu Jahr und 
erfordern immer mehr Hingabe. Im bevorstehenden Jahre wird uns der zurzeit 
auf den Geldverhältnissen lagernde Druck, der noch immer nicht weichen zu wollen 
scheint, vielleicht besondere Schwierigkeiten bei Lösung der uns obliegenden 
Aufgaben bringen. Lassen Sie uns hoffen, daß wir diese Schwierigkeiten über 
winden werden, ohne daß jene Ziele Schaden leiden. 
Noch auf eine Arbeit der nächsten Jahre möchte ich nicht unterlassen besonders 
hinzuweisen, einmal weil sie uns völlig neu sein wird und dann, weil ich sie von 
außerordentlicher Bedeutung halte. Schon in der nächsten Sitzung wird Sie, 
meine Herren, eine Magistratsvorlage beschäftigen über die Bildung eines Ver 
bandes zwischen den Gemeinden Groß-Berlins mit dem Zweck der gemeinsamen 
Errichtung und Betriebes von Straßenbahnen. Es schweben die Verhandlungen 
über die Bildung eines ebensolchen zweiten Verbandes ebenfalls unter den Ge 
meinden Groß-Berlins zur Herstellung eines einheitlichen Bebauungsplanes 
und Schaffung eines Wald- und Wiesengürtels, der in und um diese Gemeinden 
errichtet werden soll. Mit diesem Zusammenschluß zu Verbänden 
wird ein völlig neuer Weg beschritten. Bisher haben die einzelnen Ge 
meinden Groß-Berlins ihre Interessen jede für sich allein zu verfolgen gesucht, 
jede auf ihre Weise, vielfach ohne Rücksicht aufeinander, zuweilen sogar im Kampfe 
gegeneinander. Jetzt besinnt man sich, daß man in einem großen Wirtschafts 
gebiete zusammenlebt, welches zahlreiche gemeinsame Interessen entstehen läßt, 
und man beginnt zu erkennen, daß solche gemeinsamen Interessen auch am besten 
gefördert werden durch die gemeinsame Kraft, durch den Zusammenschluß der 
Interessenten. Dieser Weg ist für die Gemeinden Groß-Berlins ein neuer. Aber 
er ist nach meiner Überzeugung der richtige. Auf diesem Wege wird es gelingen, 
die Frage der zweckmäßigen Gestaltung von Groß-Berlin zu lösen. Diese Frage 
läßt sich meines Erachtens nicht durch eine theoretische Ordnung von oben her, 
nicht durch einen Zwang der Gesetzgebung regeln, der, wenn er auf diesen Gebieten 
einsetzen wollte, doch immer etwas Gewaltsames an sich haben müßte. Aber 
sie wird sich lösen lassen auf dem Wege der praktischen 
Erfahrung, der freiwilligen Selb st Hilfe, der jetzt beschritten 
werden soll, und der den großen Vorteil hat, daß er sich anschmiegt den tatsächlichen 
Verhältnissen des vorhandenen Lebens. Dieser Weg hat ferner den Vorteil, 
daß er den Zusammenschluß zu Verbänden für bestimmte Zwecke ermöglicht, 
ohne an die Selbständigkeit der einzelnen Gemeinden 
zu tasten, diese Selbständigkeit, an der meines Erachtens unbedingt im 
Interesse des Ganzen fe st gehalten werden muß. — 
Getrennt marschieren, vereint schlagen, das sei auch der 
Grundsatz gegenüber den Schwierigkeiten auf diesem Gebiete. Ich gebe mich 
der Hoffnung hin, daß Sie, meine Herren, bereit sein werden, auf diesem Wege 
zu einem positiven Erfolge zu kommen. 
Es wäre erfreulich, wenn im Jubiläumsjahre der Städteordnung 
eiue positive erfolgreiche Arbeit einsetzen würde, um im Wege der Selbstverwaltung 
durch die freie Entschließung der sich selbst helfenden Gemeinden eine Frage zu 
lösen, die von höchster Bedeutung ist für die Reichshauptstadt und für die sie in 
einem Kranze umgebenden Vororte. 
Glückauf denn, meine Herren, zu solcher Arbeit! Möge sie Ihnen zur Freude, 
der Stadt zum Segen sein!" 
Nachstehende Übersicht zeigt die Gründe des Ausscheidens der Stadt 
verordneten, abgesehen von dem regelmäßigen Ausscheiden wegen Ablaufs der Wahlzeit:
	        
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