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Volume No. 16. Bericht der städtischen Waisendeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1912 (Public Domain)

Nr. 16. Waisenpflege. 
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Was die Krankheiten anlangt, so fanden sich angeborene Ver- 
änderungcn in Form von Linsentrübungen, Aderhauterkrankungen, 
Pupillenstörungen, Sehnervenentfärbung usw. und erworbene, nament 
lich in Form von Hornhautflecken. Dies sind Ueberbleibsel skrofulöser 
Erkrankungen der ersten Lebensjahre, durch welche das Sehvermögen 
wesentlich' geschädigt wird. Wo es notwendig, wurde eine Behand 
lung .eingeleitet; außerdem wurden zur Hebung und besseren Ver 
wertung der Sehkraft 28 Brillen verschrieben. 
Ueber seine zahnärztliche Tätigkeit berichtet Zahnarzt 
C a sp a r i: 
Die zahnärztlichen Untersuchungen der Waisenkinder fanden wie 
bisher in jedem Monat im Lazarett der Anstalt statt. Der 
Zustand der Zähne bei den Kindern kann jetzt im allgemeinen als 
durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden. Die notwendige zahn 
ärztliche Behandlung erstreckte sich dementsprechend zum größten 
Teil auch nur auf Kinder, die neu aufgenommen waren und deren 
Zähne durchgreifender zahnärztlicher Hilfe bisher entbehrt hatten. 
Zur konservierenden Behandlung waren vom l. April 11) 12 bis 
1. April 1913 198 Kinder in meiner Wohnung erschienen, und zwar 
128 Knaben und 70 Mädchen im Alter von 6—14 Jahren. Es 
sind 531 Füllungen gelegt worden, bei denen in 122 Fällen eine 
Borbehandlung erforderlich war, welche zum Teil in putrider Wurzel 
behandlung und zum Teil im Abätzen der Pulpa bestand. Außerdem 
sind 7 Zahnreinigungen ausgeführt worden. Kiefereiterungen, von 
Zähnen herrührend, find nicht vorgekommen. 
Die Füllungen sind gelegt worden in 65 Fällen in Froutzähne, 
in 63 Fällen II Molaren, in 403 Fällen I Molaren, zusammen 531. 
IV. Beköstigung. 
Es wurden durchschnittlich täglich beköstigt: 
103 gesunde Kinder je 1 Portion 103 Portionen, 
121 Säuglinge - 1 - 121 - 
16 Ammenkinder - 1 - ' 16 - 
zusammen 240 Portionen. 
Die Ausgabe für die Beköstigung betrug 
im Rechnungsjahre 1912 . . . . . . . . . . 180 049,59 M, 
der Wert der am 31. März 1912 verbliebenen 
Biktualienbestände betrug .... 647,31 M, 
desgleichen der am 31. März 1913 . . 659,20 - 
mithin gehen von den obigen Kosten ab 11.89 = 
so daß die Beköstigung überhaupt gekostet hat . . . 180 037,7» M. 
Davon gehen ab: 
1. für 161 Lazarettkinder zu 90 ^ pro 
Kopf und Tag 52 888,50 M, 
2. für den 1. Tisch 4 145 Port, je 2,40 , H 9 948,00 - 
3. . Beamte 20022 - - l,so - 30 033,oo - 
4. - Dienstboten23217 - - 1,« - 23 217,00 - 
6. - in bar gezahlte Entschädigung für 
erkrankte Dienstboten und Pflege 
rinnen, sowie für einen Assistenzarzt 
und für das gesamte Personal 
ivährend des Erholungsurlaubes 2 008,65 -— 118 096,15 
bleiben 61 942,55 M. 
Es stellte sich demnach der jährliche Durchschnittspreis 
«... .. .61 942,5s M ,, 
einer Kmderportion auf = 258,09 M, 
der einer Portion der Säuglinge bezw. Ammenkinder auf 258,os M, 
mithin 71 H für den Tag, gegen 64 ^ im Vorjahre, 
der einer Portion der Lazarettkinder — 90 4-, pro Kopf 
und Tag — auf 328,so - 
der einer Dienstbotenportion — l,oo M täglich — auf . 365,00 - 
- - Beamtenportion — 1,50 - - — - . 547,50 - 
- - Portion 0.1. Tisch. — 2,10 - - — - 876,00 - 
V. Bekleidung. 
Die Durchschnittsausgabe für l Kind hat im Rechnungsjahre 
1912 betragen 69,73 M, 
im Jahre 1911 , . 64,07 ■ 
mithin für 1912 eine Mehrausgabe von 5,»s M. 
auf den Kopf. 
VI. Betten. 
Die Durchschnittsausgabe für 1 Kind hat betragen . 11,5« M, 
für 1911 12,15 
mithin für 1912 eine Minderausgabe von O.ss M. 
