Path:
Volume No. 16. Bericht der städtischen Waisendeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1912 (Public Domain)

i 
Nr. 16. Waisenpslege. 
9. Fickcrsche Pflcgestellen. 
Mir den Mitteln der Fickerschen Stiftung sind wir in der Lage, 
für besonders gute Familienpflegestellen einen Zuschuß von 12 M 
monatlich zu dein Kostgelde zu gewähren. Die Aufnahme in die 
Sttftung ist beschränkt ans Kinder unter 6 Jahren, dir ganz ver 
waist oder doch mutterlos sind. Am I. April 1912 erhielten elf 
Pflegemütter den Zuschuß; drei Kinder wurden neu aufgenommen, 
zwei schieden aus, so daß am 1 April 1913 12 Fickersche Pfleg 
linge vorhanden waren. Die Aufseherin erhielt eine Entschädigung 
von l50 M jährlich, ebenfalls auf Grund testamentarischer Be 
stimmung. 
1". Beschäftigung. 
Die größeren Mädchen des Waisenhauses tvurden außerhalb 
der Schulzeit mit Haus- und Handarbeiten beschäftigt. Die größeren 
Knaben wurden unter Anleitung des Lehrers in allerlei Hand 
fertigkeiten unterwiesen. 
II. Gesundheitspflege. 
a) Aärztlicher Bericht desProfessor vr. F i n k e l st e i n. 
Waisenhaus Berlin. 
(Die Zahlen in den Klammern beziehen sich auf das vorige Berichts 
jahr 1911.) 
A. S ä u g l i n g s st a t i o n. 
Anr 1. April 1912 befanden sich 171 Säuglinge auf der Abteilung, 
am 31. März 1913 betrug der Bestand 149 Säuglinge. Im Laufe 
des Berichtsjahres wurden im ganzen 3012 (2883) Säuglinge auf 
genommen. Von den insgesamt 3183 (3043) Säuglingen schieden 
während des Jahres 3034 (2872) ans, nämlich 1624 (1506) wurden 
in Außenpflege gegeben, davon 775 (652) in Rekonvaleszemen- 
pflege, 849 (852) in gewöhnliche Pflege. 334 (334) wurden der 
Rummelsburger Säuglingsabteilung, 364 (341) dem Kinderasyl über 
wiesen. 454 (430) wurden der Heimatsbehörde oder den Ange 
hörigen übergeben, 63 (123) wurden in Krankenhäuser verlegt. 195 
(138) sind im Hause gestorben. Es befanden sich demnach am 
1. April 1913 149 (171) Säuglinge im Waisenhause. 
Aufnahmeziffer, Entlassiingsziffer und durchschnittliche Beleg 
zahl gehen aus folgender Tabelle hervor: 
Monat 
Auf 
genommen 
Entlassen 
Durchschnittliche 
einschließlich 
Gestorbene 
Gestorben 
tägliche Beleg 
schaft lohne 
Ammenkinder) 
259 
(217) 
11 
(13) 
149 
(159) 
259 
(249) 
11 
(16) 
159 
(160) 
241 
(250) 
21 
( 8) 
155 
(174) 
338 
(316) 
11 
( 7) 
152 
(146) 
264 
(246) 
13 
(19) 
156 
(136) 
229 
(216) 
17 
(14) 
148 
(146) 
24t! 
(225) 
15 
( 7) 
141 
(131) 
233 
(186) 
15 
( 7) 
164 
(140) 
210 
(232) 
18 
( 6) 
159 
(148) 
241 
(225) 
15 
(10) 
163 
(138) 
228 
(246) 
14 
(17) 
157 
(146) 
296 
(264) 
34 
(14) 
154 
(159) 
3034 
(2872)! 
195 
(138) I 
253 
240)1 
16,z 
(11,5) I 
155 
(149) 
April 1912 
Mai . . 
Juni . . 
Juli . . 
August . 
September 
Oktober . 
November 
Dezember 
Januar 1913 
Februar . 
