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Volume No. 15. Bericht der städtischen Stiftungsdeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1911 (Public Domain)

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Nr. 15. Stiftungsdeputation. 
Tie Erteilung der Königlichen Genehmigung zur 'Annahme des 
Vermächtnisses ist nachgesucht worden. 
3. Die am 8. Oktober 19k I verstorbene Frau St lara 
Schneide r geb. Weltmanns hat in ihrem Testament voni 
14. Novetnber 1908 zu ihrer alleinigen Erbin die Stadt Berlin 
ernannt, jedoch iveiter bestimmt, dast einer Dritten ans deren Lebens 
zeit der Nießbrauch an dem Kapital zustehen soll, und die Stadt 
Berlin erst nach dem Tode der Nießbraucherin über den Nachlaß 
gu verfügen hat: ferner soll diese berechtigt sein, zu bestimmen, zu 
welckren Zwecken..die Stadt Berlin die Erbschaft verwenden soll. 
Die Verhandlungen in dieser Hinsicht schweben noch. 
Die Reinnachlaßmasse beträgt ca. 420000 M. 
4. Herr Professor Dr. phil. Felix Liebermann hat zur Ver 
stärkung des Stiftungskapitals der F. und E. Liebermann-Stiftung 
(A. 2. A. 5. des Berichts von 1904) der Stadtgemcindc Berlin 
am 19. Dezember 1911 eine crststellige Hypothekenforderung von 
70 000 M und 10 000 M Wiesbadener 4 v. H. Stadtanleihcscheine 
überwiesen. 
Die landesherrliche Genehmigung zur Annahme dieser Zu 
wendung ist am 18. Mai 1912 erteilt worden. 
5. Frau Josephine von Lieben hat uns aus Veran 
lassung einer letztwilligen Bestimmung der Frau Sarah Reichen 
heim am 9. September 1911 0000 M bar zur Verteilung an 
christliche Arme überwiesen. 
Ii. Zuwendungen bis zu 5 000 M, 
die der landesherrlichen Genehmigung nicht bedürfen. 
1. Von zwei ungenannten Wohltätern zur Unterstützung Armer 
durch Brennmaterial 10000 M. 
2. Von Ungenannt 5000 M. 
3. Von Seiner Königlichen Hoheit dem türkischen Thronfolger 
5000 Francs = 4056 J6. 
4. Bon Frau Agnes Rothenstein 1000 ,M. 
b. Von Frau Dr. Arons zur Unterstützung Armer durch Brenn 
material 1000 M. 
0 Bon Frau Mary Bierbaum 843 M. 
7. Von dem verstorbenen früheren Kaiserlichen Konsul P. S. 
Anhonry für die Armen von Berlin durch Vermächtnis 
ein Betrag von 697 M,. 
8. Von der am 13. Oktober 1910 verstorbenen Frau Paul ine 
Linde mann für die Armen des 267. Stadtbezirkes ein 
Legat von 300 M. 
9. Von der Mitteldeu tsch e n Kreditb ank zu Kaisers 
Geburtstag statt der Illumination für Arme 300 M. 
10. Bon der Deutschen Hypothekenbank in Meiningen 
aus demselben Anlaß 300 M. 
11. Vom Herrn St. V. P. Zylicz 200 M. 
12. Bon B. S. für Arme des 248. Stadtbezirks 100 JL 
13. Bon Frau Olga Schiff 100 [ M. 
14. Von Ungenannt 100 M. 
15. Bon Ungenannt zur Verteilung für Heizzwecke 100 M. 
16. Von Leopold Domnauer 100 M. 
17. Von Herrn Oskar P o l t e m a n n für verarmte Kaufleute 
100 M. 
18. Vom Magistratsbureauvorsteher Buchholtz für wohltätige 
Zwecke 60 M. 
Schließlich sind uns noch eine größere Anzahl weniger als 50 J( 
betragende Zuwendungen aus Sammlungen auf Grund von Wetten, 
ans Klagesachen usw. von 'Vereinen Und Privaten zur Verwendung 
für wohltätige Zwecke überwiesen worden. 
Tie uns zufließenden Beträge finden den Anweisungen der 
Geschenkspender cntspreäfend Verwendung; größere, uns ohne Zweck 
bestimmung zufallende Beträge werden kapitalisiert und zum Zwecke 
der Vermehrung der für laufende Unterstützungen bestimmten Fonds 
verwendet: ans den eingehenden kleinen Summen werden einmalige 
Unterstützungen gezahlt. 
Aus den herrenlosen Erbschaften sind der Stadtgcnreinde im 
Etatsjahre 1910 17 267,i« M zugefallen, die ebenfalls zu einmaligen 
Unterstützungen an verschämte Arme Verwendung gefunden haben. 
:i. Sonstige Stiftungsgeschiiftc. 
Außer den unter 2 erwähnten Zuwendungen kamen noch die 
Fälle zur Bearbeitung, in denen die Stadtgemcindc ckls Racherbin 
eingesetzt ist. Der eventuelle Eintritt eines Erbanfalls aus Ben 
bezüglichen Testamenten wird dauernd nachgeprüft. 
