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Volume No. 22. Bericht über die Verwaltung der Gemeindefriedhöfe

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

verwaltungsbericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ltatsjahr 1909. 
Ai 22. 
HZerichL über die Werwattung öer Hemeinöefrieöhöfe- 
1. Allgemeines. 
Kurz nach Beginn des Berichtsjahres trat die bereits im Bor- 
bericht erwähnte Verstärkung des Kuratoriums für das Bestattungs 
wesen von 3 auf 6 Mitglieder ein. AIs Magistralsmilglied trat Stadt 
rat Düring in das Kuratorium ein, während von der Stadtverord- 
netcnversammlung die Stadtverordneten Galland und Gohlicke zu 
Mitgliedern gewählt wurden. Mit dem Ablaufe des Kalenderjahres 
1909 schied dann Stadtverordneter Weiß, der in seiner langjährigen 
Tätigkeit im Kuratorium besonders die Angelegenheiten des Friedhofes 
in Friedrichsselde bearbeitet hatte, aus. An seiner Stelle wählte die 
Stadtverordnetenversammlung den Stadtverordneten Leid zum Mit 
glied des Kuratoriums. Gegen Ende des Berichtsjahres wurde noch 
Magistralsassessor Licbrecht dem Kuratorium beigeordnet. 
Die im Vorbericht bereits erwähnten Verhandlungen über den 
Erwerb von Friedhofsgelände bei Buch-Karow wurden im Berichts 
jahre soweit gefördert, daß sie im Juni 1910 endgültig abgeschlossen 
werden konnten. Danach sind jetzt etwa 300 Morgen Gelände von 
der Äanalisalionsdepntation und ein daran angrenzendes kleineres 
Landstück von einem Privatbesitzer zum Zwecke der Friedhofsanlage 
erworben worden. Die weiteren Mastnahmen sind mit möglichster 
Beschleunigung eingeleitet worden, sodatz in etwa einem Jahre voraus 
sichtlich der Friedhof in Benutzung genommen werden kann. 
Die in Schöneberg und Rirdorf durchgeführte Kommunalisierung 
des Leichenfuhrwesens hat auch dem Kuratorium Anlaß gegeben, sich 
im Berichtsjahre eingehend mit dieser Frage zu beschäftigen. Die Ver 
handlungen darüber sind indesien noch nicht zum Abschluß gelangt. 
Ebenso schweben noch die im Berichtsjahre eingeleiteten Verhand 
lungen über eine Veränderung der Gebührenorduung, sowie über eine 
neue Fassung der Bcsuchsordnung für die Gemeindefriedhöfe. 
2. Der städtische Friedhof in Friedrichsfelde. 
Im Laufe des Berichtsjahres wurde für die Bewässerung des 
Friedhofes die Elektromotoranlage in Gebrauch genommen, die in dem 
früher zur Wasserbeförderung benutzten Windmotorgebäude eingerichtet 
worden ist. Auch die zur Entwässerung der auf dem Friedhofe be- 
findlichenGebäude dienende Anlage, die an die Kanalisation von Lichten 
berg angeschlossen ist. konnte im Berichtsjahre abgenommen werden. 
Die seinerzeit dem Verein für Feuerbestattung zur Einrichtung 
eines Urnenhains zur Verfügung gestellte Fläche bei der Urnenhalle 
wurde nach Vereinbarung mit dem Verein wieder für allgemeine 
Friedhofszwccke in Anspruch genommen, da der erwartete Bedarf an 
Urnengrabstellen daselbst nicht eingetreten war. Der Verein hat auf 
dem Friedhofe in der Gerichtsstraße bei der dort besindlichen Urnenhalle 
eine zur Anlage eines Urnenhains genügende Fläche zur Verfügung. 
In weiteren Verhandlungen mit der Eisenbahndirektion gelang 
es, eine Abänderung der im Vorbericht erwähnten Entschließung dahin 
zu erreichen, daß jetzt eine genügende Anzahl von Zügen der Berlin- 
Wriezener Eisenbahn in der Station „Friedhof Friedrichsfelde" hält, 
und zwar zu den für die Besucher des Friedhofes besonders geeig 
neten Zeiten. 
Das in den Vorberichten erwähnte Friedhofsportal ist nahezu 
fertiggestellt. 
Erdbestattung: 
