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Volume No. 20. Bericht über die städtischen Heimstätten

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

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Nr. 20. Heimstätten. 
41 bis 50 Jahren 14, 
51 • 60 - 5, 
61 - 70 . 2, 
über 70 - —, 
Zusammen 145. 
21 über 25 Jahre alte Pfleglinge hattenAihrer Militärpflicht 
bis zu Ende genügt, 13 waren wegen allgemeiner Schwäche, ins 
besondere der Brust, 20 aus anderen Ursachen, 17 aus ihnen un 
bekannten Gründen, je 1 auf Reklamation bezw. als überzählig frei 
gekommen, 3 waren Ersatzreservisten. Die Ehefrau war in 5 Fällen 
zur Zeit lungenleidend und in 2 anderen daran gestorben und in 
weiteren 42 Fällen war Erblichkeit bezw. Gelegenheit zur Infektion 
nachweisbar. 
In städtischen Heimstätten für Brustkranke waren 24 Pfleglinge 
einmal, 4 Pfleglinge zweimal und 1 Pflegling zehnmal gewesen, 
letzterer, über den auch im vorigen und vorvorigen Jahresberichte 
berichtet worden ist und der außerdem bereits seit 1902 Invaliden 
rente erhält. In Lungenheilstätten der Landesversicherungen waren 
16 Pfleglinge einmal und ein Pflegling zweimal gewesen. Ein 
Pflegling war einmal auf eigene Kosten in Görbersdorf gewesen. 
Auf Kosten ihrer Krankenkassen waren vordem je ein Pflegling in 
der Stockemann-Stiftung in Schleusingen bezw. im Krankenhause 
„Herr, Hilf!" in Schreiberhau gewesen. 5 Pfleglinge waren in einer 
Walderholungsstätte, 2 in der städtischen Heimstätte Heinersdorf, 
1 in einer Kinderheilstätte, 2 waren einmal und einer zweimal in 
einer Ferienkolonie, 7 in einem Sanatorium der Landesversicherungs 
anstalten, 2 in der Beobachtungsstation der Landesversicherung in 
Lichtenberg gewesen. Bei 5 Pfleglingen schwebte der Antrag auf 
Uebernahme des Heilverfahrens durch die Landesversicherung, von 
denen er bei 4 noch während ihres hiesigen Aufenthaltes in der Weise 
erledigt wurde, daß einer nach Lichtenberg auf die Versuchsstation, 
die 3 anderen direkt in die Lungenheilstätte der Landesversicherung 
von hier aus hinkanien. Außer dem oben erwähnten erhielten noch 
2 weitere Pfleglinge Invalidenrente, während 2 Unfallrente bezogen. 
Von Neurasthenie abgesehen war das Leiden kompliziert je vier 
mal mit Knphoskoliose bezw. vorher durchgemachtem Unfall, bezw. 
hier hinzutretender Halsentzündung, je dreimal mit Herzfehler, bezw. 
chronischen, Mittelohrkatarrh, bezw. hier auftretenden Lungenblutungen, 
je zweimal mit Blinddarmreizung, bezw. Hämorrhoiden, je einmal 
niit Taubstummheit, bezw. tuberkulöser Wirbelsäulenerkrankung, bezw. 
hier inzidierlcm Panaritinm In 8 Fällen war eine vorzeitige Ent 
lassung erforderlich und zwar je einmal wegen Krätze, bezw. starker 
Ohreiterung, bezw. starker Hämorrhoiden, die chirurgische Behandlung 
erforderten. 
Die Behandlungsmethoden anlangend kann auf die früheren 
Jahresberichte verwiesen werden, denn die Behandlung der Pfleglinge 
bewegte sich in den seit Jahren bewährten Normen: daß hierbei das 
hygienisch-diälctische Heilverfahren, insbesondere hydrotherapeutische 
Maßnahmen im Vordergründe standen, ist so selbstverständlich, daß 
es nicht erst erwähnt zu werden braucht; ebenso werden mit den 
Pfleglingen nach Bedarf und mit ihrer Zustimmung Tuberknlinkuren 
eingeleitet, sodaß ein weiterer Ausbau der Heimstätten nach diesen 
Richtungen hin sich vollkommen erübrigt. 