Du Verteilung der nach dem Beschluß der Gemeindebehörden 
als Veteranenspende bezeichneten 150 000 M, welche für diejenigen 
würdigen und bedürftigen Teilnehmer aus den Feldzügen 1864, 
1866 und 1870 71; die hier ortsangehörig sind und am '2. Sep 
tember 1910 hier gewohnt haben, bestimmt sind, lourdc uns auch stir 
das Berichtsjahr übertragen. Es konnten wiederum 6000 Raten 
von je 25 M verteilt werden. 
4. Geschäftsgang in Unterstützungen. 
a) Unterstützungen zur Abwendung wirtschaft 
lichen Notstandes. 
1. An laufenden Unterstützungen konnten im Berichtsjahre 275 
neu bewilligt werden und zwar 293 aus Mitteln der Stiftungs- 
deputation und 22 aus unter Verwaltung besonderer Kuratorien 
stehenden Stiftungen. 
Tie von.neu bewilligten, meist infolge Ablebens der frühereir 
Empfänger frei gewordenen Unterstützungen beliefen sich auf jährlich 
bis 120 .H 27, 
von 120 - 180 - 31 
- 180 - 300 - 165, 
- 300 - 600 - 48, 
- 600 - 900 - 1, 
über 900 M 3, 
Summe 275. 
2. Die Zahl der am Jahresschlüsse gezahlten laufenden Unter 
stützungen betrug 2378, hiervon entfielen aus die Stiftungsdeputatiou 
1522 und die restlichen 856 auf die selbständigen Stiftungen. Von 
diesen Unterstützungen beliefen sich auf jährlich 
bis 120 M 322, 
über 120 - 180 - 300. 
- 180 - 300 - 1 124, 
- 300 - 600 - 502, 
- 600 - 9M - 94, 
- 900 M 36. 
Summe wie oben 2 378. 
Tic bewilligten laufenden Unterstützungen ivcrdcn, sofern nicht 
etiva in den Berinögcns- und Erwcrbsverhnltnissen der Bedachten eine 
wesentliche Aenderung zum Bessern eintritt, gewöhnlich lebenslänglich 
gezahlt. 
Nichtsdestoweniger findet in gewissen Zeitabschnitten — meist 
alljährlich — eine Prüfung der Verhältnisse der Unterstütziurgs- 
empsänger statt, von deren Ergebnis dann die Fortzahlung abhängig 
ist. Auch eine lvesentliche Verbesserung der Vermögens- und Er- 
werbsvcrhältnisse der unterhaltungspflichtigen Verwandten, auf 
ivelche sich die erivähnte Prüfung ebenfalls erstreckt, kann die Ent 
ziehung bezw. Herabsetzung der lausenden Unterstützung nach sich 
ziehen, soioeil nicht von den Stiftern etwa besondere Bestimmungen 
getroffen sind. 
Laufende Unterstützungen werden den Empfängern auf ihren 
Antrag auch durch die Post auf Kosten und Gefahr der Empfänger 
übersandt. 
III. Tic Zahl der bcivilligten einmaligen Unterstützungen hat im 
Berichtsjahre 4641 gegen 4061 im Vorjahre betragen, hiervon ent 
fallen aus die Stistungsdeputation 4038 und auf die selbständigen 
Stiftungen 603. 
Diese einmaligen Unterstützungen betrugen: 
bis 10 M 116, 
über 10 - 20 - 364, 
- 20 - 30 - 2 581, 
- 30 - 50 - 1044, 
- 50 - 100 - 300, 
- 100 - 300 - 219, 
- 300 17, 
Summe ivie oben 4 641. 
Die Zahl der von uns bewilligten einmaligen 'Beihilfen ist 
aunsschließlich an noch nicht der Armenpflege anheimgefallene Per 
sonen, sogenannte drrschämte Arme, erfolgt. Unter diesen befinden 
sich auch solche, die zwar bereits laufend ans Wohltätigkeitsfonds, 
indes nicht ausreichend unterstützt werden. 
Im Interesse der Empfänger, die meist alt, krank und schwach 
sind, haben ivir die Unterstützungen wieder frei von Porto und 
Bestellgeld übersandt und die hierfür erforderlichen Beträge aus 
bcu Zuwendungen entnommen, die uns ohne Zweckbestimmung über 
geben sind. 
Es sind 3965 Postanweisungen zur Absendung gekommen, für 
die 996 M Porto aufgewendet sind. 
tV. Die von Koltwitzsche Armenunterstützungsatistalt, deren 
Bureaugeschüfte das Stiftungsbureau gleichfalls erledigt, hat 343 zur 
Berechnung aus rückständige Miete bestimmte Beihilfen mit zusammen. 
14 711 M und zwar an die betreffenden Hauseigentümer direkt 
gezahlt. Tie letzteren haben vor Empfang der Mietsunterstützungen 
eine dahingehende Bescheinigung abzugeben, daß sie gegen die säumigen 
Mieter etiva gestellte gerichtliche "Anträge zurücknehmen. 
Es werden auch' hier ausschließlich Personen init mehreren 
unversorgten Kindern berücksichtigt. 
V. Tie Zahl der durch Vermittlung des Tamenvereins der 
Padersteinstiftung aus der letzteren an hilfsbedürftige Familien — 
vornehmlich an solche gebildeter Stände — gewährten Nähmaschinen 
hat 17 betragen. 
VI. Mit Bezug auf die oben erwähnten, zur Unterstützung 
Armer mit Brennmaterial bestimmten Schenkungen, und zwar je 
5000 ,U von zwei Wohltätern, die nicht genannt sein wollen, be-
	        
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