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Periodical volume No. 9 Bericht der Fach- und Fortbildungsschulen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin Issue 1918/1920

Verwaltungsberickt 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
die Rechnungsjahre 1918/20. 
M 9. 
Woricht der Jach- und Jortbildungs schulen 
für die Deit vorn 1. April 1918 bis zum 30. September 1920. 
Allgemeine». 
In die Berichtszeit fällt sowohl die Beendigung des Krieges wie 
die staatliche Umwälzung. Größere Schwierigkeiten verursachte die 
lmftellung auf den Frieden. Wenn man bedenkt, daß nicht nur wie 
mf den anderen Schulgebieten der Lehrkörper durch Einberusnngen fast 
ollständig zerstört war, sondern dazu noch die Schüler durch den Heeres 
dienst oder durch die Rüstungsindustrie der Schule entzogen, .waren, 
laßt sich ermessen, welche Schwierigkeiten durch den Rückstrom der 
Lehrer und Schüler zu überwinden waren. Die Berichtszeit umfaßt 
daher fast ausschließlich die Bewältigung dieser Aufgaben. 
Bcuthschule und Maschinenbanschulc. 
Bon April 1917 bis November 1918 war die Beuth-Schule 
:gen des Krieges und wegen der Einberufung der Lehrer und Schüler 
>um Heeresdienst oder Hilfsdienst geschlossen. 
In dieser Zeit wurden nur die Kurse für Kriegsbeschädigte (Kurse 
-für Metallarbeiter, für Motoren- und Schalttafelwärter, für Heizer und 
älfsmaschinisteü) weitergeführt. 
Nach dem Waffenstillstände wurde der Tagesunterricht zunächst 
in 1 Klassen, ab Januar 1919 in 6 Klassen mit 104 Schülern wieder 
ausgenommen. Für einen Teil der Schüler tvuvden besondere Wieder- 
Mholnngskursc außerhalb des lehrplanmäßigen Unterrichtes eingerichtet. 
Da unmittelbar nach Kriegsende die Beschäftigung von Praktikanten 
Min der Industrie mit Schwierigkeiten verbunden war, ivurden in der 
Mdersuchstverkstätte der Anstalt vorübergehend Praktikanten zur Aus 
bildung angenommen. 
Für 1919 waren so viele Meldungen eingegangen, daß Ostern 1919 
>rei, Herbst 1919 vier Aufnahmeklassen eröffnet werden inußtcn. Durch 
'eine besondere Vereinbarung zivischen der Stadt Berlin und den damals 
noch selbständigen Vorortgemeinden tvnrde die Zahlung ei,res besonderei, 
Zuschusses für die aus den Vororten stammenden Schüler herbeigeführt. 
Im .Herbst 1919 wurde auch der schon früher gefaßte Beschluß, 
Hie 3-klassige Fachschule für Maschinenbauer von der Strnßniaiin-- 
straße 5, nach dem Schulgebäude am Zeppeliuplatz zu verlegen und zu 
einer 4-klassigeu Maschinenbauschule, auszubaucir, durchgeführt. 
Tic Klasseuzahl für beide Anstalten betrug ab Herbst 1919: 10, 
äb Ostern 1920: 15, ab Herbst 1920: 17. , 
Im Herbst 1920 lagen für die Jahre 1921—1924 bereits 668 
DAumelduugen vor. ' 
Das ursprünglich nur für 12 Klassen bestimmte Schulgebäude, 
xiuußte daher durch Umbau von Sainmluugs- und Garderobenräiiinen 
ßrrweiterl werden. 
«augewertschule. 
Die Baugeiverkschule hat in den Kriegsjahren nicht in der ruhigen 
Ulno regeln,äßigcn Weise wirken können, lote es für eine Schule wün- 
Sscheuswert ist, einmal infolge Ablebens ihres hochverdienten Direktors 
u- ® r -ralendorff und ferner wegen der äußeren allgemeinen 
Verhältniße, die ja aus alle öffentlichen Einrichtungen störend einwirken. 
Herr Direktor v. Stralendorfs wurde der Schule, die er seit 
»Oktober 1880 leitete und aus kleinen Anfängen zu hoher Blüte gesührt 
»hat, am 8. Juli 1918 durch,den Tod entrissen. In ihm verlor «die 
Schule einen künstlerisch hochbegabten Leiter, ihre Schüler einen für ihre 
Ausbildung eifrig wirkenden, für ihr weiteres Fortkomiiien treu be 
sorgten Direktor, ihre Lehrer einen liebenswürdigen Führer, Sein 
Andenken wird in Lehrern ,md Schülern der städtischen Baugewerk 
schule fortdauern. 