Bei den 145 Pfleglingen war vorliegend: 
L Stadium (Turban jc.) bei .... 182, 
II. - .... 5. 
III. - - 
Brustfellentzündung ohne nachgewiesene Tuber 
kulose bei 1, 
Chronischer Bronchialkatarrh, Emphysem, Asthma 
bei 7, 
zusammen 145. 
2 von den 145 Pfleglingen wurden nicht gebessert, die übrigen 
gebessert entlassen. 
Dem Berufe nach waren: 
Arbeiter 1 
Bäcker 2 
Barbier 3 
Bankbeamter 1 
Bierbrauer 1 
Bohrer 1 
Bühnenarbeiter .... 1 
Buchbinder 1 
Buchdrucker 1 
Chauffeur 1 
Drechsler 1 
Dreher 2 
Fahrstuhlführer .... 1 
Farbendreher 1 
Former 1 
Fräser 1 
Futterausgeber .... 1 
Gasarbeiter ..... 4 
Galvaniseur ..... 1 
Gerber 1 
Graveur 1 
Gürtler 5 
Hausdiener 5 
Holzbildhauer 2 
Kaufmann 9 
Kellner 2 
Klempner 1 
Knopfarbeiter 1 
Kontorbste 1 
Kontorist 1 
Kontrolleur 2 
Kutscher 3 
Laboratoriumsdiener . . 1 
Laternenanzünder ... 1 
Lederstanzer 1 
Lederzuschneider .... 2 
Maler 3 
Maurer 2 
Maschinenarbeiter . . . 
1 
Steinsetzer . . 
1 
Maschinist 
1 
Steindrucker 
1 
Mechaniker 
1 
Tapezier . . 
2. 
Metallarbeiter 
3 
Tischler . . . 
17 
Monteur 
2 
Vergolder . . 
1 
Packer 
1 
Wagenwäscher. 
1 
Postbote 
3 
Weichensteller . 
1 
Postillon 
1 
Weißgerber. . 
1 
Postschaffner 
1 
Weißmacher . 
1 
Revolverdreher .... 
1 
Werkzeugmacher 
1 
Rohrleger 
2 
Zapfer . . . 
1 
Schlosser 
10 
Zimmermann . 
1 
Schneider 
8 
Zuschneider. . 
1 
Schreiber 
1 
Zwicker . . . 
1 
Schriftsetzer 
1 
Ohne Beruf . 
1 
Schuhmacher 
Schüler 
1 
4 
zusammen 
145 
Stellmacher 
1 
Gütcrgotz, im Juni 1910. 
vr. Dan s. 
g) Buch. 
Die Heimstätte für Brustkranke in Buch nahm vom 1. April 1909 
bis zum 31. März 1910 904 Pfleglinge neu auf. Im Bestände 
waren beim Beginn 146, am Schluß des Jahres 134 Pfleglinge, 
sodaß 916 entlassene Pfleglinge dem Bericht zugrunde liegen. 
Voll belegt war die Anstalt nur während der ersten vier Monate, 
der niedrigste Bestand war einmal im Oktober mit 90 Pfleglingen. 
Von den Aufnahmen kamen 139 aus städtischen Krankenhäusern, 
das sind 15,2 v. H- Bergl. Tabelle I. 
Ueber Alter und Beruf der Pfleglinge geben Tabelle II und III 
Auskunft. 
Von den Pfleglingen halten 92 schon eine einmalige, 16 eine 
2 5 malige Heimstättenkur, 113 eine einmalige und 11 eine 2—3 malige 
Heilstättenkur, zumeist in Beelitz, und 29 sowohl Heimstätten- wie 
Heilstättenkuren durchgemacht. Bei 73 hatte die Landesversicherungs- 
anstalt Berlin nach vorhergegangener körperlicher Untersuchung die 
Uebernahme des Heilverfahrens abgelehnt. 41 Pfleglinge bezogen schon 
Invalidenrente, 11 Unfallrente und 3 Militärinvalidenrente. 
