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Volume No. 40. Bericht über die städtischen Markhallen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

Nr. 40. Markthallenverwaltung. 
3 
d) Ob st Handel. 
Die inländische Ernte an Weichobst war nahezu doppelt so groß 
als im Vorjahr, das Verkaufsergebnis war aber wenig günstig, 
weil Kirschen, Erdbeeren und Pflaumen während des Versandes durch 
den anhaltenden Regen sehr an Qualität verloren. Die Preise 
für diese Sorten waren daher erheblich niedriger, als in den 
Jahren 1907 und 1908. Die Werderschen Obstzüchter konnten mit 
dem Ergebnis des Jahres 1909 trotzdem zufrieden sein, weil ihre 
Produkte den kurzen Transport besser überstanden, als die ans 
entlegeneren Gegenden zugeführten Sendungen. 
Italien lieferte große Mengen Kirschen und sonstiges Früh 
obst nach Berlin und aus Holland trafen reichliche Zufuhren an 
Erdbeeren ein. Die Sendungen mußten aber infolge der regne 
rischen Witterung schließlich ganz eingestellt werden. 
Äpfel waren im Jnlande schlecht, Birnen dagegen sehr gut geraten. 
Steiermark hatte in Apfeln eine Mißernte, Italien dagegen eine vor 
zügliche Ernte. Der Berliner Markt war daher stets ausreichend 
mit Winterobst versehen. 
In italienischen Weintrauben war das Geschäft noch schlechter, 
als im Vorjahre. Auch in Italien hatte es während der Reife 
zeit fast ohne Unterbrechung geregnet. Die Beeren waren daher 
sehr wasserreich, platzten leicht und kamen zum Teil verdorben und 
unverkäuflich an. Das finanzielle Ergebnis war unter diesen Um 
ständen sehr ungünstig, die Preise sanken zeitweise aus 9 bis 11 M für 
50 kg und deckten kaum die Kosten für Transport und Zoll. 
Tic Durchschnittspreise für die hauptsächlichsten Obstsorten stell 
ten sich in den letzten drei Jahren folgendermaßen! 
Durchschnittspreis für 50 kg 
Obstarten 
Gattung 
1909 
1908 
1907 
Amerikaner 
26,« 
27,4 
23,4 
Aepsel 
Tiroler 
26,8 
26,o 
28,2 
Italiener 
16,8 
19,0 
14,3 
hiesige 
11,6 
7.7 
12,o 
Birnen f 
Tiroler 
24,4 
24,3 
25,4 
Italiener 
18,7 
21,o 
22,i 
1 
hiesige 
12,s 
16,8 
14,o 
Pflaumen [ 
auswärtige 
12,2 
13,4 
16,8 
hiesige 
5,1 
6,9 
11,7 
1 
Reineclauden 
— 
15,7 
19,2 
Stachelbeeren . . . 
reise 
8,6 
9,5 
15,9 
Johannisbeeren. . . 
hiesige 
15,7 
18,1 
14,3 
Kirschen | 
auswärtige 
hiesige 
26,5 
16,7 
27,4 
20,3 
47,1 
17,3 
Erdbeeren . . . . | 
auswärtige 
hiesige 
50,6 
46,8 
27,3 
48,o 
49,4 
53,0 
Weintrauben. . . . | 
Italiener 
18,8 
20,8 
22,6 
Ungarn 
14,o 
— 
— 
Franzosen 
21,4 
22,6 
19,4 
Amtlicher Marktbericht über den Großhandel 
in den Zentral Markthallen. 
Für den Druck des amtlichen Marktberichts hat die hiermit beauf 
tragte Firma den bisherigen Satz von 13,so M für jeden Tag des 
Erscheinens weiter erhalten. Von der weiteren Abmachung, wonach 
bei Ueberschreitnng der Auflage von 1 800 Exemplaren sür jede ferneren 
100 Exemplare 60 Pfennig mehr zu zahlen waren, hat die Firma 
unter dem Drucke der Konkurrenz Abstand genommen. 
Der Bezugspreis beträgt seit dem 1. Januar 1908 1,ro M für 
das Vierteljahr. 
Die Einnahmen haben im Berichtsjahre folgendes Ergebnis 
gehabt: 
Bezugspreis 
Zeitungs- 
Netto- 
1909/10 
einzeln 
un 
ganzen 
gebühr 
erlös 
4 
M 
JC 
JC 
April/Juni 
120 
1817,60 
431,68 
1 385,02 
Juli/September .... 
120 
2 184,40 
518,80 
1 665,80 
Oktober/Dezember .... 
120 
2 077,20 
493,34 
1 583,86 
Januar/März 
120 
1 797,20 
426,84 
1 370,36 
zusammen 
7 876,40 
1 870,66 
6 005,74 
Für den Druck wurden . . 
4 113,60 
gezahlt, sodaß ein Ueberschuß von . . 
1 892,14 
verblieben ist. 
Die Zahl der Abonnenten betrug im Durchschnitt 1716 gegen 
1693 im Vorjahre. 
Eisenbahnverkehr der Anschluß st eile Zentral 
markthalle. 
