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Volume No. 16. Bericht der städtischen Waisendeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1910 (Public Domain)

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Nr. 16. Waisenpflege. 
Die widerruflich enllassenen 403 Zöglinge verteilen sich auf die verschiedenen Geschäftsjahre, getrennt nach dem Geschlecht, wie folgt: 
Die widerruflich entlassenen Fürsorgezöglinge im Gesamtbestande vom l. April 1911 nach dem Jahr der widerruflichen 
Entlassung und dem Alter zur Zeit derselben. 
Alter in vollen Jahren 
Widerruflich entlassen 
im Geschäftsjahr 
zur Zeit der widerruf- 
1910 
1909 
1908 
1907 
1906 
1905 
Zusammen 
lichen Entlassung 
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11 
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20 
45 
6 
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114 
26 
19 
54 
16 
17 
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— 
— 
— 
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— 
71 
20 
20 
24 
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24 
8 
Zusainmen 
177 
63 
105 
18 
15 
6 
14 
2 
2 
- 
1 
— 
314 
89 
403 Zöglinge. 
Im Laufe des Geschäftsjahres wurden 657 (404 männliche, 258 
weibliche) Zöglinge endgültig entlassen, von denen 447 Zöglinge 
<260 männliche, 187 weibliche) die Volljährigkeit erlangt hatten. 
Die Zahl der Zwangserziehungszöglinge ging von 79 aus l6 
zurück. 
An dem Allgeineinen Fürsorgeerziehungstage in Rostock am 
27. bis 30. Juni nahmen außer dem Vorsitzenden, einem juristischen 
Dezernenten und dem medizinischen Berater der Anstalt Lichtenberg 
die Leiter unserer drei Erziehungsanstalten teil. 
In das Berichtsjahr fällt die Durchführung des Beschlusses, 
nach dem zu unserer Beratung und Unterstützung, bei den Aufgaben, 
welche die Durchführung des Fürsorgeerziehungsgesetzes mit sich 
bringt, eine pädagogisch erfahrene Kraft in einem neugeschaffenen 
Amte angestellt werden sollte. Für dieses verantwortungsreiche Amt 
haben wir den Direktor der Königlichen Erziehungsanstalt in Harde 
hausen, Pastor fnnut, gewonnen. Dieser konnte jedoch sein neues 
Amt nicht vor dem 1. April 1941 antreten. 
Die Arbeiten der Kommission zur Beratung von Reformen auf 
den, Gebiete der Fürsorgeerziehung erfuhren hierdurch einen von 
uns sehr bedauerten Aufschub. Dadurch nicht aufgehalten wurden 
indessen einzelne Abänderungen, die namentlich die innere Aus 
gestaltung und das Leben in den städtischen Anstalten betrafen. Die 
Statistik über das Geschäftsjahr 1909 hatte von neuem gelehrt, 
daß ein großer Teil der in Fürsorgeerziehung gelangenden Zöglinge 
in geistiger Hinsicht nicht normal ist. Da es von höchster Wichtigkeit 
erscheint, die geistigen Mängel schon vor der Anordnung von Er- 
ziehungsmaßnahmen festzustellen, haben wir uns dem Vorgehen an 
geschlossen, wonach bei dem Vormundschaftsgericht die durch den 
Erlaß des Justizministers empfohlene ärztliche Untersuchung der 
Minderjährigen noch während des Fürsorgeerziehungsversahrens statt 
finden soll. 
II. a) Eigene A»stalten der Stadt. 
Ter Leiter des städtischen Erziehungshauses Lichtenberg, Er 
ziehungsinspektor Buth, trat am l. September 1910 in den Ruhe 
stand. Zu seinem Nachfolger wurde vom 1. November ab der 
Rektor au der Brandenburgischen Provinzialschul- und Erziehungs 
anstalt in Strausberg, Pastor G r o t h , gewählt. 
Mit dem Schlüsse des Berichtsjahres ging ferner einer der am 
Erziehungshause Lichtenberg tätigen Lehrer in den Gcmeindeschul- 
dienst über; er wurde durch eine an einer Fürsorgeerziehungsanstalt 
bereits tätig gewesene Lehrkraft ersetzt. 
Für die Fortbildung des Ecziehungsperjouals trugen wir in 
sofern Sorge, als wir einen Erziehungsgehilfen aus Lichtenberg zur 
Erzieherschule, und den Leiter des städtischen Erziehungshauses in 
Birkholz, den Lehrer W a n k e l, zu dem Fortbildungskursus an 
der Königlichen Erziehungsanstalt in Hardehausen entsandten. 
