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Volume No. 46. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

No. 46. Feuerwehr. 
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7. Vergleichende Übersicht 
der Anzahl der Kraftwagen und der Zahl der Brandfälle. 
Jahr 
Anzahl der 
Kraftwagen 
Brandfälle 
Verhältnis der Brandfälle 
zur Anzahl der 
Kraftwagen in Prozenten 
1907 
1911 
39 
2,04 °/o 
1908 
2638 
42 
1,59 % 
1909 
3142 
47 
1,50 % 
Bergung eines in den Landwehrkanal gefahrenen Automobils. 
Das Automobil, eine elektrische Droschke der bekannten Bedag- 
Gesellschaft, war vermutlich infolge eines Fehlers beim Bedienen des Steuers 
am 30. November 1909 in den Landwehrkanal gestürzt. Die Droschke 
wurde im Wasser aufgerichtet und dann mittels Tauen und Hebebäumen 
rückwärts über die Böschung an Land gezogen. Der Wagenführer war 
schon vorher gerettet worden. 
Verhalten selbsttätig wirkender Feuerlöschbrausen (Sprinkler) bei 
dem Brande in der Berliner Velvetfabrik, Döpenicker Strafle 18—20, 
, am 17. Mai 1909. 
Nach dem großen Brande in der Berliner Velvetfabrik am 31. Juli 1883, 
bei dem der Brandmeister Stahl, der Oberfeuermann Wendelburg und der 
Feuermann Müller tötlich verunglückten, war in den Trockenräumen der 
Fabrik eine Sprinkleranlage eingebaut worden. 
Die Anlage bestand aus einer Steigeleitung, die durch ein 75 mm 
Bohr mit einem 150 mm Bohr des städtischen Wasserrohrnetzes in Ver 
bindung stand. In der Steigeleitung war ein Läutewerk eingeschaltet, 
das beim Strömen des Wassers durch die Leitung in Tätigkeit gesetzt 
wurde. Von der Steigeleitung zweigte sich in den einzelnen Stockwerken 
je ein Bohr von 65 mm Durchmesser ab, das die Zuleitung zu den sich 
allmählich verjüngenden mit Feuerlöschbrausen versehenen Bohren bildete. 
Die Sprinkler waren teils auf 94° teils an den besonders heißen Stellen der 
Bäume auf 141° Celsius eingestellt. 
Der ca. 48X16 m große Trockenraum des H. Stocks, in dem das 
Feuer ausbrach, war durch zwei Wellblechwände in drei ziemlich gleich 
große Abteilungen geteilt. In jeder Wellblechwand befand sich eine Tür, 
die offen stand. In dem Raum herrschte eine ständige Maximaltemperatur 
bis 90° Celsius. 
Beim Ausbruch des Feuers traten die Feuerlöschbrausen und das 
Läutewerk sofort in Tätigkeit. Der Pförtner alarmierte mittels des im 
Pförtnerhaus befindlichen Privatfeuermelders die Kompagniewache 2, Cöpe- 
nicker Straße 125, von der die Züge 5 und 6 innerhalb 3 Minuten auf 
der Brandstelle eintrafen. Von ihnen und den außerdem noch eintreffenden 
5 Zügen wurde das Feuer von 3 Seiten mit mechanischen Leitern, Haken- 
und Steckleitern unter Benutzung von 10 Bohren angegriffen und auf den 
Raum beschränkt. 
Während der Löscharbeiten — ungefähr */a Stunde nach Ausbruch 
des Brandes — riß eine durch eine Muffe hergestellte Verbindung des 
Hauptrohres der Sprinkleranlage innerhalb der Brandstelle auseinander, 
Worauf sich der volle Wasserstrahl in den Raum ergoß und die Brausen 
äußer Tätigkeit gesetzt wurden. Das Zerreißen des Rohres ist wahr 
scheinlich auf die Deformation der Wände und Träger und auf das Herab 
fallen brennender Dachteile zurückzuführen. 
Einen bemerkenswerten Einfluß auf die Löschung des Feuers hat die 
Sprinkleranlage nicht gehabt, sie ist allerdings sofort in Tätigkeit getreten 
und hat das Feuer gemeldet. 
Der Trockenraum, in dem das Feuer ausbrach, ist vollständig aus 
gebrannt, die eisernen Träger und Wellblechwände sind vollkommen defor 
miert Auf die neben und unter der Brandstelle gelegenen Räume ist das 
Feuer nicht übergegangen. 
Über die Entstehungsursache ist nichts festgestellt worden; Selbst 
entzündung erscheint nicht ausgeschlossen. Möglich ist auch, 'daß das 
Feuer durch Klempner verursacht worden ist, die auf dem Dache über 
dem Trockenraum Ventilatoren einbauten. 