März. . 
Summe 
Durchschnitt 
234 (228) 
263 (268) 
249 (235) 
312 (261) 
265 (253) 
230 (222) 
264 (221) 
231 (202) 
213 (237) 
240 (226) 
237 (253) 
284 (278) 
uuu ivayreno oes viuit 
Wurden folgende häufigere Erkrankungen festgestellt: 
Ernährungsstörungen 
Gelbsucht 
Mundcntzündung. . . 
Rachenkatarrh (1911:46) 
Schnupfen (1911: 84) . . 
Bronchialkatarrh (1911: 88) 125 
Lungenentzttnd. (1911 :104) 143 
Krämpfe 
Blasencntzündung 
Ekzem . . . . . 
Wundsein .... 
Pemphigus .... 
Skrofnlus .... 
Keuchhusten (1911:34) . 
Nabeleiterung .... 
Nabclbrnch . . . . . 
Mittelohrentzündung . . 
Einfache Bindehautkrankheit 
159 
71 
9 
72 
118 
72 
39 
64 
89 
19 
41 
53 
24 
28 
110 
41 
Englische Krankheit . 
Neigung zu Krämpfen 
Exsudative Diathese . 
Allgemeine Schwäche 
Frühgeburten . . . 
Ängeborne Syphilis . 
Windpocken . . . 
Sepsis 
Diphtherie (1911: 107) 
Stridor inspiratorius 
Barlowsche Krankheit 
Masern .... 
Scharlach . . . 
Gehirnerkrankungcn 
Tuberkulose . . 
Gonorrhoe . . . 
Blasenkatarrh . . 
Nicrenerkrankungen 
149 
60 
51 
317 
85 
44 
41 
14 
55 
18 
6 
25 
4 
16 
17 
16 
21 
20 
Aus der Zusammenstellung geht hervor, daß die große Zahl 
der Diphthericerkrankungen des Vorjahres ganz erheblich zurück 
gegangen ist, daß dagegen die Zahl der Erkrankungen der Luftwege 
und besonders der Keuchhusten ivcscntlich zugenommen hat. Es gab 
Zeiten, in denen kaum ein Kind ohne eine grippale Erkrankung ein 
geliefert ivurde. Tie Jsolicrungsmaßregeln, die durch die Ren 
einrichtung der Boxenstation getroffen werden konnten, langten auch 
nicht annähernd für die Uebertragungsverhütung ans, vor allen 
Dingen ließ sich eine prophylaktische Isolierung der Neuaufnahmen 
überhaupt nicht durchführen. Die Schwierigkeit dagegen, die uns 
bei der Unterbringung der an Keuchhusten erkrankten Kinder früher 
begegneten, waren durch die Möglichkeit der Auftiabme dieser Kinder 
auf die Boxenstation verringert. Die geringere Zahl der den Kranken 
häusern übergebenen Kinder hängt mit dem Rückgang der Diphtherie- 
erkrankungen zusammen. Mit der geschilderten Verschlechterung des 
Gesundheitszustandes int allgemeinen, ging auch eine Erhöhung der 
Sterblichkeit einher. 
Diese betrug unter den Säuglingen des Waisenhauses nach 
Abzug der 761 Kinder (der unerledigten Fälle), die dem Kinder 
asyl, der Rummelsburger Säuglingsabteilung und den Kranken 
asylhäusern überwiesen wurden 8,c v. H. (6,; v. H.) dn Ent 
lassenen. (195 : 2273.) Rechnet man die innerhalb der ersten 
3 X 24 Stunden nach der Aufnahme ins Haus erfolgten 20 
Todesfälle ab, so ergibt sich eine Sterblichkeit von 7,7 v. H. (5,5 v.H.) 
(175:2273). 
Während des Berichtsjahres wurden 31 Mütter mit ihre» Kin 
der» »K' Ammen ausgenommen. Am 1. April 1912 ivaren 7, am 
31. März 1912 9 Ammen, im Durchschnitt täglich 8 Ammen mit 
ihren Kindern im Waisenhause. 
