Path:
Volume No. 49. Bericht über das Berliner Rettungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1912 (Public Domain)

8 
Nr. 49. Berliner Rettungswesen. 
6. März 1913 waren im Vorraum des Union-Theaters Unter den 
Linden 21 und in der Akademie der Künste am Pariser Platz 
besondere Rettungsstellen errichtet, die mit je einem Arzt und einem 
Heilgehilfen besetzt waren, während Sanitätsmannschasten wieder den 
Patrouillendienst auf den Straßen ausübten, und vor den Rettungs 
stellen Krankenwagen des Verbandes für erste Hilfe aufgestellt waren. 
Anläßlich der großen militärischen Feier zum Gedächtnis der 100- 
jährigen Wiederkehr des Aufrufs „An mein Volk", die am 17. März 
1913 im Lustgarten stattfand, und des vorhergehenden Festgottes 
dienstes im Dom war wiederum eine Rettungsstelle in der Dom 
küsterei errichtet, während vor dem Dom ein Krankenwagen des 
Verbandes für erste Hilfe ausgestellt war, und die Sanitätsmann 
schaften den Patrouillendienst versahen. Tie Kosten für diese be 
sonderen Rettungseinrichtungen haben im ganzen 498,ts M be 
tragen. 
B. Besonderer Teil. 
I. Tie Hilfswachen. 
a) Aufwendungen für die Hilfswachen. 
Beim Aerztevereine des Berliner Rettuirgswesens hat die Diffe 
renz zwischen Einnahmen und Ausgaben, soweit sie das Berliner 
Rettungswesen betrafen 49 854,23 M betragen. Ta nach den Be- 
stimmungen des Vertrages die Beihilfe derart zu gewähren ist, daß 
für jedes Vierteljahr als Beihilfe die Differenz gezahlt ivird, welche 
sich für das abgelaufene Vierteljahr zwischen Einnahmen und Aus 
gaben ergeben hat, so kann die wirkliche Differenz erst sestgest.l t werden, 
wenn der Abschluß für das Vierteljahr Januar/März 1913 vorliegt. 
Dies konnte bis zum Abschluß des Berichtsjahres nicht der Fall 
sein, so daß über das endgültige Ergebnis im nächstjährigen Be 
richte berichtet iverden kann. 
Bei den Unfallstationen hat die Differenz 86 018,22 Ji be 
tragen. Hierbei ist der Abschluß für das Vierteljahr Januar/März 
bereits berücksichtigt. Jedoch ist zu bemerken, daß nach den, 1. April 
noch eine große Reihe von Resten eingehen >vird, besonders die 
jenigen aus dem ganzen Monat März; nach einem mit dem Kura 
lorium der- Unfallstationen getroffenen Uebeceinkommen werden-alle 
nach dem 1. April 1913 eingehenden Beträge der Stadtgemeinde 
zufließen, so daß das endgültige finaitzielle Ergebnis ebenfalls erst 
int nächstjährigen Berichte mitgeteilt iverden kann. 
Tie für städtischen Nachtdienst aufgewendeten Kosten 
haben 45 446,s« Jf betragen. Diesem Betrage stehen 16254,2:, Ji 
Einnahmen gegenüber, die an Gebühren für die im städtischen Nacht 
dienst gewährte erste Hilfe eingezogen worden sind. An die Sanitäts 
wache in der Gaudystraße mußten auf Grund des eingeceichten end 
gültigen Abschlusses noch 827,ig M nachgezahlt iverden. Da lvir in 
die Mietverträge bei den Hilfswachen, bei denen die Sanitätswachen 
Mieterin war, bereits zum 1. April 1912 eintreten mußten, sind an 
Mieten hierfür noch 21162-// direkt bezahlt worden. Hierzu treten noch 
25,33 Ji für Glas- und Feuerversicherung und 303,22 M für Be 
leuchtung in diesen 3 Hilsswachen, die ebenfalls von uns direkt 
bezahlt worden sind. Ta die Sanitätswachen auf Grund des mit 
ihnen abgeschlossenen Vertrages die Beihilfe für jedes laufende Halb 
jahr immer nach der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben 
erhielten, so konnte der endgültige Abschluß ebenfalls erst nach dem 
1. Avril 1912 aufgestellt werden, und hierbei sich ergebende Ueber- 
schüssc mußten von den Sanitätswachen zurückgezahlt werden. Der 
artige Ucberschüssc haben sich bei 5 Sanitätswachen ergeben. Von 
diesen haben 3 die Ueberschüsse mit zusammen 8159,58 Ji im Be 
richtjahre zurückgezahlt, während die beiden anderen dies erst irach 
den: 1. April 1913 tun werden, da erst im Frühjahr 1913 ihre 
letzte Generalversammlung stattgefunden .hat. 
