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Volume No. 23. Bericht über die Verwaltung des Arbeitshauses und des Arbeitshaus -Hospitals in Rummelsburg

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

Nr. 23. Arbeitshausverwaltung. 
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Erläuterung zu vor st ehender Uebersicht. 
Zu 1 und 12. Die Deputation für die Rieselfelder zahlt nach 
einer Vereinbarung an Arbeitslöhnen und Nebenkosten für die mit 
landwirtschaftlichen Arbeiten auf den Rieselgütern Heinersdorf, Blan 
kenburg, Neubeeren, Schenkendorf, Sputendorf, Marggraffshof, Mal 
chow, Wartenberg, Falkenberg, Hellersdorf, Möllersfelde, Rosenthal 
und Buch beschäftigten Häuslinge in den 7 Sommermonaten April 
bis Ende Oktober 40 $ Arbeitslohn und 10 H den Häuslingen 
gutzuschreibenden Ueberverdienst, in den 5 Monaten November bis 
Ende März, jedoch keinen Arbeitslohn, sondern nur den Ueberverdienst 
von 10 rS), für die in den Barackenküchen beschäftigten Köche und 
Arbeiter für häusliche Zwecke ebenfalls nur 10 ^ Ueberverdienst 
während des ganzen Jahres. 
Das Aufsichtspersonal erhält entweder freie Wohnung und hierzu 
eine von 2 zu 2 Jahren steigende, mit jährlich 50 M beginnende 
Dienstunkostenentschädigung bis zum Höchstbetrage von jährlich 250 M 
oder besondere Dienst- und Schlafräume in den Baracken unter Ge 
währung von täglich 1 M Dienstunkostenentschädigung. 
Im Berichtsjahre waren durchschnittlich täglich 61 Aufseher auf 
den Rieselfeldern tätig. 
Lu 2. Umzugsarbeiten in städtischen Diensträumen und Arbeiten 
für das Waisenhaus Rummelsburg der Stadt Berlin. Der festgesetzte 
Arbeitslohn beträgt 70 H. 
Zu 3. Aufräumungs- und Gartenarbeiten für Beamte und An 
gestellte des Waisenhauses Rummelsburg. Arbeitslohn festgesetzt auf 
70 
Zu 4. Für die Waisenhäuser und das Erziehungshaus Lichtenberg 
aus geliefertem Material. Der Arbeitslohn wird stückweise berechnet, 
z. B. für Anfertigung eines Knabenhemdes 25 eines Mädchen 
hemdes 15 ,9,, eines Lakens 7 H, eines großen Bezuges 20 ^ bezw. 
13 H, eines kleinen Bezuges 10 
Zu 5. Für das Waisenhaus, die Rathaus- und Kanalisations 
bureaus. Das Waschen, Pressen, Spülen, Rollen und Trocknen 
geschieht mittels elektrisch betriebener Maschinen. Für 1 kg Wäsche 
werden 13 H erhoben. Bei dieser Einnahme sind ungefähr 85 v. H. 
auf Bedienung, Unterhaltung und Heizung der Maschinen, Elektrizi 
tätsverbrauch, Seife, Soda und Licht zu rechnen. Der Rest von 
15 v. H. ist Arbeitsnettoverdienst, im Berichtsjahre also für den 
Kopf täglich 76 3), gegen 77 im Vorjahre. 
Diese Arbeiten werden jetzt wegen der sehr niedrigen Kopfstärke 
der Weiber von Männern ausgeführt. 
Zu 6. Für die Brennmaterialiendeputation nach dem für 
1 obm vereinbarten Lohnsätze. 
Zu 7. Für die Brennmakerialienverwaltung, Ausladen von 
Holz- und Kohlenkähnen, und für verschiedene städtische Verwaltungen 
sonstige Jnnenarbeiten wie Schuhmacher-, Schneider-, Tischler-, 
Schlosser- und Klempnerarbeiten. Arbeitslohn 70 £ h 
Zn 8. Für die landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem eigenen 
Rieselfclde ist derselbe Lohnsatz berechnet worden wie anderen städtischen 
Verwaltungen gegenüber, nämlich 70 ^ pro Tag. 
