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Volume No. 46. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

Xo. 46. Feuerwehr. 
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Verhängnisvoll war es, daß die Haupttreppe brennbar war und 
brennend einstürzte. Aus der Lage des Treppenhauses und aus dem Aus 
sehen der Treppe mußte angenommen werden, daß es eine Haupttreppe, 
also eine unverbrennliche Treppe war. 
Brand der Alten (Jarnisonkirche. 
Am 13. April 1908. um 7 Uhr 48 Minuten abends, wurde von dem 
öffentlichen Feuermelder ,.An der Spandauer Brücke 1“ Feuer gemeldet, wor 
auf der 1. Zug — Felbelstraße 26/28 — unter seinem Vachvorsteher aus 
rückte. Fine Minute später lief die telephonische Meldung ,. Feuer. Xeue 
Friedrichstraße, Garnisonkii che“ ein. Auf diese Meldung rückte der 20. Zug — 
Fischerstraße 37/38 — aus. Um 8 Uhr 5 Minuten erging von der Brand 
stelle aus der Alarmruf „Garnisonkirche, Mittelfeuer“. Auf diese Meldung 
hin rückten unter Führung des Branddirektors die Züge 2, 13, 14. 17 
und 19 zur Brandstelle. 
Der erste an der Kirche eintreffende Zug fand folgende Situation vor: 
Aus dem Fenster über dem Eingang 11 drang dichter Qualm. Der 
erste Trupp ging über die stark verqualmte Treppe I nach der Orgelempore 
vor, wo er etwa in der Mitte der Orgelnische einen Feuerschein gewahrte. 
Es wurde sofort über die Treppe H, die etwas günstiger zum 
Brandherde lag, eine Schlauchleitung vorgenommen. Bevor jedoch der 
Schlauch zum Wassergeben fertig war, mußten die Leute über die 
Treppe II zurückweichen, weil die Qualmentwicklung außerordentlich 
zugenommen hatte. 
Der Kompagnieführer der V. Kompagnie der inzwischen mit dem 
20. Zuge eingetroffen war. gab mit Rücksicht auf die geringe feuersichere 
Bauart der Kirche sofort die Meldung ,.Mittelfeuer“ ab und ließ unter 
Verwendung von mechanischen Leitern die oberen Teile der Fenster der 
Treppenhäuser I und II einschlagen, um dem Qualm Abzug zu verschaffen. 
Nunmehr konnte auf der Treppe II wieder vorgegangen werden. 
Der bei dem ersten Vordringen in der Orgelnische bemerkte Feuerschein 
war jedoch verschwunden. Es wurde daher die von Treppe II nach dem 
Raume hinter der Orgel führende Tür eingeschlagen. Dort brannten Stühle 
und Holz verschlage, auch konnte ein heftiges Feuer in dem oberen Teile 
des Raumes festgestellt werden. Das Feuer wurde sofort energisch von 
dem ersten Trupp angegriffen. Eine an dieser Stelle vorgenommene zweite 
»Schlauchleitung unterstützte den Angriff' sehr wirksam. 
Unterdessen waren sämtliche Eingangstüren zur Kirche geöffnet 
worden. Beim Öffnen der ersten, gegenüber dem Eingang 2 belegeneu 
Tut ergab sich, daß das Hauptschiff der Kir che bereits total verqualmt war. 
Die übrigen Türen waren sämtlich von innen verriegelt. Die Riegel mußten 
erst von Feuermännern gelößt werden, bevor der Küster die Türen von 
außen öffnen konnte. Durch die geöffneten Türen drangen dichte, schwarze 
Rauchwolken auf die die Kirche umgebenden Straßen, wodurch der Über 
blick auf der Brandstelle außerordentlich erschwert wurde. Es wurde da 
her das Einschlagen der oberen Teile der Fenster an beiden Langseiten der 
Kirche angeordnet. Gleichzeitig wurde dem Führer des unmittelbar vor 
dem Branddirektor eingetroffenen 17. Zuges der Befehl erteilt, mit einem 
Rohr auf der Treppe III. der einzigen, die nach dem Dachboden führt, 
vorzugehen und festzustellen, ob der Dachboden bereits vom Feuer er 
griffen sei. 
Dies war der Stand der Löschoperationen als der Branddirektor um 
8 Uhr 10 Minuten auf der Brandstelle eintraf und das Kommando über 
nahm. Er begab sich sofort in das Innere der Kirche und ließ sich dort 
von dem Kompagnieführer der V. Kompagnie über den Umfang des Brandes 
und die bisher getroffenen Löschmaßregeln kurz Bericht erstatten. 
Auf der Orgelempore sah man durch den Qualm lebhaften Feuer 
schein auf der Altai-seite war ebenfalls bereits Feuer festgestellt worden. 
Von der Decke des Hauptschiffes fielen fortgesetzt Putzteile herab, während 
sich in der Kirche selbst eine unangenehme Hitze bemerkbar machte, die un 
möglich nur durch das Feuer auf der Orgelempore hervorgerufen sein konnte. 
Diese Wahrnehmungen ließen in Verbindung mit der geringen Feuer- 
sicherheit der Deckenkonstruktion hinsichtlich des Schicksals der Kirche zu 
folgendem Schluß gelangen: 
Das Feuer war auf der Orgel zum Ausbruch gekommen, hatte 
das über ihr befindliche dünne, nur aus Rabitzputz bestehende 
Scheingewölbe — siehe Längsschnitt -*r zerstört und die Balken 
lage des Dachgeschosses ergriffen. Zwischen dem Scheingewölbe 
und der Balkenlage angelangt, pflanzte sich das Feuer schnell 
über die ganze Kirche und den Dachstuhl fort. Saß das Feuer 
aber erst einmal im Dachstuhl, so war die Kirche mangels einer 
feuersicheren Deckenkonstruktion verloren, auch erschienen die 
Löschmannschaften aufs höchste, gefährdet. 