Au freiwilligen Beitrügen für das Berliner Rettungswesen sind 
bei der Stadtgemeinde direkt 1" Ji eingegangen. 
b) Verteilung der Hilfswachen. 
Es hatte sich im Lause der Zeit herausgestellt, daß die drei 
im Westen gelegenen Hilsswachen in der Köthener Straße, Steglitzer 
Straße und am Kurfürstendamm eine so geringe und zum Teil selbst 
sinkende Inanspruchnahme zeigten, daß wir es für angebracht hielten, 
diese drei Hilsswachen zu zwei zusammenzulegen und die dadurch 
freiwerdende Wache nach einer anderen Stadtgcgend zu verlegen, 
woselbst ein Bedürfnis zur Errichtung einer neuen Wache vorlag. 
Ta es möglich war, den Mietvertrag über die Hilfswache in der 
Köthener Straße zum 1. April 1912 zu lösen, und die Hilfswache in 
der «teglitzer Straße als die in der Mitte zwischen den drei ge- 
nannten gelegenen diejenige war, deren Verlegung nach einer anderen 
Stadtgegend in erster Linie in Betracht kam, hielten wir es für 
angebracht, Die Hilfswache in der Nöthener Straße bereits zum 
1. April 1912 mehr in die Nähe der Potsdamer Brücke zu verlegen. 
Ein geeignetes Lokal wurde in der Eichhornsträße 10 ermittelt, 
das wir mit Rücksicht auf die bevorstehende Verstadtlichung selbst 
mieteten. An Miete sind hierfür für das Berichtsjahr 5000 Ji 
gezahlt werden, wozu noch 124,so M einmalige Kosten für den Um 
zug treten. 
II. Plakatwcsen. MaffenuufäUe. Verschiedene». 
Durch die Verlegung der Hilsswachc 2 von der Köthener 
Straße 47 nach der Eichhornstraße 10 mußten die im Berichtsjahre 
1909 erwähnten Blechplakate, so weit sie diese Hilsswache betrafen, 
durch neue ersetzt und zu den in demselben Berichte erwähnten 
Pappplakaten Deckblätter angefertigt iverden. Hierdurch sowie durch 
einige Bekanntmachungen sind 297,2» Ji Kosten entstanden. 
Die Aufstellung inner neuen Transparentlaterne vor dem neuen 
Lokal der Hilfswache 2 in der Eichhornstraße 10 sowie die Be 
leuchtung und Unterhaltung aller auf das Rettungswesen hinweisenden 
Transparentlaterncn haben 8249,91 M Kosten verursacht. Von dieser 
verhältnismäßig hohen Ausgabe fällt wiederum eilt großer Teil 
auf Latcrncnbesckiädigungen (vergleiche den Bericht für 1910). 
Schadenersatz war nur in einem Falle, und zivar wiederum von 
der Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft zu erlangen, 
die 61,0? J( erstattet hat. 
Als Entschädigung für den mit der Revision beauftragten Be- 
amteir sind 1000 Ji gezahlt worden. An sonstigen kleineren Aus- 
aabcn sind nocki 115.32 M entstanden. 
in. Sanitätsstuben. 
