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Volume No. 9. Bericht über das städtische Fach und Fortbildungsschulwesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1909 (Public Domain)

Nr. 9. Fach- und Fortbildungsschulwesen. 
8 
1' 
richte zugrunde gelegt werden können. Dadurch wird eine planmäßige 
Arbeit in der Fortbildungsschule ermöglicht werden. Es wird an 
gestrebt, für die einzelnen Berufsgruppen Beiräte aus Männern der 
Praxis zu bilden, soweit solche Beiräte noch nicht bestehen, damit die 
Verbindung mit dem gewerbtätigen Leben möglichst gewahrt bleibe. 
Um den Männern der Praxis Gelegenheit zu geben, einen Ein 
blick in den Unterrichtsbetrieb der Pflichtfortbildungsschule zu erhalten 
und im Anschluß daran, um festzustellen, ob die Klagen begründet 
seien, die von einem kleinen Kreise von Berliner Interessenten dem 
Ministerium für Handel und Gewerbe vorgetragen worden waren, 
fanden im Einvernehmen mit der Deputation Besichtigungen einer 
Anzahl Pflichtfortbildungsschulen durch den Vertreter des Ministeriums, 
Geheimen Oberregierungsrat vr. von Seefeld, in Begleitung des 
Landesgcwerberats vr. Kühne statt. Zu diesen Besichiigungen waren 
Vertreter der einzelnen Gewerbe eingeladen und erschienen. Als Er 
gebnis der Besichtigungen konnte festgestellt werden, daß die Klagen 
einzelner Jnteressentengruppen unbegründet, daß vielmehr in allen 
Fällen ein Zusammenarbeiten zwischen Gewerbe und Fortbildungs- 
schule, zwischen Fortbildungsschule und Fachschule angestrebt und bei 
einer ganzen Reihe von Gewerben auch bereits erreicht sei. 
Lehr- und Lernmittel. 
Die Ausstattung der Klassen mit Lehrmitteln ist weiter gefördert 
worden, wird aber erst auf Grund der endgültigen Lehrpläne voll 
ständig durchgeführt werden können. 
Auch im laufenden Jahre sind wir hierbei durch wertvolle Zu 
wendungen aus dem Kreise der Gewerbetreibenden unterstützt worden. 
Ebenso möchten wir dankbar anerkennen, daß uns auch wieder eine 
Anzahl von Fachzeitschriften zur Information für die Lehrer laufend 
unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sind. 
Von dem für die Hand des Schülers bestimmten, von mehreren 
unserer Direktoren herausgegebenen Rechenwerk „Die Praxis des 
gewerblichen Rechnens" erschienen wieder einige weitere Hefte, die 
gleichfalls zur Erprobung in den betreffenden Berufsklassen zu 
gelassen wurden. 
Der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Berlin hat uns den 
vom Vorsitzenden der Anstalt, Dr. jur. Freund, herausgegebenen 
„Wegweiser durch das Jnvalidenversicherungsgesetz" in einer aus 
reichenden Anzahl von Exemplaren unentgeltlich zur Verfügung ge 
stellt, so daß wir jedem neu eintretenden Schüler und Lehrer ein 
Enmplar übergeben können. Auch diese Zuwendung, obwohl sie 
gleichzeitig in, Interesse der Landesvcrsicherungsanstalt liegt, bedeutet 
eine wertvolle Bereicherung unserer Unterrichtsmittel, die wir dankbar 
anerkennen. 
Unterrichtszeit. 
Das Schuljahr umfaßt 40 Unterrichtswochen. Die Unterrichts- 
dauer beträgt für die kaufmännischen und die gewerblichen Lehrlings 
klassen wöchentlich 6 Stunden, für die ungelernten Arbeiter und ein 
zelne Berufe, die des Zeichnens nicht bedürfen, 4 Stunden. 
Erstrebenswert erscheint uns die Legung dieser Stunden auf zwei 
Wochentage, und zwar möglichst auf je einen Vormittag und einen 
Nachmittag. 
Bei dem Mangel ausreichender eigener Schulgebäude und dem 
Widerstreben verschiedener Innungen und anderer Gewerbevertretungen 
sind wir jedoch gezwungen, in diesem Punkte zunächst noch weit 
gehende Konzessionen zu machen. 
Die im Vorjahre erwähnte, versuchsweise eingeführte Zusammen 
legung des ganzen Unterrichts auf einen Tag wöchentlich hat im 
Kreise der Schulleiter und Lehrer keine Anhänger mehr. Wir werden 
daher dieses Zugeständnis an die Arbeitgeber nach und nach wieder 
rückgängig machen. 
Ferien. 
Bei der Festsetzung der Ferienordnung wurde wiederum auf die 
Wünsche der verschiedenen Berufsgruppen weitgehendste Rücksicht ge- 
nommen. Die Weihnachtsferien sind fast allgemein erheblich ver 
längert und für die sogenannten Saisongewerbe sind längere Ferien 
für die Hauptsaison festgesetzt worden, trotzdem, wie bereits im Vor 
jahre bemerkt, der Schulbelrieb dadurch erheblich erschwert wird. 
Unterrichtserfolge. 
