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Periodical volume No. 54 Bericht der Kriegshinterbliebenenfürsorge

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin Issue 1918/1920

Druck von W. L S. Loewenthal, Berlin L 19. 
verwaltungsberickt 
des 
Magistrats zu 
für 
Berlin 
die Rechnungsjahre 1918/20- 
M 54. 
Bericht der Kriegsbinterbliebenenfürsorge 
für die Zeit oom 1. Aprik 1918 Sie. 80. September 19-20. 
Die nach dein Militärhiuterbliebeuengesetz den Hiiiterbtiebeueu von 
Militärpersonen der Unterklassen zustehenden Bezüge reichten bei lvciteni 
nicht dazu aus, daß die Kriegshinterbliebenen davon ihren Lebensunter 
halt bestreiten konnten. Der Stadt Berlin erwuchs aus dieseni Grunde 
die Pslicht. den Hinterbliebenen nicht -nur »nt Rat und Hilfe, sondern 
auch wirtschaftlich zur Seite zw stehen. Es wurde daher durch Gemeinde 
beschluß die städtische Kriegshinterbliebenenfürsorge spätere „Haupt 
sürsvrgestelle Berlin für die Kriegshinterbliebenen" > ins Leben gerufen. 
Tie Leitung der Kriegshintcrbliebenenfürforge lag in den Händen 
eines votn Oberbürgermeister aus dem Kreise der Magistratsmitglieder 
ernannten Ma g i stra tsko in m issars. Dieser leitet und über 
luncht die, gesamte Geschäftsführung. 
Ueber die Verwaltung und Verwendung der Mittel bestimmt eilt 
nach besonderen gesetzlichen Vorschriften berufener Beirat mir 
Die Tätigkeit der Kriegshinterbliebenenfürsorge, ist dezentral,iieri 
und ivurde voll 23 über die ganze Stadt verteilten Bezirksstellen ans 
geübt i d. h., diese 28 B e zirk s st eile n, deren Bezirke sich mit 
deucit der Standesämter und Steuertassen decken, üben die pflegerische 
Tätigkeit aus, während alle bnreautechnischen Arbeiten von der Haupt 
geschäftsslrllr, C.", Poststraße 5, wahrgenommen werden Jede dieser 
Bezirksstelleit wird von eiuein Borsißenden geleitet, dem eine Anzahl 
ehrenamtlich tätiger Personen zur Seite stehen. Diese Mitglieder er 
gänzi'n sich aus den Mitgliedern privater Wo hl t ä leg k e i t s o rga > i i s a rw n e n 
svlvic aus Vertretern der Kriegsh-iutcrbliebenenoiMnisationcn. 
Tie Mittel der städtischen Kriegshiuterbliebenenfürsorge reichten nicht 
hin, um auch nur die iwtweudigsten Bedürfnisse der Hiutcrbliedeueu 
zu decken. Jedoch standen auch noch laufend- Mittel aus der Rational- 
stiftung für die Hinterbliebenen der im ^kriege Gefallenen, aus der 
„Kruppstiftung", der (Stiftung „Deutscher Frauendank" und der „Kn 
threinerstiftung" zur Verfügung. 
Bon der Begründung der Kriegshiuterbliebenenfürsorge bis zum 
30. September 1920 wurden etwa, 45 000 Kriegshinterbliebene mit etlva 
folgenden Summen unterstützt: 
Mittel, die vom Reiche erstattet wurden .... 3 3l0 275,os 
Nationalstiftung 1 604 737,2« M, 
Kruppstiftung 319 909,52 - 
Deutscher Frauendank .... 17 412,«5 » 
Kathreiner giftung 13 446,20 - 
Einmalige bezw. laufende Unter 
stützungen von den Ver 
sorgungsämtern allein im 
Jahre 1919 796 180,00 - 
Der Kriegshinteckliebenenfürsvrge unterstehen zur Zeit zirka 40 000 
Kriegshinterbliebene. 