VII. Wäschereinigung. 
Die Reinigung der Leib- und Bettwäsche für die Anstalt und das 
Lazarett wurde durch das städtische Arbeitshaus bewirkt, während die 
Wäsche der Viktoriaschwestern, der Kindergärtnerin und der Aerzte durch 
eine Waschfrau in Rummelsburg gereinigt wurde. 
Die Reinigung der Wäsche für die Dienstmädchen und Pflegerinnen 
erfolgte durch zwei Anstaltswaschmädchen. 
Die Kosten für die Reinigung der Wäsche betrugen: 
1. für die Anstalt und das Lazarett 251 020 kg zu 13 H — 32 632,69 M, 
2. - die Viktoriaschwestern, Kindergärtnerin und 
Aerzte . 1 264,42 - 
zusammen 33 897,02 M, 
im Jahre 1911 . 33 924,19 - 
mithin gegen das Vorjahr weniger 27,47 M. 
VIII. Brennmaterialien. 
Für die Anstalt, das Lazarett und sämtliche Beamten sind ver 
braucht worden: 
18 000 Stück Kohlenanzünder .... 355,19 M, 
8 000 Zentner Preßkohlen cinschl. Anfuhr 6 545,so - 
250 Zentner Anthrazit - - 601,«o - 
111 odm Holz, einfchl. Zerkleinern, Anfuhr 
und Verpacken 1 088,36 - = 8 590,75 ,M, 
gegen 7 260,83 M im Vorjahre. 
Zur Heizung der Dampfmaschine, Warmwasser- und Desinfektions 
apparate sind gebraucht worden: 
3 716 Zentner Steinkohlen einfchl. Fuhr- 
und Arbeitslohn 2 907,so Jl, 
3 600 hl Koks einschl. Fuhr- und 
Arbeitslohn 3 600,ou - — 6 507,30 J6, 
gegen 12 648,39 M im Vorjahre. (4000 Zentner Stein 
kohlen waren am 81. März 1912 noch im Bestand, daher die 
große Differenz gegen das Vorjahr. 
Hierzu kommen noch 15 v. H. des Gasverbrauchs — 2 165,56 - 
(siehe Abschnitt IX. Beleuchtung) gegen 2 240,09 M in 1911 
Summe 8 672,88 M, 
gegen 22 149,31 M im Jahre 1911. 
IX. Beleuchtung. 
Der Gasverbrauch betrug: 
115 568 obm zu 12,35 und 164,40 M Miete . . = 14 437,07 J(, 
gegen 14 933,92 M im Vorjahre. 
Von diesen 14 437,07 M sind 15 v. H. . . . — 2 165,58 
auf Heizung (Abschnitt VIII) zu verrechnen, da der 12 271 51 M 
Verbrauch des Leucht- und Kochgases nur durch einen “ " 
Gasmesser nachgewiesen wird. 
Ferner sind verausgabt worden für Lichte, Streich 
hölzer, Glühkörper, Glocken, Schirme, Zylinder usw. 1 681,94 - 
außerdem wurden als Deputat für die Beamten und 
zum Dienstgebrauch des Personals verbraucht: 
880,soo kg Petroleum 204,25 - 
für elektrisches Licht wurden verausgabt . . . 1053,51 - 
Summe 15 211,94 M, 
gegen 14 347,ul M im Vorjahre. 
X. Parkpflegc. 
Die Unterhaltung der Parkanlagen hat einschließlich des Gehalts 
des Gärtners und des Lohnes des Gartenarbeiters erfordert 4 617,70 M, 
der Ertrag für Heu stellte sich auf 73,75 M. 
XI. Kosten. 
Die Jstausgabe der Waisenanstalt (Ordinarium) hat nach dem 
Etatsabschlusse 444 899,50 .M betragen, die Jsteinnahme 13 688,0» M, 
ergibt einen Zuschuß von 43 1 211,42 M oder — bei einer Ver- 
pflcguna von täglich .385 Kinder» im Durchschnitt — einen Zuschuß 
von rund 1120 '.M auf den Kopf. Im Jahre 1911 hat der Zuschuß 
bei einer durchschnittlichen Belegung mit 391 Kindern 1114 M 
für jedes Kind betragen. Die Mehrausgabe von 6 Ji auf den 
Kopf ist auf die allgemeine Preissteigerung der Lebensmittel, Ma 
terialien usw. zurückzuführen. 
XII. Allgemeines. 
1. Die provisorische Leitung der Anstalt besteht noch in un 
veränderter Weise fort. 
2. Die Wohnung des früheren Lehrers Klingbeil im Ver 
waltungsgebäude wurde zu Wohnungen (einfenstrige Zimmer) 
für Pflegerin, en und Dienstmädchen umgebaut. 
3. Die 9. Station im Verwaltungsgebäude ist gründlich renoviert 
worden. 
4. Tie Straße hinter dem Verwaltungsgebäude wurde mit Kopf 
steinen gepflastert. 
5. Tie Dienstbotenklosetts und die Klosetts der Stationen 1, 2, 
4. 5 und 6 im Lazarettgebäude, wurde» in hygienischer 
Beziehung verbessert.
	        
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