Es wurde daraus Bedacht genommen, daß die Erziehungsgehilfen 
die Meisterqualität und damit die Berechtigung zur Vorbereitung 
unserer Zöglinge für die Ablegung der Gesellenprüfung in verschiede 
nen Handwerkszweigen erwerben. 
Die Anstalten Lichtenberg und Birkholz erhielten Bilderschmuck 
in den Tagesrüumen, der noch vervollständigt werden soll; auch 
Lurch Anbringung von Blumenbrettern wurde der wohnliche Charakter 
oer Anstaltsgcbäude zu heben gesucht. Die Einrichtung der geplanten 
psychiatrischen Beobachtungsstation im Erziehungshause Lichtenberg 
verzögerte sich insbesondere durch den Wechsel in der Person des 
Lichtenberger Anstaltsleiters. Die Einrichtung, für 15 Zöglinge 
berechnet, stellt lediglich einen Versuch dar, der gegebenenfalls die 
Grundlage für weiterreichende Einrichtungen auf gleichem Gebiete 
liefern soll. 
Einzelne, geistig nicht vollwertige weibliche Zöglinge, die 
erzichungsfähig erschienen und die des dauernden Aufenthalts in 
einer Irren- oder Jdiotenanstalt nicht bedurften, überwiesen wir ver 
suchsweise dem städtischen Erziehungshause in Kleinbeeren, wo sie 
auch unter ärztlicher Beobachtung stehen.' 
b) Fremde In stalten. 
Die Revision der von uns belegten Privatanstalten erfolgte 
teils durch Teilnahme an den von der Regierung festgesetzten Be 
sichtigungen, teils aus eigener Veranlassung durch je zwei unserer 
Mitglieder. Die Revisionen haben in vielen Fällen dazu gedient, 
Verbesserungen, die sich namentlich auf die räumliche Unterbringung 
und Vervollkommnung des Erzieherpersonals erstreckten, anzuregen. 
Dabei mußte freilich auch wiederholt eine nicht unerhebliche Erhöhung 
der Pflegegeldsätze zugestanden werden, da die eigenen Mittel der 
Anstalten offensichtlich unzureichend waren. 
Unsere Anregung zum gegenseitigen Austausch von Revisions 
berichten hat bei den Beteiligten Zustimmung gesunden. 
Die privaten, von uns benutzten fremden Anstalten haben >vir 
aufgefordert, uns periodisch über die gegen unsere Zöglinge ver 
hängten schwereren Bestrafungen Anzeige zu erstatten. Wir erhalten 
hierdurch nicht nur fortlaufend Einblick in die — sehr verschieden 
im einzelnen sich gestaltende — Handhabung der Disziplin in den 
Anstalten, sondern vor allem auch eine wertvolle Ergänzung der 
halbjährlichen Berichte über die Führung unserer Zöglinge in der 
Zwischenzeit. 
<>) Zöglinge in Familienpflege, Lehr- und 
Dienststellen. 
In Familienpflege befindliche, schulpflichtige Zöglinge wurden 
durch die mit der Beaufsichtigung der städtischen Waisenkinder be 
faßten Erziehungsinspektoren besucht. Bezüglich derjenigen schul 
entlassenen Zöglinge, die der Obhut der Fürsorger und der Privat 
anstalten anvertraut sind, in denen sie sich früher befanden, schweben 
Erwägungen, welche auf Einführung besonderer Revisionen auch für 
diese in Lehre und Dienst befindlichen Zöglinge abzielen. Nach Be 
darf haben solche Revisionen bereits stattgefunden; ihre regelmäßige 
periodische Wiederkehr wird erwogen. 
Die Beziehungen der Verwaltung zu den Fürsorge gestalten sich in 
sofern besonders eng, als diese Fürsorger häufig neben der Aufgabe, 
die in ihrem Bezirke untergebrachten Fürsorgczöglinge zu überwallen, 
das Vcrtrauensamt des Waisenvaters für die von uns ebenda in. 
Pflege gegebenen Waisenkinder bekleiden. Der Vorteil dieses nicht 
in seiner Bedeutung zu unterschätzenden Zusammenhangs ergab sich 
daraus, daß der Waisenverwaltung die Ausübung der Fürsorge 
erziehung übertragen ist. 
Berlin, den 7. August 1911. 
Düring.
	        
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