Path:
Volume No. 49. Berliner Rettungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

Nr. 49. Berliner Rettungswesen. 5 
3. Erübrigt sich irgend welche ärztliche Hilfe, so hat der 
Schutzmann den Betrunkenen alsbald nach seiner Wohnung, 
oder, wenn Dtcie uichr zu ermitteln ist, nach dem Polizei 
gewahrsam zu bringen. 
4. Ist nach der ärztlichen Entscheidung llbersührung in ein 
Krankenhaus zur stationären Behandlung erforderlich, so ist 
durch die Hitfswache bei der städtischen Zentralmeldestelle 
anzufragen, in welchem Krankenhause Alt geeigneter Platz 
frei ist; die llbersührung hat dann der Schutzmann zu be 
sorgen. Befindet sich der Betrunkene in einer .Hauptwache, 
so erfolgt die Aufnahme nach Möglichkeit sogleich in das be 
treffende Krankenhaus. 
5. Erscheint vorübergehende ürztliche Beobachtung notwendig, 
so ist der Betrunkene einstweilen in einem dazu geeigneten 
Raume auf der Hilfs- bezw. Hauptwache zu behalten und 
nach Beendigung der Beobachtung zu entlassen, oder aber 
es ist, wenn sich während des Aufenthaltes auf der Wache 
die Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung herausstellt, 
alsdann seine llbersührung nach einem Krankenhause zu 
veranlassen. Die fernere Mitwirkung der Polizei, falls eine 
solche sich als notwendig erweist, ist in jedem Falle gesichert. 
Sollten bei Zuführung des Betrunkenen die aus der Wache 
vorhandenen geeigneten Räume bereits besetzt sein, so bleibt 
es dem Ermessen des diensttuenden Arztes überlassen, ob die 
Überführung irach der nächsten Wache zur vorübergehenden 
Beobachtung oder nach einem Krankenhause zur Ausnahme 
erfolgeil soll. 
in. 
(J.-Nr. 1135 Krk. V. 09.) Berlin, den 12. Februar 1910. 
llber die Behandlung von Deliranten, welche in Berlin wohnen, 
und bei denen die Hilfe der Polizei berechtigter Weise in Anspruch 
genommen ivird, oder welche von der Polizei innerhalb des Berliner 
Weichbildes aufgegriffen werden, haben wir im Einverständnisse mit 
der städtischen Jrrendeputation und init den Direktoren der städtischen 
Irrenanstalten folgende Vereinbarung mit dem Herrn Polizeipräsidenten 
getroffen: 
1. Derartige Personen werden von der Polizei künftig nicht mehr 
dem Polizeirevierbureau, sondern der nächsten Hilfswache des 
Berliner Rettungswesens zugeführt. Die Hauptivachen in 
den städtischen Krankenhäusern am Urban und in Moabit 
und im Rudolf Virchowkrankenhause sind den Hilfswachen 
in dieser Beziehung gleichgestellt. Die Hilfswache Steglitzer 
Straße 60 nuiß ivegeil Raummailgels vorläufig außer Betracht 
bleiben. 
2. Der diensttuende Arzt hat den Kranken daraufhin zll unter- 
suchen, ob seine Überführung nach einer Irrenanstalt er 
forderlich ist. Die Polizeibeamten bleiben bis nach beendeter 
Untersuchung ans der Wache und haben dem Arzte jede ge- 
wünschte Hilfe zu leisteil. 
3. Hält der diensttuende Arzt die Austlahme in eine Irrenanstalt 
für erforderlich, so stellt er eilt Kittest alis, - ivelches die 
ärztlichen Gründe aitgibt und am Schluffe die Notwendigkeit 
der Überführung nach einer Irrenanstalt bescheinigt, sowie 
das geeignete Transportmittel nennt < Straßenbahn, Droschke, 
Krankenwagen). Alls Grund des Mtestes veranlaßt eventuell 
nach telephonischer Verständigung der Vorstand des Polizei 
reviers mittels einer ans schnellstem Wege nach der Wache 
zu befördernden Überweisung die Überführung des GeisteS- 
krankeit nach der zuständigen Irrenaitstalt nach den Vor 
schriften des für diese geltenden Aufnahmereglements. Falls 
Abholung durch Jrrenpflegeperfonal erforderlich erscheint 
— was bei Überführung mittels Krankenwagens in der Regel 
nicht der Fall sein wird — werden die städtischen Irren- 
anstalten auf polizeiliches Ersuchen auch von ben Hilfs- und 
städtischen Hauptivachen abholen lassen. 
4. Wird die Überführung nach einer Irrenanstalt nicht für er 
forderlich erachtet, so ist in der gleichen Weise zu verfahren 
wie bei den sonst den Hilfswachen polizeilich zugeführten 
Personen. Eventuell kommen die für die Behandlung von 
Betrunkenen unter dem 23. Januar 1909 erlassenen Vor 
schriften in Anwendung. 
5. Bezüglich der Epileptiker, auch solcher, die nach Krämpfen 
delirieren oder auch nur betrunken sind, empfiehlt sich eine 
kurze Beobachtung auf der Wache, ob sie der Anstaltspflege 
bedürfen. Tritt alsbald eine erhebliche Besserung des Zu 
standes ein, so ist ihre Überführung nach der Wohnung oder, 
wenn eine solche nicht zu ermitteln ist, nach dem Polizei 
gewahrsam zu veranlassen. Scheint Anstaltspflege notwendig, 
so ist die Überführung nach den in den städtischen Kranken 
häusern am Urban, Moabit und im Rudolf Virchowkranken- 
hause eingerichteten Beobachttingsstationen zu veranlassen; 
von einer direkten Überweisung nach der Anstalt Wuhlgarteu 
ist Abstaitd zu nehmen. 
Inanspruchnahme.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.