Im Somiuerhalbjahr 1918 kouute ui», die Hochbauabteiliiug i» 
5 Klassei, durchgeführt iverdeu. Der Unterricht wurde am 8. April 
1918 mit 40 Schülern begonnen, von denen im Laufe der Schulzeit 7 
zum Heeresdienst eiuberufeu ivurden. Die Abschlußprüfung fand am 
23. Angust statt; vier Schüler haben an ihr cheilgenommen, die sämtlich 
bestanden. 
Schwieriger gestalteten sich die Verhältnisse im Winterhalbjahr 
1918/49. Am 14. Oktober mit 78 Schülern in 6 Klassen begonnen, 
wurde es nach Umwälzung der staatlicheii Verhältnisse mit einer 
wachsenden Schülerzahl fortgeführt. Der Zustronr der Schüler im 
Laufe der Schulzeit und die allmähliche Rückkehr der ziim Heeresdienst 
eiiigezogenen Lehrer machte mehrfache Aenderungen des Stundenplans 
und die Neueinrichtung von Klassen erforderlich; die Tiefbanabtefliing, 
die längere Zeit geruht hatte, wurde im Luafe des Halbjahres neu 
eröffnet. 
Die Abschlußprüfung der Hvcybauabteüliiig saird am 21. März 
1919 statt. An ihr nahmen 15 Schüler teil, die sämtlich bestanden, 
darunter vier init dem Prädikat „gut bestanden". Die Prüfung 
der Tiefbauabteilung ivurde auf Wunsch der beteiligten Lehrer mit 
Genehmigung des Ministeriums auf den Anfang des.folgenden Halb 
jahres verschoben und fand unter Beteiligung von 4 Schiller» am 
24. April 1919 statt. Von den Prüflingen bestanden, 3, ivährend ein 
Schüler ivährend der mündlichen Prüfung zurücktrat. Ain 22. März 
ivurde das Schulhalbjahr geschlossen. 
Das Sommerhalbjahr 1919 begann am 3. April mit 260 Schülern, 
die aus 12 Klassen verteilt waren, auf 7 Kläffen des allgcnieincn 
ttnlerbaues, auf 3 Klassen der Hoch-, uud 2 Klassen der Tiefbau- 
abteilung. Auf Aiiordiiuiig des Ministeriums wurde der Unterricht in 
„Staatsbürgerkunde" aufgeiwmmcn, zunächst nur in den 5 Klassen. 
Die schriftliche Abgaugsprüfung au der in der Hochbauabteiliiug 24, 
in der Tiesbauäbteilung 18 Prüflinge, darunter ein Extraner teil- 
uahme», fand für die erstere vom 28. Juli bis 6. Anglist, ,ür die 
letztere vom 4. bis 12 Angust statt. Von einer »lüiiMid’cn Prüfung 
ivurde auf Anordnung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe 
versuchsweise Abstand genommen, und es erhielten am 18. Angust 
auf Bcscbluß der Prüfungskommission nach den Ergebnissen der schrift 
lichen Prüfung in der Hochbauabteiliiug die sämtlichen Prüflinge das 
Abgangszeugnis, darunter neun mit dein Prädikat „gut bestanden" und 
zwei mit dem Prädikat „mit Auszeichnung bestanden". Von den 
18 Teilnehmern an der Prüfung in der Tiefbauabteilung konnte einem 
die Reife nicht zugesprochen iverden, von den übrigen bestanden zwei 
„mit Auszeichnung" und 1 mit „gut". 
Im Winterhalbjahr 1918/19 ivurde ein Lchrerausschuß gewählt, 
der eine rege Tätigkeit entfaltete und in mehreren Denkschriften der 
Deputation die Wünsche des Kollegiums über Anstellung, Besoldung und 
Vertretung der Lehrerschaft in der Deputation und deni Kuratoriuni 
unterbreitete. 
Auch ein SchnlerauSschuß, der allerdings schon vor dem Herbst 1918 
bestand, hat vielfach mißlich gewirkt, indem er für eine gewisse Kaincrad- 
schasi unter den Schülern sorgte. Bis jetzt hat die Existenz der Schüler- 
ausschüsse günstig geivirkt; er hat manche kleine Verbesserungen angeregt.
        
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