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Volume No. 36. Bericht der städtischen Verkehrsdeoutation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1911 (Public Domain)

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Nr. 36. Verkehrsdeputation. 
4. Elektrische Hoch- und Untergrundbahn. 
Der bereits in unserem vorjährigen Bericht des näheren dar 
gestellte Vertrag mit der Hochbahngesellschaft über die Auflösung 
des Gleisdreiecks durch Führung einer elektrischen Hoch- und Unter 
grundbahn vom Gleisdreieck bis zur Weichbildgrenze an der Motz 
straße. sowie über die elektrische Untergrundbahn von der Kloster 
straße über den Alexandcrplatz zur Frankfurter Allee ist inzwischen 
unterm 27./29. März 1912 abgeschossen worden. 
Mit dem Zustandekommen dieses Vertrages ist ein gewisser Ab 
schluß der Verhandlungen mit der Hochbahngesellschaft über Her 
stellung eines Schnellbahnnetzes in Berlin erreicht worden. Nach 
Fertigstellung dieses Netzes wird die gesamte Streckenlänge 33,5 km 
betraget, wovon 10,:; km Hochbahn und 23 km Untergrundbahn sind. 
Die Bauarbciten zur Herstellung der Strecke vom Spittelmarkt 
über den Alexanderplatz nach der Schönhauser Allee sind inzwischen 
rüstig gefördert worden. Eine schwere Störung erlitten die Arbeiten 
im März d. Js. durch das Eindringen von Spreewasser in die Bau 
grube des zum Teil iwch im Bau befindlichen nördlichen Teiles 
des Spreetunncls und durch den damit zusammenhängenden Bruch 
des zuerst fertiggestellten südlichen Teiles desselben, wobei die Wasser 
massen auch in den dem Betriebe dienenden Tunnel bis zur Boß- 
straße vordrangen und für mehrere Tuge die Einstellung des Be 
triebes auf dieser Strecke verursachten. 
Trotz dieses Zwischenfalls hofft die Unternehmerin, die in Aus 
sicht genommene Bauzeit für die neue Verlängerungsstrecke inne 
halten und die ganze Strecke bis jenseits des Ringbahnhoss Schön 
hauser Allee im Frühjahr 1913 für den Verkehr freigeben zu können. 
5. Städtische Untergrundbahnen. 
a) Nord—Südbahn. 
Die landespolizeiliche Genehmigung für die elektrische Unter 
pflasterbahn von der Bellcalliancestraße, Ecke der Gneisenaustraße, 
durch die Bellealliancestraße, den Belleallianceplatz, die Friedrich 
straße, die Chaussee- und Müllerstraße bis nördlich von der See- 
straße ist uns unterm 31. Januar d. Js. auf die Dauer von 90 Jahren 
erteilt worden. Ferner ist in dein Genehmigungsschreiben außer ver- 
schiedeneit Auflagen, die sich hauptsächlich auf die Ausführung in 
technischer Beziehung erstreckten, noch bestimmt worden, daß die Er 
öffnung der Bahn spätestens am 1. April 1916 erfolgen muß. Falls 
dieser Auflage nicht nachgekommen werden sollte, ist die Verpflich 
tung zur Zahlung einer Verzugsstrafc von 200 000 M festgesetzt. 
Gegen diese Bestimmungen — zeitliche Beschränkung auf 90 Jahre, 
Fertigstellung zu dem aufgegebenen Zeitpunkt und die Strafandrohung 
— sind wir bei dem Polizeipräsidenten vorstellig geworden. Unsere 
Einwendungen haben nur insoweit zu einer Abänderung geführt, 
als anstelle des festgesetzten Eröffnungstermins uns eine vierjährige 
Frist, vom Tage des Plauseststellungsbeschlusses an gerechnet, be 
willigt worden ist. In den beiden anderen Punkten (zeitliche Be 
schränkung und Strafandrohung) ist die nachgesuchte Abänderung 
nicht erfolgt, da diese Vorschriften auch schon anderen Gemeinden 
gegenüber gegeben worden seien und kein Anlaß vorläge, Berlin anders 
zu behandeln. 
