Path:
Volume No. 20. Bericht über die städtischen Heimstätten

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1912 (Public Domain)

Nr. 20. 
Heimstätten. 
17 
Von den 804 Kindern befanden sich in der Heimstätte: 
1. zur Genesung nach Erkrankungen: 
Brustfellentzündung 7, 
Lungenentzündung 3, 
Operation von Bauchfelltuberkulosc 1, 
Typhus 1; 
2. wegen bestehender Erkrankungen: 
Herzfehler 14, 
Veitstanz (nur noch angedeutet) 1, 
chronischer Luftröhrcnkatarrh mit und ohne 
Asthmaanfällen 5, 
Lungenkatarrh 12, 
Knochentuberkulose 1, 
Nierenentzündung 1, 
hereditäre Syphilis 1, 
Erschöpfungskrankheiten (Blutarmut, Unter 
ernährung rc.) die übrigen. 
Von den 804 Kindern wurden 66 nicht gebessert, die übrigen 
gebessert entlassen: 16 unter den nicht gebesserten jedoch aus äußer 
lichen Gründen, wie Heimweh, Wunsch der Eltern rc, während die 
übrigen 61 (— 6,3 v. H.) die Heimstätte aus inneren Gründen ihres 
Gesundheitsstandes nicht gebessert verließen. Die große Mehrzahl 
dieser mußte mittels Krankenwagens einem Krankenhause zugeführt 
werden, während die übrigen dieser 51 weiter in ärztlicher Fürsorge 
bleiben mußten. 
Von diesen 51 mußten entlassen werden: 
1. wegen akuter Infektionskrankheiten 10, 
und zwar: 
Diphtherie. . - 3, 
Diphtheriebazillenträger 1, 
schwerer Halsentzündung 1, 
Masern : ... 2, 
Windpocken 1, 
Lungenentzündung 2; 
2. wegen offener Lungentuberkulose 11, 
- chronischen Luftröhrenkatarrhs mit und ohne Asthma- 
anfällen, Luftröhrenerweiterung rc 3, 
wegen Herzfehler 2, 
- Nierenentzündung 1, 
- psychopathischer Konstitution 9, 
- Knochentuberkulose 1, 
- Armbruch . . . • 1, 
- Krätze 1, 
* Unbeeinflußtbleibens bezw. Verschlimmerung ihres 
Allgemeinzustandes 12. 
Zu Beginn des Etatsjahres war eine kleine Tiphtherieendemie zu 
verzeichnen, die nach Eruierung und Entlassung des oben aufgeführten 
Bazillenträgers erlosch und an der die obigen 3 Kinder erkrankt waren. 
Außer der oben erwähnten schweren Halsentzündung, die den Verdacht 
weiterer Verschlimmerungen in sich trug und einem Krankenhause über 
wiesen werden nmßte, erkrankten im Berichtsjahre auch eine große Zahl 
Kinder wiedernm an leichteren Halsentzündungen, die meist wieder 
behoben werden konnten. Von den 12 mit Lungenkatarrh überwiesenen 
stellte sich bei 11 offene Tuberkulose heraus, die also wieder entlassen 
werden mußten. Von diesen konnten 2 Knaben nach Hoheiilychen, 
4 Mädchen nach der Heimstätte Malchow überwiesen werden. 
An Komplikationen sind noch zu erwähnen je einmal Basedowsche 
Krankheit, Rückgratverkrümmung, Spina ventosa, Hornhautgeschwür, 
Augenbindehautentzündung und dreimal Schielen, daneben noch ver 
schiedentlich Verdauungsstörungen. Die Ernährung der Kinder erfolgte 
nach allgemein üblichen Grundsätzen, wobei auf eine besondere Ernährung 
mit Gemüsen usw. gegenüber allzu einseitiger Fleischkost großer Wert gelegr 
wurde. Die Behandlung anlangend wurde nach den bisherigen Richt 
linien weiter verfahren, wobei bei einer Anzahl von Kindern zur 
Unterstützung des Kurerfolges wiederum noch besondere Kräftigungs 
mittel wie Malzpräparate, Lebertran usw. in Anwendung gezogen 
wurden. 
Berlin, im Juni 1913. 
Daus. 
ä) Blankenfelde. 
In die städtische Heimstätte für brustkranke Frauen zu Blanken 
felde wurden in der Zeit vom 1. April 1912 bis 31. März 1913 
484 Pfleglinge aufgenommen, von denen im Berichtsjahre 443 zur 
Entlassung kamen. Außerdem wurden in dieser Zeit 70 Pfleglinge 
entlassen, die aus dem Etatsjahr 1911 übernommen waren, so daß sich 
dieser Bericht auf 513 Pfleglinge bezieht. 
Bon diesen waren 254 ledig, 221 verheiratet, 28 verwitwet, 
4 geschieden, 6 lebten getrennt von ihren Eheinännern. 
