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Volume No. 46. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

Xo. 46 
Feuerwehr. 
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obere Mundstück dient zum Vorwärmen, wird mit Sauerstoff und Wasser 
stoff gespeist und wärmt das Material soweit vor, daß die Oxydation be 
ginnen kaun. Das untere Mundstück wirft einen starken reinen Sauerstoff 
strom auf die vorgewärmte Stelle und trennt das Material augenblicklich 
an der getroffenen Stelle mit einem Schnitt von einigen Millimetern Breite. 
Die unabhängig von der Lage der Eiseuteile anwendbaren Apparate 
sind dazu bestimmt, bei Einsturz von Baulichkeiten, Fahrstuhl- und 
anderen Unfällen, sowie bei Aufräumungsarbeiteu Eisen- und Stahlteile 
ohne Erschütterung zu durchschneiden. Außerdem sind die Apparate in 
den Werkstätten sowohl zum Zerschneiden, wie auch zum Schweißen mit 
Vorteil zu verwenden. 
Versuchsanlage der Deutschen Feuernieldergesellschaft, 
System „Dänin“. 
Eine Versuchsanlage des Feuermeldesystems „Dania“ ist im Juli 1907 
auf der Hauptfeuerwache, Lindenstraße 41, angelegt worden. 
Das System beruht auf Ruhestrom. Tritt eine Schwächung oder 
Unterbrechung des Stromes ein, so werden durch Schluß sekundärer Strom 
kreise verschiedene Signale gegeben. 
Die Melder enthalten zwei verschiedene Apparate aus gebogenen Glas 
röhren. Der eine besteht aus einem geschlossenen, U förmig gebogenen 
Glasrohr (Differential), das im unteren Teil mit Quecksilber und darüber 
in beiden Schenkeln mit Kohlenwasserstoff gefüllt ist. Die Schenkel des 
Rohres haben verschiedene Wandstärken, so daß sich der Kohlenwasserstoff’ 
bei plötzlichen Temperatursteigerungen in beiden Schenkeln verschieden er 
wärmt bezw. ausdehnt, wodurch eine Veränderung des Quecksilberstandes 
bewirkt wird. Der andere ebenfalls aus einem gebogenen abgeschlossenen 
Glasrohr bestehende Apparat (Maximal), ist auf der einen Seite mit Queck 
silber gefüllt, das durch eine leicht schmelzbare Masse in seiner Lage ge 
halten wird. 
Bei beiden Apparaten ragen in die Quecksilbersäule in verschiedenen 
Höhenlagen Platinstifte, durch die ein Stromschluß bewirkt wird. Durch 
das Fallen der Quecksilbersäule wird zunächst ein Widerstand eingeschaltet 
und der Strom geschwächt bei weiterem Fallen wird der Strom ganz 
unterbrochen. 
Der Strom geht von der Batterie durch einen Elektromagneten durch 
die Anlage. Der Magnet enthält zwei Anker, die so eingestellt sind, daß 
der eine bei Verminderung und der andere bei völliger Unterbrechung des 
Stromes abfällt. Ist beim Abfallen des Stromes entsprechend einem geringen 
Herabsinken des Quecksilbers in den Meldern, der Anker (Gefahrsanker) 
von dem Magneten gefallen, so wird der Stromkreis geschlossen und dadurch 
die Glocke (Warnungsglocke) in Tätigkeit gesetzt. Gleichzeitig wird durch 
Fallen der Klappe Gefahr angezeigt. Ist der Strom ganz unterbrochen, 
so fällt auch der zweite Anker (Störungsscheibe) und schließt den Kreis, 
wodurch ebenfalls die Warnungsglocke ertönt. Die Störungs- und Gefahr 
scheibe schließen dann weiter den Kreis. Dadurch wird die Scheibe (Feuer) 
sichtbar und eine zweite Glocke (Feuerglocke) tritt in Tätigkeit. Durch 
Fallen der Feuerscheibe kann gleichzeitig die Leitung nach einem Feuer 
melder geschlossen und die Feuerwehr alarmiert werden. 
Ein Erdschluß oder ein zu starkes Abfallen der Batteriespannung 
werden durch Fallen von Klappen und Ertönen der Warnungsglocke 
angezeigt. 
Ein Leitungsbruch löst den Störungsanker allein aus, ohne daß vor 
her der Gefahrsanker gefallen ist, so daß dadurch keine irrtümliche Feuer- 
meldung erfolgt. Die einzelnen Anzeigevorrichtungen sind in einem 
In dikatorschrank untergebracht. 
In die Anlage sind weiter von Hand ans zu betätigende Melder ein 
geschaltet, bei denen durch Einschlagen einer Scheibe eine Stromschwächung, 
also Gefahrmeldung bewirkt wird, erst beim Drücken auf einen Knopf er 
tönt die Feuerglocke. 
Bei der Anlage auf der Hauptfeuerwache befinden sich in der Turn 
halle der Indiktatorschrank, die Glocken, die Batterie, zwei Handfeuer 
melder und zwei selbsttätige Melder. In der Schmiede und Schlauch 
wäscherei ist je ein selbsttätiger Melder angebracht. Der Indikatorschrank 
ist mit einem im Telegraphenlehrsaal aufgestellten Berliner Feuermelder 
verbunden, der ausgelöst wird, sobald ein Daniamelder in Tätigkeit tritt. 