Zn 9. Schneider-, Schuhmacher-, Tischler-, Schlosser- und Klemp- 
nerarbeilen, Arbeitslohn täglich 50 H. 
Zu 10 und 11. Die äußerst wenig lohnenden Arbeiten werden 
von Männern verrichtet, die alt und körperlich schwach und zu keinen 
schweren Arbeiten brauchbar sind. Arbeitslohn für das grobe Reißen 
von 1 kg Bettfedern 2 M, für 100 kg Tauzupfen 10 M. Ausnahms 
weise werden diese Arbeiten für Fremde verrichtet, da die alten Leute 
sonst in der Anstalt keine geeignete Beschäftigung finden würden. 
Zu 13. Zur Aushilfe sind täglich 2—3 Mann im städtischen 
Obdach beschäftigt. Arbeitslohn wurde für sie nicht berechnet, 
da sie voin Obdach verpflegt wurden. Hingegen wurden an 
Ueberverdienst täglich 10 ^ pro Kopf gezahlt. 
Zu Summe I. In den letzten 10 Jahren betrug der erzielte 
Durchschnittssatz aus dem bei der Beschäftigung mit Lohnarbeiten ver 
einnahmten Arbeitsverdienste für den Kops und Arbeitstag: 
1900 . 
. . . . 56 
1905 . 
1901 . 
. . . . 56 - 
1906 . 
. 62 - 
1902 . 
.... 47 - 
1907 . 
. 56 - 
1903 . 
. . . . 40 - 
1908 . 
. 58 - 
1904 . 
. . . . 39 - 
1909 . 
Die für den Arbeitsbetrieb getroffenen Verfügungen und Verein 
barungen sind im großen und ganzen beständig. Für die unter 2 bis 7 und 9 
aufgeführten an Verdienste höheren Arbeiten muß im allgemeinen alle 
Jahre dieselbe Zahl von Arbeitskräften bereit gehalten werden. Die 
übrigen Korrigenden werden aus die Rieselfelder geschickt. 
Neben Arbeitslohn werden noch pro Mann und Tag 10 H 
Ueberverdienst eingezogen, bei den Beamtenarbeiten außerdem noch 
5 3) für Hergäbe der Arbeitsgeräte. 
Zu 14 bis 20. Ein besonderer Arbeitslohn wird bei diesen für die 
verschiedenen häuslichen Bedürfnisse der eigenen Verwaltung ver 
richteten Arbeiten nicht eingezogen. Zur Berechnung des Wertes dieser 
Arbeitsleistungen ist daher der unter 1 ermittelte Durchschnittssatz 
von 54 H für den Kopf und Arbeitstag schätzungsweise in Anrechnung 
gebracht worden. 
Die als ein Teil des Arbeitsverdienstes der Häuslinge diesen gut 
geschriebene Arbeitsprämie (Ueberverdienst) hat den Zweck, die Arbeits- 
sreudigkeit der Korrigenden während der Haft zu erwecken und zu 
stärken und chnen die erste Zeit nach der Entlassung die nötigen Mittel 
zum Lebensunterhalt während der Aufsuchung eines Unterkommens zu 
gewähren. Nach der für die Verwaltung von Gefängnissen und 
Besserungsanstalten geltenden Grundsätzen steht den Korrigenden ein 
rechtlicher Anspruch auf die Arbeitsprämien nicht zu, sie wird für sie 
aufbewahrt und geht in ihr Eigentum erst mit der Aushändigung 
über. Während der Haft kann ihnen auf ihren Antrag ein Teil der 
Prämie und zwar bis zur Hälfte zum Ankauf von Zusatznahrungs 
mittel überwiesen werden. Gegen ihren Willen kann die Arbeits 
prämie als Disziplinarstrafe oder als Ersatz für böswillig oder mut 
willig an Anstaltseigentum angerichteten Schaden, oder, wenn sie 
aus der Anstalt entwichen sind, eingezogen werden. 