Von den ärztlichen Attesten über sämtliche Entlassene waren aus 
gestellt: 
von Krankenkassenärzten 337, 
- Armenärzten 53, 
- Privatärzten 8, 
- Fürsorgestellen für Lungenkranke 50, 
- der Tuberkulosestation der Landesversicherungs- 
anstalt Berlin 21, 
- dem Waisenhause 4, 
- der Deputation für die Güter Berlins ... 1, 
- der Königlichen Poliklinik für Lungenkranke . 3, 
von den Krankenhäusern: 
a) vom Hedwigskrankenhaus. . 
b) - Krankenhaus Moabit . 
c) - am Urban 
ä) - Virchowkrankenhaus 
6) - Krankenhaus in der Hasenheide . 
4, 
k) - - Bethanien . . . . 
3. 
g) von der Königlichen Charitö .... 
3. 
h; vom Jüdischen Krankenhaus 
2 
i) - Augustahospital 
i. 
k) - Lazarett des städtischen Obdachs . 
i. 
Von den 513 Pfleglingen standen im Alter 
von: 
14—20 Jahren 
112, 
21-30 - 
191, 
31-40 - ...... 
152, 
41—50 - 
42, 
51—60 - 
15, 
61—70 - 
1. 
Dem Berufe nach waren: 
Arbeiterinnen (in verschiedenen 
gewerblichen Betrieben) . 142, 
Näherinnen 105, 
Dienstmädchen 20, 
Schneiderinnen 16, 
Kontoristinnen 15, 
Verkäuferinnen 12, 
Reinmachefrauen .... 12, 
Plätterinnen 11, 
Packerinnen 8, 
Krankenpflegerinnen .... 4, 
Kinderfräulein .... 
Köchinnen 6, 
Stenotypistinnen 3, 
Schreiberinnen 3, 
Expedientinnen 3, 
Wäscherinnen 3, 
Falzerinnen 3, 
Portierfrauen...... 3, 
Anlegerinnen 3, 
Zeitungsausträgerinnen. . 3, 
Lageristinnen 2, 
Friseurinnen 2. 
5, 
2 waren Schülerinnen, ohne besonderen Berus, zumeist nur in 
der eigenen Wirtschaft tätig waren 110, und 18 verteilen sich auf 
einige andere Berufszweige. 
73 Pfleglinge suchten eine städtische Heimstätte für Brustkranke 
zum 2. Male auf, 11 zum 3. Male, 3 zum 4. Male, ein Pflegling 
kam zum 7. Male in die Heimstätte. 44 Pfleglinge waren schon 
früher in Lungenheilstätten — zumeist auf Kosten der Landesver 
sicherungsanstalten — gewesen und zwar 29 in Beelitz, 4 in Kolkwitz, 
3 in Vogelfang, 3 in Belzig, 3 in Lippspringe und 2 in Görbersdors. 
10 Pfleglinge bezogen wegen des Lungenleidens Invalidenrente. 
Hereditäre Belastung war nach den Angaben der Pfleglinge bei 120 
vorhanden, und zwar durch Vater und Mutter bei 14 Pfleglingen, 
durch den Vater bei 57 und durch die Mutter bei 49. 
31 Pfleglinge verließen die Heimstätte schon in den ersten 14 Tagen 
und zwar 8 wegen plötzlicher Erkrankung naher Angehöriger, 6 wegen 
ungünstiger häuslicher Verhältnisse, 4 weil das Lungenleiden zu weit 
vorgeschritte» war, so daß die Kur in der Heimstätte zwecklos gewesen 
wäre, 3 weil sie Heimweh hatten, 2 weil ihnen das Anstaltsleben nicht 
gefiel, 2 um sich Unterleibsoperationen zu unterziehen, 1 iveil sie den 
weiteren Verlauf der Schwangerschaft zu Hause abwarten wollte, 2 weil 
sie sich an die Anstaltskost nicht gewöhnen konnten, 1 weil sie die Liege 
kuren nicht zu vertragen glaubte; 1 mußte wegen Lungenentzündung, 
1 wegen Blinddarmentzündung einem Krankenhause überwiesen werden 
und 1 Patientin verließ die Anstalt wegen Todes des Mannes. 
Die 482 länger als 14 Tage in der Heimstätte verpflegten 
Patientinnen blieben zusammen 22 944 Tage und nahmen 2 184 kg 
an Körpergewicht zu, d. h. auf den einzelnen Pflegling kommt —^ im 
Durchschnitt gerechnet — 4,5 kg Gewichtszunahme und 47,o Tage 
Aufenthaltsdauer. 
Die Gewichtszunahmen bewegten sich: 
bei 274 Pfleglingen zwischen 0,5—5 kg, 
- 168 - - 5,s—10 - 
- 18 - - 10,5—14,5 - 
8 Pfleglinge blieben auf dem Anfangsgewicht stehen; 14 nahmen an 
Gewicht ab (6: 0,5 kg, 6: 1 kg, 1: 2 kg, 1: 2.5 kg,J: 4,5 kg). Die 
Gewichtsabnahmen waren durch länger andauerndes Fieber oder durch 
Komplikation der Lungenerkrankung mit einem schweren Magen- bezw. 
Darmleiden bedingt. Die höchste Gewichtszunahme von 14,5 kg wurde 
in 77 Tagen erreicht. , , 
Das Grundleiden war bei der Aufnahme kompliziert: 3_ mal 
durch Nervenschwäche erheblicheren Grades, 18 mal durch Herzfehler, 
20 mal durch Kehlkopferkrankungen tuberkulöser Natur, 7 mal durch
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.