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Volume No. 46. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

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No. 46. Feuerwehr, 
9. Gasexplosionen 
10. Explosion eines Kachelofens 
11. „ „ Fasses 
12. „ „ Auimoniakgasometers 
13. Auspumpen eines Gasbehälters 
14. Auspumpen leck gewordener Schiffe und Kalme . . . 
15. Entfernunn von Bienenschwärmen 
16. Bergung von Ertrunkenen aus öffentlichen Gewässern . 
17. Herausschaffen von Fahrzeugen aus öffentlichen Ge- 
1 Fall. 
1 * 
1 „ 
1 r 
3 Fälle. 
10 „ 
1 Fall. 
wässern 2 Fälle, 
18. Einsturz von Baulichkeiten. Holzstapeln. Gerüsten usw. 6 „ 
19. Entfernung von Drachen aus Telephondrähten ... 1 Fall, 
587 Fälle. 
Bei de. Bettung von Menschenleben waren von den unter 1 aus 
geführten 68 Fällen die gefährdeten Personen in 47 Fällen bereits vor 
Ankunft der Feuerwehr aus der Notlage befreit worden. Die übrigen 
21 Fälle sind nachstehend aufgeführt: 
Am 4. April versuchte auf dem Grundstück Grunewaldstraße 9 
ein anscheinend geisteskranker Mann aus dem Fenster seiner 
im I. Stockwerk gelegenen Wohnung zu springen. Nach vor 
heriger Ausbreitung eines Sprungtuches wurde er von der 
Wohnung aus ergriffen und mittels Feuerwehrfahrzeuges dem 
zuständigen Polizeirevier zugeführt. 
Am 4. April war vor Eeichenberger Straße 111 ein Motorrad 
fahrender Mann mit einem Straßenbahnwagen zusammen 
gestoßen und hatte sich beim Sturz Verletzungen an beiden 
Knien zugezogen. Er wurde mittels Feuerwehrgefährts nach 
der Unfallstation gebracht. 
Am 6. April war vor Prinzenstraße 32 ein 7 Jahre alter Knabe 
unter den Badkasten eines Straßenbahnwagen* geraten. Nach 
Hochwinden des Wagens wurde er befreit und, da er einen 
Oberschenkelbruch erlitten hatte, mittels Feuerwehrgefährts 
nach dem Krankenhause „Am Urban“ geschafft. 
Am 9. April wurde vor Graefestraße 74 ein Kind von einem Müll 
wagen überfahren und an beiden Beinen schwer verletzt. Ein 
auf der Bückfahrt vom Feuer befindliches Feuerwehrgefährt 
beförderte das Kind nach dem Krankenhause „Am Urban“. 
Am 15. April wollte auf dem Grundstück Hufelandstraße 4 eine 
Morphiumsüchtige Frau aus dem Fenster springen. Einigen 
in die Wohnung eingedrungenen Feuermännern gelang es, die 
Frau zurückzuhalten und zu beruhigen. 
Am 19. Mai wurde auf dem Grundstück Bellevuestraße 17/18 
ein in einem Fahrstuhl eingeklemmter Mann durch Ausstemmen 
der Schachtwände aus seiner Notlage befreit. Er hatte an 
scheinend nur geringe Quetschungen erlitten und wurde nach 
einer Unfallstation überführt. 
Am 22. Mai war auf dem Grundstück Ystadterstraße 10 ein 
Lehrling auf unaufgeklärte Weise von einem Fahrstuhl abgestürzt 
und an dem Gerüst hängen geblieben. Er wurde aus seiner 
Notlage befreit und mit schweren Verletzungen am Unterleib 
mittels Feuerwehrgefährts nach dem Lazaruskrankenhause 
gebracht. 
Am 23. Juni war auf dem Grundstück Liegnitzer Straße 7/8 eine 
Frau aus einem Fenster der EH. Etage auf ein an dem Hause 
angebrachtes Gerüst in Höhe des I. Stockwerks gefallen. Mit 
schweren inneren Verletzungen wurde sie mittels Feuerwehr 
fahrzeuges nach dem Krankenhause „Am Urban“ geschafft. 
Am 1. Juli war am Hafenplatz ein Knabe in das Wasser gefallen. 
Er wurde mit Bootshaken herausgezogen und nach erfolglos 
angestellten Wiederbelebungsversuchen, nachdem ein Arzt den 
Tod festgestellt hatte, der Polizei übergeben. 
Am 17. Juli war an dem Personen-Fahrstuhl auf dem Grundstück 
Hessischestraße 4 angeblich eine Sicherung durchgebrannt, so 
daß der Fahrstuhl stehen blieb. Der Fahrstuhlführer öffnete 
hierauf die Tür und wollte aussteigen, als sich plötzlich der 
Fahrstuhl wieder in Bewegung setzte und den Führer zwischen 
Fahrstuhlboden und oberen Quereisen der Tür des Fahrstuhl- 
schachtes unterhalb des Brustkastens einklemmte. Nachdem 
der Verunglückte befreit war. wurde er mittels Feuerwehr- 
gefährts nach der Königlichen ('harit4 gebracht, wo der Arzt 
den inzwischen eingetretenen Tod feststellte. 