Der Rückgang der Einnahmen aus der Vermietung der Verkauss- 
stände und die wachsenden Verwaltungskosten veranlaßten uns, auf 
ein Vermehrung der Erträge des Markthallenbetriebes Bedacht zu 
nehmen. Die außerordentliche Inanspruchnahme des Eisenbahn 
anschlusses der Zentralmarkthallen und das Mißverhältnis der bis 
herigen sehr mäßigen Gebühr für die Benutzung desselben zu dem 
Nutzen, welchen er den Interessenten gewährt, rechtfertigte eine Ände 
rung dieser Verhältnisse. Wir beschlossen daher, die Gebühr sür 
jede angekommene oder abgehende Wagenladung von 3 'M ans 5 .M 
für jede Achse zu erhöhen. Die geringe Mehrbelastung, welche ledig 
lich der Großhandel zu tragen hat und die ohne Einfluß auf die Preis 
bildung ist, erscheint ganz unbedenklich. Unser Beschluß ist am 
l. April 1909 in Kraft getreten. Die Einnahmen aus dem Eisen 
bahnverkehr sind daher, obgleich die Zufuhren unter dem Einfluß 
der Ernte etwas zurückgegangen sind >— 116 068 528 kg gegen 
118 298 098 kg im Vorjahre — erheblich gestiegen. Von der Königl. 
Güterabfertigungsstelle Zentralmarkthalle wurden im Jahre 1909 
für Rechnung der Markthallenverwaltung erhoben und an die Stadt 
hauptkasse abgeliefert: 
an Bahngebühren 221363,06 JC, 
an Lager- und Wiegegeld 2 203,65 
im Jahre 1908 dagegen 
zusammen 1909 223 566,70 JC, 
159 933,60 - 
1909 also mehr 63 633,io JC. 
An dieser Mehreinnahme ist auch der Stückgutverkehr, welcher 
nach dem Tarif größere Einnahmen bringt als die billigeren Waggon 
sendungen und der um rund 1 700 000 kg gestiegen ist, in gewissem 
Grade beteiligt. , 
Die Zahl der für nicht empfangsberechtigte Standinhaber einge 
gangenen Wagenladungen, für welche die tarifmäßige Gebühr von 
24 M für jeden Wagen zu zahlen ist, erreichte im Berichtsjahre nur 
die Höhe von 94 gegen 193 im Vorjahre. Ter Rückgang dieser Ein 
nahmen hat seinen Grund in der diesen Standinhabern gewährten 
Erlaubnis, in der Zeit vom 1. Dezember bis 10. Juni Wagenladungen 
gegen Entrichtung der einfachen Bahngebühr von 5 JC für jede 
Achse empfangen zu dürfen. Wie bereits im Vorberichte erwähnt, 
hatte uns die ungünstige Lage der in Betracht kommenden Händler, 
welche infolge der im Interesse des Eisenbahnverkehrs aus 
unseren Anschlußgleisen getroffenen notwendigen Beschränkungen mit 
den älteren, empfangsberechtigten Standinhabern nur schwer kon 
kurrieren könnten, veranlaßt, die Königl. Eisenbahndirektion um ihre 
Zustimmung zu der oben angeführten Erleichterung zu ersuchen. Diese 
ist erteilt und mit Rücksicht darauf, daß im Monat November aus 
unserm Bahnanschluß nach den bisherigen Erfahrungen Verkehrs 
stockungen nicht mehr vorkommen, versuchsweise auf diesen Monat 
ausgedehnt worden, allerdings mit der Maßgabe, daß die Zulas 
sung solcher Wagen sofort und ohne Gewährung einer Frist einge 
stellt werden würde, sobald Überlastungen des Markthallenanschlusses 
eintreten. In der Zeit vom 11. bis zum 30. Juni haben Nicht 
empfangsberechtigte daher wie früher 24 M> Bahngebühr für jeden 
Wagen zu zahlen, während zur Zeit der Haupternte, also in den 
Monaten Juli bis einschließlich Oktober, ihre Wagen in den Zentral- 
markthallen überhaupt nicht zugelassen werden können. Dagegen war 
die Erfüllung des Wunsches der jüngeren Standinhaber, ihnen den 
Bezug von Wagenladungen gegen einfache Bahngebühr während des 
ganzen Jahres zu gestatten, bei der Überlastung der Bahnanlage 
während der Sommermonate unmöglich. 
Für Sendungen mit erhöhter Bahngebühr gingen ein 
Davon entfallen aus 
im ganzen 
Wagen- 
Stückgut und 
ladnngen 
Beiladungen 
JC 
JC 
JC 
1909 
9 165 
2 256 
6 909 
1908 
12 032 
4 632 
7 400 
1909 weniger 
2 867 
2 376 
491 
heblich, diejenige für Wagenladungen auf vorerwähnte, den nicht- 
empfangsberechtigten Standinhabern erteilte Vergünstigung zurück 
zuführen. 
Eine genaue Übersicht über die Ein- und Ausfuhr auf dem 
Markthallenanschlußbahnhofe und über die Einnahmen und Ausgaben 
geben wir auf Seite 7 dieses Berichtes. 
Bauliche Veränderungen. 
Außer den regelmäßig wiederkehrenden Arbeiten zur Instand 
haltung der Hallengebäude sind folgende Renovierungen und Ver 
besserungen zu erwähnen: 
In der Zentralmarkthalle I wurden in den Räumen der 
städtischen Berkaufsvermittler und des Restaurateurs die Bogenfenster
	        
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