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Periodical volume No. 40 Bericht der städtischen Markthallen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin Issue 1918/1920

Nr. 40. Bericht der städtischen Markthallen. 
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Druck von 28. & S. Loewenthal, Berlin C19. 
Süßwnsscr und Seefischen gingen zur Preisfestsetzung und planmäßigen 
Verteilung au die amtliche Fischvertciluug Gros; Berlin G. 1». b. H., 
mit) durch sie wurden die Fischhändler schlüsseluiäßig mit Waren be 
liefert. Die Abgabe an die Verbraucher erfolgte nach Vorschrift der 
^amtlichen Stellen zu Höchst- und Nichtpreiscu. Die Einfuhr »,>>> 
Seefischen unterlag vollständig den behördlichen llcbe.rwachnngsstclleii, 
da die. Fangergebnisse restlos zu erfassen waren. Anders lagen, die 
Verhältnisse bei' den Süßwasserfischen, die nur zum geringste» Teil von 
den amtlichen Stellen erfaßt werden konnten. Die Fischer verkauften 
infolge des gesteigerten Bedarfs den Fang am Fangplatz selbst, Wb 
ihnen von dein ungeheuer aufgeblühten Schleichhandel bedeutend höhere 
Preise gezahlt wurden, als die festgesetzten Höchstpreise ausmachten. 
Die günstigen'Fangergebnisse im Mai und Juni zeitigten eine Massen- 
zufuhr an'Seefischen. .Bei der hohen Sominertemperatnr traten aber 
Absatzstockungen ein, die besonders erschreckend sich ans dem Berliner 
Markt bemerkbar machten. Selbst die Lockerung der Absatzvorschriften, 
tvie Aufhebung des Kunden- und Kartcuzwanges, Freigabe des Absatzes 
an die Restaurateure usw., konnten nicht mehr bessernd einwirken. Die 
Anordnungen der Zentralstelle bezüglich der Versandregnliernng ließen 
sich nicht mehr aufrecht erhalten und sah sich die Reichsbchörde schließ 
lich Ende Juli veranlaßt, die öffentliche Bewirtschaftung der Fische 
aufzuhebeni nur für Anslandsfische blieb die Sperre bestehen. Wenn 
auch die Preise, darauf anzogen, blieben sie doch erheblich hinter den 
Schleichhandelspreisen zurück. An den Küstenplätzen wurden wieder 
die in tstr Vorkriegszeit belvährten Fischversteigerniigen ins Leben gc- 
rnsen, die aber durch die sich immer ungünstiger gestaltenden Vnlnhn- 
verhältnisse zu andauernden Preissteigerungen führten. Diesem Nebel 
zu steuern, führte man eine Art freiwillige Zwangsbewirlfchastnng ein,- 
indcin die. Preise von dem Reederei-Verband festgesetzt wurden. Erst 
gegen Ende März 1921 konnte, wegen reicher Fangergebnisse davon 
wieder Abstand genommen werden. 
Ber den Süß)vasserfischen ließ sich nach Aufhebung der Zwangs 
wirtschaft ein stetiges Ansteigen der Zufuhren verzeichnen bei rerhält- 
»isinäßig stabilen Preisen. Die Gesamternte ans der Teichwirtschaft 
war aber doch eine geringe und wickelte sich gerade das Karpfcngeschäst 
im Weihnachts- und Neujahrsvcrke.hr 1919 recht ruhig ab. Die Preise 
lagen etwa 80—100 pCt. höher als im Vorjahre. 
Alles in allem läßt sich sagen, daß sich die Aushebung der 
Zwangswirtschaft nur vorteilhaft im Geschäftsverkehr bemerkbar ge 
macht hat. 
Obst- und Geniüfegrotzhandcl. 
