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Volume No. 46. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

No. 46. 
Feuerwehr. 
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Eauchschutzapparaten bewerkstelligt werden konnte, mußte der Hauptangriff 
von der in Höhe des Dachgeschosses um das ganze Opernhaus herumlaufenden 
Galerie vorgenommen werden. 
Das Feuer, das hauptsächlich eine von dem Dachboden durch Latten- 
verschläge abgetrennte Lampenkammer mit Inhalt, sowie die anliegenden 
Teile des Dachstuhls in Mitleidenschaft gezogen hatte, konnte nach ungefähr 
einer Stunde Löscharbeit als auf den Herd beschränkt angesehen werden. 
Es waren 5 Rohre in Tätigkeit, während eine große Anzahl weiterer 
Rohre auf allen Seiten des Opernhauses zum Angriff bereit lagen, um das 
etwa weiter um sich greifende Feuer sofort abschneiden zu können. 
Das Feuer ist wahrscheinlich durch Unvorsichtigkeit von Klempnern 
entstanden, die unmittelbar vor Ausbruch des Brandes an der Zinkbekleidung 
des Daches Lötarbeiten ausgeführt hatten. 
Von hier ist das Feuer durch die Holzverschalung in die vom Dach 
boden durch Lattenverschläge abgetrennte Lampenkammer gedrungen, wo 
es an einer großen Menge Holzwolle, Regalen usw. reiche Nahrung fand 
und auf den Dachstuhl übersprang. 
Nnr dem Umstande, daß der Brand sofort entdeckt und gemeldet 
worden ist, wodurch ein schnelles Eingreifen der Feuerwehr ermöglicht 
wurde, ist es zu danken, daß das Feuer die auf dem Boden lagernden 
leicht brennbaren Kisten und die anderen, mit brennbaren Materialien an 
gefüllten Verschlüge nicht ergriffen hat. sonst wäre wohl eine Rettung des 
Gebäudes unmöglich gewesen. 
Der am Gebäude entstandene Schaden ist nicht erheblich, auch sind 
Mobilien, Bilder usw. im Konzertsaal nicht beschädigt worden. Es ist 
weder Wasserschaden entstanden, noch haben sich Unfälle bei den Lösch 
arbeiten ereignet. 
Hochbahmmglück an der Trebbiner Straße am 26. September 1908. 
Die erste Meldung von dem Unfall lief um 1 Uhr 46 Minuten nach 
mittags durch Fernsprecher auf der Hauptfeuerwache ein. Sofort wurde 
die in unmittelbarer Nähe der Unfallstelle belegene Kompagniewache 3 
alarmiert, die die Züge 9 und 10 unter einem Offizier zur Hilfeleistung 
entsandte. Zu gleicher Zeit begab sich der Branddirektor im Automobil 
von der Hauptfeuerwache aus zur Unfallstelle. Der auf der Unfallstelle 
zuerst eingetroffene Offizier ließ sofort nach Ankunft das Alarmsignal 
„Mittelfeuer“ geben, worauf noch die Züge 11, 12, 17, 18 und 19 aus 
rückten. 
Ein aus einer Höhe von zirka 10 m auf den Hof der Markt- und 
Kühlhallen abgestürzter, vollbesetzter Wagen III. Klasse der Hochbahn 
hatte sich im Fallen so um seine Längsachse gedreht, daß er mit dem 
Wagendache auf das Pflaster aufschlug. Hierbei wurden das Dach, die 
Wände und die Innenkonstruktionen des Wagens fast vollständig zerstört. 
Das 17 500 kg schwere, aus Eisen bestehende Untergestell des Wagens, 
an dem noch das vordere Drehgestell hing, lag auf den Trümmern. Unter 
den Trümmern befand sich eine größere Anzahl von Personen. 
Unter Benutzung eines der Kühlhallen-Gesellschaft gehörigen großen 
Hebebockes mit Flaschenzug wurde in kurzer Zeit das eiserne Wagen 
untergestell so weit angehoben, daß Mannschaften unter das Wagengestell 
kriechen und mit dem Retten der Verunglückten beginnen konnten. 
Inzwischen hatte der zuerst eingetroffene Offizier die vor dem Wagen 
liegenden Trümmer, und, soweit dies möglich war, auch die unter dem 
Wagen liegenden beseitigen lassen. 
Nach Beendigung dieser Vorarbeiten ging das Rettungswerk schnell 
von statten. Im ganzen wurden von der Feuerwehr 17 Personen unter 
dem Wagengestell hervorgeholt. Von den Geborgenen waren 8 Frauen 
und 3 Männer tot; 6 Frauen und 5 Männer lebten noch. Gegen 2 3 / 4 Uhr 
waren alle Verunglückten hervorgeholt und mit den infolge Benachrichtigung 
durch die Feuerwehr vom Verbände für erste Hilfe sehr schnell und in 
ausreichender Zahl zur Verfügung gestellten Krankenwagen nach den 
Krankenhäusern transportiert. 