Am 2. August saß ein des Mordes verdächtiger Manu auf dem Dache 
eines Schuppens des Grundstücks Gerichtstraße 60. Er wurde 
auf Ansuchen der Polizei heruntergeholt und dieser übergeben. 
Am 27. August war auf dem Neubau des Kammergerichts, Elsholz- 
straße, ein Maschinist mit dem linken Fuß in das Bäderwerk 
einer Zement-Mischmaschine geraten. Er wurde aus seiner 
Notlage befreit und mit einem linksseitigen Ober- und 
Unterschenkelbruch mittels Feuerwehrgefährts nach dem 
„ Elisabeth-Krankenhause “ überführt. 
Am 29. August war auf dem Grundstück Adolfstraße 29 (Umen- 
halle) ein angetrunkener Arbeiter auf die äußerste Spitze des 
Eisengerippes der Dachkonstruktion der im Bau befindlichen 
Urnenhalle hinaufgeklettert und scheinbar eingeschlafen. Da 
die Gefahr des Herabstürzens vorlag, wurde unten in der Halle 
ein Sprungtuch ausgebreitet, und der Mann unter heftiger Gegen 
wehr mittels Fangleinen herabgelassen und der Polizei übergeben. 
Am 8. September war auf dem Grundstück Alt-Moabit 92/93 in 
einem Mehlspeicher ein schief gepackter Stapel mit Mehl 
gefüllter Säcke umgestürzt und hatte zwei Arbeiter unter sich 
begraben. Nachdem diese unter den Mehlsäcken hervorgezogen 
waren, wurden sie mit schweren inneren Verletzungen mittels 
Feuerwehrgefährts nach dem Krankenhaus „Moabit“ geschafft. 
Am 14. September war auf dem Grundstück Winsstraße 12 ein 
Arbeiter beim Andrehen eines Schwungrades zwischen dieses 
und den Maschinensockel geraten. Er wurde nach Abnahme 
des Schwungradlagers aus seiner Notlage befreit und mit 
Quetschungen des rechten Unterarmes mittels Unfallwagens 
nach dem Krankenhause „Am Friedrichshain“ gebracht. 
Am 15. Oktober war vor Große Frankfurter Straße 124 ein Mann 
mit seinem Fahrrade unter einen Wagen der elektrischen 
Straßenbahn geraten. Durch Hochwinden des Wagens wurde 
er befreit und. da er erhebliche Fleischwunden im Gesicht 
und eine Schenkelverrenkung davon getragen hatte, zunächst 
nach der Unfallstation zur Anlegung eines Notverbandes und 
von da nach dem Krankenhause „Am Friedrichshain“ gebracht. 
Am 12. November waren auf dem Grundstück Friedrichstraße 122 
zwei Personen damit beschäftigt, ein großes Faß Wein mittels 
einer Hebebühne vom Hof nach dem Keller zu bringen, dabei 
riß das haltende Drahtseil und sie stürzten mitsamt der Hebe 
bühne und dem Faß bis zum Keller hinab. Nachdem die Ver 
letzten aus dem Fahrstuhl nach dem Hofe gebracht und ihre 
stark blutenden Wunden verbunden waren, wurden sie mittels 
Feuerwehrfahrzeuges nach der Königlichen Klinik überführt. 
Am 18. November war auf dem Grundstück Leipziger Straße 36 
ein Mann mit dem Kopf zwischen Schiebetür und Bodenfläche 
des Fahrstuhls eingeklemmt worden. Er wurde durch 
Beseitigung der Bodenteile des Fahrstuhls aus seiner Notlage 
befreit und mit einer schweren Kopfverletzung nach einem 
Krankenhause überführt. 
Am 28. Dezember hatte auf dem Grundstück Krausenstraße 54/55 
an einem elektrisch betriebenen Fahrstuhl die Ausschaltevor 
richtung versagt. Um den Fahrstuhl zum Stehen zu bringen 
und festzuhalten, stemmte der Fahrstuhlführer die Schulter 
gegen den Eiegel über der Fahrstuhlschachttür bis die 
Sicherungen durchgebrannt waren; hierbei erlitt er einen 
Bruch des linken Beines und Bißwunden am Kopfe. Er wurde 
mittels Krankenwagens nach der Königlichen Klinik gebracht. 
Am 11. Januar 1910 war auf dem Grundstück Cöpenicker Straße 108 
ein Mann durch Versagen und Stehenbleiben des Fahrstuhles 
zwischen zwei Etagen eingeschlossen. Nach Oeffnen der oberen 
Tür des Fahrstuhlschachtes wurde er befreit. 
Am 10. März 1910 wollte auf dem Grundstück Tegler Straße 15 
ein geisteskrankes Mädchen aus ihrer im II. Stockwerk 
gelegenen Wohnung auf die Straße springen. Nachdem vor 
her ein Sprungtuch ausgebreitet worden war, drangen zwei 
Feuermänner in die verschlossene Wohnung ein. ergriffen das 
Mädchen und übergaben es der Polizei.
	        
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