Im Laufe des Berichtsjahres wurden beerdigt^ 
a) Für Rechnung der Stadtgemeinde . . 1 855 Erwachsene, 
und . . . . . 2 522 Kinder. 
ferner eingeäscherte Reste von 
d) auf Wahlstellen und in Reihengräbern 
und 
452 Anatomieleichen, 
950 Erwachsene, 
255 Kinder. 
Mithin wurden insgesamt beerdigt . . 0034 Personen. 
Von der Eröffnung des Friedhofes am 21. Mai 1881 bis zum 
31. März 1910 sind auf dem Friedhofe 98105 Personen beerdigt 
worden. Die Zahl der Beerdigungen schwankte in den Jahren 1882 
bis 1897 zwischen 2500 bis 3000 jährlich hin und her. Erst von 
diesem Zeitpunkte ab läßt sich eine regelmäßige Steigerung in der An 
zahl der Beerdigungen verfolgen, wie aus nachstehenden Zahlen zu 
ersehen ist: 
1898 3 118 Beerdigungen, 
1899 3 598 
1900 4 665 
1904 4 621 
1907 5 181 
1908 5 720 
1909 6 053 
In den nicht erwähnten Zwischenjahren hielt sich die Zahl auf 
gleicher Höhe mit dem Vorjahr oder ging sogar ein wenig zurück. 
Auffallend ist die starke Steigerung in den letzten 3 Jahren. 
Bei der Bestattung von Freileichen war in 1088 Fällen Gefolge 
und in 263 Fällen ein Geistlicher zugegen. 
Unter den im Berichtsjahre beerdigten Leichen befanden sich 73 
von unbekannten Personen, deren Identität nicht festzustellen war, und 
zwar 43 männliche und 30 weibliche Leichen. 
An Familienbegräbniffen wurden im Berichtsjahre 18. einschließlich 
7 Urnennischen, erworben, sodaß jetzt 161 besonders angelegte und 
eingefriedigte derartige Begräbnisstellen vorhanden sind. 
Zu den bisher vorhandenen Familienbegräbniffen. für die seitens 
der Stadtgemeinde infolge der Einzahlung von Ablösungskapitalien die 
Unterhaltung und Pflege übernommen worden ist, sind im Berichtsjahre 
zwei weitere hinzugekommen, sodaß jetzt vier derartige Familienbe- 
gräbnisse gepflegt werden müffen. Die Gräber der Brüder L'Abaye 
werden ebenfalls, und zwar auf Rechnung der Armendirektion, die die 
L'Abaye'schen Stiftungen verwaltet, gepflegt. 
Feuerbestattung. 
In der vom Verein für Feuerbestattung auf dem Friedhofe er 
richteten Urnenhalle sind 47 neue Urnen mit Brandresten aufgestellt, 
dafür 11 Urnen entfernt und in die Urnenhalle in der Gerichtstraße 
gebracht worden. Außerdem ist die Beisetzung von 19 Urnen auf dem 
Friedhofe in und über der Erde erfolgt. Insgesamt besinden sich jept 
in der Urnenhalle und auf dem Friedhofe 506 Urnen feuerbestattcter 
Leichen. 
Gärtnerische Verwaltung. 
Die besondere gärtnerische Verwaltung des Friedhofes ist im 
Berichtsjahre bei der Parkdeputation verblieben. Die auf Uebernahme 
der Fürsorge für die gärtnerischen Anlagen durch das Kuratorium 
abziehenden Verhandlungen schweben noch. 
Insgesamt sind im Berichtsjahre für die Unterhaltung dieser An- 
lagen (Auslichten zu dicht gewordener Anpflanzungen, Düngen und 
Bewässern der Rasenflächen, Ausbeffern der schadhaft gewordenen Wege- 
zöge) verausgabt worden 20 169 JC, darunter 16 979 M für Arbeits- 
löhne und 3 190 Jt. für Gerätschaften. Material und dergl. 
3. Die Leichensamiiirlstelle und der Verbrennuugsofen in der Diestrl- 
meyerstraße. 
Die Herstellung des Warteraumes im Gebäude der Leichensammel 
stelle neben der Kapelle ist beendet worden. Ein Umbau der den 
Anforderungen nicht mehr genügenden Fahrstuhlanlage (zur Förderung 
der Särge ans dem Keller) ist in Aussicht genommen. Die Leichen- 
sammelstelle dient als Hanptsammelplap für alle Leichen, die auf Kosten 
der Sradtgcmciiide beerdigt werden (sogenannte Freileichen). Diese
	        
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