An der, wie bereits erwähnt, vor mehr als 25 Jahren von der Firma 
Mather & Platt Ltd. in Manchester eingebauten Anlage waren in dieser 
Zeit nennenswerte Abänderungen nicht vorgenommen worden. Die mit der 
obigen Firma in engster Verbindung stehende Grinnell Sprinklergesellschaft 
m. b. H., Berlin NW. 6, Schiffbauerdamm 15, war allerdings wiederholt 
an die Berliner Velvetfabrik zwecks Umbaues der Anlage ohne Erfolg 
herangetreten. Die Anlage entsprach nicht den Anforderungen, die man 
an eine solche Einrichtung stellen muß. Es war z. B. nur ein Wasserzufluß 
vorhanden, während zwei getrennte, von einander unabhängige, stets be 
nutzbare und hinreichende Wasserzufuhren notwendig sind. Es befanden 
sich Feuerlöschbrausen auch nur an der Decke des Raumes und nicht, wie bei 
derartigen hochaufeinandergeschichteten, leicht brennbaren Waren gefordert 
werden muß, an den Wänden und in den von der Lagerung frei zu 
haltenden Zwischengängen. 
Brand des Holzlagers Boppstraße 5 am 2. Juni 1909. 
Es brannte ein rings von Wohn- und Fabrikgebäuden umgebener 
Holzlagerplatz mit den darauf befindlichen Maschinen- und Werkstatt- 
gebäuden, StäUen und Schuppen. 
Durch die starke strahlende Hitze des Feuers gerieten die Fenster- 
kreuze. Gardinen und Möbel der der Brandstelle benachbarten Wohngebäude, 
besonders in der Urbanstraße 102 bis 105. in Brand. 
Den Anstrengungen der bei der Löschung beteiligten 12 Züge gelang 
es, das Feuer auf den Holzlagerplatz zu beschränken und das völlige Inbrand 
geraten der Wohngebäude zu verhindern. 
In Tätigkeit traten 11B- und 160-Rohre. Die Entstehungsursache 
des Feuers konnte nicht ermittelt werden. 
Brand des Holzlagers Kottbuser Ufer 41/42 am 7. Juni 1909. 
Ein weiterer großer Brand eines Holzlagerplatzes fand einige Tage 
später auf dem Grundstück Kottbuser Ufer 41/42 statt. 
Die Brandstelle grenzt unmittelbar an das Luisentheater und das 
Luisenstädtische Jndustriegebäude. In der hohen Giebelwand dieses 
Gebäudes befanden sich in jedem Stockwerk zirka 15 X 15 cm große 
Lichtöffnungen, die ursprünglich mit Elektroglas verschlossen gewesen waren. 
Im Laufe derZeit waren aber zerbrochene Scheiben entweder durch gewöhnliche 
Glasscheiben oder gar nicht ersetzt worden, sodaß, ebenso wie bei dem 
Brande Boppstraße 5, durch die strahlende Hitze des Feuers das benachbarte 
Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wurde. 
Durch die kleinen Lichtöffnungen griff das Feuer auf den Fußboden 
und die Balkenanlage in verschiedenen Stockwerken des 2. Quergebäudes 
und rechten 3. Seitenflügels des Jndustriegebäudes über, konnte hier aber 
ohne größere Dimensionen angenommen zu haben, gelöscht werden. 
Bei dem Brande traten insgesamt 11 Züge unter Benutzung von 
8B- und 120-Rohren in Tätigkeit. Die Entstehungsursache konnte eben 
falls nicht ermittelt werden. 
Unfall auf der Radrennbahn im alten Botanischen Garten 
am 18. Juli 1909. 
Auf der völlig aus Holz hergestellten Rennbahn fanden an dem 
genannten Tage, einem Sonntag, Radrennen mit Benzinmotorführung unter 
starkem Andrang des Publikums statt. 
Gegen 5 x / 2 Uhr nachmittags platzte an der Maschine eines an erster 
Stelle in rasendem Tempo fahrenden Schrittmachers in der Kurve, die an 
dieser Stelle eine Steigung von ca. 45° hatte, ein Gummireifen. Der 
Motor fiel in die Bahn hinein. Der unmittelbar hinter ihm fahrende 
Rennfahrer fuhr gegen den umkippenden Motor und stürzte gleichfalls in 
die Bahn. In demselben Augenblick kam der zweite Motor heran, wollte dem 
herabstürzenden Motor ausweichen, konnte das jedoch nicht mehr ausführen, 
stoppte ab, und stürzte ebenfalls in die Bahn. Der dicht dahinter fahrende 
dritte Motor wich, um nicht mit dem zweiten, umkippenden, zusammen 
zufahren, scharf nach rechts aus und fuhr die Kurve ganz hinauf, an der 
Barriere entlang und, sie überspringend, in die die Tribüne dicht füllende 
Znschauermenge hinein, wobei er eine größere Anzahl Menschen niederriß. 
Das aus dem Benzinbehälter des Motors auslaufende Benzin entzündete 
sich und hüllte die UnfaUstelle mit ihrer nächsten Umgebung in Flammen. 
Der Wachhabende der aus 1 Oberfeuermann und 4 Feuermännern 
bestehenden Sicherheitswache eilte sofort mit den Mannschaften durch das 
dicht gedrängte Publikum zur Unfallstelle, nahm von den nächst gelegenen 
Hydranten Schläuche vor und löschte zuerst das Feuer ab, um an die 
Verunglückten heranzukommen. Dann wurden die Verunglückten, die 
zum Teil unter dem Motor lagen, von den Mannschaften der Sicherheit«-
	        
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