In den Sanitätsstuben der städtischen Markthallen sind im 
Jahre 1912 in 429 Fällen (im Vorjahre 421) Hilfeleistungen durch 
die im Samariterdienst ausgebildeten Markthallenbeamten erfolgt. 
In den außerdem von der Stadt unterhaltenen Sanitätsstuben fanden 
erste Hilfe: 
a) im Rathausc 14 Personen (int Vorjahre 9), 
b) in der Feuerwache Schöncbcrgcr Straße 20 47 Personen 
(im Vorjahre 24), 
e) in der Feuerwache Fischerstraße 37/38 35 Personen (im Vor 
jahre 41), 
ck) in der in der neu errichteten Feuerivache in der Edinburger 
Straße neu eingerichteten Sanitätsstube 12 Personen. 
Diese Sanitätsstube wurde ebenfalls mit einem neuen Ver 
bandschränkchen nach dem in den Berichten der beiden Vorjahre 
ermähnten Muster ausgestattet. 
Auf den nicht mit Sanitätsstuben ausgerüsteten Feuerwachen 
ist die Hilfe der im Sanitätsdienste ausgebildeten Mannschaften 
in 220 Fällen (im Vorjahre 183) in Anspruch genommen worden. 
Die gesamten Kosten für die Sanitätsstuben haben 209,43 Ji 
betragen. 
iv. Rettungsstationen an den öffentlichen Wasserkanten. 
_ In der Zahl der Rettungsstationen an den öffentlichen Wässer 
läufen ist im Berichtsjahre eine Aenderung nicht eingetreten. Da 
sich das Bedürfnis herausgestellt hat, aus deut Wasser heraus 
gezogene noch lebende Personen unverzüglich in warme Deckeit ein 
zuhüllen, sind für die in der Nähe der Wasserläufe gelegenen Straßen 
reinigungdepots 12 wollene Decken beschafft worden. 
Die Unterhaltung der Rettungsstationen an den öffentlichen 
Wasserläufen erforderten im Berichtsjahre 4592,54 Ji Kosten. Eine 
Einnahme steht diesen nicht gegenüber. 
Die Rettungsgeräte sind im Jahre 1912 in 26 Fällen zur 
Rettung Ertrinkender benutzt morden (im Vorjahre 34), und zwar 
23 mal mit Erfolg (im Vorjahre 24 mal), 3 mal ohne Erfolg 
(im Vorjahre 10 mal), außerdem 11 mal zur Bergung im Wasser 
treibender Leichen (im Vorjahre 19 mal). 
v. Krankentransport. 
Dem Verbände für erste Hilfe ist im Berichtsjahre aus -en 
im Berichte für das Jahr 1909 crlvähnten Gründen eine Beihilfe 
von 10 000 M gewährt worden. 
Tie fahrbaren Krankentransportbahren in den Feuerwachen sind 
im Jahre 1912 nur 3 mal von der Bürgerschaft benutzt worden. 
VI. Tie Zeutralmeldestelle. 
In der Organisation und Zweckbestimmung der Zentralmelde 
stelle ist eine Aenderung nicht eingetreten. Die personellen Kosten 
der Zentralmeldestelle haben im Berichtsjahre 8710,1? Ji., die säch 
lichen Kosten 11719,57 Ji betragen. Diesen Ausgaben stehen 
920 ,M Einnahmen gegenüber, und zwar für Erstattung der Ge 
bühren für direkte Fernsprechverbindungen von drei privaten Kranken 
häusern. 
_ Darüber und in welcher Weise auch die übrigen nicht städtischen 
Anstalten, die durch eine direkte Fernsprechverbindung mit der Zen- 
tralmeldestellc verbunden sind, zu den Kosten dieser herangezogen 
Iverden konnten, zeigen Erwägungen, über deren Ergebnis im nächsten 
Berichte berichtet werden wird. 
Berlin, den 7. Juli 1913. 
Kuratorium für das städtische Rettungswesen. 
Runge. 
Druck von W. & S. Loelventhal, Berlin
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.