Der Marktverkehr stand zu Beginn des EtatsjahreS 1919/20 »ock> 
unter der Zwangsbewirtschaftnng und dein entsprach die Beschickung 
des Marktes mit allen Arten von Obst und Gemüsen. Es bestanden 
noch die Höchstpreise, die einer freien Entwickelung des Handels ent- 
gegen waren. Jininerhin konnten die Zufuhren als leidlich bezeichnet 
werden. Die Aushebung der Höchstpreise im Laufe des Sommers 
brachten wohl eine etwas reichlichere Beschickung des Marktes, hatten 
aber auch ein Aufschnellen der Preise im Gefolge. Wenn auch die 
übermäßigen Preise allmählich wieder abflauten, so blieben sie immer 
noch ans einer unerträglichen Höhe. Besonders litt der Marktverkehr 
nittcr den wiederholten Streiks, die eine Folge der wirtschaftlichen 
Notlage der arbeitenden Bevölkerung ivaren. Die hohen Preise der 
wichtigsten Artikel zpin Lebensunterhalt veranlaßten neue Lohnsorde- 
rnngen, diese zogen folgerichtig - wiederum noch höhere Preise nach sich 
Die. Erzeugerpreise stiegen und auch die Bahnfrachten wurden erhöht. 
Trotz erhöhter Bahnsrachten und der Schwierigkeiten, ivelche die Valnln 
.und die Einfnhrerlanbnis mit sich brachten, kamen an Südfrüchte» 
vor allem Zitronen und Feigen in reichlichem Maße ans den Markt. 
Allerdings waren die. Preise dementsprechend. 
Bauliche Unterhaltung. 
In sämtlichen Markthallen sind erhebliche Notstandsarbeiten aus 
geführt, für die vom Staat Zuschüsse geleistet sind. Es sind dafür 
929 817,7» M, verausgabt worden. Auch wurde mit dem Abbruch 
der Volksküchen in den Markthallen In, VII, IX und X begonnen. Die 
Kosten dieser Bauarbeiten trägt die Volksspeisung. 
Von sonstigen baulichen Umänderungen von Bedeutung ist noch 
zu erwähnen in der Markthalle II die Beseitigung der Preßgasanlage, 
an deren -stelle die elektrische Beleuchtung eingeführt >norden ist. 
Auch in der Zeit vom l. April bis 30. September 1920 war die 
Nachfrage nach Ständen sehr rege, da infolge der Arbeitslosigkeit 
viele Personen sich auf den Handel mit Lebensrnitteln legten. Trotz 
der guten Besetzung der Stände mußte die Verwaltung, um die stetig 
steigend.» Betriebskosten zu decken, vom 1. April 1920' eine Erhöhung 
sämtlicher Mieten für Stände, Keller-, Lager- und Kühlräume, sowie 
der Gebühren für die Benutzung des Bahnanschlusses und am 1. Juli 
1920 eine nochmalige Erhöhung vornehmen. Ungeachtet dieser Maß 
nahmen hat die Besetzung der Stände in allen Markthallen noch tzn- 
genominen. 
Die Besetzung der Stände in der Zeit vom l. April bis- 30. Sep 
tember 1920 ergibt sich ans nachstehender Zusammenstellung: 
Markthalle 
Zur Besetzung 
vorhanden 
Besetzt vom 1. April 
bis 30. September 1920 
In Prozenten 
I 
5 392,2 
6 283 
116,5 
Ia 
5 616,2 
3 791 
67,5 
II 
3 050,s 
3 349 
109,- 
V 
821,3 
573 
69,5 
VI 
1 193,9 
1055 
88,i 
VII 
897,o 
465 
51,- 
VIII 
1 789,o 
1397 
78,1 
IX 
1 300,o 
509 
39,2 
X 
1 345,o 
527 
39,2 
XI 
931,o 
453 
48,6 
XIV 
1455,i 
1 212 
83,3 
/ 
Das Etalsjahr 1920/21 begann unter günstigen Aussichten. Die 
Saisonerzengnisse waren reichlich am Markt. Besonders die Spargel- 
ernte brachte große Zufuhren und fand trotz ungeheuerer Preise starken 
Absatz, obgleich infolge der »och bestehenden Rationierung großer Fleisch 
mangel bestand. Vielleicht aber 'war gerade deswegen die Ksanflnst 
angeregt, da das eingeführte Gefrierfleisch seines zum Teil widerwärtige» 
Geschmackes ivcgen von der Bevölkerung nicht gern gekauft wurde. 