Inzwischen hatten wir für den zwischen der Müllerstraße, der 
Türken-, Edinburger und Ungarnstraße projektierten Betriebsbahnhof 
mehrere Grundstücke im Wege des freihändigen Ankaufs erworben. 
Da jedoch mit allen Eigentümern der noch erforderlichen Grund 
stücke eine Einigung nicht zu erzielen war, wir aber auch für die 
Durchführung der Bahn in der Müllerstraße zum Zwecke von Lei 
tungsverlegungen vor der Bauflucht bzw. Vorgartenfluchtlinie bc- 
legenc, noch nicht in städtischem Eigentum befindliche Flächen brauchen, 
deren freihändiger Erwerb ebenfalls nicht gelang, ist uns das be 
antragte Enteignungsrecht zum Erwerb der für den Bau der Bahn 
erforderlichen Grundstücke durch Allerhöchsten Erlaß vom 3. Juni d. Js 
erteilt worden. 
Für den Bau der Bahn ist von der Tiefbaudeputation ein be 
sonderes Bauamt eingerichtet worden, zu dessen Leiter der Magistrats 
baurat N i tz s ch c bestimmt worden ist. Die Oberleitung der Bau 
ausführung ist in der Hand des Stadtbaurats Geheimen Baurats 
Krause. 
Mit den Vorarbeiten — Verlegung von Leitungen usw. — ist 
inzwischen in der Müllerstraße begonnen worden. 
Die bereits in unserm vorjährigen Bericht erwähnten Verhand 
lungen mit den Genieinden Neukölln und Tempelhof haben bisher 
noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Namentlich hat sich bisher 
mit der Stadtgemeinde Neukölln eine Einigung über die Frage, ob 
die Wetterführung der Bahn nach dieser Stadt durch die Blücher 
straße oder die Gneisenaustraße als die bessere zu erachten sei, nicht 
erzielen lassen, da die Meinungen über die Vorzüge und Nachteile 
dieser beiden Trassen in wirtschaftlicher und technischer Beziehung 
zu sehr geteilt waren. Die Verhandlungen werden noch fortgeführt, 
und wir hoffen, eine Einigung über diese Frage bald zu erreichen. 
d) Moabit — Neukölln. 
Die Schwierigkeit, die sich diesem Projekt — wie bereits früher 
berichtet — dadurch in den Weg gestellt, hat, daß die vorgesehene 
Unterfahrung des Kaiser Franz Josephplatzes vor endgültiger Ent 
scheidung über den Opernhausneubau nicht zugelassen wird, ist in 
der Zwischenzeit nicht behoben, so daß eine Weiterbearbeitung des 
Projekts nicht erfolgen konnte. 
6. Schwebebahn. 
Tie Kontinentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen, 
Abteilung für Schwebebahnen, hat ihren ^Antrag auf Ergänzung 
der kleinbahngesetzlichen Zustimmung der Stadtgemeinde Berlin zu 
ihrem Schwebebahnprojekt bei dem Obcrpräsidenten zurückgezogen, 
um ihr Projekt bei dem Verband Groß Berlin in erheblich erwei 
tertem Umfange von neuem einzureichen. 
Ties hat — wie wir schon im voraus berichten wollen — die 
Unternehmerin im Mai d. Js. ausgeführt und dem Verband einen 
Antrag auf Erteilung der Zustimmung für eine Schwebebahn, die, 
in Reinickendorf beginnend, durch Berlin unter Beibehaltung der 
für ihre frühere Linie Gesundbrunnen—Neukölln in Aussicht ge 
nommenen Trasse führen und durch letztgenannte Stadt bis nach 
Britz ausgedehnt werden soll. 
In längeren Ausführungen haben wir die bereits in dem Er- 
gänzungsverfahren gegen das Schwebebahnprojekt aufgezählten zahl 
reichen Bedenken verschiedenster Art gegen das neue Projekt eben 
falls geltend gemacht und den Verband ersucht, die Zustimmung zu 
versagen. Eine Entscheidung ist noch nicht ergangen. 
