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Volume No. 23. Bericht über die Verwaltung des Arbeitshauses Rummelsburg, des städtischen Hospitals und der Verpflegungsstation für kranke Obdachlose in Berlin-Lichtenberg

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1911 (Public Domain)

I 
Verwaltungsbericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ltatsjahr 1911. 
M 28. 
Gericht über die Verwaltung des Arbeitshauses Rummelsburg, des städtischen Hospitals 
und der Verpstegungsstation für kranke Obdachlose in Gerlin-Lichtenberg. 
Personalien. 
Aus der Deputation für das Arbeitshaus und das städtische Ob 
dach schieden im Laufe des Jahres die Stadtverordneten vr. B e r n - 
stein und Rettig aus. Au deren Stelle traten die Stadtverord 
neten Heinze und Ritter. Am Schluß des Verwaltungsjahres 
bestand die Deputation demnach aus folgenden Mitgliedern: Stadt 
rat Jacobp als Vorsitzendem, den Stadträten Mietenz und 
Panöfsky, den Stadtverordneten Dyhrenfurth, Eckard, 
einze. Hoff mann, Riemer, vr. Ritter, Ritter, 
chulze, Witkowski und Zucht und dem Magistratsrat Ilr. 
,P r e r a u e r. 
Allgemeines. 
Der Wirkungskreis der Verwaltung hat im laufenden Geschäfts 
jahre eine Erweiterung erfahren. Außer den beiden bisherigen An 
staltsteilen, 
a) dem Arbcitshause, in dem die Vagabunden, Bettler und Zu 
hälter aus dem Stadtkreise Berlin nach ihrer gerichtlichen Ver 
urteilung zur Ueberweisung an die Landespolizeibehörde Unter 
kunft und Arbeit finden, 
b) dem städtischen Hospital für die dauernd Hilfsbedürftigen und 
Erwerbsunfähigen aus Berlin^ die gerichtlich bestraft sind oder 
sich wegen schlechter Führung für die übrigen Hospitäler nicht 
eignen, 
ist noch am 10. Februar l912 die Verpflegungsstation für kranke 
Obdachlose eröffnet worden. 
Sie ist zur Ausnahme von kranken Männern bestimmt, die vom 
Arzt des städtischen Obdachs in der Fröbelstraße aus der Schar der 
das nächtliche Obdach Besuchenden ausgesondert werden, aber in 
der beschränkten Krankenstation des Obdachs nicht mehr unterkommen 
können. Sie erfüllt ein vorübergehendes Bedürfnis, bis die Unter 
bringung der kranken Obdachlosen eine endgültige Regelung er 
fahren haben wird. Den städtischen Krankenhäusern, denen diese 
Kranken bisher zugeführt wurden, ist durch diese Einrichtung eine 
erhebliche Entlastung zuteil geworden. 
.Tie Station ist für 70 Betten eingerichtet. Die Kranken erhallen 
die Kost der Hospitaliten bzw. der Lazarettkranken. Tic ärztliche 
uild pflegerische Behandlung wurde bisher von dem vorhandenen 
Arzt- und Pflegepersonal ausgeübt. Die Räume sind infolge der 
geriilgcren Belegung der Anstalt mit weiblichen Korrigeilden in den 
Hospilalgebäudcn nach Verlegung von Stationen gewonnen worden. 
Besonderes. 
1. Belegung der Anstalt. 
Im Arbeitshause hat die DurchschnittsbeleLung, wie aus den 
nachstehenden Tabellen zu ersehen ist, iviederum gegen das Vorjahr 
abgenommen, und zwar um 216 Köpfe. Seit 1905 sinkt die Bele 
gungsziffer fortgesetzt. Die Gründe - hierfür dürften verschiedener 
Art sein. Einesteils braucht die Industrie bei der jetzigen allge 
meinen guten Geschäftslage viele Arbeitskräfte, auch nehmen die 
Arbeiterkolonien viele Arbeitslose auf. Anderseits aber scheint es 
besonders an der humanen Gesinnung der maßgebenden Richter zu 
liegen, die die Ueberweisung an die Landcspolizeibchörde anscheinend 
seltener auszusprechen pflegen. 
Im Hospital hat sich der Durchschnittsbestand um 55 Personen 
erhöht. 
Bei der Verpflegungsstation, die nur 51 Tage im laufenden 
Jahre bestanden hat, sind die Zahlen noch von untergeordneter Be 
deutung. Vorläufig wurden täglich 60 Personen verpflegt. 
K 
Männer 
t r r i g e n d 
Weiber 
e n 
zusammen 
Hospitaliten in der 
H a u p t a n st a l t 
Männer Weiber I zusammen 
Hospitanten 
in Reinicken 
dorf 
Männer 
Verpflege- 
Station*) 
Insgesamt 
Bestand Ende März 1911 .... 
1 253 
61 
1 314 
453 
130 
583 
197 
2 094 
Zuaana 
825 
58 
883 
700 
231 
931 
113 
224 
2 151 
Gesamtzahl 
2 078 
119 
2 197 
1 153 
361 
1 514 
310 
224 
4 245 
Entlassen 
1 002 
64 
1 066 
606 
197 
803 
112 
131 
2 112 
Gestorben 
20 
— 
20 
115 
28 
143 
— 
23 
186 
Abgang 
. 1022 
64 
1 086 
721 
225 
946 
112 
154 
2 298 
Bestand Ende März 1912 
1 056 
55 
1 111 
432 
136 
568 
198 
70 
1 947 
Verpflegungstage 
153 244 
47 704 
200 948 
1. in der Hauptanstalt 
182 184 
19 625 
201 809 
— 
3 078 
405 835 
2. im Filialhospital 
3 506 
— 
3 506 
— 
— 
71 708 
— 
75 214 
3. auf den Rieselfeldern .... 
221 298 
— 
221 298 
— 
— 
— 
— 
221 298 
4. im städtischen Obdach und in der 
Siechenanstalt 
1 401 
— 
1 401 
— 
— 
— 
— 
—— 
1 401 
zusammen 
408 389 
19 625 
428 014 
153 244 
47 704 
200 948 
71 708 
3 078 
703 748 
1
	        
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