Demgemäß wurde folgender Befehl gegeben: 
Niemand betritt das Hauptschiff der Kirche, da die Kronleuchter 
herabstürzen und auch die Decken bald einstürzen werden. Alles 
hält sich gedeckt unter den Emporen auf. Durch sämtliche Ein 
gänge der Kirche sind Rohre vorzunehmen. Die unter den 
Emporen liegenden Räume sind unbedingt zu halten, alle Leitern 
zum Angriff gegen das Dach anzusetzen. 
Dieser Befehl wurde von den Offizieren und Mannschaften schnell 
ausgeführt. 
Kaum standen die Rohrführer an ihren Plätzen als der der Orgel 
zunächst hängende große, schwere Kronleuchter herabstürzte. Der oberste 
Teil des Kronleuchters war weißglühend. Durch die in der Decke ent 
standene Oeffnung konnte man die helle Glut sehen. Immer zahlreicher 
stürzten jetzt von der Decke schwere Putzteile und Stuckverzierungen 
herab, die den Aufenthalt in dem Kirchenschiff lebensgefährlich machten. 
Jeden Augenblick konnte der zweite Kronleuchter herabstürzen, auch war 
die Gefahr des Einsturzes der Balkendecke mit den Scheingewölben sehr groß. 
Der Branddirektor gab daher seinem ersten Adjutanten den Auftrag, 
die gesamte Aufstellung abzugehen und den Befehl, das Kirchenschiff nicht 
zu betreten, allen nochmals einzuschärfen. Er selbst ging durch Portal 9 
in den östlichen Teil der Kirche, um hier persönlich die zum Schutze der 
wertvollen Räume, wie der Kaiserlichen Loge mit ihren Nebenräumem 
der Logen für die Geistlichkeit, des Kontinnaudensaales, der Sakristeien, 
ferner des Altars und der Kanzel erforderlichen Maßnahmen anzuordnen. 
Alsdann begab sich der Branddirektor durch den Konfirmandensaal 
nach dem Treppenhause III. In diesem Treppenhause, dem einzigen, das 
einen Zugang zum Dachboden gewährte, war, wie eingangs berichtet, ein 
Brandmeister mit Mannschaften des 17. Zuges vorgegangen, um festzustellen, 
ob das Feuer bereits den Dachboden ergriffen hätte. Als der Branddirektor 
die stark verqualmte Treppe etwa bis zur Hälfte erstiegen hatte, meldete 
der Brandmeister, daß es auch unter Verwendung von Rauchschutzapparaten 
unmöglich sei, über den obersten, mit Entlüftungsvorrichtungen nicht ver 
sehenen Treppenlaüf in den mit dichtem Qualm angefüllten Bodenraum 
vorzudringen. Aus diesem Grunde und wegen des drohenden Einsturzes 
der Treppendecke ließ der Branddirektor das Treppenhaus 111 ebenfalls 
räumen und die Schlauchleitung zum Schutze der Sakristeien nach dem 
Erdgeschoß vornehmen. Auf die Rettung des über der Sakristei für den 
Küster belogenen Archivs, das von der Treppe III aus zugänglich war, 
mußte zunächst verzichtet werden. Inzwischen war auch de.- zweite Kron 
leuchter herabgestürzt; an mehreren Stellen der Decke war der Rabitzputz 
gänzlich abgefallen, so daß man die lodernde Glut in dem Dachboden er 
blicken konnte. 
Auf der Neuen Friedrichstraße waren mechanische Leitern aufgestellt, 
von denen Leute auf das Dach der Kirche Wasser gaben. Trotz aller 
Bravour vermochten sie jedoch den unter dem Dache wütenden Brand 
weder zu dämpfen noch einzuschränken, weil die Dachdeckung aus Schiefer 
auf Schalung bestand, die nur schwer durchbrennt. 
Letzteres trat gegen 9 Uhr abends zuerst au dein First des Daches, 
in der Nähe des Glockenturmes ein. Dort schlugen plötzlich mächtige 
Flammen aus dem Dache empor, die ganze Umgebung hell beleuchtend. 
Hiermit begann eine neue, sehr ernste Phase des Brandes. Nachdem 
das Feuer erst einmal Luft bekommen hatte, brach es sich mit elementarer 
Gewalt Bahn. Die Flammen erfaßten sofort den Glockenturra, der bald 
darauf einer brennenden Fackel glich. Die von dem Dache ausstrahlende 
Hitze, die selbst für die auf der Straße befindlichen Personen unerträglich 
war. gefährdete die in den engen Straßen dicht an der Kirche stehenden 
Gebäude ganz außerordentlich. Ein starker Funkenregen, untermischt mit 
großen Stücken brennenden Holzes, ging bei heftigem Winde in nordwest 
licher Richtung selbst auf entfernt liegende Gebäude nieder. 
Da nicht vorherzusehen war, wann und nach welcher Richtung der 
in Flammen stehende Glockenturm einstürzen würde, wurde das Signal 
,.Alles schnell zurück" 1 gegeben. Auf das Signal verließen die Leute sofort 
die von ihnen bisher innegehabten Posten und sammelten sich auf den der 
Kirche benachbarten Straßen, wo sie, von den Offizieren zu neuen Trupps 
formiert, zum Schutze der umliegenden Gebäude verwendet wurden.
	        
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