Die Zahl des Personals betrug 1918 15 Beamte, 60 Hilfs 
kräfte, während jetzt 18 Beamte und 162 Hilfskräfte tätig sind. An 
Verwatluugskosteu sind bis zum 30. September 1919 841017,s» M 
entstanden. 
An Eingängen waren im Jahre 1919 323 248 zu bearbeitan, 
daneben wurde rund 120 000 Personen Rat «und Auskunft erteilt. 
Die Tätigkeit der ehrenamtlichen Mitglieder, die in den Bezirks 
stellen die grüßte pflegerische Arbeit leisteten, hat nach Beendigung des 
Krieges immer mehr abgenommen, io daß nur noch die Hälfte der 
damaligen Mitgliederzahl tätig ist. Die Zahl der Mitglieder betrug 
bei Begründung 406 Personen, während zur Zeit nur noch 203 Mit 
glieder tätig find. Zur Ausübung der pflegerischen Tätigkeit miißjten 
daher bezahlte soziale Hilfskräfte herangezogen werden. 
Der Entwertung des Geldes entsprechend, umrden den Hinterblie 
benen zu den festgesetzten Reuten Teuerungszuschläge belvilligt, 
die jedoch zum Lebensunterhalt immer noch nicht ausreichten. Das 
Reich entschloß sich daher, den Kriegshinterbliebenen im Herbst 1919 für 
0 Monate eine W inte r b eihilfs zu geivähreii. Der Gesamtbetrag 
dieser Auszahlungen erreichte die Höhe von 4 505 260 Jl. 
Ater »ichs nur mit barem Gelde, sondern auch mit Kleiduugs- 
stückcu, Lcbcusinittelii und anderen Naturalien wurden die bedürftigen 
Kriegshinterbliebenen unterstützt. Lungenkranke Hinterbliebene, Hinter» 
ernährte und skrofulöse Kinder Kriegshinterbliebener wuüdeu in Heil 
anstalten soivie zur Erholung im In- und Auslande untergebracht 
Die Zahl dieser Personen betrug 1920 4000. 
Durch das Reichsversorgungsgesetz vom 12. Mai 1920 — in Kraft 
seit 1. April 1920 — wurde die KriegsIstnterbliebe»enf 1 irsorge auf andere 
Grundlageir gestellt. Die Hiiuerbliebenenfürsorge ist jetzt Reichsange 
legenheit. Das neue Reichsversorgungsgesetz macht keinen llnterschied 
zwischen Hinterbliebenen von Offizieren und Mannschaften und zwischen 
Dienst- und Kriegsdienstbeschädigung. Die Rente besteht jetzt aus einer 
Grundrente und aus den sogenannten Ausgleichs- und Ortszulagen, 
die fick' nach der Tätigkeit des Verstorbenen bezw. nach dem Wohn 
sitze der Hinterbliebenen richten. — Durch dieses Gesetz sind erhebliche 
Härten ausgeglichen worden. Ilm jedoch die Hinterbliebenen in den 
Genuß der neuen Bezüge zu setzen, muß eine Rentenuinanerkennung siatt- 
sindeu, die ivohl erst in etiva 2 Jahren voll durchgeführt sein wird. Bis 
dahin erhalten die Kriegshinterbliebenen Rentenvorschüsse, die bnrjdfj- 
die Bezirksstellen ausgezahlt werden. Den Bchirksstellen erwächst durch 
diese Auszahlung — von Ende Dezember 1920 bis Mitte Mäch 1921 
tvarcir es 15 000 Vorschüsse mit 4V« Millionen Mark — sowie durch die 
Aufnahme der Anerkennungsverhandlungen eine gewaltige Mehrarbeit. 
Die von der Kriegshinterbliebcuensürsorge aufgewendeten Kosten 
iverden nach dem Gesetz vom 12. Mai 1920 zu 9 vom Reich» und 
Staat aufgebracht, so daß der Geineiirde nur uoch 1 / 10 zur Last fällt. 
Berlin, den 10. März 1921 
Der Magistratskommisia> für Kriegshinterbliebenensürsorge. 
S ch ü ii i n g. ' 
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