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Volume No. 49. Berliner Rettungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

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Nr. 4!). Berliner Rettungstvesen. 
indem er nach jedem Transporte eine Desinfektion des Wagens 
vornimmt, die größte Geivähr für Sauberkeit bietet. Nur in Not 
fällen, oder wenn es vom Besteller ausdrücklich gewünscht Ivird, 
sollen bei den Privatunternehmern Wägen bestellt werden. 'Dem 
Befände ist mit Rücksicht auf den guten Zweck seiner Bestrebungen 
und unter Berücksichtigung des Umstandes, daß bei einem Teile 
der von ihm übernommenen kostenfreien Transporte sonst die 
öffentliche Arnienfürsorge hätte eingreifen müssen, eine Beihilfe 
von 3000 M gewährt worden. 
Tie in dem Berichte des Vorjahres erwähnten 10 fahrbaren 
Krankentransportbahren ' sind zum Meise von 2800 M 
beschafft und in den 16 Feuerwachen untergebracht worden. Bei der 
Ausführung ist besonders auf größte Leichtigkeit und Fahrbarkeit 
trotz Standhaftigkeit sowie auf möglichste Einfachheit in ihrer 
Handhabung Rücksicht genommen. 
VI. Die Zentralmeldestelle. 
Tic Z e n t r a l m e l d e st c l l e hat die Aufgabe, jedem münd 
lichen öder telephonischen Ersuchen um Nachweis eines freien Bet 
tes, gleichviel woher dasselbe konimt, zu entsprechen. Zur 'Er 
leichterung dieses Nachweises ist die Zentralmeldestelle mit 24 
Krankenanstalten Groß-Berlins durch direkte Fernsprechleitungen ver 
bunden. Auch die Hilfswachen des Berliner Rettungswesens haben 
sich'der Vermittlung der Zcntralmeldestelle zu bedienen, sofern eine 
eine Wache 'in Anspruch nehmende Person der Überführung in ein 
Krankenhaus bedarf; sic sind angewiesen worden, in jedem solchen 
Falle zunächst bei der Zentralmeldestelle anzüfragen, >vo ein ge 
eigneter Platz frei ist. Die Kosten der Zentralmeldestelle haben 
ini Berichtsjahre 14 674,«6 M betragen. Diesen Ausgaben stehen 
445 M Einnahmen gegenüber, welche die Anstalt Nordend für ihre 
direkte Fernsprechverbindung mit der Zentralmeldestclle zu er 
statten hat. 
Anhang. 
i. 
Anweisung über das Verfahren bei Massenunfällen. 
I. Erste Meldung 
an die Zentralmeldestelle im Rathause, Zimmer 131 III (Fern- 
sprechanruf „Magistrat-Berlin"), falls es nicht etwa durch die 
Sachlage geboten erscheint, zunächst eine nahe gelegene Hilsswache 
direkt in Anspruch zu nehmen. 
II. Aufgaben der Zentralmeldestelle. 
Sie benachrichtigt sofort gleichzeitig 
1. die 2 der Unfallstelle nächstgelegenen Hilfswachen des Ber 
liner Rettungstvesen ivergl. Plan und Verzeichnis), 
2. den Verband für erste Hilfe, Abteilung für Krankentransport, 
Schiffbauerdamm 20, Fernsprecher III 2417, 2424, 
3. die 2 der Unsaüstelle nächst gelegenen Hauptwachen (vergl. 
Plan und Verzeichnis), 
4. die Geschäftsstelle des Ärztevereins des Berliner Rettungs 
wesens (direkte Leitung) in der Zeit von 8 Uhr morgens 
bis 10 Uhr abends, 
5. das Kuratorium der Unfallstationen, Mohrenstraße 13/14 
(Amt I Nr. 4214) in der Zeit von 0 bis 7 Uhr, 
6. die Feuerwehr und das Polizeipräsidium, 
7. den Magistratskommissar und bei Tage bis 3 Uhr das 
Bureau der Krankenanstalten, 
8. falls von der leitenden Stelle an der Unsallstelle ein 
entsprechendes Ersuchen ergeht, weitere Hilfs- und Haupt 
wachen. 
HI. Aufgaben der benachrichtigten Hilfswachen. 
1. Falls die Meldung nicht von der Zentralmeldestelle im 
Rathause ausgeht, ist diese sofort zu benachrichtigen. 
2. Der diensttuende Arzt begibt sich mit dem Rettungskasten 
aus dem schnellsten Wege zur Unfallstelle. 
3. Der Heilgehilfe sucht Ersatzärzte für die Wache aus dem 
Kreise der diensttuenden Ärzte, eventuell durch'Vermittelung 
der Geschäftsstelle des Ärztevercins, in der Zeit von 10 
Uhr abends bis 8 Uhr morgens durch Vermittelung der 
Hilfswache Köthener Straße 47 (Amt VI Nr. 16 735). 