Infolge des im Eingänge des Berichtes erwähnten zeitweisen 
Fehlens eines gesetzlichen Zwangsmittels haben sich auch die Unter- 
richtserfolge, namentlich in den Klaffen der ungelernten Arbeiter, nicht 
gebeffert. 
Daneben üben nach wie vor die durch Verzug, Arbeits- 
Wechsel usw. bedingten häufigen Umschulungen im Laufe des Semesters 
einen ungünstigen Einfluß aus. 
Lehrer. 
Durch den diesjährigen Etat waren 20 neue Stellen für Haupt- 
amtliche Fortbildungsschullehrer genehmigt worden, die Gesamtzahl 
der Stellen ist hiermit auf 45 gestiegen. 44 Stellen wurden im 
Laufe des Jahres besetzt. 
Durch die allgemeine Gehaltserhöhung wurde auch das Gehall 
der Fortbilduugsschullehrer auf 3 100 M, steigend in 27 Jahren auf 
5 450 Jt, erhöht. 
Nebenamtlich waren im Sommerhalbjahr 791, im Winterhalb 
jahr 755 Lehrkräfte beschäftigt. 
Die Verteilung der Lehrer auf die einzelnen Bezirke und ihre 
Stellung im Hauptberuf ergibt die nachfolgende Zusammenstellung: 
Sommerhalbjahr 1909. 
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Nebenamtlich beschäftigt 
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Privatlehrer 
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I 
4 
61 
1 
7 
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8 
81 
II 
4 
— 
48 
1 
6 
8 
4 
71 
III 
4 
61 
3 
3 
— 
— 
8 
79 
IV 
5 
— 
51 
— 
10 
— 
— 
66 
V 
2 
— 
80 
1 
6 
— 
2 
14 
105 
VI 
4 
— 
63 
1 
2 
5 
2 
8 
85 
VII 
4 
— 
70 
— 
3 
1 
10 
88 
VIII 
3 
1 
59 
— 
— 
— 
— 
28 
91 
IX 
4 
— 
81 
1 
5 
— 
4 
— 
95 
X 
3 
— 
51 
1 
— 
6 
— 
6 
67 
Se. 
37 
1 
625 
9 
42 
20 
8 
86 
828 
Winterhalbjahr 1909. 
I 
6 
— 57 
5 
— 
7 
75 
II 
4 
- 42 
1 
6 
8 
— 
3 
64 
III 
5 
— 61 
2 
4 
— 
8 
80 
IV 
5 
— 46 
— 
9 
— 
— 
60 
V 
2 
— 75 
2 
6 
5 
2 
14 
106 
VI 
5 
— 59 
1 
2 
4 
3 
9 
83 
VII 
4 
— 66 
— 
3 
1 
10 
84 
VIII 
3 
— 56 
— 
— 
— 
— 
24 
83 
IX 
5 
— ! 79 
1 
4 
— 
5 
— 
94 
X 
5 
— | 52 
2 
9 
— 
2 
70 
Se. 
44 
— | 693 
9 
39 
27 
10 
77 
799 
Lehrerausbildungskurse. 
Auch im laufenden Jahre waren zur Heranbildung geeigneter 
Lehrkräfte 5 000^ vorgesehen. 
Hiervon überwiesen wir 1000 M der Vereinigung für Wirtschafts 
und Gewerbekunde, wodurch die Teilnahme von 60 Lehrern an den 
Kursen dieser Vereinigung ermöglicht wurde. 
Der Rest von 4 000 M ist hauptsächlich zur Erweiterung und 
Vertiefung der in früheren Jahren abgehaltenen Kurse verwendet 
worden. 
Etat. 
Der Etat für 1909 erforderte einen Zuschuß von 878 975 Ji 
gegen 927 180 M im Etatsjahr 1908. 
Die Minderausgabe von 53 205^ ist durch den Fortfall bezw. 
die Ermäßigung der in den Vorjahren bewilligten, durch die Neu 
einrichtung bedingten Extraordinarien eingetreten. 
Frequenz. 
Wir haben bereits im Eingänge des Berichts hervorgehoben, 
daß die Gesamtfrequenz sich nur um 1 968 im Sommerhalbjahr und 
1 112 im Winterhalbjahr gegen die entsprechenden Semester des 
Vorjahres gehoben hat. 
Die Verteilung der Frequenzen auf die einzelnen Bezirke und 
die verschiedenen Berufe ist aus den am Schluffe dieses Abschnitts 
abgedruckten Frequenzübersichten ersichtlich. 
Ferner lassen wir eine erstmalige Statistik über den Schulbesuch 
folgen, aus der wir zwar noch keine endgültigen Schlüsse ziehen 
wollen, die aber bereits interessante Zahlen bietet. 
Die Sollklassenbesetzung betrug im Durchschnitt 
im Sommerhalbjahr 31,s, 
- Winterhalbjahr 32,s, 
die Jstklassenbesetzung 
im Sommcrhalbjahr 26,8, 
- Winterhalbjahr 28,o 
oder in Prozenten: 
im Sommerhalbjahr 85,e v. H, 
* Winterhalbjahr 86,7 • 
Die Prozentzah cn werden noch wesentlich günstiger, wenn wir 
die Klaffen der ungelernten Arbeiter herausnehmen, denn in diesen 
betrug der Schulbesuch nur 79,8 v. H. im Sommer- und 81,3 im 
Winterhalbjahr.
	        
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