Die im 'Laufe der Jahre 1911 und 1912 provisorisch eingerichteten 
Boxenstationen haben sich sehr gut bewährt. 
6. A e l t c r e K in der. 
Im Berichtsjahre 1912 wurden in der Quarautänestation 6948 
(6135) über ein Jahr alte Kinder ärztlich untersucht. 
Von diesen Kindern wurden ans Grund der ersten ärztlichen 
Untersuchung '457 (432) der Krankenstation des Waisenhauses über 
wiesen. 66 (74) größtenteils infektionskranke Kinder Ivnrden in 
Krankenhäuser verlegt, 200 (117) wurden dem Waisenhause Rummels 
burg überwiesen. 14 (14) wurden Irrenanstalten oder Erziehungs 
anstalten für Schwachsinnige überwiesen. 64 (68) Kinder kamen 
in spezialärztliche Behandlung. 
Auf der Krankenstation des Waisenhauses wurden außer beit 
vorher genannten 457 (432) Kindern, noch 295 (268) Kinder be 
handelt, die während des Aufenthalts im Hause erkrankten. Hiernach 
beläuft sich die Zahl der im Hause behandelten älteren Kinder 
aus 752 (700). Von diesen wurden nachträglich 147 (69) dem 
Lazarett Rummelsburg, 74 (189) den Krankenhäusern, 12 (12) 
spezialärztlicher Behandlung überwiesen. Es ivnrden mithin im 
ganzen 347 (186) ältere Kinder ins Lazarett Rumnielsburg und 
140 (263) in Krankenhäuser verlegt, 76 (80) kamen in spezial- 
ärztliche Behandlung. 
Die^ bei der ersten Untersuchung oder während des Aufenthalts 
im Hause festgestellten häufigeren Erkrankungen gehen aus folgender 
Zusammenstellung hervor: 
Allgemeine Schwäche . . . 51 
Blutarmut 24 
Neigung zu Krämpfen . . 44 
Englische Krankheit . . . 90 
Lungentuberkulose .... 21 
Lungenentzündung .... 42 
Hals- und Rachenentzündung 64 
Syphilis .15 
Rückgratverkrümmung... 16 
Bindehautkatarrh .... 14 
Hornhauterkrankungen . . 22 
Mittelohrentzündung ... 26 
Außerdem wurden ans die Krankenstation zur Beobachtung auf 
genommen: 32 Kinder. 
Folgende Infektionskrankheiten wurden festgestellt: 
Grippe 110 
Wucherung der Rachenmandeln 18 
Tuberk. Knochenerkrankungen 17 
Darmkatarrh 43 
Herzfehler 17 
Blasenkatarrh 12 
Schwachsinn 19 
Drüsenentzündung .... 12 
Ekzem 70 
Andere Hauterkrankungen 46 
Krähe 43 
Keuchhusten 
Diphtherie 
Masern . 
b e i 
der Aufnahme: 
50 
19 
20 
Scharlach . 
Windpocken 
Tripper 
10 
5 
4 
>v ä h r e n d des Aufenthalts i m Hause: 
Keuchhusten 6 Schaxlach 17 
Masern 23 Windpocken 6 
Diphtherie 40 
Gestorben sind auf der Krankenstation 11 (9) Kinder und zwar 
7 an Lungenentzündung, 1 an tuberkulöser Rippenfellentzündung, 1 an 
Mittelohrentzündung und Darinkatarrh, 1 an tuberkulöser Gehirnhaut 
entzündung, 1 an Blutkrankhcit. 
b) Berliner K o st p f l e g e. Die ärztliche Behandlung geschah 
wie bisher durch die Bezirksarmenärzte. Bei schweren und lang 
wicrigen Krankheiten sind die Armenärzte berechtigt, die Kinder 
durch die Vermittelung des Waisenrats einem Krankenhause zu über
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.