Von 573 über 25 Jahr alten Pfleglingen hatten 181 als Soldat 
mit der Waffe gedient. .-231 waren wegen allgemeiner oder Schwäche 
der Brust, und 128 wegen anderer körperlicher Fehler für den Militär 
dienst untauglich gewesen, 8 waren auf Reklamation, 3 als überzählig 
freigekommen. 3 waren wegen ihres Lungenleidens invalidisiert, 
17 waren dem Ersatz und 2 dem Landsturm überwiesen. 
30 Pfleglinge verließen die Anstalt innerhalb der ersten 14 Tage 
wieder auf eigenen Wunsch und zwar 14, weil es ihnen in der Anstalt 
nicht gefiel, 4 wollten ihre Arbeit wieder aufnehmen, 7 wegen häus 
licher Verhältnisse, 1 ohne Angabe eines Grundes, 1 wollte in eine 
Nervenheilanstalt und 3 kehrten vom Urlaub nicht zurück. 
16 Pfleglinge wurden während der ersten 14 Tage wieder ent 
lassen und zwar 7, weil sie zu krank waren, oder noch an anderen 
Krankheiten litten, die in der Heimstätte grundsätzlich nicht behandelt 
werden, 1 weil die Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnte, 1 weil 
er sich auf Grund der für seinen gleichnamigen Sohn ausgestellten 
Bewilligung statt dessen hatte aufnehmen lassen, und 7 aus sonstigen 
Gründen. 
Auch während der späteren Zeit ihrer Kur unterbrachen häufig 
Pfleglinge diese, teils aus häuslichen Gründen, teils weil ihnen bei 
längerem Fortbleiben der Verlust ihrer Arbeitsstelle drohte, oder weil sich 
ihnen eine Arbeitsgelegenheit geboten hatte. Sehen doch viele Pfleg- 
linge in den Heimstätten einen Aufenthaltsort bei vorhandener Arbeit», 
losigkeit und nehmen ohne Rücksicht auf ihr körperliches Leiden eine 
sich ihnen bietende Arbeitsgelegenheit an. 
Auch aus disziplinären Gründen mußten eine Anzahl Pfleglinge 
entlassen werden vor Ablauf der bewilligten Aufenthaltsdauer. 
870 über 14 Tage in der Anstalt verpflegte Kranke blieben zu- 
sanimen 47154, durchschnittlich 54,2 Tage und nahmen in der Zeit 
zusammen 4094,o oder durchschnittlich 4,7« kg an Körpergewicht zu. 
Die Gewichtszunahmen bewegten sich bei 430 Pfleglingen 
zwischen 0 und 5, bei 327 bis 10, bei 55 bis 15, bei 4 bis 20 kg. 
Die größte Zunahme betrug 22,5 kg. 17 Pfleglinge hatten weder 
zu- noch abgenommen, 19 hatten abgenommen und 18 waren wegen 
ihres leidenden Zustandes nicht gewogen worden. 
An Komplikationen bestanden bei der Aufnahme bei 3 Kranken 
Bronchitis putrida, bei 7 chronischer Nasenrachenkatarrh, bei 4 Stink 
nase, bei 3 eitrige Mittelohrentzündung, bei 5 Asthma, bei 11 Herz 
fehler, bei 5 chronischer Gelenkrheumatismus, bei 8 chronischer 
Magenkatarrh, bei 11 Nervenschwäche, bei 1 Nervenentzündung nach 
Diphtherie, bei 1 Paralyse, bei 1 Veitstanz, bei 1 vollständiger Zahn- 
mangel, bei 1 Knochentuberkulose, und bei 4 Darmtuberkulose und 
bei 17 Kehlkopftuberkulose. 8 Bandwürmer wurden mit Erfolg ab- 
getrieben.
	        
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