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Volume No. 16. Bericht der städtischen Waisendeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1912 (Public Domain)

Nr. 1(5. Waisenpslege. 
Es sind deshalb vertretungsweise die Lehrer Hilpert, Buch 
holz und Herde nacheinander eingestellt worden. 
Am 15. Juli lt>12 wurden drei, am 1. Oktober 1912 ein vierter 
Hausvater als Leiter von Zöglingsfamilien eingestellt. Der Schuh 
machermeister Kernchen trat am 1. Juli 1912 in den Ruhestand. 
Einige Monate wurde die Stelle provisorisch bekleidet, dann einem 
anderen Meister übertragen. Am 31. März 1913 wurden drei 
Dienstfrauen entlassen und an ihre Stelle ein Waschmeister und eine 
Schwester berufen. 
E. Allgemeines. 
Die bereits im Jahresbericht für 1911 erwähnte neue Ab 
teilung des Erziehungshauses: die Berteilungsftati.on kann 
nunmehr auf das erste Jahr ihres Bestehens zurückblicken. Es kann 
sckon setzt gesagt werden, daß die neue Einrichtung sich bewährt hat. 
Die Station nahm im Laufe des Berichtsjahres 205 Zöglinge 
auf. Davon standen bei ihrer Ueberweisung 
im Alter von 14—15 Jahren 13 Zöglinge, 
- - - 15—16 - 48 
- - - 16—17 - 68 
- - - 17—18 - 67 
- - - 18-19 - 9 
Aus diesen Zahlen, die die Ueberweisung von schulentlassenen 
Zöglingen in Berlin darstellen, ergibt sich die bedauerliche Tatsache, 
daß mit der Unterbringung in Fürsorgeerziehung in den lveitaus 
überwiegenden Fällen bis kurz vor Toresschluß gewartet wird. 
Erfreulich ist, daß nur die Hälfte dieser Zöglinge so verwahr- 
iost war, daß sie einer Anstalt überwiesen werden mußten, während 
75 — ein gutes Drittel — nach einigem Verweilen in der Anstalts- 
Nation in eine Lehre, einen Dienst oder zur See gegeben werden 
konnten. 
Es wurden von den 205 überwiesenen Zöglingen nämlich 
untergebracht: 
1. zurück zu den Eltern 7 Zöglinge, 
2. in der Lehre ........ 46 - 1 
3. in einem Dienst 25 - >75, 
4. im Seedienst 4 - ) 
5. in Anstalten 106 - 
6. in weiterer Beobachtung stehen noch. . 17 
zusammen 205 Zöglinge. 
Ein Fünftel der Untergebrachten mußte nach längerer oder 
kürzerer Dauer wieder in die Anstalt zurückgenommen werden. Es 
fehlte ihnen die innere Festigkeit. 
Die der Anstaltspflege bedürftigen Zöglinge wurden auf An- 
stalten verteilt, in denen ihre besondere Veranlagung ausreichend 
Berücksichtigung finden konnte. Die dem Handwerke zuneigenden 
wurden Anstalten mit Handwerksbetrieb, die zur Landwirtschaft 
neigenden wurden Anstalten mit fast ausschließlich landwirtschaft 
lichem Betriebe zugeführt. 
Die durch die pädagogische und ärztliche Beobachtung als minder 
wertig erkannten Zöglinge konnten.sofort Anstalten mit entsprechen 
den Einrichtungen überwiesen werden. 
Die Verteilungsstation hat aber nicht nur de» Vorteil, daß 
die Neuüberwiesenen eingehend beobachtet und in geeigneter Weise 
untergebracht werden, sondern vor allem den, daß sie vor der oft 
so gefährlichen Beeinflussung durch alte Anstaltsinsassen geschützt 
werden. 
F, Gesamtkosteu. 
Die Gesamtkosten (Ordinarium) betrugen 201 601 M, 
die Einnahmen betrugen 33184 - 
Zuschuß 168 417 M- 
Durchschnittlich sind 191 Zöglinge verpflegt worden. Ter Zu 
schuß für einen Zögling stellte sich hiernach auf 882 M gegen 
823 M im.Jahre 1911. Die Erhöhung des Zuschusses ist Haupt 
sächlich auf vermehrte Ausgaben für Besoldungen, für Transporte 
und für bauliche Zwecke, namentlich für eine gründliche Aenderung 
der Heizanlage, zurückzuführen. 
Aerztlichcr Bericht des Aiistaltsarztes Dr. Seelig. 
Eine Aenderung in der Ausübung der ärztlichen Versorgung 
ist nicht eingetreten. Wohl aber hat die gesundheitliche Fürsorge 
eine beträchtliche Erweiterung erfahren. In zunehmender Weise 
ivurden nämlich Zöglinge — namentlich vor ihrer anderweiten Unter 
bringung — auf ihren körperlichen und geistigen Zustand unter- 
>ucht und begutachtet. Es geschah dies zum Teil bei Zöglingen, 
die eigens zu diesem Zwecke der Anstalt zugeführt worden waren, 
zum Teil bei den Zöglingen der neueingerichteten Verteilungsstation. 