Im ganzen sind bei dem Unfall 18 Personen tätlich verunglückt und 
20 Personen verletzt worden. 
Die Entstehungsursache des Unfalles ist fplgende; 
Der vom Leipziger Platz nach der Möckernbrücke fahrende 
Zug hatte das Vorsignal und das auf „Halt“ stehende Hauptsignal 
überfahren. Als er an die Weiche 3 gelangt war. war gleichzeitig 
der Zug von der Bülowstraße an dieser Stelle angekommen und 
stieß mit der linken Vorderecke des vordersten Wagens gegen die 
Mitte des mittelsten Wagens des ersteren Zuges. Durch den Znsamme. st iß 
wurde der vorderste Wagen III. Klasse des Zuges von der Bülowstraße 
nach der Möckernbrücke aus seinem Gleise gedrängt, bewegte sich in 
schräger Richtung zum Gleise weiter über die Viaduktbrüstung hinaus und 
fiel, nach der rechten Seite umkippend, auf den Hof der Gesellschaft für 
Markt- und Kühlhallen, Trebbiner Straße 5/6, wobei der Wagenkasten 
vollständig zertrümmert wurde. Der zweite Wagen — H. Klasse ent 
gleiste ebenfalls und schob sich mit der rechten Vorderecke über die 
Brüstung, blieb aber nach Zerreißung der Kuppelung auf dem Viadukt 
stehen. 
Der vom Leipziger Platz kommende Zug bewegte sieh nach dem 
Zusammenstoß noch etwa 20 m weiter und kam dann zum Stehen. An 
den Wagen dieses Zuges wurden die Drehgestelle zum Teil aus dem Gleise 
gedrückt, die Wagen selbst jedoch nur unerheblich beschädigt. 
Brand in der Handelsstätte Belle-Allianee. 
Ein Brand eines Kinematographen-Filmlagers, der wegen seiner 
Entstehungsursache und Begleiterscheinungen besonders bemerkenswert war, 
entstand am 15. Dezember 1908 vormittags in den Räumen der Firma 
Meßters Projektion G. m. b. H., Lindenstraße 102. Nach den überein 
stimmenden Beschreibungen der Angestellten ist das Feuer dadurch zum 
Ausbruch gekommen, daß in dem in der II. Etage belogenen Trocken 
raume für entwickelte Films "^ein dicht »eben dem Ausgange stehender 
Sack mit etwa 15 kg unbrauchbaren Filmsstreifen ins Gleiten kam und 
hierbei eine von der Decke herabpendelnde Glühlampe, die als Widerstand 
vor den Motor eines kleinen Exhausters geschaltet war, gegen das Schutz- 
gehäuse des Motors preßte. In dem Augenblick, als ein Angestellter den 
Trockenraum betrat, entzündete sich der Sack. die Flammen erzeugten 
einen derartigen Luftdruck, daß der Angestellte einen kräftigen Stoß in 
den Rücken erhielt und nach einem Fenster zu gedrängt wurde. Zura 
Glück war der zweite Ausgang in der Nähe, sodaß er durch ihn flüchten 
konnte. Auch der in dem anstoßenden Kopierraum beschäftigte Arbeiter 
konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, als er sab. daß Stich 
flammen durch die Belichtungsschlitze der Trennungswand eindrangen. 
Die von dem brennenden Filmssacke nach dem Fenster zu schießende 
Flamme erfaßte unterwegs einen Vorrat von etwa 800 m negative? Films, 
die auf einem Tische ausgebreitet lagen und nahm dann ihren Weg durch 
die sehr großen Fenster. Die Flammen schlugen an der Hausfassade 
empor und setzten die Fensterkreuze der III. Etage in Brand. 
Eigentümlich waren die Begleiterscheinungen des Brandes. Beim 
ersten Aufflammen der F.lms entstand ein so starker Luftdruck, daß die 
in dem nebenan liegenden Kontor beschäftigten Personen in dem Glauben 
waren, eine Explosion habe stattgefunden, da die Pressung noch überdies 
mit e nem verpuffenden Geräusch und Aufwirbelung einer Staubwolke ver 
bunden war. Die Wirkung des Luftdruckes zeigte sich in der Brandstelle 
insofern, als eine kleinere, aus Gipsdielen bestehende Zwischenwand größten 
teils umgeworfen war. daß die ebenfalls aus Gipsdielen errichteten Sei reu 
end Rückwand starke Ausbauchungen nach außen zeigten und daß die 
Türfüllungen der dem Brandherde zunächst gelegenen Tür herausge 
schleudert, die der entfernteren Tür gleichfalls stark nach außen durch 
gebogen waren. 
Ein Beweis für die Intensität der bei Zelluloidbränden auftretenden 
Flammen war die Deformierung der eisernen T-Träger, die die Fenster 
stürze trugen. Merkwürdigerweise waren die nach innen liegenden, nur 
durch den Fensterrahmen geschützten Träger unversehrt während die an 
der Außenfläche des Gebäudes liegenden Träger sich stark nach außen 
durchgebogen und in ihren Auflagern derart gelockert hatten, daß sie 
herabzustürzen drohten. 
Auffallend war ferner die Wirkung der Stichflammen, welche durch 
die Belichtungsöffuungen in den Kopierraum hineingeschlagen waren. 
Hier standen hohe hölzerne Kästen, auf deren Boden einige Filmsresle 
völlig verbrannt waren, während' das Holz nur leicht gebräunt war. 
Neben verkohlten Filmsrollen stand eine Pappschachtel mit Zelluloidspänen, 
die unversehrt waren, während bereits die Ecken des Kartons angekohlt 
waren. Ein teilweise aufgespulter Filmstreifen war, soweit er freigespannt 
war, angekohlt, während der bereits aufgerollte Teil sich als unversehrt 
erwies. Eine nachträgliche Brennprobe mit den unversehrt aufgefundenen 
Filmstreifen ergab, daß sie nicht schwerer entflammbar waren als die 
gewöhnlichen Filmsstreifen. Diese Erscheinungen lassen sich daher nur 
dadurch erklären, daß die Stichflammen mit außerordentlicher Schnelligkeit
	        
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