Die von der Unternehmerin seinerzeit in der Brunnenstraße 
errichtete Probestrecke, bestehend aus einigen Mittelstützen, die, durch 
eine eiserne Konstruktion miteinander verbunden, ein ungefähres 
Bild der künftigen Bahnanlage geben sollte, bietet für die Gegend 
keine Zier, und ihre Beseitigung ist daher schon seit längerer Zeit 
der Wunsch der Anlieger. 
Mit Rücksicht jedoch aus die Sachlage haben wir, bevor nicht 
eine endgültige Entscheidung über die Bahn getroffen ist, dem Er- 
sucl-en der Unternehmerin, die Probestrcckc einstweilen noch bestehen 
zu lassen, entsprochen. 
7. Schnellbahn Gesundbrunnen—Neukölln. 
Die Gemeindebehörden haben zwar dem bereits in unserem 
vorjährigen Bericht erlvähnten Vertragsentwurf mit der Allgemeinen 
Elektrizitätsgefellschaft in Berlin für eine Schnellbahn Gesundbrunnen- 
Neukölln ihre Zustimmung erteilt, jedoch mit der Bedingung, daß 
an Stelle der Hochbahn die Süd- und Nordstreckc zwischen Oranien 
platz und Neukölln bzw. zwischen Rügener und Christianiastraßc als 
Unterpflasterbahn hergestellt und zugleich die Anlage eines Zwischen 
bahnhofs im Norden vorgesehen werden soll. 
Die mit der Gesellschaft dieserhalb eingeleiteten Verhandlungen 
führten zu dem Ergebnis, daß sie sich bereit erklärte, die gewünschte 
Zwischenstation im Norden anzulegen. Schwieriger gestaltete sich 
die Frage der Herstellung der beiden Endstrecken als Untergrund 
bahn. 
Für die Strecke südlich des Oranienplatzes ergab sich bei den 
Verhandlungen als zweckmäßig, eine Abänderung der Linienführung 
im Verkehrsinteresse in der Weise vorzunehmen, daß die Bahn nicht, 
wie früher geplant, über das Planufer, die Grimm- und Urban 
straße, sondern nach Ueberschreitung des Kanals über die Reichen 
berger Straße, das Kottbuser Tor, die Kottbuser Straße und den 
Kottbuser Damm nach dem Hermannplatz geführt Iverde. 
Durch diese, von der ursprünglich geplanten abioeichende Linien 
führung würden sich bei Herstellung als Hochbahn die Kosten um 
rund 1 Million Mark erhöhen. Diesem Umstand soll insofern Rech 
nung getragen werden, als der Höchstbetrag der Obligationsschuld, 
deren Tilcfung und Verzinsung wir vertragsmäßig garantieren, sich 
um die Hälfte dieser Mehrkosten, also von früher 42 Millionen Mark 
auf 42,s Millionen Mark, erhöhen soll. Ferner haben ^vir uns 
bereit erklärt, zu den Mehrkosten der Herstellung dieser Südstreckc 
als Unterpflasterbahn gegen die beabsichtigte Hochbahnausführung 
bis zu einem Betrage von 5,g Millionen Mark beizutragen, falls 
und insoweit die Kosten des ganzen Unternehmens den veranschlagten 
Betrag von 78 Millionen Mark übersteigen sollten. 
Für die Nordstrecke stellten sich dagegen der Ausführung als 
Unterpflasterbahn so umfangreiche und schwerwiegende Bedenken tech 
nischer und wirtschaftlicher Natur entgegen, daß von der Ausfüh 
rung einer Schnellbahn in dieser Art Abstand genommen werden und 
es bei dem ursprünglichen Projekt der Herltellung als Hochbahn 
verbleiben mußte. 
Einer in diesein Sinne der Stadtverordnetenversammlung zu- 
gesertigten Vorlage wurde mit geringfügigen Abänderungen zuge- 
stimmt und demzufolge mit der Unternehmerin der Vertrag wegen 
Herstellung und Betrieb dieser Bahn am 18. März 1912 notariell 
abgeschlossen. 
Die staatliche Genehmigung für das Unternehmen ist bisher noch 
nicht erteilt. 
8. Weitere Schnellbahnprojekte. 
Ueber die Frage der Fortführung der am Nollendorsplatz endi 
gende^ Unterpflasterbahn der Stadtgemeinde Schöneberg ist in der
	        
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