Die Versorgung der nicht geringen Anzahl psychopathischer 
Zöglinge bol andauernd eine schwer zu bewältigende Aufgabe: ein 
zelne von ihnen bedurften besonderer Behandlung, andere ließen 
zuweilen durch ihr seltsames Wesen einen schlechten Einfluß auf 
ihre Mitzöglinge befürchten, wieder andere konnten nur durch Ein 
gehen auf ihre Eigenart vor einer Verschlechterung ihres 'Zustandes 
beivahrt werden. Immerhin gelang es durch Beyandlung, Ver 
legung und, in ernsten Fällen,' durch Ueberführung in eine Irren 
anstalt diesen Jugendlichen gerecht zu werden. Doch bewiesen die 
Verhältnisse, daß die geplante Neuregelung der Fürsorge für die 
Psychopathen eine Notwendigkeit ist. 
Stellten sich körperliche Krankheitserscheinungen bei den Unter 
suchungen heraus, so wurde der Anstaltsaufenkhalt der Zöglinge 
zunächst dazu benutzt, um sie ärztlich zu behandeln. Erforderliche» 
falls wurden Spezialisten zu Rate gezogen. Viele Zöglinge waren 
auch gerade bei der Einlieferung mit Krankheiten behaftet, die sie 
sich während ihres regellosen Lebens zugezogen und häufig auch 
mangels geeigneter Sorgfalt oder Behandlung verschlimmert hatten. 
Die meisten meldeten sich aber aus eigenem ^Antriebe zur ärztlichen 
Behandlung. In den Fällen von sehr schwerer Erkrankung und 
bei solchen, die nach den Einrichtungen der Anstalt nicht im Hause 
behandelt werden konnten, geschah die Ueberweisung in Kranken 
und Heilanstalten. 
Es kamen: 
23 Zöglinge nach dem Krankenhaus Friedrichshain, 
46 - - - Virchow-Krankenhaus, 
1 Zögling - - Krankenhaus Urban, 
5 Zöglinge - - - Moabit, 
3 - - der Irrenanstalt Buch, 
1 Zögling - - - Herzberge, 
2 Zöglinge - - Anstalt für Epileptische, Wnhlgarten, 
1 Zögling - - St. Maria-Viktoria-tzeilanstaU, 
1 - * Bad Nauheim, 
Summe 83 Zöglinge. 
Dem letzterwähnten Zögling wurde der Kuraufenthalt in Ran 
heim wegen eines Herzleidens gewahrt. 
Bei den aufgezählten Krankenhausaufnahmen handelte es sich 
vielfach um ansteckende Krankheiten (einschließlich Geschlechtsleideni. 
Wie schon im Vorjahre berichtet wurde, halten wir noch im Früh 
jähr 1912 einige Fälle von Scharlach und Diphtherie; doch gelang 
es, eine Weiterverbreitung im Hause zu verhindern. 
3. Gericht über da« städtische Er;ieh«r«gslia»is 
Kirkhol; bei Mahlow. 
I. Zu- und Abgang. 
Bestand am 31. März 1912 .... 48 Zöglinge, 
Zugang im Berichtsjahr 141 
zusammen 189 Zöglinge, 
Abgang im Berichtsjahr 138 
Bestand am 31. März 1913' 61 Zöglinge. 
II. Art des Zu- und Abgangs. 
Zugang. 
Es kamen: 
aus Lichtenberg ... 50 Zöglinge, 
durch Vermittlung der städtischen Waisendeputation. . 21 - 
aus dem Dienst selbst zurück 14 
von auswärtigen Polizeibehörden zugeführt .... 11 - 
aus dem Polizeigewahrsam 10 
- anderen Anstalten ........... 10 
- dem Dienst resp. der Lehre zugeführt 8 - 
vom Entweichen 4 
aus dem Gefängnis 3 - 
- - Krankenhause 2 
- andern Anstalten entwichen und hier gemeldet . . 2 
vom Entweichen selbst gemeldet 2 
von der widerruflichen Entlassung 2 
vom Militär zurück 1 Zögling, 
aus einer Heimstätte 1 
141 Zöglinge. 
Abgang. 
Es wurden entlassen: 
in Lehre und Dienst 84 Zöglinge, 
zu den Eltern 12 - 
in andere Anstalten 6 - 
nach Lichtenberg 5 
wegen Aufhebung der vorläufigen Unterbringung... 5 - 
ins Krankenhaus 3 • 
- Gefängnis - 3 
zur See 1 Zögling, 
in eine Irrenanstalt 1 * 
zum Militär 1 
in eine Heimstätte 2 Zöglinge, 
vom Urlaub kehrten nicht zurück 3 
es entwichen 12 
zusammen 138 Zöglinge.
	        
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