An Obst und Gemüsen kamen große Zufuhren ein und fanden 
auch schnell Absatz, trotz der hohen Preise. Der freie Handel ent" 
wickelte sich mehr und inehr. Angebot und Nachfrage kommen all 
mählich wieder ins alte Gleise. 
Die Zufuhren an Geflügel waren die gleichen wie im voraus 
gegangenen Geschäftsjahre. Reichlicher ivnrden Eier angeliefert, die 
aber stark im Preise stiegen. Wild ging bei Beginn der Wildsaison 
recht dürftig ein, nahm aber allmählich zu. Der Eingang von Rol- 
wild war minimal, Rehe und Schwarztvild dagegen reichlicher, Damm- 
wild aber knapp. Der Rückgang dürfte darauf zurückzuführen sein, daß 
der Wildbestand während des Krieges nicht genügend gehegt werde» 
konnte und während der Revolutionsperiodc durch Wilderer 
stark gelitten hat. Der Umsatz war bei der Lebensniittelkna,ppheit 
leicht. Von den städtischen Verkanssvermittlern konnten jedoch infolge 
der besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse und der damit verbundenen 
Kosten genaue slatisUjche Angaben über die Eingänge nicht gemacht werden. 
Im Fischhandel war das Ostergeschäst 1920 für den Berliner 
Marke recht verhängnisvoll, weil wider Erwarten die Zufuhren die 
Nachfragen überstiegen. Die Folge davon- war, daß die Wäre i» 
den Kühlhäusern eingelagert und schließlich unter dem Selbstkosten 
preis abgegeben werden mußte. Dies führte zu einer Stockung der 
Bestellungen. Erst die vollständige Freigabe der Versteigerungen und 
der ausländischen Einfuhr brachte eine Besserung. Es zeigte sich, 
daß die Versteigerungen die besten Gradmesser zur Erkennung der 
Marktlage waren und wie früher ausreichend zwischen Angebot und 
Nachfrage wirkten. 
Die Seefischpreise sanken, obgleich speziell am Berliner Mark! 
noch immer gewisse. Beengungen durch die Prcispriifnngsstelle vor 
lagen. 
Anfang Juni trat auch auf dem Süßwasserfischinarkt mit Ge 
nehmigung der Gemeindebehörden wie des Reichskommissars für Fisch- 
versorgung die städtische Fischauktion wieder in freie Wirksamkeit. Diese 
Maßnahme trug wesentlich dazu bei, die letzten Reste des Schleichhandels 
z» beseitigen. Bis zum Herbst 1920 verlies das Fischgeschäft in 
ziemlich ruhigen Bahnen. Auch was Krebsgeschäft war trotz der Geld 
entwertung und der damit verbundenen hohen Preise ein recht sloUes 
Durchschnittspreise 
in Seefischen pro 50 kg in Mark: 
Schellfisch 201 
Kablian 190 
Seelachs 174 
Schollen, groß 331 
Bratschollen 217 
Rotzungen 341 
Steinbntt 483 
Seezungen 807 
Die Absicht, in Berlin wieder einen städtischen Se^ischverkauf, 
ähnlicb wie in der Vorkriegszeit, einzurichten, wurde ernstlich in Er 
wägung gezogen. 
Berlin, den 2. September 1922. 
Deputation für das Ernährnngswese». 
Ausschuß für Marktwesen und Markthallen. 
Busch.
        
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