Die Feuerzeichen laufen auf einem eben dort aufgestellten Morseapparat ein. 
Ein sicheres Funktionieren der Apparate bei allen vorkommenden 
Brandfällen wurde durch vielseitige Versuche festgestellt. 
Es wurden Versuche gemacht mit langsam glimmendem Feuer, wie 
es z. B. bei Fußbodenbränden oder Bränden von Kleidungsstücken und dergl. 
vorkommt, mit hellbrennendem Feuer, entsprechend Holz- und Wohnungs 
bränden und schließlich mit schnell aufflammendem Feuer, entsprechend 
brennenden Flüssigkeiten. Bei diesen Versuchen funktionierten die Apparate 
stets sicher. 
Temperaturänderungen, die durch Beleuchtung und Heizung ver 
ursacht wurden, übten keinen Einfluß auf die Melder aus. 
Die seit Juli 1907 in Betrieb befindliche Anlage wurde täglich geprüft, 
ohne daß sich Mängel gezeigt haben. Sie kaun als betriebssicher und 
zweckmäßig bezeichnet werden. 
Hebevorrichtungen zum Gebrauch bei Stralieiibahiiuiifäüeii. 
In jedem Motorwagen der Großen Berliner Straßenbahn und den 
damit in Verbindung stehenden Straßenbalinlietrieben, befinden sich in dem. 
neben dem Fahrschalter angebrachten und mit „W“ bezeichneten Werk 
zeugspind je 1 Winde mit zugehörigem Windenwinkel, 3 Unterlegklötze, 
eine Stichsäge und ein Abteilungsausschalterschlüssel. Außerdem befinden 
sich auf den Rettungswagen der Feuerwehr je eine Winde und zwei 
schwarze und zwei rote Windenwinkel. 
Für den Gebrauch werden die Winden so weit als möglich herunter 
geschraubt und soviel Unterlegklötze untergebaut, daß sich die mit dem 
Teller auf die Windenköpfe aufgelegten Windenwinkel bequem in die, an 
den Untergestellen deutlich sichtbaren Ausschnitte einlegen lassen. Zu be 
achten ist hierbei, daß die Winkel weit genug eingelegt werden, sodaß die 
an ihrem Ende befindlichen und nach oben umgebogenen Spitzen an den 
Trägern der Untergestelle ein Widerlager finden. 
An einigen Wagen können die Winkel auch an den Achslagern an 
gesetzt werden. Dies Verfahren ist aber nur anwendbar, wenn in der 
untern Fläche des Achslagers sich eine, mit der Hand deutlich fühlbare 
und ziemlich tiefe Rille befindet, in die die Spitzen des Winkels dergestalt 
eingreifen können, daß ein Abrutschen unmöglich ist. Da aber beim An 
winden des Wagens ein Bruch des Lagers nicht ausgeschlossen ist, darf 
das Lager als Angriffspunkt für die Winde nur mit äußerster Vorsicht 
und nur in Notfällen, d. h. dann benutzt werden, wenn die übrigen für 
die Winkel bestimmten Einschnitte nach der Lage des Verunglückten nicht 
benutzt werden können. 
An den Wagen mit Untergestellen aus Winkeleisen kann der Winden 
winkel an beliebiger Stelle angesetzt werden. 
Nach Möglichkeit soll das Anheben eines Wagens durch 2 Winden 
dergestalt erfolgen, daß je 1 Winde auf jeder Längsseite des Wagens an 
greift. Die zweite Winde nebst Zubehör ist dem nächsten an der Unfall 
stelle ankommenden Wagen üu entnehmen. 
Ausschnitte in Theaterdekorationen. 
Au Stelle der bisher üblichen runden Gucklöcher von 3 bis 4 cm 
Durchmesser wurden mit Gaze überspannte Ausschnitte von etwa 5 cm 
Breite und 17 cm Länge so in den Dekorationen angebracht, daß die Mitte 
des länglichen Ausschnittes l,eo m über dem Bühnenfußboden liegt. 
Der zwischen 1,66 und 1.80 m schwankenden Körpergröße der Feuer 
wehrmannschaften ist durch diese Anordnung Rechnung getragen worden 
die Posten können jetzt in bequemer Stellung durch die neuen Gucklöcher 
die Bühne weit besser übersehen. 
Durch eine Klappe, die oberhalb oder seitlich des Ausschnittes an 
gesetzt ist und durch einen Schieber nach Bedarf festgehalten wird, kann 
das Guckloch, falls es nicht benutzt wird, verdeckt werden, um das Durch 
scheinen eines dahinter aufgestellten Lichtes nach der offenen Szene zu 
verhindern, 
Tätigkeit der Kommissionen. 
Die Einrichtung, aus dem Offizierkorps ständige Kommissionen für 
die Bearbeitung bestimmter Angelegenheiten einzusetzen, hat sich auch 
weiterhin ausgezeichnet bewährt. 
Der Geschäftsbereich und die Besetzung der Kommissionen für das 
Jahr 1909/1910 sind folgende:
	        
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