IV. Aufgaben des Verbandes für erste Hilfe. 
Er entsendet in jedem Falle zunächst zwei Krankenwagen, 
deren Führer sich beim leitenden Arzte zu melden haben, und 
erwarret im übrigen weitere Nachricht von der Unfallstelle. 
V. Aufgaben der Hauptwachen. 
1. Sie stellen Betten bereit. 
2. Sic entsenden, falls nach der Meldung erforderlich und soweit 
möglich, "Ärzte und Wärter nach der Unfallstelle. 
VI. Tätigkeit an der Unfallstelle. 
1. Tic Leitung des ärztlichen Rettungsdienstes übernimmt der 
dienstältestc Arzt. 
2. Der leitende Arzt setzt sich, wenn die Feuerwehr anwesend 
ist, sofort niit dem Kommando der Feuerwehr, sonst mit dem 
leitenden Polizeibeamten in Verbindung, damit die im 
Interesse des Rettungswesens erforderlichen Anordnungen 
unverzüglich getroffen werden können. 
3. Deni Ermessen des leitenden ^Arztes bleibt es überlassen, 
weitere Hilsswachen zu benachrichtigen, bezw. weitere Kranken 
wagen zu bestellen. 
4'. Die Behandlung der Verletzten an der Unsallstelle selbst hat 
sich auf das notwendigste Maß zu beschränken. Die Leicht 
verletzten sind nach den nächsten Hilsswachen, die Schwer 
verletzten nach den nächsten Krankenhäuserii zu überführen. 
VII. Rettungsdienst bei Feuer. 
1. Bei Kleinseuer. 
Dem Ermessen des Kommandos der Feuerwehr bezw. des vor 
deren Eintreffen anwesenden Polizeibeamten bleibt die Bestimmung 
überlassen, ob Mitwirkung des Berliner Rettungswesens in An 
spruch za nehmen ist. Im bejahenden Falle ist nach den Bestim- 
mungen unter I bis VI zu verfahren. 
2. Bei Mittel- und Großfeuer. 
Wenn der Zentralmeldestelle eine derartige Mitteilung zugeht, 
hat sic ohne weiteres zu benachrichtigen 
a) bei Mittelfeuer 
«) die der Fcuerstelle nächstgelegene Hilsswache, 
ßj den Verband sür erste Hilfe, welcher einen Krankenwagen 
zu entsenden hat, 
b) bei Großfeuer und bei „Menschenleben in Gefahr" 
a) die beiden der Feuerstelle nächstgelegenen Hilfswachen, 
ß) den Verband für erste Hilfe, welcher zwei Kranken 
wagen zu entsenden hat, 
y) die unter II 3 bis 8 genannten Dienststellen. 
VIII. Legitimation. 
Zur Legitimation sür die Ärzte des Rettungsdienstes dienen 
Erkennungsbinden, von welchen sich in dem auf jeder Wache be 
findlichen Rettungskasten stets 3 Stück befinden müssen. 
Auch die den Ärzten allgemein ausgestellten Erkennungskarten 
berechtigen zum Zutritt zur Unfallstelle. Auf Grund dieser Karten 
wird seitens der Polizei eine Zulassung der Ärzte auch zu Rad 
oder Wagen erfolgen. Aus der Unsallstelle haben sich ankommende 
Ärzte sofort mit dem leitenden Arzte in Verbindung zu setzen. 
Berlin, den 3. Februar 1910. 
Der Magistratskommissar für das Berliner Rettungswesen. 
Reicke. 
II. 
(J.-Nr. 1135 Krk. V. 09.) Berlin, den 28. Januar 1910. 
Ueber die Behandlung von anscheinend Betrunkenen, _ die auf 
der Straße aufgegriffen werden, und bei denen aus irgend einem 
Grunde, sei es im Interesse ihrer selbst, sei es im Interesse 
der öffentlichen Ordnung, polizeiliches Einschreiten erforderlich 'wird, 
sind mit dem Herrn Polizeipräsidenten folgende Vereinbarungen 
getroffen. 
1. Alle solche Personen werden durch den Schutzmann aus 
nahmslos sofort der nächsten Hilsswache des Berliner Ret 
tungswesens zugeführt. Die Hauptwachen in den städtischen 
Krankenhäusern Moabit, am Urban und im Virchowkranken- 
hause sind in dieser Beziehung den Hilsswachen gleich 
gestellt. Dagegen bleiben die Hilfswachen Steglitzer Straße 60 
sowie die Hauptivachen im Krankenhause Friedrichshain, in der 
Königlichen Klinik und in den privaten Krankenhäusern für 
diese Maßnahmen wegen Mangels geeigneter Einrichtungen 
außer Betracht. 
2. Der diensttuende Arzt untersucht die zugeführte Person darauf 
hin, ob die Überführung nach 'einem Krankenhause zur 
stationären Behandlung erforderlich ist, ob vorüber 
gehende ärztliche 'Beobachtung in der Wache notwendig 
erscheint, oder ob irgend welche ärztliche Hilfe sich er 
übrigt.
	        
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