Tie Höhe des Ueberverdienstes bei den Männern beträgt meist 
10 für den Arbeitstag, für einige geringe Arbeiten dagegen 5 und 
3 3), bei den gleichfalls unter Berücksichtigung der Arbeitsschwierig 
keit 6, 5 und 3 3). Im Filialhospital erhalten die dorthin zu Reini 
gungsarbeiten geschickten männlichen Korrigenden 15 für Ueber 
verdienst pro Tag. 
Einer besonderen Ucberverdienstkasse liegt die Gutschreibung, Auf 
bewahrung und Auszahlung der Arbeitsprämie ob. 
Der Jahresabschluß der Ueberverdienstkasse weist nach: 
Am Beginn des Berichtsjahres einen Bestand von . . 28 358,21 Jt, 
Hierzu Einnahme 49 345,48 - 
Dagegen Ausgabe 48 914,87 
Am Schluß einen Bestand von 28 789,12 Jt. 
Die Einnahmen und Ausgaben verteilen sich folgendermaßen: 
Einnahme. 
a) Aus den Arbeitslisten sich ergebende Ueberverdienstbeträgeff 
1. von den Arbeitgebern außer dem Arbeitsverdienst gezahlt: 
für Arbeiten auf den Rieselfeldern .... 28 099,7« Jt, 
für sonstige Arbeiten außerhalb der Anstalt . 424,7« - 
- - - innerhalb - - . 456,02 - 
Arbeiten für Beamte des Arbeitshauses . . 539,16 - 
2. von der Arbeitshausverwaltung aus eigenen Mitteln 
gewährt: 
für die in der Arbeitshausbäckerei beschäftigten 
Häuslinge . 324,oo - 
für die in der eigenen Landwirtschaft Be 
schäftigten 140,60 - 
für die übrigen in der Hauptanstalt beschäftigten 
Häuslinge 11 972,67 
Summe des während der Hafk gutgeschriebenen 
Ueberverdienstes ......... 41 956,so Jt, 
b) ferner Beträge, die aus Gefangcnenanstalten bei der 
Einlieserung oder sonst von Behörden und anderen 
Personen zur Gutschreibung für Häuslinge ein 
gegangen sind ' 7 388,68 
Summe der Einnabme 49 345,48 Jt. 
Ausgabe. 
a) Zum Ankauf von Zusatzverpslegung 10 355,84 Jt, 
b) Briefporto, Bestellgeld . . . 123,41 - 
c) für erbetene Neuausfertigung von Militärpapieren 
und für Pässe 269,es - 
d) für erbetene Einlösung oder Verlängerung des Ein 
lösungsrechts verpfändeter Sachen 5,62 - 
e) aus dem Ueberverdienst eingezogene Transporttosten 306,20 - 
f) zum Ersatz des Wertes von böswillig oder aus 
Unachtsamkeit oder teilweise vernichteten oder in 
Verlust gebrachten Sachen 1 613,91 - 
g) für angekaufte Kleidungsstücke, Leibwäsche, Schuh 
werk, behufs Ausstattung bei der Entlassung . . 3 023,7« - 
b) Beträge, die an Behörden zur Auszahlung an ent-. 
laffene Häuslinge abgeliefert sind 87,30 - 
i) Beträge, die bei der Entlassung an die Häuslinge 
ratenweise ausgezahlt sind 33 129,oo 
Summe der Ausgabe 48 914,57 Jt. 
In einzelnen Fällen, z. B. wenn wegen andauernder Krankheit 
nur ein geringer Ueberverdienst gutgeschrieben war, oder zur Beloh 
nung für besonderen Fleiß bei tadelfreier Führung können ferner aus 
Mitteln, die für diesen Zweck ausgeworfen sind, Unterstützungen 
bei der Entlassung gewährt werden. In dieser Weise wurden an 95 
Personen 495,1» M gegeben. 
4. Seelsorge. 
In der Anstaltskirche ist an jedem Sonn- und Feiertag evan 
gelischer Gottesdienst und am Christ- und Sylvesterabend eine litur 
gische Feier. Den Hospitaliten ist der Besuch des Gottesdienstes in ihr 
freies Belieben gestellt.
	        
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